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Central-Verein-Zeitung · 1923-01-11 · 2 (11.1.1923) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
2 (11.1.1923)
Date
1923-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Wer ist schuld au Not und Elend? Unter diesem Titel erschien soeben im Verlage -des VeztrksverL-andes der Vereintaten Sozm-Ldemokratischen Partei Deutschlands, Berlimeine sehr lesenswerte Schrift von Paul K<a m i> f f m e her. der Juir folgende (Stetten entnehmen: „Unter der Wucht der schweren Prügel, die setzt ans den Magen der Arbeiter- und Mittelklassenniedersausen, suchen hellte Millionen deutscher Volksgenossen na-ch den verantwortlichen-, an ihrer Notlage schuldigen Elementen. Eine gewissenlose Demagogie ist da auch so-f-ort zur Stelle, um mit überschriener Stinrnle auf das „indische Kapital" zu weisen. Das Kapital ist weder jüdisch beschnitten-, noch christlich getauft, es ist weder mit semitischen noch mit arischen Körpermerkmalen ausgerüstet, es ist eine eigenartige unpersönliche Einrichtung der modernen Volkswirtschaft. . . Europa ist armgeworden. Es hat sich arm gemordet und arm ges chosse n. Deutschland hat den Krieg verloren. Der uns ausgezwu-ngene Friedensvertrag von Versailles nahm lins wertvollen, mit natürlichen R-eichtumsg nellen gesegneten Besitz -hn Westen und Osten. ertragreiche Erz-, Mineral- und Kohlenlager und lebensnotwendige landwirtschastliche P rvd ukt io ns statte n, beraubte uns um. Millionen schaffender Köpfe ilnd Hände, verleibte unsere besten Handelsschiffe der seindlichen Handelsflotte ein rmd überbürdete uns mit schier unerträglichen Reparationslasten. Wer die Ursachen rmserer Verelendrlng seststellen will, der muß die Geschichte der letzten Jahrzehnte des imperialistischen Deutschlands klar vor Augen haben, vor allem die furchtbare Tragödie Deutschlands in und nach dem Weltkriege. D -a n n -aber wird er d e n d -e u t sch - völkischen- S ch io i n d e l v o n der Alle >i n s ch rr l d „I u d a s " a n de m w i r t s ch a f t Ti ch e n 3 u f >a m m e n b r u ch it n d an der Verarmung Deutsch Lands als eine gemeingefährliche I r r e s ü h r r: n g zmn Zweck einer v e r b r e ch e r i s ch e n V o l t s v e r - Setzung -entla!vven können. Diese Verhetzung geschieht mit der bewußten Absicht, den moralischen Schuldspruch des -deutschen Volkes über die wirklich Verantwortlichen aus unbeteiligte Volksgenossen abtzulenken, mit dem Ziele, die Gewaltherrschaft dieser „Schuldigen" wieder -einzuführen. Ein nur zu bekanntes demagogisches Manöver! Sowollte der General Schulenburg kurz vor dem völligen Zusammenbruch des Heeres das gerechte Votksurstil vorn Haupte des schuldbeladenen großsprecherischen Gottesgnadem-.vnarchen durch eine schamlose Verlemndung der Judenabhalten und die Mtlitärmonarchie retten. Er schlug nämlich dein Kaiser als letzte Rettung vor: „E s wird v e r b r e i t e t, d i e I u d e n h ä t t e n das Land dem Feinde verkauft, man wird Majestät zuju-bieln und über der R-ache an den Verrätern vergessen, daß man an Revolution dachte. Inzwischen eilenwir nach Berlin und schassen Ordnung." Aus der verzwe i selten Notlage des deutschen Volkes wollten die Giftgassabrikanten der deutschvolkischen Presse in gewissenloser Weise Kapital für -ihre verbrecherischen Ziele schlageil. Wer die grauenvollen russischen Pogrome mit ihren Massenplüuderungen kaufmännischer Geschäfte kennt, weiß, welche w-ohlstandverwüstenden Folgen die hemmungslose Entfesselung eines tollwütigen Rassenhasses haben kann. Soll sich denn daß Meer des Elends noch mehr verbreitern und Verl; tiefen?" Leonhard Ragaz, Judentum und Christentum, ein Word zur Verständigung. (Rotapsek-V-erlag, Zürich, München lind Leipzig. 1922.) Töe b-eachtensloerte Schrift gibt einen Vortrag wieder, den der Verfasser in Zürich in, der „Vereinigung für soziale und kulturelle Arbeit im Judentum" hielt. Er sieht trotz der -abweichenden Stellung zum Messias- und Erlösungsgedanken Chri-stentuur rind Judentum unter sich eng verbunden: im entscheidenden Gegensatz zum Heidentum, das das Recht der Persönlichkeit leugnet. Mag seine Ausfassung von offiziellen Vertretern christlicher Kirchen in manchen Punkten ebenso bestritten werden wie von orthodoxen! Juden, so muß doch die verständnisvolle Art, in der er vom Judentum spricht, auch wenn er es bekämpft, inunserer Zeit lieblosen Aburteilens ho-ch anerkannt werden. Aus der Juden Hoffnung ans das kommende Reich Gottes leitet er es ab. daß sie im Kampf gegen die Gewaltherrschaft der Weltreiche stets vorn gestanden seien. Materialismus. Unruhe des Geistes und Gewaltsozi-alismus sind ihm Ausartungen dieses Dranges nach dem Reich Gottes. die ben Anteil der Juden am Bolschewismus erklären. Die einzige — beschränkte — Berechtigung des Antisemitismus sieht er darin, daß -das J uden tu in teilweise einem engen Nationalismus verfallen sei, und das. was es allen Völkern bringen lnüßte, nur für ein eigenes Staatswesen verwenden wolle — eine deutliche Ablehnung des politischen Zionismus, in bem er einen Abfall von- Gott zur Welt sieht. Alle jüdischen- Fragen lösen fiel» ihm in der reiligiösen. Don der Neubelebung der leidenschaftlich gläubigen Richtungdes Judentums im Sinn von Buber und Gustav Landauer erhofft er sich auch -eine Annäherung an ein -aus dogmatischer Erstarrung gelöstes Christentum. W. L. Otto Kernholt, Vom Ghetto zur Macht. Die Geschichte des Aufstiegs der Juden -ans deutschem Boden. (Leipzig und Berlin. Theodor Me-ichert. 1981). Die Darstellung der kulturellen und wirtschastlichen Enüoicktung der deutschen Juden, die man getrost einen Aufstieg wenn auch nicht zur Macht, nennen darf, wäre gewiß -eine reizvolle Ausgabe für den Soziologen wie für den Historiker. Voranssetzung müßte natürlich eine Distanz zu den Gesch-ehnissen sein, wie sie freilich angesichts eines inr- Zentrum des Kampfes und des Hasses stehenden Gegenstandes schwer aufzubringen ist. Der Verfasser dieser neuesten „Geschachte" der deutschen Juden hat diese Distanz gar nicht erstrebt, wie er mit erfreulicher Offenheit eingesteht: „Mein Urteil ist lediglich darnach gerichtet, ob die geschichtlich feststehenden Tatsachen meinem Volke genützt oder geschadet haben." Das -ist die natürliche Einstellung für eine Tendenzschrift, nicht aber für Geschichtsschreibung. Darum ist das Ergebnis auch nichts anderes als eine Karikatur. Und was die „feststehenden Tatsachen" anbetrifft, so ist ein- „Beweismaterial", das aus den längst als pathologisch erkannten Schriften von Drebitsck („dem jüdischen Denker"). Wilhelm Meister. - Weininger unddem Semi- Kürschner das just Passende zusammensucht, wahrhaftignicht zuverlässig. Anderseits soll nicht verschwiegen werden, d-a-ß das Buch sich in mancher Hinsicht nicht unwesentlich über da-s Niveau der herkömmlichen deutschvölkischen „Ju-denschriften" erhebt. Der Tonist sachlicher und würdiger, das Bestreben, unnütze Herausforderung-en zu vermeiden, ist unverkennbar. Ein deutschvölkischer Schrist- Durch die in letzter Zeit eingetretene Erhöhung der Herstellungskosten sieht sich der Verband der Mazzosbäckereierr Dentschlands veranlaßt, die Breise für Mazzos zu erhöhen. Demzufolge werden bis aus weiteres kosten: Mazzos in 5« und lo-Pfund-Rollen M. 550,— je M Mazzos in i-pfund-Haketen.IN. 560,— je Pfö. gemahlene Mazzos.M. 525,— je pfo. treibauil der HAaz zosbäckereies Düulsctilands E. V. fiS“ Aus allen Brauchen stehen stellenlose Kameraden zur Verfügung und bitten daher die Herren Arbeitgeber, reichlich von der Stellenvermittlung Gebrauch machen zu wollen. Geschüftsleituug; Kamerad Felix- Bauch witz, Berlin NO 18, Friedenstr. 60,1. Le!.: Amt Königstadt (1117). 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