Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 29 (23.11.1922)
- Date
- 1922-11-23
- Page
- Seite 337 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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greisen Gelehrten und Priesters. Wie in Herz und Haus seiner Gemeinde, so hat er sich auch in deren Vergangenheit einheimisch zu machen gewußt. In einer.Behandlung der „Judenerben" wird man den städtischen Judenturm und eine Aufzählung der Mainzer Synagogen bis zum Jahre 1912 nicht suchen. Aber man spürt, daß das Decwobensein mit einem ihm traut gewordenen Arbeitsgebiete Salseld.noch einmal zusammensassendes Gestalten auferlegte. Salseld bleibt das Verdienst, einen mehr als nur ortsgeschichtlich ansprechenden Gegenstand mit sorglicher Hingebung behandelt zu haben. Mainz. Prof. Dr. Heinrich Heidenheimer. Ein Snes an Pastor weöekinö in Kiel* „H a kenkre u z u n d K r e u z C h r i st i" Herr Pastor! Mir ist ein von Ihnen heraus gegebenes Flugblatt „Hakenkreuz und Kreuz Christi" und ein Bericht der „Kieler Neuesten Nachrichten" vom 11. Juli d. I. über einen von Ihnen im Luther-Hause gehaltenen Vortrag über „Die Judensrage" Angegangen, in denen sich Behauptungen finden, die ich nicht unwidersprochen lassen möchte. Zuvor jedoch kann ich Ihnen beistimmen, wenn Sie es für eine heilige Pflicht erklären, „für sein Volk und Vaterland, für die gottgewollte und gottgewirkte Eigenart seines Volkstums einzutreten!" Sie werden uns Juden nicht bestreiten, daß wir diese heilige Pflicht durch ein Jahrtausende währendes Martyrium erfüllt haben. Auch darin darf ich Ihnen beistimmen, daß Sie für die Wertschätzung des Alten Testaments die Tatsache ansühren, „daß Jesus selbst ganz und gar auf dem Boden des Alten Testaments gestanden". Sie werden es sicherlich uns nicht verübeln, daß wir auf demselben Boden auch, heute noch stehen und in dem Alten Testament die unverrückbare Grundlage unseres Gottesglaubens sehen. Doch nun zu den Anklagen gegen uns. Die „Neuesten Nachrichten" schreiben in Ihrem Namen: „Seit dem Tage von Golgatha lastet ein offensichtlicher Fluch auf dem Volk der Juden!" Ich darf Sie billig fragen: „Wessen Fluch?", etwa der Fluch der Menschen oder der von ihnen gebildeten Kirche? Das dürfen wir nicht allzu schwer nehmen im Hinblick auf das- Schristwort: „Wer dich segnet, den werde ich segnen, und wer dir fluchet, dem werde-ich fluchen, und durch dich sollen gesegnet sein alle Geschlechter der Erde." Oder ist es der Fluch Gottes, der auf uns lastet? Wir müssen! unser Geschick als solches doch nicht empfinden, denn sonst würden wir versuchen, ihm uns zu entziehen. Gewiß ist das'Leben in der Diaspora eine schwere Aufgabe, aber wir müssen dessen eingedenk sein, daß die ägyptische Sklaverei einen Moses, die Rivalitätskriege Zwischen Babylon und Aegypten aus Palästinensischem Boden die Propheten, das Babylonische Exil den zweiten Jesaias und die Römerherrschast Jesus Christus hervorgebracht hat. Doch ich vergaß, der Fluch lastet erst auf uns seit dem Tage von Golgatha. Demgegenüber darf ich Hinweisen aus Worte christlicher Forscher, die zu wesentlich anderen Schlüssen gekommen sind. Ich nenne die Schrift von R. Travers Herford: „Was verdankt die Wett den Pharisäern" und die Schrift des Botanikers Schleiden: „Die Bedeutung der Juden für die Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaft im Mittelalter". Für die neuere und neueste Zeit sei an Namen wie Spinoza, Mendelssohn, Lassalle, Wassermann, Ehrlich und Einstein erinnert. Bezüglich der kommerziellen und wirtschaftlichen Bedeutung der Juden verweise ich auf die Rede Lord Balfours im englischen Unterhause anläßlich der Vertretung der Palästinapolitik. Eine zweite These lautet: „Der jüdische Geist ist zersetzend." Wer die Juden kennt und beobachtet, daß ein großer Teil von Ihnen noch in Formen und Anschauungen lebt, .die weit in die talmudische Zeit hineinreichen, könnte eher zu 'der Ueberzeugung kommen, daß sie äußerst konservativ gerichtet sind. Jur übrigen dürfte das Auftreten des Bonifacius der germanischen Umwelt oder die Tätigkeit Luthers seinen katholischen Volksgenossen sicherlich als verheerend und zersetzend erschienen sein, während Sie, Herr Pastor, die Bestrebungen der Hakenkreuzler, „eine neue Religion an die Stelle des Christentums" zu setzen, für einen furchtbaren Frevel halten und eine Religion ohne Luther sich nicht denken können. Ich möchte als biologische Tatsache betrachten, daß kein lebendiger Organismus der Zersetzung! anheimfällt, es sei denn, daß «er schon den Keim des Todes m sich trägt.- Oder darf ich gar annchmen, daß der Kampfruf gegen „die gegenwärtige Judennot" nur als Blitzableiter dienen soll, wie -schon so vielfach in der Geschichte, um die Gefahr, die der Kirche droht, zu bannen. Die letzte These lautet: „Wir wollen nichts daß Fremde über uns herrschen." Wenn mit den Fremden die deutschen Juden gemeint sein sollen, die seit der Römer Zeiten auf deutschem Boden wohnen, so machen sie noch nicht ein Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Und Ein Gefchenk, das Freude macht is dürfte wohl kaum ein Parfüm geben/ das fo fein abgeßimmt, fo zart-pikant in feiner Wirkung iß, wie Myßikum Parfüm. Nie jj? e* ufdringlich und für die Umgebung des Trägers beläßigend, dabei iß es doch ßark und haltbar im Geruch. 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