Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 2 (11.1.1923)
- Date
- 1923-01-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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14 st-eller. der feinen Lesernnicht nur Lreitschke und Bartels, sondern auch Gr ätz. Dn'tmow und- Erichs Schnridt -als Lektüre über Heine empfiehlt. der eine o-r-ganisierte jüdische Weltverschwörrmg als nicht erwiesen hinzu stellen wagt. ja. der nicht einmal die „Weisel: von Zion" erwähnt, ist' ja beute bereits ein weißer Rabe. H. Stern (Berlin). „Streiter der Wahrheit, enthaupte die Lüge!" Wir können uns diesem Imperativ nur anschließen: Streiter der Wahrheit, enthaupte die Lüge, der die nationalsoziialist-ische Partei, der „Völkische. Beo>b»achter" und die „Hitler-Schuldscheine" ihr Leben verdanken — das sich schwerlich bis zum NuckZ-ahltermin von 1940 erstrecken wird. , Psalmen. Eine Einführung von Dr. M. Spanier. (Berlin. C. A. Schwetschke u. Sohn.) — Es gibt Zahlreiche ..Erklärungen" der Psalmen, die mit mehr oder weniger Erfolg ihr Verständnis zu vermitteln suchen. Genügt dies aber, um auch 311 ihrem .Genüsse a mul eiten? Nein, die wenigsten finden den Weg in das Innere einer Dichtung, die mit ihrer Gedanken- und Gefühlswelt von der unserigen durch Jahrtausende getrennt ist. Ein kundiger Führer vermag aber nur eine dem Dichter und Künstler kongeniale Natur zu sein, und hier ist Spanier der Berufensten einer. Alle wissen es und haben es an sich erfahren, die seine seinsinnigen Bücher über Hans Thoma. Gustav Falke. Walter v. d. .Vogelweide kennen. Ihnen gesellt sich ebenbürtig sein neues Buch über die Psalmen zu. Zn ihm greife, wer die Psalmen genießen lernen will. Bernhard Coblenz (Köln). Hitler-Hanknoten. So kann man die neuesten ..Notgeld"-Scheine nennen. Sie entstanden aus der Not des „Völkische::- Beobachters", dessen Unbildung und Skrupellosigkeit offenbar selbst seinen — diesbezüglich gewiß nicht empfindlichen — Lesern?>u arg wurde rind der deshalb dort Hilfe suchte und fand, wo diese und ähnliche -Qualitäten Tugenden sind: Im nati-onialsozialisttschen Lager Hitlers. Bares Geld gab es Zwar dort auch nicht — die reichlichen Zuwendungen Dr. Kuhlos und anderer bayerischer Industrieller werden Zweifellos von Wasienkäus-en ausaezehrt —aber man gab „Unverzinsliche Schuldscheine" Zur Deckung der Erwerbskosten heraus.- Ein solcher Schein über 10 Mark Nominalwert — der effektive Wert dürfte erheblich geringer anzusetzen sein — liegt uns vor und ist schon deshalb einiger Betrachtung wert, weil er ein neuer Beweis für die Bauernsängeret seiner Emissäre ist. Es heißt aus diesem Schuldschein u. a.: „Jeder Schein wird in der Zeit vom 19. Januar 1 92 5 bis 3um 19. Januar 1949 durch Los eingez-ogen. Dem Besitzer, der arischer A b sta in m u n g fe«i' n m u ß , wird der volle Betrag des Nennwertes ansbezahlt. Die zur Einlösung gelangenden Scheine werden mit ihren Nummern im „Völkischen Beobachter" bekamst gegeben." Dies alles ist mit kaum lesbar winziger Schrift verzeichnet, die allein zeigt, daß man dem Optimismus, der mit einer Lebensdauer der Hitler- Partei oder des „Völkischen Beobachters" bis zum Jahre 1949 (!) rechnet, keine große Werbekraft zutraut und die Aufmerksarnkeit der Leichtgläubige:: nicht allzusehr aus die Tatsache lenken will, daß diese Scheine in Wahrheit niemals e i 1: g e l ö st w e r d e n. Das hübsche Dokument. das nächstens gewiß als Rarität hohen Sammelwert beanspruchen darf, ist von einem HakenkreuZ-Mäander umrahmt und Zeigt links einen bainvarischen- Schlächtergesellen, der eben ein Medusenhaupt vom Rumps getrennt hat. Als Unterlage für diese Arbeit dient ihm das „Berliner Tageblatt" und die „Frankfurter Zeitung". Darunter die Ansforderung: Frau N. Koblenz. Sie wünschen, daß roiv den Verfasser des kürzlich' erschienenen Feuilletons „Deutsche Dichter der Gegenwart zum Judenhaß" auf Herbert Eülenbergs Roman „Auf halbem Wege" verweisen — er .müsse dann, wie Sie schreiben, seine Ansicht über diesen Dichter ganz gewaltig ändern. Wir glauben nicht, daß er dies tun würde, und wir sehen in Ihrer Aeußerungden Ausdruck jener leider -sehr verbreiteten Ueberemyfindlichkeit, die öffentliche Erörterungen jüdischer Charaktere oder jüdischer Qualitäten von vornherein als judenfemdlich ansieht und stets geneigt ist, in dem Wort „Jude" eine Beschimpfung zu erblicken (obwohl es die ehrenvolle Zugehörigkeit ZUM Volke der Bibel, der Psalmen, des Dekalogs bezeichnet). In der Hauptfigur seines neuen Romans schildert Eulenberg die Gestalt eines von allen Problemen der Gegenwart erfüllten Halbjuden, dem von mütterlicher Seite das leidige Erbteil selbstquälerischer Reflexion und bitterer, oft zynischer Skepsis zuteil wurde — aber er schildert ihn als geistigen Höhenmenschen von vornehmer Seelenkultur und Ethik, und kein Unbefangener kann auf den Gedanken verfallen, in dieser Gestalt etwa Judenfeindliches zu sehen, eine Gesinnung, die übrigens — wie sich reichlich Nachweisen läßt — Herbert Eulenberg durchaus fremd ist. A. M., Mm. Herzlichen Dank für die Zusendung der württembergischen Blätter, aus denen hervorgeht, in welch bedenklichem Maße die nationalsozialistische Bewegung von Bayern aus auch bei Ihnen Eingang gefunden hat. Die vortrefflichen Reden verschiedener Abgeordneter im württembergischen Landtag werden uns in unserem Abwehrkamps gute Dienste leisten. „Berliner Börserr-Zeitung." Ihre Entrüstung darüber, daß wir Sie jüngst antisemitischer Tendenzen beschuldigten-, erfüllt uns mit Genugtuung. Immerhin wollen wir auch an dieser Stelle gern darauf Hinweisen, daß Sie die -einer Korrespondenz entnommene böswillige antisemitische Notiz vom 19. Oktober später richtiggestellt haben. I. Röhmer, Nürnberg. Sie haben eine franrierte Antwortkarte der Firma E. E. Goldschmidt & Sohn, Berlin W 9, Köthener Straße 38, mit einem Hakenkreuz versehen zurückgesandt und dazu vermerkt: „Dieses Zeichen verbietet uns, mit Ihnen Geschäfte zu machen." Merkwürdig, daß Ihnen Ihr Anstandsgefühl nicht verbietet, sich die Briefmarken eines Inden anzueignen, um ihm Beleidigungen ins Hans zu senden. Wolzogen-Gedichl. Danke für die Einsendung — aber alle poetischen Absonderungen des Hitler-Barden wollen wir hier doch nicht wiedergeben. R. W., Breslau. Besten Dank für die Anerkennung, die Sie unserer Zeitungzollen, und für Ihre Spende. Leider kennen wir den erwähnten Roman nur dem Namennach. Liegt Ihnen an unserer Ansicht, so bitten wir um Zusendung. Los von kohle und Gas! Eine Kohle ist uns durch die Eutentemaßnahmen auf lange Zeit hinaus sehr knapp zubemessen. Es nutzt nichts, dagegen zu eifern, von Vergeltung und Unrecht zu schreien — wir ändern damit nicht das mindeste. Es heißt sich mit den Tatsachen abzufinden und den Schwierigkeiten erfolgreich zn begegnen. Wir müssen Haushalten mit dem, was unS geblieben ist. Schon der Krieg hat gelehrt, daß fleißig gepart so gut wie halb verdient ist. Auf vielen Gebie:en haben wir uns das auch zu eigen gemacht - mit der Kohle allein wüsten wir, als wäre sie in Hülle und Fülle da. Daß dieses nicht der Fall ist, weiß jedermann. Es muß überhaupt das Verfeuern blanker Stein¬ oder Braunkohle im Privathaushalte aufhören. Beide Brennstoffe liefern durch Verarbeitung sehr wichtige Produkte, die von großen Industriezweigen benötigt werden. Die Steinkohle gibt Gas für Brenn- und Kochzwecke, gibt die in der ganzen Welt berühmten Anilinfarben, gibt < Ammoniak, Teer und Pech. Die aus Braunkohle gewonnenen Paraffine sind das Lebenselement der Kerzen- und Wachs verarmet tungs-Indnstrie, und der dabei gewonnene Rückstand, der Grudekoks, ist der wichtige Brennstoff, aus den ich im Verlauf dieser Ausführungen noch genauer zu sprechen komme. Wir leben also, daß jedes Kilo blanker Braun¬ oder Steinkohle, das im Haushalt verbraucht wird. Raub an unserer Industrie ist. Wir müssen versuchen, in jeder Hinsicht vom Rohmaterialbezug aus dem Aus lande unabhängig zu werden. Die Valutapreise dafür lassen sich auf die Dauer nicht bezahlen. Und wir müssen mehr und mehr dazu kommen, eine wirtschaftliche Auswertungspolitik zu treiben, die auch die letzte Kalorie aus den Stoffen herausholt. Man rede nicht von geringen Mengen — viele Wenig ergeben ein Viel. Außerdem ist noch ein Wort über die Haushaltösen an sich zu sagen. Bei den üblichen Kachelöfen in Zimmer und Küche geht ein großer Teil der Heizwrrtung verloren. Zum Teil fliegt sie als Wärme zum Schornstein hinauszum Teil reißt der Luftstrom sie als unverbrannte Teilchen (Ruß) mit sich; zum Teil findet sie sich ungenutzt in der Asche. Nicht reine Kohle sollen wir verfeuern, sondern dre Rückstände ihrer industriellen Verwertung. In wissenschaftliche Betrachtung von Horst von Wehner. allererster, ja, in alleiniger Linie kommt der Grudekoks in Frage, das Schwelungsprodukt der Braunkohle. Er brennt nicht hellflarttmeud. sondern er verglüht langsam, entwickelt dabei eine gleichmäßige, beträchtliche Hitze und wird in den Herden mit KOKS patentierter Wellsiebseuerung restlos verbraucht. Die Entente beschlagnahmt ihn nicht; der Reichskohlenkommifsar hat seinen Bezug ganz freigegeben — im Gegensatz zur immer noch bewirtschafteten Kohle. Damit ist die Wichtigkeit der Grudekoksseuerung behördlich dokumentiert. Eine Materialknappheit ist hier ausgeschloffen. Und obendrein ist Grudekoks gegen Steinkohle und Gas billig und durch langiamen, ergiebigen Verbrennungsprozeß im Gebrauch äußerst sparsam. Das Brennmaterial hätten wir — wo wird es verfenert? Es gibt unter den Grudesystemen eines. das die anderen au Wirkung bei weitem übertrifst und eigentlich als Universalherd konkurrenzlos dasteht. Dieses ist der „Rieschel". oder ausführlicher „Rieschel-Patent-Grudeherd mit patentierter Wellsiebfeuerung". Eine sparsame Doppelseuerungeine Heizgassührung von unübertrefflicher Zweck- Hastigkeit, eine dreifach gesteigerte Ausnutzung jede, irgendwie gearteten und gerichteten Wärmeentwicklung, wie man sie sich vortrefflicher nicht vorftellen kann, vereinigen sich mit erstklassigem Material, praktischer, leichtfaßstcher Handhabung und geschmackvoller Ausstattung und ergeben ein höchstwertiges Erzeugnis deutscher Erfindungsgabe und Arbeitsleistung. Einmal angezündet, brennt der „Rieschel^ mit wenig Feuerung fast ohne alle Wartung Tag und Nacht, kann durch das Wellsieb dabei schon in wenigen Minuten Backhitze erreichen und erspart so den teuern, durch Sperrstunden beelntrüchtigten Gasherd, kocht, bratet, bäckt, dörrt, dünstet, schmort, dämpft, hält stets heißes Wasser bereit und heizt obendrein den Raum. Besondere Bedeutung hat er dadurch, daß er durch die gleichmäßige, starke Gluthitze den Einkochapparat ersetzt; man kann in ihm ohne Wafferdampf, nur mit Heißluft, 30, 40 und mehr Flaschen oder Töpfe mit Einmach- Irüchten und -gemüsen gleichzeitig sterilisieren. Einstellbare Dörrqestelle dienen zur Aufnahme von Gemüse, Obst und Pilzen und so weiter, die für den Winter gedörrt werden sollen. Auch kann am Abend ein großer Topf mit Wäsche, die dann des Morgens ausgezogen hat, oder Kleinviehsutter, das am Morgen fertig zuvereitet ist, eingestellt werdm, und am Tage ist der Herd für andere Zwecke frei. Für gewerbliche und industrielle Zwecke werden Kanturenösen, Leimkocher, Lackierösen, Laboratoriumsösen, Hotelherde und so weiter erbaut. Vielseitig und überall praktisch ist der „Rieschel". Die alleinige Herstellerin, Deutsche Patent-Grudeosen-Fabrik Walter Rieschel & Co. m. b. H., Liebertwolkwch 303 bei Leipzig, versendet an Interest..uten kostenlos unterrichtende Schriften unter dem Titel „Grudekoksverfeuerung im Rieschelherd". — Los von Kohle und Gas! Hin zum Rieschel! — muß die Losung sein. Er gehört unbedingt in jeden Haushalt.