Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 33 (21.12.1922)
- Date
- 1922-12-21
- Page
- Seite 369 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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klagten. Rechtsanwalt Dr. Alexander Herzfeld, erklärte. Richter oder Schössen jüdischen Glaubens wegen B e sa nge n b e i t a b te I) n e n z u müssen, eine Aeußerung, die der Vorsitzende als Mißtrauen in die Unparteilichkeit des Richterstandes Gezeichnete, das auf die Mentalität der Angeklagten bedenkliche Schlüsse zulasse.. Der Angeklagte Scheib ler verteidigte sich damit, daß er die intrim in irrte Aeußerung bestritt rind nur gesagt zu haben vorgab: „Befreiung vom Judentum — auch lvemi einige v o n uns es mit dem Leben bezahlen müßten!" — Er berief sich aus das Programm der Deutschsozialen Partei. welche' jede Gewalttätigkeit verurteile und nur mit geistigen Waffen (!) die Befreiung vom Judentum erreichen wolle. Zum Beweise der Harmlosigkeit seiner Ideen begann der .Angeklagte einige Sätze aus seiner Broschüre „Sozialismus und Judaismus" zu verlesen. Rechtsanwalt Dr. Brandt hielt dem Angeklagten demgegenüber den Schlußsatz seiner Broschüre vor: ,.W i r w o l le n u n s e r Sch w e r t nicht eher in die Scheide stecken. bis der Judenhhdra s a m t l i ch e Köpfe abgehackt sind. Das walte Got t." (!) Auch, der zweite Angeklagte. I r.ü h . testritt, den Nebenkläger beleidigt zu haben. Er habe lediglich auf die dauernden.Störungen des Nebenklägers und seiner Anhänger hin die Worte gebraucht: „Wir sind doch hier nicht in der Judenschule!" — Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten Scheibler auf Grund der Beweisaufnahme für überführt und beantragte eine Geldstrafe von 6000 Mark. Rechtsanwalt Dr. Herzfeld be-nutragte die Freisprechung und führte aus, daß der Nebenkläger und die hinter ihm stehenden Orgianisationen. der Bund jüdischer Frontsoldaten und der Centr a l -W er ein . planmäßig die Versammlung der Deutschsozialen Partei durch S p r e n g k o t o n n e n zu stören suchten (!). Der Vertreter des Nebenklägers, Dr. Brandt, wies darauf hin, daß die den Gegenstand der Anklage bildende Aeußerung des Angeklagten durch die eidlichen Aussagen der meisten' Zeugen, und vor allem durch die mitaeschriebenen Notizen des Nebenklägers, erwiesen sei, daß aber auch eine Verurteilung des Angeklagten Scheibler dann erfolgen müsse, wenn die Aeußerung so gefallen fei, wie dieser behaupte. Denn nur aus dem Wege über Gewalttätigkeiten fei es überhaupt möglich, daß einige der Deutschsozialen den Kampf mit dem Leben bezahlen müßten. Das Gericht erkannte gegen Scheibler aus eine G e l d sv-r a f e von 10 000 M ark . hilfsweise 50 Tage Gefängnis, und gegen Dr. Früh auf Freisprechung, da hinsichtlich der diesem zur Last gelegten Aeußerung ein Irrtum des Nebenklägers doch nicht volli-g ausgeschlossen-sei. Nur die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten Scheibler. so führte der Vorsitzende -aus. habe das Gericht bewogen, von einer Gefängnisstrafe abzusehen. Anderseits fei das Gericht über das vom Staatsanwalt beantragte Strafmaß hin-misgegangen. weil die vom Angeklagten geübte, jeder Berechtigung entbehrende, maßlose a ntifemit-i s che Hetze., wie die Ereigni-fe de^ letzten Monate ge- -eitigt haben, unheilvolle Folgen für die öffentliche'Sicherheit und die Ruhe unseres schlvergeprüften Vaterlandes habe. i* , . Es bedarf keiner Versicherung, daß die Behauptung des Rechtsanwalts Dr. Herzfeld, daß der Central-Verein „planmäßig die Versammlungen der Deutschfozialen durch Sprengkolonnen zu stören suche", durchaus unwahr ist-. Auch der Vaterländische Bund jüdischer Frontsoldaten "in Berlin hat. wie Wir erfahren, niemals dergleichen getan. «»5 die ^.Stinnes über seine Beziehungen zu Rathenau unöas Iu-enkum/" Zu dem von uns kürzlich veröffentlichten Artikel über Stinnes' Stellung zum Judentum erhielten wir mehrere Zuschriften, aus denen wir folgende beachtenswerte Stellen wiedergeben: Herr S. M., Gardelagen, schreibt: „Als deutscher Jude kann ich über die Erklärung der „Herrn Skinnes nahestehenden Persönlichkeit keine Befriedigung empfinden. Es ist nicht recht erklärlich, weshalb Herr Stinnes nicht selbst die gewünschte Erklärung abgibt. Ich erinnere ferner daran, das; ebenfalls eine „Herrn Stinnes nahestehende Persönlichkeit" seinerzeit Herrn Kunze, dem Führer der Knüppelgarde, mitteilte, daß „H e r r Stinnes der; Kunz e scheu Ziel € n f y mpathi f ch g e g e n ü b e r st e h e". Herr Stinnes kann unmöglich gleichzeitig Sympathie für Kunze und die deutschen Juden hegen. Auch widerspricht die damalige Korrespondenz Kunze-Stinnes der Versicherung, daß Stinnes niemals Antisemit gewesen sei. War aber Stinnes Antisemit und hat er eingesehen, daß der Antisemitismus jeder Berechtigung entbehrt und ein Krebsschaden für Deutschland ist, d a n n darf er nicht zögern, diese Einsicht kl n r k u ndz u g e b e n. Mit der Erklärung der „ihm nahestehenden Persönliche keit" hat er das berechtigte Mißtrauen in dieser Angelegenheit nicht beseitigt." ' . Aus einem Schreiben des Herrn H. R., Berlin: „... Herr Stinnes hat wohl keine Veranlassung, dem toten Walter Rathenau seine Achtung zu versagen. Daß aber Herr Stinnes oder die ihm nahestehende Presse den schmutzigen Schmähartikeln der Deutschvölkischen jemals gegenüber trat, habe ich nie gehört... Sollte Herrn Stinnes wirklich daran liegen, sich vom Verdacht der Judenfeindlichkeit zu säubern, so sei ihm eine diesbezügliche Erklärung in seincn zahlreichen eigenen Blättern dringend nahegelegt!" Der heimliche „numerus clausus". Sehr geehrte Schriftleitung! Ein mir nahestehender junger Mediziner bemüht sich seit kurzem, eine Assistentenstelle zu erhalten. Im Verlaufe weniger Tage erhielt IRESIl jRE&il IRE Sil M-ersanatorium Zell-Lbenhausen 700 Meter hoch Jjartal b. München- Herbst -und Winterkure«. Unterricht in allem Schulfächern. vr. Erich Benjamin Privat dozent für Kinderheilkunde. Godesberg IIIIIIIIIIIIHim am Rhein. IIIIIIHIIIIIlfjll : „Gnöesderg" für Nervöse und innerlich Leidende - Sanitätsrat Dr. Siähly, Direktor Butin. ‘W.dsffAdreßbuch der deutschen Bekleidungs- //>OeMQ Industrie und verwandten Branchen ist soeben erschienen: 200000 Adressen aus 600 Branchen Preis, elegant gebunden, ab Haus Berlin 5000 M., franko in Deutschland 5200 M., Ausland 2 Dollar, 10 Schweizer Franken. Rudolf Mosie, Abt. Adreßbücher und Codes, Bertin SW 19 Postscheckkonto Berlin 26517 Jerusalemer Straße 46-49 “itrs pllmMiiller „fiippo" feinste ungesalzene Außbutter. wie Teebutter, unter Kontrolle Sr. Ehrw. des Herrn Provinzialrabbiners Dr. L. Cahn, Fulda, hergestellt. In Post- und Bahnsendungen franko unter den Fabrikpreisen, gegen Nachnahme oder Rechnung. Jeder Versuch führt zu dauerndem Bezug! F. H ammerschmidi Mannheim-Feudenheim. Die Renner- Marken Fabriken: Schweinfurt a. M. und Düsseldorf 333