Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 2 (11.1.1923)
- Date
- 1923-01-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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«ttt XI Auerbach und Reller. Von S. Meisels (Wien). Heute, mehr als dreißig Jahre nach seinem Tode, ist Gottfried Keller Genreingut des deutschen Volkes. Aber bei Lebzeiten hatte der Schweizer Dichter, der die Heimatkunst Zur höchsten Vollendung und dadurch zur Höhe des Allgemein-Gültigen brachte, bei seinen deutschen Volksgenossen nicht sonderlich viel Verständnis gesunden. Es scheint ein Schicksalsgesetz bei deutschen Dichtern zu sein, daß sie immer eine Zeitlang verkannt sein müssen, ehe sie erkannt und anerkannt werden. Auch bei Gottfried Keller hat es vieler Jahre, Jahre des Neifwerdens für seine Kunst, bedurft, bis er in das Verständnis der Deutschen eingegangen war und sich die verdiente Liebe und Bewunderung erwarb. Gottfried Keller hatte bereits die „Züricher Novellen" und „Die Leute von Seldwhla" veröffentlicht, aber klein blieb immer noch die Gemeinde, die dem Dichter Gefolgschaft leistete; allerdings war es eine sehr achtbare Gemeinde und ihre Gefolgschaft war eine aufrichtig treue. Zu dieser kleinen. Keller-Gemeinde gehörte damals mit an erster Stelle der Verfasser der „Schwarzwälder Dorfgeschichten", Berthold Auerbach. Selbst ein bedeutender Heimatkünstler, der „lange vor dem Aufkommen des Schlagwortes Heimatkunst die Pflege des örtlich umgrenzten Volkslebens gepredigt" hatte, erkannte Berthold Auerbach — viel früher als andere — in Gottfried Keller den kommenden Meister. Und als ein Mann, der bei allem Ehrgeiz und zuweilen sogar Eigendünkel nie dem Genie seine Huldigung versagte, begann er tapfer die Werbetrommel für Gottfried Keller zu rühren. Als das köstliche Buch „Die Leute von Seldwhla" erschien, schrieb er die (für das damalige Verhältnis des deutschen Lesepublikums zum großen Schweizer-deutschen Dichter bezeichnenden) Worte: „Es ist ein Elend und eine Schande, daß ein solcher voller Poet, der mehr ist als wir Wtlebenden alle, nicht mit Begeisterung ausgenommen und hochgehalten ist." Das Buch selbst nennt er „ein helles Sommerbuch, wohl geeignet, in grüner Laube an heiteren Sornmertagen gelesen zu werden". Wie man auch über 'Auerbachs schriftstellerischen Ehrgeiz, der gar oft die Grenzen des Zulässigen überschritt, denken mag/ eines wird man ihm zugestehen müssen: er hat, frei von jeder Mißgunst und jedem Künstlerneid, jedes neu auftauchende Talent freudig begrüßt, es nach Gebühr gewürdigt, und „mit heller', nie getäuschter Entdeckerfreude in manchem namenlosen Werdenden den kommenden Meister" erkannt. In seinem wundervollen, nicht allein mit großer Sachkenntnis, sondern auch mit wahrer Pietät geschriebenen Buche: „Berthold Auerbach. Der Mann — sein Werk — sein Nachlaß" veröffentlicht Anton Bektelheim aus dem Briefwechsel Auerbach,s^. mit Gottfried Keller einige Stellen, die das Verhältnis des Verfassers der „Schwarzwälder Dorfgeschichten" zu dem großen Schweizer Dichter sehr gut beleuchten. Am 22. Februar 1860 geht Auerbach Keller um einen Beitrag für den von ihm heraus gegebenen Volkskalender an; er möchte eine Schilderung der Schweizer Knabenmanöver oder „Des Schweizers Heimkehr" haben. Umfang zwei- Bogen. Honorar 50 Taler. Am 19. Mail 1860 schreibt Auerbach aus Schandau: „Ich -werde leider von Ihren früheren- Erlaubnis Gebrauch machen muffen, einiges in Ihrer Erzählung zu kürzen. Es wird mir schwer, denn mir ist jedes Wort recht und nötig, aber es muß sein." Fortan will er Keller als! „Jährling" in seinem Kalender haben, schickt ihm hundert und fünfzig Taler und klagt darüber, daß feine dringenden Mahnungen um neue Kalendergeschichten erfolglos bleiben. „O wie lange muß man Durst leiden," so schreibt er 1862 an Keller, „bis aus dem so weiten Keller der frische Trunk kommt. Ich warte geduldig, aber endlich klopse -ich doch auf den Tisch! Wirtshaus! Einschenken! Der Zug geht bald ab. Geschieht Ihnen ganz recht, daß man solche Witze auf Ihren Namen macht. Warum lassen Sie so lange warten? Die trockene Zunge wird leicht bitter." 1864 schickt ihm Keller die Erzählung „Der Wahl-- tag". Auerbach läßt die kleine Geschichte in seinem Kalender illustrieren. Auerbach hat dem jüngeren und stärkeren Parnaßgenossen überall, wo sich ihm die Gelegenheit dazu bot, neidlos sein Lob gesungen; es ist dem Freund und späteren Duzbruder (im Jahre 1865 schlossen Auerbach und Keller Brüderschaft) stetsein treuer Berater und, wenn nötig, auch ein Wegweiser gewesen. Als er seinen „Volkskalender"' gründet, beeilt er sich Kieller.zur Mitarbeit einzuladen (in Auerbachs „Volkskalender" ist Kellers später in die Züricher Novelleuaufgenommene Erzählung „Das Fähnlein der sieben Aufrechten" erschienen; der Titel stammt von Auerbach). Unermüdlich spornt er den Freund zu schriststellerischem Schassen an. Kellersche Manuskripte prüft er mit einer Sorgfalt und Gewissenhastigkeit, die seine Ehrfurcht vor allem Hohen, Schönen, Künstlerisch-Geistigen bezeugen. Er weiß: bei einem genialen Schriftsteller wie Gottfried Keller gilt das Kleine wie das Große ebensoviel; selbst aus die Kellersche Inter- Punktion richtet er sein Augenmerk. Alles ist ihm bei Keller wertvoll genug, daß er sich darin versenkt, alle Schönheit und Feinheiten auskostet und sie auch anderen vermittelt. — Wenn Keller einmal, freilich spöttelnd-scherzend, sich selbst als „Auerbachs Keller" bezeichnet, liegt gewiß ein Körnchen Wahrheit darin. Berthold Auerbach ist Gottfried Keller ein Wegbereiter in deutschen Landen gewesen-und hat zur Vergrößerung der Keller-Gemeinde nach Kräften beigetragen. Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf ftEosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands ©erlitt SW 19, Jerusalemer Straße 46-49 ✓ Breslau / Chemnitz / Cöln a. Nh. / Dresden / Düsseldorf / Erfurt ✓ Frankfurt a. M. / Lalle iSaalel Hamburg / Hannover / Leipzig / Magdeburg / Mannheim ✓ München / Nürnberg / Stuttgart / Prag / Wien ✓ Warschau ✓ Basel / Zürich änfcos staatt ba;r-M‘ Bielefelder Sffinnfalirik, Bielefeld 1 Gehr. Meyerfeld Gegründet 1850 Regenschirme Export 1 Me^en Su Co. | Silberne Kultusgegenstänöe . lt * für Haus uns Sgnagoge * l| || Berlin &, Seöastianstraße so || i. tiu mnum t um im iiiiimi tin im um mit n m im in iin im.i mi t ni~» Oaä erfolgreichste Heilmittel für ireih Harn- und masenlieft. Erhältlich in Apotheken und Drogerien. Rinderfanatonum Zell-Ebenhausen 700 Meter hoch Isartal b. München Herbst-und Winterkur en. Unterricht in allen Schulfächern. Dr. Erich Benjamin Privatdozeut für Kinderheilkunde. finden durch die eine sehr zweckmäßige Verbreitung. MAX MARCUS NACHF BANKGESCHÄFT POTSDAM Gegründet 1872. iiitiiiiiuitiiiiiniti3iiiiitiiiiini]miiimiim[)iiumuiiiiimiiiiiiiiiJiii]iiiiijjiijjjiiiiiiiifi,iiii„ji!ii„II|il|UIU|It Fernsprecher: Potsdam2292-2296. Telegrammadresse: Marcusbank. Auf Grund des amtlichen Stenogramms bearbeitet von KARL BRAMMER Verlag für Sozialwissenschaft G. m. b.H. Preis brosch. M. 300,— , « | Religion Von LEO BAECK Preis brosch. M. 200,— Man verlange unsere neue Preisliste Philo Verlag mfl OachhaniM ü.m.b.B., Berlin SW68,'' *... ' . 13. 187