Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 1 (4.1.1923)
- Date
- 1923-01-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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2 der Bauernbund Ost, die Ackerschafteil zu dem Laudwirtschaftsverband für Ostpreußen zusammengeschlossen', der den abgehetzten Landrat v. Amoers Zu seinem Ge>schäftsführer bestellt hat. Das Ostpreußische Hitler- und Kunze-Pack 'bleibt auch nach ihrem ersten sehl-geschlagenen Vorstoß gerüstet, und die -ostpreußischen Juden können sich auf schwere Zeiten gefaßt -machen, E. L, Vorstände oder Führer? Von Patentanwalt Dipl.-Jng. H. H o r z f e ld> (Berlin). Wir geben gern einem a-lten Freunde des C. V. Raum Zu einem beuchtenswerten Worte der Kritik, wenn wir auch in manchem nicht mit ihm überein stirnmen-. Mögen glvich solch „trockene" Ausführungen nicht jedermanns Sache sein es ist notwendig, von Zeit Zu Zeit den historisch gewordenen Ausbau unserer Organisation zu überprüfen und Verbesserungen anZustreben. Die Schris-tlertun'g.! Vou zionistischer Seite wird häufig behauptet, der C. V. bestehe im wesentlichen aus Notabeln und die großen Massen seien in ihm nicht vertreten. Und in der Provinz hört man nicht selten von C. V.-Mitgliedern, daß in Berlin eine Leitung von wenigen älteren Herren, vorwiegend Justizräten und Finanzmännern, säße, die sich bei Behandlung der schwebenden Fragen durch Aeußerungen von Mitgliedern nicht beeinflussen lassen. Beide Auffassungen find selbstverständlich völlig unzutreffend, wie jeder die Verhältnisse Kennende bestätigen wird. Und trotzdem ist ein Körnchen Wahrheit in ihnen. Es ist zwar von der Leitung des C. V. oft betont worden, daß man jedes, auch das unbedeutendste Mitglied heranziehen müsse, wenn die Ziele des C. V. durchgdführt werden sollen. Man hat auch anerkannt, daß nur eine Auslese aus den Mitarbeitern die Führer stellen kann und daß unter heutigen Verhältnissen die Auslese nur aus demokratischem Wege erfolgen kann, aber man hat leider aus dieser Erkenntnis nicht die praktische Nutzanwendung gezogen. Die Satzungen des C. V. und seiner Unterorganisationen atmen den Geist der Oligarchie und find geeignet, jede Lebensäußerung, die nicht im Sinne der Leitung ist, zu erdrosseln. Das soll an einigen Beispielen gezeigt werden. Die Wahl des wichtigsten Organs des C. V., des Vorstandes, erfolgt auf der Hauptversammlung, die außer den Mitgliedern des Vorstandes sich aus Abgeordneten der Ortsgruppen, der Provinzial- und Landesverbände zusammensetzt. Jede dieser Körperschaften hat nach einem bestimmt festgelegten Schlüssel ein Anrecht aus eine oder mehrere Stimmen. Nun würde es der demokratischen Hebung ähnlicher Organisationen entsprechen, daß die Ortsgruppe die schwebenden Fragen vorher erörtert und aus Grund von Mehrheitsbeschlüssen Abgeordnete wählt, die diese Auffassung vertreten. Tatsächlich geschieht dies fast nirgends. ^Jm besten Falle bespricht nur der Ortsgruppenvorstand die Tagesordnung. Er wählt auch gewöhnlich . die Abgeordneten, die häufig nicht einmal Richtlinien mitbekommen. Nicht selten werden Mandate für die Hauptversammlung vergeben, weil, der Betr-essende gerade sowieso in Berlin zu tun hat oder wesil, man jemanden ehren will. Das sind kleine Menschlichkeiten, aber sie tragen dazu bei, daß die Hauptversammlung nicht ein getreues Spiegelbild der Ansichten der Mitglieder ist, sondern ein Zufallsergebnis. Dazu kommt, daß die Bestimmungen über die Hauptversammlung nicht glücklich sind. Die Tagesordnung der Versammlung mutz wenigstens einen Monat vorher in zwei Tagesblättern bekanntgegeben und spätestens zwei Wochen vorher an die Ortsgruppen zur Post gegeben werden. Nach § 16 müssen aber Anträge eines Ortsgruppenvorstandes sechs Wochen vor einer ordentlichen Hauptversammlung eingebracht sein, d. h. mindestens zwei Wochen früher, bevor die erste Nachricht über Zeit und Tagesordnung nach außen gelangt. Gewiß können auf die Tagesordnung auch noch später Anträge gesetzt werden, doch benötigen sie der Zustimmung des Vorstandes. Eine Opposition kann also im allgemeinen gegen den Willen des Vorstandes überhaupt nicht eigene Anträge stellen! Die spate Bekanntgabe der Hauptversammlung, ihrer Tagesordnung und der gewöhnlich erst ganz kurz vor der Hauptversammlung Zugehenden Berichte über die zn erörternden Fragen sind mit schuld daran, daß eine eingehende Aussprache und Stellungnahme meist weder in der ganzen Ortsgruppe, noch auch nur im Vorstand einer Ortsgruppe möglich ist, geschweige denn im Landes- oder Provinzialverband. Unglücklich ist auch das System für die Wahl des Hauptvorstcmdes. Er besteht jetzt aus 75 Mitgliedern, die von der Hauptversammlung gewählt werden, und hat die Befugnis, sich durch Zuwahl auf höchstens 100 zu ergänzen. Praktisch spielt sich die Wahl der 75 ab, daß der Vorstand eine Vorschlagsliste gedruckt herausbringt, so daß jeder, der Aenderungen wünscht, diese besonders beantragen muß. Da nun die Delegierten meist nur -bei den Herren ihres Provinzialverbarrdes und einigen ganz wenigen Berlinern oder auswärtigen Herren die Befähigung beurteilen können und da eine Verständigung der einzelnen Gruppen zwecks gemeinsamer Unterstützung infolge der meist erst ganz kurz vor der Wahl erfolgenden Bekanntgabe der Vorstandsliste nicht möglich ist, so liegt von vornherein das Schwergewicht der Stimmen bei.der Liste des Vorstandes und Aenderungsantrüge haben in den seltensten Fällen Erfolg. Die Auswahl der Liste des Hauptvorstandes erfolgt nun gewiß mit Sorgfalt und in dein Bestreben, möglichst jeder Richtung und jeden: Landesverband gerecht zu werden. Aber Irren ist menschlich und noch menschlicher sind allerhand Einflüße, die aus den Ausschuß einwirkeu, der mit der undankbaren Aufgabe der Ausstellung der Liste betraut ist. Ein solches Wahlsystem, bei dem Unbekannte gewählt werden, weil die Bequemlichkeit einer gedruckten Liste für sie spricht, ist nicht geeignet, Führer ausfindig zu machen. Dazu könnte nur ein Verfahren gute Dienste leisten, bei dem höchstens etwa sieben bis Zehn Herren von der Hauptversammlung gewählt werden. Das wären dann die Herren, die jeder Mitarbeiter im Lande als bewährte Vorkämpfer der Berliner Leitung seit Jahrzehnten kennt. Dagegen sollte jeder Provinzial- oder Landesverband selbst seine Vertreter in den Hauptvorstand wählen, und zwar nach einem bestimmten Schlüssel, abhängig von der Mitgliederzahl. Innerhalb dieser Verbände kennt man wieder die besten Männer des Verbandes ganz genau; jedenfalls wird man sie besser herausfinden, als wenn der Delegierte aus Baden über den Vertreter Ostpreußens auf Vorschlag einer Berliner Kommission mitbestimmt. Mein Vorschlag ist so naheliegend und entlastet den alten Hauptvorstand und seinen Wahlausschuß von einer so unerfreulichen Arbeit, daß kein Grund Zu sehen ist, warum mmi bei dem alten, unzweckmäßigen Modus bleibt. Der Vorstand kann, wie wir oben sahen, bis zu 25 Mitglieder durch Zuwahl wühlen. Auch das ist undemokraLisch und unzeitgemäß. Eine kleine Zusallsmajorität in einer Vorstandsfltzung hat es damit in der Hand, ihre Zusallsmajorität zu einer dauernden umzugestalteu! Man hat für diese Zuwahl geltend gemacht, daß es für den C. V. nützlich sei, wenn in seinem Vorstand Vertreter anderer großer jüdischer Organisationen Mitarbeiten. Dieser Gesichtspunkt hat natürlich viel für sich, aber es wird in den meisten Fällen keine Schwierigkeiten machen, solche Herren zu finden, die gleichzeitig im C. V. an hervorragender Stelle mitarbeiten und die deshalb von ihren: Landesverband vorgeschlagen werden. Und das wäre unzweifelhaft sehr viel besser, denn bei der jetzigen Auswahl besteht die ernste Gefahr, daß Zugewühlte umgekehrt das Bestreben haben können, den C. V. vor den Karren ihrer Organisationen zu spannen. Bekanntlich hat der C. V. mit einigen früheren Hauptvorstandsmitgliedern nach dieser Richtung hin Erfahrungen gesammelt, die eigentlich nicht für das System der Zuwahl sprechen. Es kommt mit den Zugewühlten ein Element des Unbestimmten, Zufälligen in den Vorstand hinein, das namentlich bei der relativ Hoheit Zahl der Zuwählbaren (25:75) keinen günstigen Einfluß aus die Konstanz und Volkstümlichkeit der Vorstandspolitik haben kann. Erörterungen über Satzungen sind wenig beliebt, weil diese lnclft nur Ordnungssragen betreffen. Bei meinen Vorschlägen handelt es sich aber um die Frage, von welchem Geiste der C. V. e r - - Füllt sein soll, ob man lieber möglichste R:che und Gleichgültigkeit oder Leben und Begeisterung will, ' ob man Vorstände, die aus Indifferent: smus der Mitglieder an ihrer Stelle stehen, oder Führer haben will, die die Massen hinter sich haben. Mit den ersteren mag bequemer und reibungsloser zu arbeiten sein, aber sie stehen den Massen zu fern und können nicht den Schwung, die Begeisterung für' eine Bewegung liefern. Nicht gering ist die Zahl der Mitarbeiter, die resigniert beiseite stehen, weil neue Ideen und Aenderungsvorschläge einen meist formell verbindlichen, aber sachlich unnachgiebigen Widerstand finden, und weil bei der regional unterteilten Organisation des C. V. eine Propagierung neuer Ideen ohne Zustimmung von oben fast unmöglich ist. Die Gewerkschaften, die heute bei uns eine gewaltige Macht im politischen Leben darstellen, haben das Fundament, ihrer Kraft in ihrer Verfassung, nach der immer wieder die Auslese durch Wahl der Berufsgenossen erfolgt. Wer dannaus der Ortsgruppe in den Gauverband und von dort in die Zentrale gelangt ist,, hat das Vertrauen der Kameraden hinter sich, ist wahrer Führer. Ein demokratischer Ausbau ermöglicht es jeder Richtung, ihre Ansicht in den lebendigen Streit der Meinungen zu stellen. Darin liegen die, Wurzeln der Macht der Gewerkschaften. Möge der C. V. von ihnen lernen! Namenstagen Im Unterricht. Auf einem vom C. V. veranstalte-ten! Vortragsabend in Leipzig sprach neulich Studienrat Prof. Dr. Rio mann über „Rassensragen im Unterricht". Wir geben nachsielWNÄ die Grundgedanken seiner interessanten und -aktuellen- Ausführungen wieder. * Das merkwürdige Bild, das von den Völkischen heute vorn deutschen Rassenprobl-em entworfen wird, ist ein Ergebnis der Romantik^ An dieser Bildung und Mt-i-mm-tr Persönlichkeiten-, wie Fichte. Richard Wagner, Nietzsche mit schuld. Was alle diese Leute verknüpft, ist die Borstelluna, daß alles Gute in der Welt nur von den Germanen geschaffen ist. Die Germanen sind langschädeli-a. blauäugig und blond; die Leute in: Süden kurz- oder rundköpsig, schwarzhaarig und glu Längs g. Auf diese körperlichen Merkmale legte inan Gewicht, weil man aus ihnen sittliche Eigenschiasten ableiten will. Tie Vorstellung, daß alles Schlechte von den Schwarzhaarigen kommt, hat sich so verdichtet, daß man ohne Bedenken ihnen alles möglich-e nachsagk. Jede Aufklärung in anderem Sinne, die demokratische Presse, die SoZlakdem-okratie. und selbst die Revolution wird als eine Machenschaft der Juden hingestellt. Damit gewinnt die jüdenfeindliche Ansicht, die Zunächst als -eine Phantasterei erscheint, einer: gefährlichLN Charakter; denn seht wird mit einen: Male dem Schüler gesagt, -mr-s der nationalen Seite aber stehen- Arminius. Siegfried. Luther, Bismarck und Hindenburg, und auf der anderen Seite irgendwelche französische. Revolutionäre, Marx, Robespierre. Bebel und WaMrr Rathenau. Eine derartige tendenziöse Zusammenstellung bewirkt schließlich Scheußlichkeiten wie den Mord an. Rathenau, und selbst im Scheibrmann-ProZeß hörte -man junge Leute sprechen, Gott habe sie zum politischen Racheakt geleitet. Da. kann man also Wohl nicht daran vorbeikommen, daß letzten Endes die Schule ans ob chen Ausw ir kun gen nicht u nschu ld ig 4st. Me steht nun die Schule zu der RassencheoriL? Es ist sicher, daß die Schule zunächst den Antisemitismus nicht mitmacht. und