Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1922-12-14 · 32 (14.12.1922) · p. Seite 361

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
32 (14.12.1922)
Date
1922-12-14
Page
Seite 361 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277380-2277412--00394-2279515
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

.361 < u l » /lntisemitische Lektüre. Von Hans Bauer. Ein dummer Mensch kann mit größerer Wahrscheinlichkeit darauf rechnen, von einem antisemitischen Agitator einmal „bekehrt" zu werden als ein kluger. Trotzdem sind Dummheit und Antisemitismus natürlich nicht identisch. Cs gibt auch Antisemiten, die helle Köpfe sind. Allen Antisemiten hingegen gemeinsam ist die Unbegabtheit-für einen gewissen Geisteszustand,'der sich schwer definieren, von dem sich als Kriterium aber etwas sagen läßt, daß er zuzeiten bereit ist, das Formale über das Stoffliche zu setzen. Ungefähr . so: die verletzendsten, aber besten jüdischen Witze sind von den Inden selbst erfunden. Von welchem Antisemiten aber könnte man für möglich halten, daß er einen guten. antisemitischen Witz erdächte! Jene Unbegabtheit äußert sich am augenfälligsten in den Blättern der Antisemiten. Die Antisemiten können nicht schreiben. Sie.können nicht etwas lächelnd sagen. Sie sind die allsgemachten Antipoden des Feuilletons. Die Antisemiten: haben keinen Witz. Sie kennen mut den Leitartikel. Es ist sicher keine Zufälligkeit daß sie diese Eigenschaft mit den Linksradikalerr gemeinsam haben: diese und die Antisemiten mehuren sich ganz ernst, halten ihr Ziel für den Angelpunkt der Welt, übersehen, daß in dem Kreis der ungeheuren Buntheit der Daseinsprobleme selbst politische Ueberzeugungen nur Segment, nicht Gesamtinhalti sind. Antisemiten können sagen, was sie meinen. Wer sie können es nicht gestalten. Sie haben keine Schriftsteller. Sie haben, nur Berichterstatter. Es gibt kein antisemitisches Blatt, das durch den Atem seiner Herrichtung interessant wäre. Charakteristisch für antisemitische Blätter ist ferner der absolute Mangel an aktuellen Dichtern. In allerhand deutschen. Zeitungen und Zeitschriften tummeln sich in irgendeiner Ecke Leute, die ganz saubere Wochengedichtchen servieren. Aber es gibt keinen antisemitischen Satiriker. Knüppel-Kunzes ' „Deutsches Witzblatt" ist fabelhaft öde, und der antisemitische „Deutsche Staat"- verkennt die Bedeutung von. literarischen Erzeugnissen derart,' daß er rn Fettdrucklettern und sensationsmähig umrandet auf der ersten Seite solch ein Gedicht abdruckt: . .. . Weckruf! Wir wollen uns nicht knechten lassen , Von deutsche in Wesen fremden Rassen. Kein Oestling darf fortan sich unterfangen, . Vom deutschen Volk Gehorsam zu verlangen. Ach, deutscher Michel, wach doch endlich auf Und fege rein dein deutsches Haus. Fritz Schiefer. Dann tauchen jauch in den Blättern der Antisemiten bestimmte Redelvendungen llnd Zitate mit einer Regelmäßigkeit -auf, die an die Präzision erinnert, nrit der Stammtische den einen durchschlagen den Witz, deil sie auf Lager haben, gegenüber jedem Neuling an den Mann bringen. „Erklärt mir, Graf Oerindur!, diesen Zwiespalt der Natur" hängt die „Wahrheit" so ringe führ in jeder Nummer einmal irgendeiner Notiz-an. Wie hünfig zitieren sie und andere Blätter ihrer Anschauung gar die aus dern - Zusauunenhang, gerissenen Rathenau-Worte von - der „asiatischen Horde auf märkischem Sande", von der „Weltgeschichte, die ihren, Sinn verloren hätte, wenn Wilhelm als Sieger durchs Brandenburger Tor reite", wie häufig bemüht sie den. aufrechten Arbeiter, der in aller sozialdemokraLifcheir Befangenheit antisemitisch denkt und den Leitspruch von der Revolution, die „der Stern Judas" sei, der sich in der Schrift irgendeines' Rabbiners finden soll. Diese Häufigkeit der Zitierungen hat nicht die Eindringlichkeit der Wiederholung an sich: sie ist die Ruhebank des schlechten Stilisten, der sich immer wieder 'einmal setzen muß. Es gibt in Deutschland eine Menge Feuilletonisten, die da und dorten schreiben und heute in einem sozialdemakratitschen Blatte ihre ausgesprochen republikanische Gesinnung begründen, morgen in einem demokratischen eine psychologische - Plauderei veröffentlichen und übermorgen in einem Witzblatt eine Anekdote erzählen. Aber wo kommt in einem antisemitischen Blatt ein Autor zu Wort, den wir schon von anderswoher kennen! Was wären die Herren DJE stimme Seines hER.cj.rs Die hervorragendsten Instrumente „Gramola"- * „Gramonium"- „ Grammophon “ - Künstler - Platten ' 7\ * , . Ausgewähltes jüdisches Repertoire Pinkasowicz, Kwartin, Sirota, Weitz. Hebräisch-Paläslinisdie Lieder Musik von Prof. A. Z. Idelsohn, Jerusalem. Grammophon-Spezialhaus b": Berlin W50, Tauenfzienstr. 13 (Ecke Rankesfr.) an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, W8, Friedridisirasse 189 Breslau, Garlenslr. 47 * Düsseldorf, Königsallee78 * Elberfeld, Herzogstr.30* Essen, Kornmarkt 23 * Kiel, Holsienstrasse 40 * Köln a. Rh., Hohe Str. 150 * Königsberg!. Pr., Junkers!r. 12 * Le i p zig, Markgrafenstr.6 * Nürnberg, Königstr.63. rosiges, jugendfrlscbea Antlitz u. blendend schönen Teint. Alles dies erzeugt die echte die beste LÜicnmikhseiio von Bergmann L C©®9 R&debeul. ^.Ä.Henckels Zwillingswerk - Solingen Fabrik feinster Glahlwaren mit -er Sekannken ZwMngsmarke Volle Gewähr für jedes Stück. H aup t Niederlage: Berlin W 66, Leipziger Straße 117/118. Eigene Verkaufsntederleigen: Köln a. llry., Dresden -A., Franhurt a. M., Hamburg, München, Wien 1. Herrenstoffe Weit uhtet Tagespreis Grosse Auswahl Auf Wunsch erstklass. Anfertigung AftAQQ Motzstr. 62 - Tel. NoIIend. 1847 ■ UnOOj zw.VIkt. Luise PI. u. Mart-Lutherstr. “120 ->V2 Pftonpbuflzr Jlppo" feinste ungesalzene AuWutter, wie Teebutter, unter Kontrolle Sr. Ehrn?. des Herrn Provrnzialr<rbbiners Dr. L. Cahn. ^Ulda» hergestellt. In Post- und Bahnsendungen franko unter den Fabrikpreisen, gegen Nachnahme oder Rechnung. Jeder Versuch führt zu dauerndem Bezug! dämmevffftsnidt Mannheim-Feudenheim. » Hugo Landau Versteigerer ”bn«W Taxator . Berlin C25, Kaiserstraße 32a Fernsprecher: Königstadt 2575. Annahme von Versteigerungen jeder Art zu den kulantesten Bedingungen Soeben erschien 18 Jim ii Stobbe ft in WM sozial« ui remitier «MW. Verlag Louis Lamm. Sonderausgabe des Philo Verlag in Pappband M. 600,—. Philo Vertag and BuddumdUmfi G.m.b.H., Berlin SW68, tinüenslr. 13.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.