Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 30 (30.11.1922)
- Date
- 1922-11-30
- Page
- Seite 344 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur «beschichte ües Antisemitismus. < u i Uefo« Aus einem Vorträge von Margarete Adam. Die Retchsaeschäftsstelle der Demokratischen Partei forderte kürzlich Fräulein Margarete Ad um auf. bei einer Daauna irr Höxteu über „die geistigen' Strömungen im Katholizismus" zu sprechen. Bei diesem Vortrage gerate Fräulein Adam so ungewöhnliche V-ertrautheit mit reiigionsgeschichtlichen Problemen, daß der Vorsitzende unserer dortigen Ortsgruppe sie bat, in einer Versammlung: des C. B. über den Antisemitismus zu sprechen, einer Aufforderung. der Fräulein Adam schon am nächsten Tage folgte. Ihre Ausführungen bewiesen' -auch hier nicht bloß eine bei Nichtjuden höchst seltene Vertrautheit mit der Materie, sondern überdies so viel selbständiges Denken. daß wir glauben, sie unseren Lesern nicht vorenlhcMen zu dürfen. Die Schriftleitung'. Die ersten Samenkörner des antisemitischen Elements, das die gesamte christliche Kultur durchsetzt und beherrscht, wurden von dem Hauptbegründer des Ch-vistentirms, dein Apostel Paulus, gepflanzt. Paulus, der einzige unter den Aposteln-, der Jesus nicht mehr persönlich gekannt, hatte, stand mit seiner Auffassung in scharfem Gegensatz zu der Auffassung des persönlichen Freundeskreises um Jesus, dessen vornehmster Repräsentant Petrus war. Petrus sah in Jesu Werk lediglich den Versuch, das im Formalismus erstarrte Judentum zu verlebendigen und von innen heraus zu reformieren. - . - : Paulus sah in Jesus den von Gott umnittelbar beauftragten Boten Gottes, dessen Mission es war, das Judentunp auszulösen und aufzuheben, und an seine Stelle ein 'absolut Neues, eine für alle Völker der Erde verpflichtende Lehre zu verkünden. Zweifellos war in dieser Kontroverse das Uebergewicht an geistiger Schulung, Wissen und Energie bei Paulus, dessen Auffassung denn auch. den Sieg davontrug. Im Verlaus des Streites, der einen heftigen Kampf um die w-eitere Existenzberechtigung des jüdischen Gesetzes bedeutete, lvurde die Paulinische Ausbildung dev christlichen Lehre naturgemäß von stark ju den feindlichen- Elementen durchsetzt, so stark durchsetzt, daß die Eliminierung dieses Elementes gleichbedeutend wäre mit der Aufhebung des Paulinischen Christentums. Das junge, vom jüdischen Mutterboden losgelöste Christentum hatte sich in den folgenden- Zeiten nun auch mit anderen, vor allem mit griechischen,-hellenistischen, asiatischen Bewegungen und Kultur- ) saktown auseinanderzu setzen. Die ersten vier bis fünf Jahrhunderte j sind ausgesüllt von diesen Kämpfen und Kompromissen; der Abschluß und zugleich Höhepunkt dieser Epoche, wird erreicht im Konzil von Nicäa 325. Der Sieg der Achanasianischen Partei mit ihrem Dreifaltigkeitsdogma bedeutet d-ie endgültige, scharfe Scheidung vom Judentum; die griechische Logoslehre, die bereits in den Paulinischen Briefen und im vierten Evangelium (Johannis) eine Rolle spielte, ist in das Christentum ausgenommen. Dev strenge Monotheismus des Judentums mußte von nun ab so etwas wie das schlagende Gewissen des- Christentums sein, das in seiner unmöglichen Formel Jbie Dreiheit ist gleich eins" vergeblich einen Ausweg aus dem Dilemma suchte. Der bis heute noch nicht überwundene Zustand war geschaffen, den der Rabbiner Dienemann mit den Worten ausdrückt: das Christentum ist nicht monotheistisch, es verfolgt aber monotheistische Tendenz. Die heimatlosen Juden folgten dem siegreich vordringenden Christentum aus jedem seiner Erob-erungszüge. Furcht vor? christlicher Beeinflussung und pietätvolles Festhalten an, der Eigenart der väterlichen Lebensführung führte zur Abfon derung-, zur anfänglich freiwilligen Ghettoisierung. Absonderungen innerhalb einer Gemeinschaft werden immer unliebsam empfunden; ein leises Mißtrauen dem in seinem Denken, Empfinden, Tun und Lassen nicht zu durchschauenden, äußerlich auch einen anderen Typus darstellenden, sich.stolz absondernden Fremdling gegenüber wird von Anfang an vorgeherrscht haben. In der Zeit des Ni-ederganges,, 10. bis 14. Jahrhundert, als die Kulturvölker des Abendlandes schwer unter inneren, undäußeren Fehden, Krieg, Hunger, Pest litten, als sich alle dekadenten Begleiterscheinungen einstellten,, Verrohung, Perdummung, Aberglauben, suchte man — eine ewig wieder kehrende Erscheinung — nach, einem Schuldigen, denr Sündenbock. Es war unschwer, den Blick auf die numerische Minderheit der jüdischen Bevölkerung, die man versetze sich in die durch die Kreuzzüge ^religiös fanatisierte Zeit — obendrein das Kainszeichen dev Mörder Christi auf der Stirn trugen, zu lenken. Das dein Christentum integrierende, antisemitische Element gedieh in dieser Atmosphäre zur vollen Frucht: die furchtbaren Verfolgungen der Jahre 1348/49. Die seit der Geburt des Christentums aufsteigende Linie des Antisemitismus hatte ihren Höhepunkt erreicht und hielt sich aus dieser Höhe bis aus das Resoxxmvtionszeitalter. Die Reformation ist der Anfang der bis zum heutigen Tage ununterbrochen fortgesetzten Bestrebungen, das. Christentum aus seine ursprünglichen Elemente zu reduzieren. Luther blieb noch bet Paulus stehen; der Lutheranism-us baute sich zunächst auf dev von den Paulinischen judenseindlich durchtränkten Basis aus. Der Pvotestantism.us blieb aber hiev nicht stehen, und seit Jahrzehnten erschallte lauter denn je der Ruf: Fort von Paulus, hin zu Christus. Pudding- Jt pulver Speisenwürze $ INNER ArG. KARL SRUHE- GR ÜNWINKEL «Allerlei Gelegenheitsgegenstande: Antiquitäten, SckmuÄsachen, Möbel. Wirtschaitssachen. Kleider, Pelze. Reisekoffer übern. Kaufund Verkauf kommissionsweise bei zchuprozentigern Preisausschlag oder fest. Ausstellung. Lagerung, Eckbausladen, spesenfrei. Kommission-- bureau, Lharlottenburg» Kleiststraße 36. (Nllds. 4940.) Jw fäf SIMM Nllen- MW finden durch die X.II.-ZHI weiteundzweckentsprechende Bekanntgabe. ZeilLMMN. Somit so°/o Nachlaß. von Bergmann L Co., Radebeul, die beste LiliefimUchseiie für zarte, weiße Haut u. blendend schönen Teint» Überall zu haben# Gardinen-§ Noch geben wir Ihnen jetzt die günstigste Gelegenheit, sich bei uns einzudecken bzw. durch Anzahlung zu sichern. 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