Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 2 (11.1.1923)
- Date
- 1923-01-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1 4. wem dijcltenlCcI* Jum sächsischen Schulerlas;. Wie der J.-E.-B.-Vertreter aus maßgebender Quelle erfährt, fanden in 'der letzten Zeit auch uns bekannte Verhandlungen Zwischen der Reichsregierung und der sächsischen Staatsregierung über die bekannten Erlasse des sächsischen Kultusministers Fleißner gegen die Schulbefrei u na an den religiösen Feiertagen, besonders auch an den hoben iü di scheu Feiertagen, statt. Die Reich sregiernn'g vertrat bot diesen Verhandlungen den Standpunkt. daß diese Erlasse i n W1 derspr n ch zu de m» Ä r - tiket 13 5 der R e i ch s v e r f -a f f u n g st e h e n , der die Freiheit der religiösen Hebungen garantiert. Die Verhandlungen führten zu dem Resultat, daß die sächsische Regierung t n de r H a u ptsache dem Standpunkt d e r R e i ch s re g. i e r u n g b e i v f l i ch t e t e. Der Kultusminister wird dieser Tage mit den kirchlichen Behörden in Fühlung treten, um eine Abänderung der Erlasse im Sinne des Ar- .'ikels 135 der Reichsversasftmg vorzunebmen. Wie in Regierungskreisen oerlautet. soll demnächst, um Differenzen zwischen Reichsregierung und Landesregierung über die gesetzliche Behandlung der religiösen Feiertage u Zukunft auszuschließen. die staatliche Anerkennung einer Reihe hoher kirchlicher Feiertage, wie Weihnachten. Himmelfahrt, demnächst von Reichs wegen geregelt werden. Inwieweit diese Regelung auf die gesetzliche Behandlung der hohen jüdischen Feiertage Bezug nehmen wird, soll noch Gegenstand von Erwägungen sein. Ein jüdischer Lebensretter Bismarcks. Ein Freund 'unseres Blattes sendet uns einen Ausschnitt ans der „Staa-tsbürger-Iettung" von». 22. Januar 1896. dessen Inhalt der Vergessenheit entrissen zu werden verdient. Die „Staatsbürger-Zeitung" berichtete: „An ein Attentat auf Bismarck erinnert der fetzt erfolgte Tod des Kaufmanns Eduard Elias. Am 27. Mai 1866 lernte Elias in einem Restaurant Unter den Linden einen jungen Mann kennen, der ihn fragte, wann Bismarck immer zum König zu gehen pflegte. Als er Auskunft erhalten hatte, entfernte sich der Unbekannte. Elias folgte ihm und sah, daß ex sich hinter die Tür einer Bierhalle stellte, welche sich damals in einer Bude neben der Universität befand. Als der Unbekannte gleich darauf einen Revolver zog. eilte Elias, nickfts Gutes ahnend, auf ihn zu. In diesem, Augenblick krachte auch schon ein Schuß, die Kugel flog dicht an dem eben die Straße passierenden Bismarck vorüber. Elias packte den Attentäter, der nun einen zweiten Schuß auf den Angreifer abgab und sich los reißend, schnell davon eilte. Trotzdem Elias an der Hand verwundet war. rannte er dem Revolverheldennach und ergriff ihn, zum zweiten Male, diesmal von Passanten itn-b Soldaten aus der nahen Hauptwache unterstützt. Der Attentäter wurde als der Student Cohen, ein Schwiegersohn Karl Vlinds. ermittelt. Am nächsten Tage erhielt Elias A u d i c n z b e i m K ö n i g e und wurde vom Monarchen für sein mutiges Verhalten b e 1 v b t. Bismarck zeigte sich seinem Retter gegenüber ebenfalls sehr erkenntlich. Aufterrpolitische Wirkungen der Hitler-Garden. Die deutsche demokratische Presse weist mit Nachdruck aus die a nße n p o l it i s ch en Gefahren des Treibens der nationälsozialistischen Garden hin und beschäftigt sich besonders rnit dem zuerst in der amerikanischen Presse gemeldeten Vorfall, der sich vor einiger Zeit in der Georgenstraße in München zugetragen fe-ett-e. Dort wurde nach Hitlers Massenversammlungen spät in der Nacht ein Alaun von einer Rotte junger Burschen überfallen und unter T o t s ch l a g d r v h u n g e n g e z w u n g e n . den B e w e -i s anzutrete n. daß er kein Jude sei. Der Bedrohte wies seine Papiere vor. Ties allein genügte jedoch nicht. Cr wurde einer g e w alt s amen k ö r p e r l i ch u n g 11 n t e r s u ch u n g unterzogen und erst lvieder losgelassen. nachdem die Probe negativ ausgefallen war. Zufallig war der Bedrohte ein christlicher Amerikaner, der von dem Vorfall in der amerikanischen Presse Mitteilung macht-e. Die deutschen Zeitungen weisen ferner darauf hin, daß die baperischen Nati-onalistengarden auch in der Nachahmung dieser Methoden die gelehrigen Schüler der ungarisch e n He; ja s - B a nd e n sind, bei denen solche Zwangsuntersuchungen mit na-chsolgenden Tötungen, wenndie jüdische Zugehörigkeit der Untersuchten' sestg-estellt wurde, eine Zeitlang an der Tagesordnung waren. Theodor Fritsch, der Verleumder. Der bekannte Leipziger Judenfresser Theodor Fritsch, hatte in einem seiner Flugblätter, die er als Haupt der deutschen Er-neuerungsaemeinde herausgibt, die bekannte Firma Aron Hirsch u. Sohn in Hatberstadt angegriffen und ihr unter anderem den Vorwurf gemacht, daß sie sich einer großen Verschiebung von Eisenschrott schuldig gemacht hätte. Die Firma strengte die Beleidigungsklage an, in deren Verlauf Fritsch erklärte, d a tz e r s ü r d e n e r h o b e u e n Vorwurf keine Unterlage besitze und ihn mit dem Ausdruck d e s B e d>au-etns z urückn nh rn. Außerdem verpflichtete er sich zur Zahlung der Kosten, sowie einer Summe von MM) Mark zugunsten des Winterhilsswerks der Halberstädter Armen und zur Veröffentlichung des Wortlauts dieses Vergleichs in der ersten wiedererscheinenden Nummer seiner Zeitschrift „Der Hammer". Es ist nicht der erste Fall, daß dieser gewissenlose Dotksverhetzer Verleumdungen derart.aus der Lust greift. * Revisron im Harden-Prozest. In dem Prozeß gegen die Attentäter auf Maximilian Harden. Weichardt und Grenz, hat nicht nur der Rechtsbeistand Maximilian Hardens, sondern nunmehr auch der Oberstaatsanwalt selbst gegen den Spruch der Geschworenen Revision beim Reichsgericht eingelegt. Rechtsanwalt Grünspach stützt im wesentlichen seine Revision darauf, daß die Geschworenen sich rnit den Verteidigern der Attentäter während der Verhandlungen über den Ansgang des Prozesses beraten haben. Die Not -er deutschen jüdischen Gemeinden. Vor einigen Tagen fand in Dürkheim eine Konferenz der Vertreter der israelitischen Kultusgemeinden des Rabbinatsbezirks Frankenthal statt. Mit Rücksicht aus die Notlage der Gemeinden beantragte der Vorsitzende beim Verbände der pfälzischen israelitischen Gemeinden den Antrag zu stellen: Im Falle einer eintretenden Vakanz sei die Zahl der gegenwärtigen pfälzischen Bezirksrabbiner von vier auf zwei herabzumindern. Die Ausgaben der einzelnen Kultusgemeinden seien in den letzten Jahren so enorm geworden daß z. B. die Kultusgememde Akünchen heute schon eine Schuldenlast von fünf Millionen habe und nicht mehr imstande fei. ihre Kultusbeamten nach den Besoldungssätzen der Staatsbeamten zu honorieren. Alexander Peiösi und die Juden. Ungarn beging am 1. Januar den 160. Geburtstag seines größten Lyrikers Alexander Petöse. Daß dieser Dichter ein fanatischer Revolutionär und Freiheitsapostel war. der mit flammenden Worten für Menschenrechte und Volksbesreiung kämpfte, war dem heutigen offiziellen Ilngarn, diesem Pestherd finsterster Reaktion, ein arger Weimntstropsen im Freudenbecher, lind sowenig wie seine revolutionäre Lvrik, so wenig dürste auch beiirgendeiner der vielen Petösi-Feiern seine Anschauung über die Juden und den Judenhaß seiner Zeit zitiert worden sein. Wir wollen dies Dersäum-nis teilweise n-achholen. In, der Gesamtausgabe seiner Werke und Schriften finden wir im Bande IV eine Tagebuchan szci chn-ung vom 20. März 1848, worin Pekvsi sich darüber beklagt, daß Vas Einverständnis, das bis dahin in der Hauptstadt geherrscht, in die Brüche zu gehen drohe, weil die deutsche Bürgerschaft die A it s schließ u n g d e r I it d e n -a n s d e r N a tio - n -a l 6? a r d e ausgesprochen habe. Er fährt dann fort: „Könnt ihr für euch Gerechtigkeit erwarten-, wenn ihr nicht gerecht seid gegen andere? lind warum verfolgt ihr die Juden, wie wagt ihr es. sie hier bei uns zu verfolgen? Ist auch ein Tropfen eures Blutes zu Boden gefallen, während sie hier das Vaterland -erwarben oder es beschützten? Nein, ihr seid hi-er Hergelaufene, und es befindet sich kaum einer .unter euch, der mich nur das lchw eisen könnte, daß sein Großvater hier gestorben ist. viel weniger, daß er hier geboren wurde. Das Traurigste aber ist. daß es keine so schmähliche Sache gibt, für die nicht Unterstützer. Apostelerstehen würden. Zri Aposteln d i e f -e r h i m m e l s ch x e i e nd it n g, e r -e ch t e n I u'd e n v e r s o l g u n g haben sich einige Winkeladvokaten erhoben', die jetzt gegen die Juden predigen, und lver für die Gevechtigkeit das Wort erhebt, dem rufen diese verächtlichen falschen Propheten -unverschämt zu, daß er von den Juden -bestochen sei." Der Völtervund und -er nuinerus clausus in Ungarn. Wie der Prager Korrespondent des „I. C. B." aus maßgebender Stelle erfährt, ivurde beim Generalsekretariat des Vötk-erbundes ein Protest eingereicht gegen« die Ar-t und Weise, «inder den Juden an ungarischen Schulen der Zutritt erschwert wird. Ter Völkerbund hat sofort die ungarische Regierung ausgesordert. die Gründe dieses Vorgehens mitzuteilen'. Die ungarische Negierung hat bereits eine Darstellung der Ange-legenheit 'angekündigt. „Ein Wahltag in Miesbach." So lautet ein Karneva-Mest, zu -dem der Berliner „Deuischnationale Volksfreund" für den 1-4. d. M. einlädt. Es heißt dort u. a.: „... -alle möglichen Volksbelustigungen werden zur Versügung stehen. Eine oberbaherifche Gesangstruppe und Bauernkavelle werden ihre Weisen ertönen lassen. Baherische Madeln und Buam werden zahlreich herbei kommen . . ." Kurzum, es wird reizend werden. Wir sind durch unsere besonders herzlichen Beziehungen zum Komitee bereits in der Lage, noch einige Details zu verraten: der Einzug der Patronefsen vollzieht sich unter den Klängen des Wolzogenscheu Hakenkreuzmarsch-es. Die Damenspende besteht aus einer entzückenden- Miniaturstink-bombe, für die Tombola sind von Herrn Kunze wertvolle Knüppelpreise und von der 9tedaktion des „Miesbacher Anzeigers" ein Kübel echter Miesbacher Jauche gestiftet worden. Die Festordner sind durch eine Mistgabel im Knopfloch kenntlich gemacht. Das 5«jahrige Arntsjubiläum feierte jüngst der Vorsitzende der Gemeinde M U n ch e n -- G l a -d b a ch , Herr I. B. Jonas, dessen Verdienste um das Judentum des Ortes, namentlich um den Bau der Synagoge, Wie um das jüdische Schulwesen, bei diesem Anlaß allseitig gewürdigt wurden. Auch die Behörden und die Vertreter der anderen Konfessionen suchten Herrn Z o n a s mit ihren Glückwünschen auf. Jugendfürsorge in München. Die Sprechstunden der jüdischen Jugendfürsorge finden jeden Dienstag und Donnerstag von 3l4 bis 5f/2 Uhr im Gemeindehause, Herzog-Max-Straße 7/0 r. statt. Die Jugendfürsorge unterhält Vaaderstraße 5 ein Kinderheim und einen Kindergarten und steht Ellern, Vormündern usw. in allen Pflege-, Erziehungs- und Ausbildungsfragen für Kiyder und Jugendliche mit Rat und Tat zur Seite. Stadtrat Otto Eichelbaum in Insterburg war jüngst aus Anlaß seines Rücktrittes Gegenstand allgemeiner Ehrungen. Es wurde ihm das Prädikat Stadtältester verliehen und beschlossen, eine Straße nach ihm zu benennen. Herr E i ch e l b a u-m ist seit langen Jahren- Vorsteher der Insterburger Kreissynagogengemeiude, in welcher Stellung er sich namentlich in den schweren Kriegszertcn große Verdienste erwarb. Er hat sich auch um die Central- Vereinssache große Verdienste erworben. Auszeichnung. Herrn I. Wolfs in Gelsenkirchen wurde für seine verdienstvolle charitative Tätigkeit vom Landesausschuß -des Roten Kreuzes das neu gestiftete „Ehrenzeichen für Lvjährige Dienstzeit" verliehen. GedächinisfeieLN. Aus Suhl berichtet man uns über die Enthüllung einer Gedenktafel für die Gefallenen der Gemeinde in der dortigen Synagoge. Die Trauerrede hielt Herr Lehrer L e v i. — Auch in der Synagoge von Gumbinnen wurde das Andenken dev gefallenen jüdischen Krieger durch eine Gedenktafel verewigt. Die Weihrede hielt Herr Kantor Bad l er. Berichtigung. In unserem Bericht über -den jüngsten Breslauer Delegiertentag der jüdischen liberalen Jugendvereine Deutschlands soll es bei der Aufzählung der Ehrenmitglieder statt Kurt Bayer Erich Bayer heißen. Ferner ist nachzutragen, daß auch Herr E m i l W a l d st e i n (Breslau) zum Ehren- Mitglied ernannt wurde. Lehrkurs in Königsberg. Vom 29. 'ljis 31. Dezember fand in K ö n ng s b e r a ein vom Landesverband Ostpreußen des Eentralvereins veranstalteter Ausklärunaskurs über die Judensrage statt. Aus allen Teilen Ostpreußens waren Männer und Frauen aller Schichten ^der Bevölkerung. vom Werftarbeiter bis zum Studienrat. in -erfreulich großer Zahl der Einladung des Central-Dereins gefolgt. Dr. Holländer (Berlin), der -den Kurs leitete, gab Materialien zur Judens-rage als politischem, wirtschaftlichem und R-asseproblem und sprach ferner über die Angriffe gegen das jüdische Schrifttum. Er verstand es, das Interesse der Zuhörer für die -ihnen zum Teil neuen Probleme ständig zu fesseln. Des weiteren sprachen Herr Dr. Gru m ba ch (Königsberg) über „Jnnerjüdische Fragen", Herr Rechtsanwalt Dr. Sebba (Königsberg) itte „Die Juden und' die politischen Parteien", Herr Dr. R o s e nh a i n- (Königsberg) über „Abwehrliteratilr". Lln der Aussprache, in die von indischer Seite auch Herr Rabbiner Dr. Lewin zur Frage des jüdischen Schrifttums eingriff, beteiligten sich die Teilnehmer a-ußerordentlich lebhaft und stellten zahlreiche'Fragen über die einzelnen jüdischen Problenle. Immer wieder lvurde zum ^Ausdruck geb'.racht, einem wie großen Bedürfnis nach Aufklärung dieser Kurs für Christen entgegenkam, und wie sehr unser Abwehrm'aterial gegen den Antisemitismus beehrt wird. Der überaus große Erfolg den dieser Kurs gesunden hat, wird den Landesverband veranlassen.'sobald als möglich weitere ähnliche Beransraltungen folgen zu lassen.