Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 34 (28.12.1922)
- Date
- 1922-12-28
- Page
- Seite 376 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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376 verwandt." Ein recht hübsches Prädikat für das politische Genie Bismarcks! Das hindert den Verfasser aber nicht, im selben Augenblick zu sagen, daß Bismarck ein ausgesprochener Antisemit gewesen sei, der „den großen jüdischen Ansturm auf die Staatsämter fernhielt". Allerdings gibt der Verfasser zu, daß zwischen Antisemiten und Antisemiten zu unterscheiden sei, und daß es, wie in allen Richtungen, „auch törichte und unpraktische Antisemiten" gäbe. Staatliche Gunst hätten die Antisemiten unter Bismarck nicht im mindesten erfahren. Zum Schluß richtet der Verfasser an mich die Frage: „Wie die bis zum Haß gesteigerte jüdische Abneigung gegen Bismarck sich erklären lasse, wenn Bismarck wirklich scharfer Gegner des Antisemitismus gewesen wäre?" (!) Diese Frage läßt sich sehr leicht beantworten. Es sind keineswegs alle Juden Gegner v o n B i s m a r ck g e w e s e n. Ich brauche ja nur an den großen Kreis der Bismarck-Verehrer unter den deutschen Juden zu erinnern und an den Mann, dessen Treue Bismarck als vorbildlich bezeichnet hat, nämlich Gersou v. Bleichröder, der auch dann noch mit Bismarck Freundschaft hielt, als ihn alle die anderen Freunde verlassen hatten, nämlich zu der Zeit, als Bismarck beim Kaiser in Ungnade gefallen war. Und brauche ich an dieser Stelle an die Tatsache zu erinnern, daß das herrliche Kunstwerk, das Hamburger Bismarck-Denkmal, von einem Manne jüdischer Abstammung (Hugo Lederer) herrührt, und daß eine der glänzendsten Psychologien Bismarcks von dem jüdischen Schriftsteller Emil Ludwig, stammt. Freisinnig und jüdisch ist keineswegs identisch, wenn auch die der Freisinnigen Partei angehörenden Juden Bisurarck angegriffen haben, so hat das mit dem Judentum nichts zu tun. Viele Juden haben sich mit dem Problem, wie Bismarck zur Judenfrage stand, überhaupt nicht beschäftigt. Erst mein Buch hat Klarheit über dieses Problem gebracht. Erst durch die Veröffentlichung. der Stöcker-Akten kann man sich ein Bild davon machen, wie Bismarck in Wirklichkeit über die Juden gedacht hat, und wenn die Deutschvölkischen noch so sehr sich bemühen, es wird ihnen nicht gelingen, den Gegenbeweis zu erbringen. Daß Bismarck in der antisemitischen Bewegung etwas Schädliches sah, geht daraus hervor, daß . er ihre Führer, Stöcker und Ahlwardt, in so wenig schmeichelhafter Form charakterisiert hat. Acw. jütoTcitc_, Antisemitismus im Elsaß. Das Treib-rn der Völkischen macht auch vor den neuen Reichsgrenzen nicht Halt. Wir erhalten ebien -mehrere Nummern einer neuen Straßburger Morgenzeituna demokratischer Richtung, die sich, ot-zwar deutsch geschrieben. „La Rcpuhliqiie" nennt und in einer „Zm Zeichen des Hakenkreuzes" betitelten- Artikelserie heftig gegen die antisemitischen Wühlereien eines Abbe Grus wendet, der den Lesern des klerikalen „Voltssreund" die bekannten Hetzmärchen von den iüdischbolschewistischen WelchemchcMplänen austischt und dabei völlig in jenen Gossenjargon verfällt, der allein aus die nahen Beziehungen dieses christlichen Priesters zu Miesbach und Umgegend schließen läßt. Als Probe genüge, daß die Relativitätstheorie des „Saumden" Einstein eine „semitische Schieberlehre" genannt wird. Das offizielle Frankreich, das denselben Einstein im Vorjahre mit Ehren überhäufte wie noch nie einen Deutschen, wird auf diesen Vertreter seines Klerus! wenig stolz sein. Vorschläge zur Erschwerung -er Judeutauseu. In der „Deutschen Zeitung" wird geklagt, daß den Juden die Taufe soleicht gemacht wird. In den seltensten Fällen — so scheint es der Zeitung sind religiöse Motive vorhanden. Die Kirche gibt sich einfach dazu her, jüdischen Interessenten die Verschleierung ihrer Abkunst zu erleichtern'' Die Sache wäre wert, daß die deutschvölkifchen Kreise sich energisch mit ihr beschäftigten. Es müßte verlangt werden: «1. daß dem einzelnen! Pfarrer die Befugnis zur Ausnahme entzogene und einem aästioe gebildet-en Kollegium übertragen wird, das die eingehenden Gesuche zu prüfen hätte: 2. daß der Vorbereitungsunterricht nach Dauer und Ernst überwacht wird." — Wir sind ausnaluusweise in der Lage, der „Deutschen Zeitung" — wenngleich ans anderen Motiven- — voll und ganz zuzustimmen. Es wird uns sehr recht sein-, wenn man es deutschen Juden erschwert, die Gesinnungslosigkeit der Taufe zu begehen. - . Der neue Generalmusikdirektor in Frankfurt a. M. Laut einer Meldung der Berliner „Deutschen Zeitung" soll in Kreisen Frankfurter Opernkünstler eine große Erregung darüber: herrschen, daß die Theaterleitung in Frankfurt a. Ai. die Berufung des angeblichen jüdischen Musikers Professor Kuper, zurzeit Direktor dev Petersburger^ Staatso-p-er, zum Generalmusitdirektor der Stadt Frankfurt plane.^ Professor Kuper hat betauntlich während der letzten Nüsse in Frankfurt eine glänzende Aufführung von Mussorgskis „Boris Godunow" vorbereitet und dirigiert. Die antisemitische Zeitung schreibt: „Das Hauptverdienst des. Herrn Kuper ist für die Drahtzieher der Frankfurter Oper Wohl, daß er Jude -ist und dadurch ein Herrn Becker und seiner „Frankfurter Zeitung" von vornherein verläßlicher Exponent der gegenwärtig unk allen Mitteln betriebenen großen internationalen: „Entseelnngspropaganda" inder abeudländischeir Munt! Ein jüdischer Lehrstuhl an der Universität Frankfurt a. M. Wie verlautet, hat der Leiter des Freien jüdischen Lehrhauses in Frankfurt, Dr. plnl. Franz Rosenzweig, einen Lehrauftrag zur Vertretung der jüdischen Religionswissenschast und der jüdischen Ethik an der Universität Frankfurt erhalten. Eine Ausstellung von Erzeugutsierr des indischen Kunstgewerbes soll Ende Dezember im Logeuhauso Berlin, Kleiststraße 10, eröffnet werden. Die Ausstellung wird mit Subventionder Berliner Jüdischen Gemeinde veranstaltet, die sich seit Jahren die Heranbildung tüchtiger jüdischer Kunstgewerbler angelegen sein läßt. Zur Ausstellung gelangen Arbeiten aus den verschiedensten Gebieten, dev Kunst und des Harrdwerks: Holz, Stein und Graphik, Malerei usw. Cs werden sowohl Originalwerke als auch Entwürfe, Zeichnungen und Modelle -gezeigt werden. Das Lvjährrge Geschästsjubiläum beging am 9. Dezember die Firma Reißer Eisengießerei und M a s ch> i n e n b a n a n st a l t H a h it n. Koplowitz N a ch f. in Neiße. Anläßlich -dieser Feier wurde Herrn Ingenieur Adolf Rosen stein, Mitinhaber der Firma, auf einstimmigen Beschluß des, Senats wegen seiner hervorragenden konstruktiven und fabrikatorischen Leistungen auf dein Gebiete des Werkzeugmaschinenbaus von der T e ch u i s ch e n H o ch s ch n l e in Breslau die Würde eines Dr. - I n g. ehrenhalber verliehen, und der Dekan der FaEultät, Herr Professor Gotwein, war persönlich erschienen, um Herrn Rosenftein das Diplom zu überreichen. Zu den zahlreichen Ehrungen, die der Firma und ihren Inhabern zuteil wurden, gehörte auch ein ausführliches Glückwunschschreiben des Ministers für Handel und Gewerbe. Wir sprechen dev Firma und insbesondere Herrn Rosenftein, dem rührigen Vorsitzenden unserer Ortsgruppe Neiße, auf diesem Wege unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Verthold Einstein. Am 31. Dezember 1922 begeht der Vezirksrabbiner zu Landau i. d./Pfalz. Dr. Phil. Berthvld Einstein, seinen 60. Geburtstag. Sein langjähriges Wirken an dieser Stelle als Prediger wie auch als Pädagoge hat ihm weit über die Grenze seiner engeren Heimat hinaus im ganzen deutschen Judentum Ansehen und Wertschätzung gebracht, und sein viel verbreiteter, kleiner Leitfaden für den Religionsunterricht sorgt dafür, daß auch die Heranwachsende jüdische Jugend diesen.Namen kennen und verehren lernt. Wir schließen uns von Herzen den Glückwünschen an, die Dr. Ein stein aus diesem- Anlaß von den Mitgliedern seiner Gemeinde wie von der großen Schar seiner ehemaligen Schüler- Zukommen werden. Alleinige Anzeigeu-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annabme für sämtl. Zeitungen Deutschlands nnd des Auslands Berlin 8^/19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz / Cöln a. Rh. / Dresden / Düffeldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. ✓ Lalle (Saale) Lamburg / Lannover / Leipzig / Magdeburg / Mannheim ✓ München / Nürnberg / Stuttgart / Drag / Wien / Warschau / Basel / Zürich Unentbehrlich im Abwehrkampf Rieger, Vom Heimatsrecht der deutschen Juden . M. 75-— Freund} Der Judenhass. Ein Beitrag zu seiner Geschichte und Psychologie ....M. 50,- Segally Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914—1918 M. 150,- Für Juristen Simonis, Zum alten jüdischen Zivilrecht« Eine rechtsvergleichende und rechtstheoretische Studie . M. 150,— Pbilo Verlag und BncbliaiiiM G.m.bX Berlin SW68, Lindenslr. 13. Im Interesse unseres g*> a a stets Blattes bitten wir, bei Z V I I U fl (! ausdrücklrä BestellungenaufGrund ... ~ , Bezug zu von Anzeigen auf die für Ult6 3uitdliUttt nehmen. Lebensversicherungen aller Art vorteilhaft und billig Leipziger Lebensversicherung A.-G. Leipzig, Dittrichrlng 21