Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 29 (23.11.1922)
- Date
- 1922-11-23
- Page
- Seite 336 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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336 < u i 11$ ton Die Mainzer Iuöenerben. Otto v. Frei sing, ein Geschichtsschreiber des 12. Jahrhunderts, hat in seinem Werk über die Taten Kaiser Friedrichs anläßlich einer- Belagerung von Mainz geschrieben: Diese Stadt sei groß und stark an der Seite, wo sie den Rhein berühre, dicht und. volkreich, aus der anderen Seite aber dünn bevölkert und öde. Weithin sich erstreckend in der Lange, in der Breite schmäler — so habe der Zwang der örtlichen Verhältnisse sie gestaltet. Vornehme Tempel und Gebäude schmückten ihre Rheinseite, Weingärten und Nutzpflanzungen träfe man aus der Gegenseite. Erlen Silvio Piccolomini, der scharsblickende Neisebeobachter aus dem 15. Jahrhundert, rühmt an Mainz die Großartigkeit seiner Gotteshäuser; nichts sei an dieser Stadt auszusetzen, als die Enge der Straßen. Im Jahre 1520 pries Ulrich v. Hutten in seinem Zwiegespräche: „Vadiscus oder die römische Dreifaltigkeit" das „goldene Mainz". Von allen Städten der deutschen Nation erwerbe es sich, durch die Gunst seiner Lage und die Güte des Himmelstriches, der sich über ihm wölbe, das höchste Lob. Er rühmte: „bessern lufst Hab ich in keiner Stadt nie sunden"; es gab aber auch zeitweilig eine andere, eine heiße, 'brennende, schwelende Hoffnungen und LebenMüten tötende Lust in dieser Stadt. Die Mainzer Stadtbibliothek besitzt eine hebräische — die Bücher Josua, Richter, Samuel, Könige. Jeremias und Ezechiel enthaltende — Pergamenthandschrift, die der 1473 verstorbene Mainzer Weihbischof Siegfried Piscatoris, ein Hebraist, befaß, die späterhin an die Mainzer Franziskaner- und Jesuitenniederlassung kam, dann in den Besitz der Universität und mit deren Bibliothek an ihre heutige Bewahrerin gelangte. Ein bald nach des Weihbischofs Tod gemachter Eintrag besagte: Juden hätten vergebens versucht/ dieses Buch um hohen Preis wiederzubekornrnen; das dürfe aber nicht geschehen, deurr nicht besser könnten bie spitzfindigen Lehrsätze der Juden widerlegt werden, als aus ihren eigenen Schriften. Die angeführte Handschrift stammt wohl aus denr 13. Jahrhundert. War sie in einer von b*eu Mainzer Synagogen benutzt worden? Wir wissen es nicht, aber wir wissen, daß die Gesinnung, die aus der Inschrift zutage tritt, es war, deren rachsüchtige, blutdürstige Gestaltung viele Mainzer Judercheimstätten zu Zeugen von Elend und Verzweiflung, von tränenvoller Flucht gemacht hat. Dieser Gesinnung steinernes Endergebnis sind die Judenerben, von denen eine beachtenswerte Arbeit Pros. Dr. Salselds handelt.*) Man verstand unter Judenerbe eine Liegenschaft, die aus jüdischem Besitz in die Hand des Erzbischofs, dann der Stadt gekommen war. Dieser Judenerbe hatte Salseld in einem früheren Aussätze mit den knappen Worten gedacht: „Die Judenerben (d. i. der Jnunobilienbesitz der über das Meer geflüchteten Juden) sind in den Besitz der *) Professor Dr. S. S a l f e I d. Die M >a i n z t x Iudene t b e n. Beitrag zur Tovograbbie des alten Mainz. Sonderabdruck aus der Mainzer Zeitschrift. Jahrgang XII. - S tadt über gegangen und w erden in den S tadtausnahmen bis Endä des 16. Jahrhunderts aufgesührt. 1462 hat sie Erzbischof Adolph II. für den Staat eingezogen; der Kurfürst Johann hat sie 1655/Juli 21., wieder der Botmäßigkeit der Stadt unterstellt." In seiner neueren Arbeit nun hat Salseld diese steinernen Gefüge, unter sorgsamer Erforschung, mit Leben zu umkleiden verstanden. Ihrer Betrachtung schickt er, in raschem Durchgehen, eine Darstellung voraus, die das Wesentliche der Daseinsverhältnisse der Mainzer Juden innerhalb der Mainzer Gesamtheit, bis zum Ende der Stadtsreihei t im Jahre 1462, enthält. Bereits im 10. Jahrhundert war die Gemeinde hervorragend und maßgebend sür andere; kaufmännische und. gelehrte Tätigkeit blühten in ihr. Schon im frühen Mittelalter hatten die Mainzer Juden ein eigenes Wohnviertel, die „jüdische Niederlassung", die Gegend ,,inter Judeos" („unter den Juden") inne; aber auch Christen wohnten in ihm und es hatte keine abschließende Schutzmauer. Die Juden dursten. Grundbesitz erwerben, und bis in die Mitte des 11. Jahrhunderts konnten sie auch in anderen Straßen wohnen. Die Greuel der Judenverfolgungen änderten das geruhige Leben qualvoll. Angebliche Ritualmorde und deren Folgen nötigten zur Flucht. Kaiser Rudolf beauftragte im Jahre 1236 den Erzbischof, alles Eigentum der entwichenen Juden einzuziehen und nach Gutdünken damit zu verfahren. Ter Stadt jedoch gelang es, den Eigentumsanspruch, den sie erhob, durchzusetzen, und sie vermehrte den dadurch erhaltenen Besitz späterhin, als neue Verfolgung neues Sterben und neue Besiherlosigkeit von Liegenschaften hervorgerusen hatte. Salseld hat diese Vorgeschichte, „Der Sted-e Juddeuerbe", in lebendiger, flüssiger Form entwickelt, man merkt seiner Darstellung auch gern an, oaß sie aus denr Empfindnngsleben des geschichtlich durchaebildeten Gemeindegeistlichen geschrieben ist. lieber die Judenerbe konnte man sich früher teilweise aus der — aber vielfach unzuverlässigen — „Diplomatischen Geschichte der Juden zu Mainz", von K. A. Schaab, unterrichten. Salseld legte feiner Behandlung eine bis jetzt unverw-ertete Steuerliste aus dem Jahre 1432 zugrunde, die sich unter den reichen Bestünden an Kurmainzer Archivalien im Kreisarchiv in befindet. Dieses Verzeichnis erläuterte er nach Möglichkeit. In alphabetischer Folge werden uns die bekannten 511 Häuser vorgeführt, die sicher oder wahrscheinlich im Besitze von Inden gewesen sind. Einige weisen durch ihren Namen: Juden-Backhaus — Judeneck — Judenhaus aus dem Sand — Inden-Hut — Jüdisches Hospital — Judenpfeffer — Zum roten Juden — Judenscharn Judentanz — Kaltes Bad auf ihre Zugehörigkeit hin. Salseld gibt die mainzische aus diese Gebäude bezügliche Literatur, handschriftliche und urkundliche Quellen an. Noch bis in das 18. Jahrhundert führt er Besitzer dieser Häuser aus, eine Ausdehnung, Die nicht mehr durch den Begriff „Juden erb e" -gedeckt wird, sondern durch die Freude, einen weitgesteckten Abschluß zu bieten, hervor gerufen sein mag. Die Frage, ob von diesen Häusern heute noch irgend welche in ursprünglichem Zustande vorhanden find, ist zu verneinen, was über die wenigen, noch mit ihren Namen belegbaren zu sagen war, findet man in dem wertvollen Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Stadt Mainz, I. Teil (Privatbesitz), das Prof. E. Neeb 1905, Verlag des Altertums, herausgegeben hat. Eine Fülle erläuternder Betrachtungen, die Salseld aus seiner vieljährigen Beschäftigung nlit der Geschichte der Mainzer Juden in Fleisch und Blut über ge gangen waren, durchzieht die Schrift des Alleinige Anzeigen-Annaluae Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 8XV19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz ✓ Cöln a. Rh. /" Dresden ✓ Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a. M.. / Lalle (Saale) Lamburg / Lannover / Leipzig- / Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg / Stuttgart / Prag / Wien / Warschau / Basel / Zürich 3. Gltfir fi$^i***+<n****'p 32. „Steinach" — sprach der Nesimann — »hat entdeckt die große Kunst, Zu verjüngen jedermann zu erneuter heißer Brunst: Schwache Greife, hüstelnd heiser, pfeifend aus den letzten Lungen, Sieche Bettler, alte Kaiser, zwanzigjährige Lebejuugen, Greise Frau'n mit weißen Locken, alte Säufer, schlapp vom Trgnk, Und Gelehrte, schon ganz trocken: Steinach macht sie alle jung. Nur die Schirme kann verjüngen er mit seinen Künsten nimmer Die mußt Du zu f RESt) bringen, der verjünget sie Dir immer. Was zerbrochen Dir die Rangen, was -zerrissen Dir der Wind, Griff und Stock, Bezug und Stangen: alles heilt man hier geschwind. Dahin eile ohne Rast! Denn sonst kann Dir's noch begegnen. Daß Dustr ganz kaputten Schirm hast, wenn auch Du merkst: I In vielen guten Geschäften und bei rtertäl. N0:Ländsberqerd2.N:ChäUssee 1A MwOMfWr 4W* y $l\Qj. 4^. I». (JA*. 1810 AJv. ßtyniv/’