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Central-Verein-Zeitung · 1923-01-25 · 4 (25.1.1923) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
4 (25.1.1923)
Date
1923-01-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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30 Die politischen Verwandlungskünstler aus der literarischen Sphäre, die Herren Hans und Ernst v. Wolzogen, denen hier noch einige Worte gewidmet sein sollen, haben freilich Anspruch auf eine etwas mildere Beurteilung. Ihnen ist einfach ihr überschaumendes Temperament durchgegangen. das weder der Bapr-euther Wagner-Verehrer noch der ehemalige Ueberbrettl-Baron jemals zu zügeln verstanden haben. Und dann erfordert auch die Gerechtigkeit festzustellen, daß sie beide niemals einseitig in ihrer Kritik gewesen sind. Sie haben auch niemals auf Kommando der Zeitstromung, wie so viele andere literarische Poloniusse. hintereinander „eine Wolke für ein Kamel, für ein Wiesel, für einen Walfisch" angesehen. Richtig ist freilich, daß die anfangs noch vergleichsweise gemäßigte Abneigung des Verfassers des „Kraftmaher" gegen die Juden, die noch dazu durch gelegentliche Anwandlungen von objektiveren Auffassungen gemildert wurde, in letzter Zeit allerdings ins Krastmeiersche übergeschlagen ist. So, wenn er Ln seinem Aufsatz „Engländer" „feine sich bis zum physischen Ekel st e r g e r n d e A b n e i g u n g gegen das Judentum" dem gesamten deutschen Volk andichtet, oder in der 1918 erschienenen Flugschrift: „Harte Worte, die gesagt werden müssen", eine geradezu kindische Angst an den Tag legt, daß Deutschland in Zukunft „ein Lausoleum für die O st j u d e n" werde, daß „die deutsche Eiche sich über Nacht zur Cohnisere verwandeln" werde. Das ist freilich ein ganz anderer Wolzogen als der, der so tzuvsch aus den Aufzeichnungen eines seiner Ahnen über die volitisckmr literarischen Salons Wiener Jüdinnen (Arnstein, Eskeles und Ephraim) plaudern konnte, oder der feinen Standesgenossen, die der Förderung von Kunst und Literatur zum großen Teile kühl, wenn nicht femdselia Aegenüberstanden, das rege Interesse und oft auch das großzügige Mäcenatcntum der Juden für alle Zweige der Wissenschaft und Kunst als leuchtendes Vorbild vor Augen hielt. In einem freilich ist er sich) treu geblieben: Er ist nach wie vor ein unerbittlicher Bußprediger der Fehler und Unterlassungssünden seiner Standesgenossen und der Fürsten bis zur höchsten Spitze. In einer im Jahre 1920 im Hammer-Verlag erschienenen Flugschrift: „Offenes Sendschreiben an den christlichen Adel deutscher Nation" geißelt er den brutalen Egoismus des Junkertums mit Keulenschlägen, ihre Devise laut-e: „Er st komme i ch. dann meine Sippe, dann mein Stand, dann mein Volk, und da mache ich halt!" Ja, der grimmige Palide tobte auch gegen den letzten Träger der Kaiserkrone: „Wir, der Adel, trugen die Hauptschuld daran, daß das Verhängnis ungehindert seinen Lauf nahm . . . Gerade, um den monarchischen Gedanken zu stärken, wäre es vaterländische Pflicht gewesen, diesen obersten Führer des Volkes spätestens im November 1918 unschädlich zu machen." Sv revolutionäre Töne hat der sreiherrliche Barde noch in den letzten Jahren angeschlagen, freilich auch unter dem Einfluß einer starken. bis in die alldeutsch-antisemitischen Kreise reichenden erbitterten Stimmung gegen den letzten Träger der HohenZollerkrone. Mit Hans v. Wolzogen,, der nur einmal im Kriege in einem Begleitschreiben zu einem in der „Krenzzeitung" veröffentlichten Gedichte vom Standpunkte seiner alten alldeutschen Freunde bedenklich aus der Reihe tanzte, als er warnte vor den Leuten, die den Mund so voll nehmen und von „Zerschmetterung der Feinde und Teilung der Welt" reden, sieht auch der kraftmeiersche Ernst sein Vorb.ld offenbar in einem geschmeidigen -alten Grafen v. Northampton, der, wie Walter Scott ihn in seinem Roman „Lucia von Lammermovi" charakterisiert, seine Kunst, mit der er unter allen Staatsveründernngen von Heinrich VIII. bis auf Elisabeth standgehalten hatte, damit erklärte, daß er „von dem Weidenbaume und nicht von dem Eichenbaume herstamme". Daß auch Freiherr Bor ries v. Münchh ausen, der Verfasser d ex feinfühligen „jüdischen Ballade", deren Entstehung ein antisemitisches Blatt sich seinerzeit nicht anders erklären konnte, als daß „entweder in seinem Stammbaum oder in seinem Bankkonto" etwas nicht stimme, seine Knie vor dem Götzen Popularität gebeugt haben soll, kann man um seinetwillen nur herzlich bedauern. Ebenso wie man zu dem unerklärlichen Stimmungsumschwung von Gabriele Reuter, die noch vor drei Jahren in einem Beitrag zu einer Anthologie gegen den Nassen- und Glaubenshaß den Antisemitismus entrüstet abgelehnt hat als „ein Rezept aus Satans innerster Hölle, um ein fieberndes Volk vollends in Raserei zu versetzen", nur sagen kann: „Es tut mir in der Seele weh, daß ich dich in d e r Gesellschaft feh." Aeber die unentwegten Umlerner, die sich nie recht im klaren sind, welchen Standpunkt sie eigentlich eirmehmen, die oft drei- bis viermal um satteln und gelegentlich immer wieder zu ihrer alten Liebe zurückkehren und für die Ca r l h l e einst das treffende Wort „die Zurück ge schusterten" gefunden hat, steht das Urteil der Welt längst fest. Leute vom Schlage eines Rudolf Hans Bartsch, der sich unsterblich gemacht hat durch die Entdeckung, daß die schroffen norddeutschen Umgangsformen allein „dem deutschen Volke den Haß sämtlicher Völker der Erde zugezvgen haben, und daß diese allein schuld sind, daß jetzt so viel Blut fließt", oder des „Appelschnut"-Bavden Otto Ernst, der einst über E. M. Arndts „Deutomanie" spottete und sich jetzt selbst als Fahnenträger des unverfälschten Germanentums aufspielt, der 1913 sich unterfing, einen Denker vom Range eines Fr. Nietzsche in drei Vorträgen „vernichten" zu wollen, wahrscheinlich um das Zarathustra-Wort: „Nur wer sich wandelt, ist mir verwandt" recht sinnfällig zu verkörpern, können kaum noch ernst genommen werden. Sie haben sich selbst als Schriftsteller mit einer Drehbühne im Busen bei Leuten von Geschmack um jeglichen moralischen Kredit gebracht. Regelmässige Verbindung von Bremen über Southampton, Cherbourg nach New Tork durch die prachtvollen amerikanischen Regierungsdampfer NÄCHSTE ABFAHRTEN: America. 7. Febr, 11. April President Harding..14. Fehr. 21. März G-eoige Washington .. .21. Febr. 28. März President Roosevelt.28. Febr. 4. April Abfahrt vcn Southampton und Cherbourg 1 Tag später Verfangen Sie Prospekte utuf Segeffisten Nr. 293 UNITED STATES LINES BERLIN W8j Unt, d. Linden 1, BERLIN Invalidenstr. 93 und alle bedeutenden Reisebureaus General-Vertretung: Norddeutscher Lloyd, Bremen S 58a Backpulver S/NNERArG. 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