Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 34 (28.12.1922)
- Date
- 1922-12-28
- Page
- Seite 377 (sequence 5)
- Language
- German
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Deutschvölkische un- Franzosen. Eine Polemik nationa. 1 er Patrioten. ' Welche Sinn- und Begriffsverwirrung, fanatische' Parteipvlilik, in Köpfen anZnrichten vermag, deren Denkprodukte gern als die Essenz natioN'ü'len Strebens ausgegeben werden. Leigt wieder einmal die Deutschnationale Partei, die nach dem Ritz, den ihre Einheit kürzlich durch den Austritt Graefes. Mulles und Hennings erhielt, mm_ befürchtet, datz weitere ihrer Anhänger sich der eben begr midisten ..D e u t s ch völkis ch e n Frei h eit § p a r t e i" ansch ließen könnten. Sie beeilt sich deshalb m betonen, datz der Antisemitismus längst auch zu ihren Programmpunkstn gehört und gibt der Hoffnung Ausdruck, „daß die so kräftig auwachseude völkische Be weg ring über de m A nt t f e m i H s m u s die A b w e h r u n s e r e r a u s l ä n d i s ch e n Fei n d e und B e d r Ücker n i ch t vergess e". Wer sich aber darüber wundest. datz sich nun Deutsche, die sich „uational" nennen, gegenseitig ermahnen niiiffetr, über der Judeuhetze auch Deutschünid nicht zu vergessen, der weiß offenbar nicht, daß die völkischen Teutonen scholl längst nicht im Franzosen oder Engländer, sondern nur noch im Juden den Feind sehen. Schon am 1. April 1921 sprach Professor Dr. Heinrich Kraeger bei einer Bismm'ck-Feier des Schutz- und Trutz- , Lundes die Worte: „Wir wollen' die Gedanken unseres Bundes ausbreiteru rmd wir wollen in den Engländern. Franzosen. Polen il i ch t ui e h r ii' n s c x e Feinde s e h e n. Denn ihnen hat ja der Fürst dieser Welt (der Redner meint „Inda". Die Schrift!.) vorgeredet und vorgelogen, daß wir Deutsche ein Scheuet und Greuel wären und vernichtet werden müßten." Eine „Berichtigung" -es Deutschnationalen hanölungsgehilfenverbanöes. Wir Haben in unserer Nummer vom 16. November unter den „Aniworten" behauptet, daß der D. H. V. unter dem Deckmantel scheinbar harmloser Rezstationsaben.de judenseindliche Volksvergiftung betreibt, und daß sich häufig mitwirkende Künstler, die von der versteckten Tendenz solcher Abende keine Kenntnis haben, ahnungslos als Vorspann benutzen lassen. Nun sendet uns der D. H. V. eine „Verichtigung", die wirschon deshalb veröneutlich-en wollen, weil sie f ü r d i e L o g i k und d i e u f - richtig k e i t dieser Herren ungemein charakteristisch i st. Diese Berichtigung bezeichnet vor allem unsere obige Behauptung, als u n w a h r , erklärt aber gleich daraus, daß der D. H. V. auf vöLL ij ch e r Grundlage, ausgebaut ist. Trotz diesem .Zugeständnis wird im Nachsatz gesagt. daß der Verband k e i n e r l e i a n t i s e m.i t i s ch e Propaganda betreibt, gleich darauf aber zugegeben, datz er die Aufnahme \ ü d i s che r M i t g l i e d e r a b l e h n t. Die Berichtigung spricht ferner davon, datz jene Rezitationsabende ..volksbildenden und kulturfördernden Gründen" dienen, und datz sich eine Anzahl angesehener Künstler gern zur Mitwirkung herbeilassen. I Ein Kommentar ist eigentlich überflüssig. Wer zugibt, aus völkischer l Grundlage zu stehen und jede Gemeinschaft mit Juden abzulehnen, aber im selben Atem erklärt, kein Antisemit zu sein, gleicht ei nein Manne, dev nicht leugnet, die Wahrheit bewußt zu entstellen, aber den Dvrwurs. ein Lügner zu sein, nicht aus sich sitzen lassen will. Was die „volksbildenden und kulturfördernden" Ziele jener Veranstaltungen betrifft, so genügt ein Blick auf das Programm, um sich turnt Gegenteil zu überzeugen. Und datz es zahlreiche Künstler gibt, die, sei es ans Antisemitismus, fei es, weit ihr Können zu Besserem nicht ansreicht, bei jenen Abenden, gern mittun. glauben wir ohne weiteres. Andere wieder werden vielleicht erstaunt sein zu beobachten, das; — wie es bei jener Veranstaltung in Siegen der Fall war. auf die sich unsere Notiz bezog — die ganze llmgeg.end d es Sa a l e s mtt *a.n t is c in i - t i s ch c n Fl n g z e t t e l n b e klebt i st. Die stuösntijchen Ortsgruppen -es <l. v. „Seit Jahren sind die im Reichsverband der studentischen Ortsgruppen des E. B. zri sam men ges chlossenen Gruppen bestrebt, einmal -eine wirksame Gegenwehr gegen die antisemitische Hochflut gerade in akademischen. Kreisen ZN' bilden. zum anderen eine Jugend heranzubilden, die ehrlich genug ist. mit geistigen Waffen versehen, eine sichere Stütze des gestunken Eentral- Bereins zu stein. Das gebietet den studentischen Gruppen zweierlei: Eingreifen/ tätiges Mitwirken in Fragen studentischer Politik: daneben: Ausbildung, oder kesser gesagt: Förderung der imjungen Menschen regsamen Kenne. Diese Arbeit ist uns durch den Kampf mit materiellen Schwierigkeiten sehr erschwert. Sind schon die wirklich nicht bedeutenden Mitgli-'dsbeiträge der Mitglieder der bürgerlichen Ortsgruppen allein nicht in dev Lage, die Organisation des E. B. zuunterhalten, wie kann das -bei den viel geringeren Beiträgen der Studierenden für die einzelne studentische Ortsgruppe der Fall sein! Ein weiterer, aber viel gefährlicherer Punkt ist der: die wachsende Jliteressenlosigkeir in den Kreisen der jüdischen Studierenden. Es ist verständlich. daß es dem hoch stelzenden Menschen ans die Dauer widerwärtig -ist, antisemitischen Vorfällen eutgegenzt,treten. Nachlüsfigkeit gegen sich selbst und gegen die Mitleidenden entsteht. Haben wir jetzt ein Recht dazu, die Hände in den Scho st zu legen und über uns hinweg den- Sturm-dev Verfassungsstreitigkeiten in der -Liudenteuschast wüten zu lassen? Wisse ui wir, was diese studentischen Versassuugsstreitigteiten für uns bedou-len? Nichts anderes, als den Kampf um die Gleichberech-tiguna der deutschen! (und deutsch-österreichischeu) Inden. Mau wird mir entgegenhalten, datz ja sogar der antisemitische „Hochschulring deutscher Art" dem Staatsbürger- Prinzip. d. h. der Gleichstellung der jüdischen Studierenden in Deutschland (nicht in De uts ch- Des t e rre ich) zugestimmt hat. Aber warum ist das geschehen? Es war ein Bitz in den sauren Apfel, weil es wirklich nicht anders geht. Aber jede Schwachei aus unserer Seite wird man >ausnutzelv und aus vielen Schwächen eine eiserne Waffe gegen uns schmieden, die wir; 1 eines Tages zu spüren bekommen. Jntevessenlosigkeit in diesem Augen-' | blick ist Feigheit, lind darum rufe ich zur Hilfe aus. Ist es einmal zu spät, so sind uns alle edlen Beteu-erungen zu nichts nutze. Jetzt drohen. Gefahren. Wir stehen inunserem Kamps nicht mehr allein. Unsere DEUTSCHER WEINBRAND DEUTSCHER EDELUKOR f — \ Paula FFiedmann Karl Kissinger Verlobte. Ingolstadt Berlin . (Bayern) 25. Dezember 1922. 1 Lehrling mit besserer Schulbildung sucht Leib Drucker Inh. Max Drucker Getreidegeschäst Flatow (W.-Pr.). 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