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Central-Verein-Zeitung · 1923-01-25 · 4 (25.1.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
4 (25.1.1923)
Date
1923-01-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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27 auf Deutschland infolge seiner geographischen Lagen ruhen, durch internationale Maßnahmen erleichtert werden müssen, daß besonders die Förderung der Au-swunderu'Ng in andere Lander und die Ansiodlung daselbst, ferner die Uebernahme der Staatenlosen durch dre östlichen Nachbarn Deutschlands im Wege von Staatsverträgen angestrebt werden muß. , . Cs bedarf eigentlich keiner Hervorhebung, daß Schiebern und Verbrechern jede Hilfe versagt wird, daß sie im Gegenteil als Schädlinge für Deutschland und die der Unterstützung würdigen arbeitswilligen Ostjuden auch von dem Arbeiierfürsorgeamt rücksichtslos verfolgt und den Behörden überantwortet werden. Anderseits kann die Tatsache nicht übersehen werden, daß eine schikanöse und bureaukratische Handhabung der Gesetzesbestimmungen über die Beschäftigung ausländischer Arbeiter viele ehrlich Arbeitenden aus ihren Stellen verjagt und ihnen die produktive Beschäftigung erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Sie werden hierdurch gegen ihren Willen genötigt, sich einer unproduktiven Arbeit zuzuwenden, um ihr Leben zu fristen. Ein Zustand, bei dem den arbeitswilligen Ausländern der Aufenthalt schwerer' gemacht wird als Schiebern und Schacherern, erfordert ,zweifellos eine baldige Aenderung. Die hier dargelegten Grundsätze über die Ziele des Arbeitersürsorgeamtes und die Art seiner Wirksamkeit strw in einem' Beschlüße des Hauptvorstandes des C. V. erneut gebilligt worden. Gegenstand der Fürsorge des Arbeiterfürsorgeamtes sind diejenigen Ostjuden, die ohne Paß über die Grenze gekommen find und über" die das Amt, kraft der ihm übertragenen Befugnisse, die Kontrolle zu üben in der Lage ist. Das ist Me große Masse. Die Mißstimmung der letzten Zeit richtet sich mit besonderer Lebhaftigkeit aber gegen diejenigen Ausländer, die. mit ordnungsmäßigen Pässen versehen, nach Deutschland kommen -und hier Geschäfte treiben. Auch hier ist die rein gefühlsmäßige Reaktion auf eine unangenehme Erscheinung eine schlechte Beraterin. Auch hier trübt die oberflächliche Betrachtung, die lediglich die Symptome ins Auge saßt, aber den tieferen Ursachen nicht machge'ht, das gesunde Urteil. Ausländer aller Art halten sich zu Hunderttausenden in Deutschland aus. Deutschland, das in dem gegenwärtigen Zustande wirtschaftlicher Schwäche aus internationale Beziehungen angewiesen ist, kann diejenigen Ausländer nicht entbehren, die in einer volkswirtschaftlich berechtigten Tätigkeit die Verbindungen mit dem Auslande anknüpsen und ausrechterh-alten. Dies gilt in besonderem Maße für den Osten. Unter diesen Ausländern befindet sich auch eine Reihe von Juden, die aus dem Osten stammen, Großkausleute und Handelsherren, deren Anwesenheit dem deutschen Reiche und Volke von hohem Nutzen ist. Andere Ausländer fonimen in großen Scharen nach Deutschland, um sich aus dem Valutaelend Vorteile zu verschaffen. Auch unter ihnen befinden sich natürlich Juden und vielfach Ostjuden. Solange die wirtschaftlichen Ursachen für das Eindringen von Ausländern fortbestehen, und solange fremde Staatsangehörige von den deutschen Auslandsvertretungen die Einreiseerlaubnis erhalten, ist kaum eine Aenderung zu erwarten. Unter diesen Ausländern gibt es lautere und unlautere Elemente, mögen sie Christen, Juden oder Muselmänner sein. Wenn sich die öffentliche Meinung aber gegen die Ostjuden wendet, nur weil sie Juden sind, andere Ausländer aber milder beurteilt, so ist dies ungerecht. Es ist gewiß bedauerlich, daß-die jüdischen Ausländer aus dem Osten durch ihr Gebühren und durch ihre rückständige Zivilisation unangenehm aufsallen. Es ist be-' gveiflich, daß die hochkultivierten deutschen Juden dies als besonders lästig. empfinden. Braucht es aber erst gesagt zu werden, daß Menschen, denen es an westeuropäischer ZivilbsaLon gebricht, von unanfechtbarem Charakter sein können, und daß hinter der Maske von Gentlemen von untadeliger äußerer . Haltung imb Erscheinung oft genug Verbrecher und Schieber einhergehen? Gibt es Mittel, um schädliche Betätigungen der Ausländer zu bekämpfen, so sollen diese Mittel rücksichtslos gegen alle Ausländer augewendet werden, gegen die Juden mcht minder wie gegen andere. Der deutsche Jude soll sich aber — aus Sorge für seine eigene Stellung — nicht dazu verleiten lassen, ein Haßempfinden zu billigen oder gar'zu teilen, das gegen den jüdischen Ausländer nur deshalb gerichtet ist, weil seine äußere Erscheinung ihn als Jude kennzeichnet. Wer so denkt, schneidet sich ins eigene Fleisch. Er« sollte nicht vergessen, daß es das charakteristischste"Merkmal des Antchemitismus ist, Fehler und Untugenden einzelner der Gesamtheit zur Last zu legen und ^gewisse Aeußerlichkeiten dazu zu benutzen, um die — solchen Dingen leicht zugängliche — urteilslose Menge gegen die jüdische Gemeinschaft aufzupeitschen. Ein trauriges Beispiel solch verwerflichen jüdischen Antisemitismus bietet -der auch in seiner Geschmacklosigkeit widerliche Artikel in der „Kölnischen Zeitung" vom 18. Dezenkber 1922, dessen Verfasser I. Hob recht sich ausdrücklich als Mitgl'ie-d des Verbandes nationäldeutscher Juden bezeichnet und der hierdurch den hoffentlich falschen Eindruck erweckt, daß es sich um ei^e maßgebende Stellungnahme dieses Verbandes handelt. Es darf erwartet werden, daß die besonnenen Mitglieder des Verbandes nationäldeutscher Juden sich nidC]tfc nur, ebenso wie die Gesamtheit! der denlschen Juden, von Aeußerungen dieser Art abwenden, sondern bei dieser. (Megen!)eit auch erkennen werden, welch üble Folgen eine chauvinistische, den Völkischen abgelernte Einstellung der deutschen Juden und tim unwürdige Anbiederung an den Gegner zeitigt. Erörterungen dieser Art, sind müßiges Gerede, das nur Den Haß sät, ohne die Mittel auszuzeigen, die man auwenden kann, um sich von den wahren Schädlingen zu befreien. Unsere Waffe ist das Recht. In unserem armen, niedergebrochenen VaLerlande ist es die einzige wirksame Wehr. Wir verlangen Gerechtigkeit und wollen sie auch üben. Gerechtigkeit muh die Grundlage bilden für Urteil und Empfinden des deutschen Volkes in der Ostjndensrage. Der Schutz- und Trutzbunö vor öem Staatsgerichtshof. Vor dem StaaLsgerichtshof zu Leipzig fand am 18. und 19. Januar die Verhandlung über die Beschwerde gegen den Deutschvölkischen Schutz - und Trutzbunö statt, der bekanntlich am 5. Juli v. I. lvegen seiner verhetzenden antise-mitischen Betätigung verboten worden war. Am 1. August v. I. bestätigte der Staatsgerichtshof das Verbot mit der Begründung, daß der Schutz- und Trutzbund es sich zur Ausgabe gernacht habe, die von dem indischen Teil der deutschen Bevölkerung angeblich drohende Gefahr mit allen Mitteln zu bekämpfen. Es sei gerichtsnotorisch. daß sich die Satzungen des Bundes gegen jüdische Reichs an gehörige im Staatswesen richten und daß von dem Bunde eine systematische Hetze gegen den jüdischen Teil der Bevölkerung betrieben werde. Ferner, daß die Mörder Rathenaus aus Kreisen des Bundes hervorgingen. die sich die Bedrohung der jüdischen Oberleiter zur Ausgabe gemacht haben. Nachdem aus Grund dieser Entscheidung verschiedene andere Ortsgruppen des Bundes dem Verbote anheimfielen, erhob der Hauptgeschästssührer des Bundes. Alfred Roth, gegen diese neuen Verbote Beschwerde. Er erklärte nun vor dem Staatsgerichtshof. daß die Regierungen nur auf Grund falscher Informationen gegen den Bund vorgegangen seien. Der „C e n t r a l - V e r e i n d e u t s ch e r S t a a t s b ü r g e r j ü d i s ch e n Glaubens" verfüge über besondere Bureaus, um Material gegen die D e u t s ch v ö l k i s ch e n zu f a m me l n. Die Berichts würden von der Judenschaft in unerhörter Weise ausgenützt. Die Beherrschung des öffentlichen Lebens durch die Juden sei unmittelbar nach der Revolution kraß in die Erscheinung getreten. Dagegen vorzugehen sei eine natürliche Folge deutschen Empfindens. Am Freitag. 19. d. M., 7 Ilhr abends, verkündete Dr. Schmidt das Urteil. Es lautet, daß das Verbot des Polizeiamtes Leipzig geigen den Leipziger Verein aufgehoben wird. Die Beschwerden der anderen Gruppen des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes werden verworfen. Wir kommen auf dieses Urteil noch zurück. Eine Abrechnung mit Herrn ßetz. Die Bremerhavener Presse aller Richtungen bringt spaltenlange Berichte über eine Riesenvolksversammlung im größten Saale Bremerhavens, die, vom Central-Berein deutscher Staatsbürger j ü d i s ch e n Glaubens e i n b e r it f e n , eine gewaltige Kundgebung gegen die pogromhetzerische Tätigkeit des Ahlwardt der Wasserkante, deS Herrn Schulvorstehers Fetz (Bremerhaven) bedeutete. Vor einer vieltausendköpfigen', den großen Volksgartensaal bis in den letzten Winkel füllenden Menschenmenge sprach Artur Schweriner (Berlin) vom Central-Verein über „Die Wahrheit üex die antisemitische Hetze." Der Redner kam. während seiner Ausführungen vielfach von demonstrativem Beifall begleitet, zu dem Schluß, es sei eine Schande für die deutsche Republik, daß sie einen in seiner Judenfeindschast gemeingefährlichen Lehrer und Erzieher noch an seinem Platze lasse. Als erster Diskussionsredner meldete sich Herr Fetz in der sofort erkennbaren Absicht, nicht zu sprechen, sondern durch Forderung unbeschränkter Redefreiheit — es hatten sich neun Diskussionsredner gemeldet — die Versammlung zu sprengen. Ms ihm 30 Minuten nicht genügten, mußte der tapfere Herr unter stürmischen. Rufen: „Feigling!" „Kneifer!" abziehen. Die Aussprache, an der u. a. auch Pastor Fel den und Rabbiner Dr. R o s e n a ck (Bremen) teilnahmen. dauerte bis Mitternacht. In einer Gegenvers a m m l u n g des Hern Fetz: „Die deutsche Wahrheit über die antisemitische Hetze" ging es sehr stürmisch her. Nach Presseberichten gelang es Dr. Rosenack (Bremen) in glänzender Rede das ganze Material der Antisemiten wie ein- Kartenhaus zusammen stürzen 31t lassen und so Herrn Fetz eine zweite Niederlage zu bereiten. Deutsihvvlkisihe Mchrun-»p»litik. Na ch d er Methode Dje ma 1 Paschas. Nach der Ermordung des türkischen Ministers Djemal Pascha veröffentlichte Christian Bouchholtz einen Aussatz ..Der Herr über Himmel und Hölle", indem sich folgende Ausführungen befanden: „Damals, mitten im Krieg, spukte längst schon unser Dalutagespenst in der heiligen Stadt herum. Es wurde wild spekuliert. Ein Goldpfund war bald sieben, -bald siebzehn Papierpsund wert. Djemal hatte keine Angst vor dem Valütagespe-nst. Er ließ einfach folgendes verkünden: „Wenn bis morgen nicht das Papiergeld Goldkurs bat. werden zehn Bürger Jerusalems ausgewiesen. Wenn in drei Tagen das Papierpsund nicht so viel gilt, wie das Goldpsund. werden fünfzig. Bürger .ausgewiesen. Wenn es in einer Woche nicht so viel gilt, lverden drei Großkausleute gehenkt." lind wirklich, das Valütagespenst erschrak und zog sich zurück. Doch nur solange, wie T-jemal in Jerusalem war. Kaum drehte er den Rücken..." Das war natürlich Wasser aus die Mühle der deutschvölkischen Blätter. Die „Deutsche Zeitung" feierte diese Methode des Hängens der Valutatreiber in den höchsten Tönen und ließ deutlich durchblicken. daß dieS das einzige Mittel sei, um solche nichtarischenVvlksb e d r ü ck e r z u r 23 <e t n it n 11 z u bringe n. Nun hat dies weder der — keineswegs deutschvölkische — Verfasser dieses Aussatzes gemeint, noch ist es richtig, daß die Valutatreiber in Jerusalem ausschließlich oder vorzugsweise Juden sind. Ueberdies aber beweist in der letzten Nummer der „Mitteilungen des Bundes der Afienkämpfer", Dr. Fritz G r o b b a, der während des Krieges cm Jerusalemer Generalkonsulat tätig war und die wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas genau kennt, daß wesentliche Angaben Bouchholtz' unrichtig seien. Dr. Grobba sagt: „Ein Goldpsund hat in Jerusalem nie 14 Papierpfunde gegolten, sondern in der Regel 3% bis 6, und nur beim Falle Jerusalems, als Djemal Pascha längst in Konstantinopel war, vorübergehend 8 bis 10 Papierpsunde. Die Frist, die Djemal Pascha in feiner bekannten Verordnung zur Stabilisierung des Papierpsundes bestimmte, liefnicht von einem Tag zum anderen, sondern betrug sechs Wochen. In dieser Verordnung war auch nicht angedroht, daß Großkausleute gehenkt werden sollten. Eine Besserung ist durch diese Verordnung nur für die D a u e r -eines T -a g e s eingetreten. ..." Wir haben wieder einmal eine einzelne Behauptung Deutschvölkischer ins rechte Licht gesetzt weil man daraus lernt, welche Glaubwürdigkeit die Angaben ihrer Presse verdienen — was niemanden überraschen kann, der diese Presse und das Verantwortungsgefühl ihrer Leiter kennt. — Daß wir die jüdischen Valutatreiber ebenso verurteilen wie die christliche, muß wohl nicht betont werden.

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