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Central-Verein-Zeitung · 1922-11-30 · 30 (30.11.1922) · p. Seite 343

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
30 (30.11.1922)
Date
1922-11-30
Page
Seite 343 (sequence 3)
Language
German
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343 .jäMithcn3 «r» Neue völkische Gründungen. Aus Initiative -des baverischen Anttfemitenhäuptlings Obersten v. Achlander fand am 21. November in München -eine Versammlung statt, -in welärer -die bekannten Führer der norddeutschen Antisemiten - v. Gvaefe. Walle unid Graf Reventlow Nedlen hielten und für einen Zusammenschluß der nord- und süddeutschen völkischen- Kreise zu einem großvö lki sch en Bund Propaganda machten. Die konstituierende Versammlung der bäuerischen Sektion des großlwlkischen Bundes sott schon in den nächsten Tagen stattfinden. — Ebenso wie in München wurde auch in Berlin eine „Grvßdeutsch-e Arbeiter- Partei" gegründet. Wie aus der Satzung hervorgeht, will die Partei eine völkische'Partei sein. Mitglied kann jeder „sittlich einwandfreie Deutschstämmige" werden. Die Partei fordert u. a. Bekämpfung der „korrumpierenden Parlamentswirtschast". Todesstrafe gegen Wucherer und Schieber, Schaffung einer „detitschen Presse" und Bekämpfung des jüdischnmterialistifchen Geistes. Der sächsische Schulerlatz und die Berliner jüdische Gemeinde. In der RepräsentanLenversammlung -der Berliner iüdisch-eu Gemeinde haben die Repräsentanten Dr. Klee und Dr. Löb folgenden Antrag eingereicht: „Ist dem Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde bekannt, daß das sächsische Kültusminisieriu-m Erlasse herausgegeben hat. die die Gewissensfreiheit der jüdischen Bevölkerung aufs schwerste bedrohen. Nach einem Erlaß des sächsischen Kultusministeriums ist den jüdischen Schülern das Fehlen in der Schule an den hohen Feiertagen bei Strafe verboten. Welche Schritte hat der Vorstand der Berliner jüdisä-en Gemeinde getan, um bei der Reichsregierung ein Einwirken auf die sächsische Staats- T-e#erimfl im Sinne der Aushebung dieses Erlaßes zu erzielen? Gegebenenfalls. welchen Erfolg haben diese Schritte gehabt?" lich heftig mit den italienischen Faseisten, in denen sie glaubt. Gesinnungsgenossen sehen zu dürfen. Wie sehr sie hierbei irrt, zeigt am besten daS Verhalten der Mussolini-Regierung den Juden gegenüber. Der Innenminister Mussolinis. FL n c i . ist Jude. Der Postminister Co l o n n a di Cesare ist zwar Nich-tjude. aber Präsident des phi-lvsemitischen, kulturwissenschaft-li chen Vereins „Pro Israel". Und eine der ersten Ernennungen. -die Mussolini vollzog, war die des Präsidenten der Kulturkommission der römischen jüdischen Gemeinde. Dr. Ugo Ancona, zum Senator. Energische Maßnahmen gegen den Prager Studeutenstreik. Nachdem -eine Anzahl der Professoren der Prager deutschen: Universität durch ihre Shwpathien den Streik -der deutsch-«arischen Studenten gegen den Rektor Stein her z unterstützt hatten, hat sich endlich der akademische Senat der deutschen Universität zu einer strengen Maßnahme gegen die Streikenden entschlossen, und er verlautbart: „Der akademische Senat mißbilligt auf das schwerste den Streik eines Teiles der Studentenschaft und beauftragt die Disziplinarkommif-sion. das Verfahren gegen die Schuldtra-p,enden einzu-leiten." Der tschechische Unterrichtsminister ließ verlauten, falls bis zum 26. d. M. die Vorlesungen nicht wieder ausgenommen feien, werde die Streichung des Winters c m e st e r s für die deutsche Universität beantragt werden. Der Londoner Polizeiches über die „Weisen von Zion". Der N-ew-Borker Vertreter des ,.I. C. B." hatte eine Unterredung mit dem früheren Polizeichef von London. Sir Thompson, in deren Verlauf Sir Thompson auf die sogenannten „Protokolle der Meisen von Zion" zu sprechen tarn und folgendes ausführte: „Im Jahre 1916 lmbe ich eine gründliche Untersuchung dieser Protokolle vorgenomm-en und dabei festgestellt, daß dieselbennichts als ein a n t i f e m itis ch e s Falsifikat darstellen. Zwar spielen die Juden eine große Rolle in der russischen Revolution: zieht man aber in Betracht, daß 93 Prozent der russischen Bevölkerung aus Analphabeten besteht. und daß unter den restlichen ' 7 Prozent die Juden einen großen Rang einnehmen-, so ist diese Tatsache nicht verwunderlich. Ich glaube glanz und gar nicht an die Existenz eines internationalen jüdischen Derschwörerbundes. Die Not der jüdischen Gemeinden in Preußen. Vor einiger Zeit erschien ein- Nachruf des Vereins israelitischer Lehrer der Provinz Pommern für den Greifswalder Lehrer Goczewski. in welchem erklärt wird, der Verstorbene habe von der Greifswalder israelitischen Gemeinde ein so klägliches Monatsgehalt bezogen, daß er an Hunger und Entkräftung verschieden sei. Der Vorstand der Greifswalder Shnagogengemeinde erließ darauf eine Erklärung, er könne seine Beamten nicht besser besolden, da der größte Teil der Gemeindem-itgli-eder ein außerordentlich geringes Einkommen hat. Im übrigen wird bestritten, daß Goczewski Hungers gestorben sei. Der Greifswach-er Fall hat in der jüdischen Oeffentlichk-eit in Deutschland starkes Aussehen erregt und die Frage der Zusammenfassung sämtlicher deutscher Shnagogengerneinden zu einem Landesverband akuter werden lassen, damit der Staat zur Unterstützung -leistungsschwacher Gemeinden sobald wie möglich herangezog-en werden kann. „Reservierte Plätze." Der Beschluß der Jenenser Klinikerschast. wonach in den klinischen Hörsälen bei den Vorlesungen die ersten vier Bankreihen für die Studierenden „rein germanischer Abstammung" zu reservieren sind, ist vom VoLksbildungsministerium in Weimar für rechtswidrig erklärt worden. Eine ministerielle Verfügung stellt für den Fall der Durchführung des Befchlusses strengste Maßnahmen in Aussicht. Zur Beachtung für die bayerischen Fascistenl Die Münchener uationälsoZialistische Knüppelgarde des Herrn Hitler kokettiert bekannt- Vorträge Professor Goldsteins. Am 17. Oktober fand in Aachen eine 2lustlürungsversÄMmlüng vor geladenem, christlichem Publikum statt, in der Professor Julius Goldstern (Darmstadt) über das- Thema: „D a s -deu t s ch e Geistesleben und die I u d e n" sprach. Fast sämtliche Behörden waren vertreten, insbesondere der Oberbürgermeister, der Regierungspräsident, der Landrat. der Landesgerichtspräsident, der Vertreter des Polizeipräsidenten, außerdem zahlreiche Stadtverordnete. Richter, Staatsanwälte, Beamte. Pwfefsoren der Hochschule und Industrielle. T-er Vortrag Wurde mit großem Beifall --aufgenommen. Am 23. Oktober fand in Chemnitz eine Notabelnversa-mmlung statt, in der Professor Dr. G oldster n (Darmsta-dt) über das Thema: ..Deutscht u ru u n d jüdischer G e i st" sprach. Die Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes Littet unsere Münchener weiblichen Mitglieder, davon Kenntnis zu nehmen, daß ferne Arbeitskurse jeden Mittwoch zwischen 3 und 9*4 Ahr, Klenzestraße 4/0, und seine Vorträge Donnerstag, 30. November, 7. u. 14. Dezember, abends S Ahr, in der Bibliothek der Kultusgemeinde stattfinden. Weitere Auskünfte Dienstag und Donnerstag, 5*4—6*4, in der KulLusgemeinde, erster Stock. Spenden für das soziale HU-fswerk des Frauenbundes dringend erbeten. Erklärung. Mit Bezug auf die von uns mitgeteilte antisemitische Aeußerung, die der Sanitätsrat Dr. Robert Fla Law einem Besucher seines l Sanatoriums gegenüber -getan haben soll, wird uns von glaubwürdiger Seite l mitgeteilt, daß Gesinnung und Vergangenheit Dr. Flatows antisemitische Gesinnung bei ihm ausschließen. Alleinige Afizeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anz eig-en-Aiinalmie für sämtl, Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin SW 19, Jerusalemer Straße 46 -49 / Breslau / Chemnitz s Cöln a. Rh. / Dresden / Düffeldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. / töalle (Saale) Lamburg / Lannover / Leipzig / Magdeburg / Mannheim ✓ München / Nürnberg / Stuttgart / Prag / Wien ✓ Warschau / Basel / Zürich ym4i i^ece- Ww^! Mens is jespannt wie'n Schirm vom Resimann; Allens spannt ob Kanzler Cuno stark is. Ob er for Papierjeld Jold uns bringen kann, Det der Dollar wieder jleich vier Mark is. Butter for zwölf Jroschen, zehn Mark sorn Paar Schuh, (M^^Schirm zwölf fufzig! Hafte Töne? Kannste Cuno bet, dann hätte Deutschland Ruh, Dann wär's Schluß rnll's ewige Jeklöhrre. Lang noch, jloob ick, haben wir die mieße Zeit Und der Herrjott wird mns noch nicht sejnen. Ick Hab' immer trübes Wetter prophezeit, Kinderkens, ick sag'Euch: „et wird rejnerr!" Llrs. In vielen guten Geschäften und bei u.

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