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Central-Verein-Zeitung · 1922-11-23 · 29 (23.11.1922) · p. Seite 334

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
29 (23.11.1922)
Date
1922-11-23
Page
Seite 334 (sequence 2)
Language
German
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334 völkisches Rulturöokument. Auf der jüngste-n A k a d e m i k e r z u f a m m e n k u n f t in Leipzig — also auf einer Zusammenkunft, deren Teilnehmer man leicht für gebildete Menschen halten könnte — wurde folgendes zu Protokoll gebracht: „Die Einstein-Theorie^ für welche von jüdischer Seite so viel Propaganda gemacht wurde, kam am 17. Oktober vormittags zur Besprechung und wurde mangels genügender Beweise mit überwältigender Mehrheit abgelehnt." Womit also der arme Einstein endgültig erledigt ist. Er wird wohl angesichts dieses Votums nicht umhin können, aus den Nobelpreis, der ihm kürzlich verliehen wurde, zu verzichten. Daß die gesamte Kulturmenschheit in der Bewunderung dieses Gelehrten einig ist, daß im Vorjahre selbst das Frankreich Poinrarös von einem Begeisterungstaumel für diesen deutschen Professor ergriffen war, daß der Präsident der Vereinigten Staaten bei der Begrüßung Einsteins erklärte, stolz zu sein, dem größten lebendenZertgenossen die Hand drücken zu können, — das alles ist für diese Leipziger Hakenkreuzschnäbel „jüdische Propaganda". Und sie verwerfen Einstein mit „überwältigender Mehrheit". Wer aber druckt diesen Beschluß frohlockend in seinem Blatte ab? Herr Dietrich Eckart, der Herausgeber des „Völkischen Beobachters". Derselbe, der neulich Friedrich Nietzsche eine „jüdische Canaille" nannte und damit seine Zugehörigkeit zu jenen Leipziger „Akademikern" (!) treffend bewies. Diese Leute aber nennen sich Deutsche, ja sie brüsten sich, das wahre Deutschtum zu vertreten. Und haben vom wahren Deutschtum, vom Deutschtum Bachs, Kants, Goethes, so wenig Ahnung wie von Einsteins Relativitätstheorie. Der DerrtfthrraLionale Jugenöbunö. Dieser Bund behauptet immer, nicht judenfeindlich zu fein. Im Rathenau-Prozeß konnte man ähnliche Auffassungen hören. Wie es in Wahrheit damik^steht, beweist die Zeitung „Nationale Jugend", die vom Deutsch« ationalen Jugendbund herausgegeben wird. In der Nummer 19 findet sich ein Bericht über eine Zusammenkunft des Landesverbandes Baden des Deutschnationalen Jugendbundes, verfaßt von einem Herrn v. Reichenau. Herr v. Reichenau hat in diesem Bericht, den er offenbar an dem Festabend vorgetragen hat, folgendes ausgeführt: „Zum Volkstum sich bekennen- 'heißt, sich wehren gegen volksfremden Geist, gegen volkssremde Sitte und Art, getreu der Goethescheu Warnung: Was -euch nicht angehört, Müsset ihr meiden; Was euch Vas Innere stört. Dürft ihr nicht »leiden! Und deshalb vor allem gegen das I u d e n t u m." Dann bringt Herr v. Reichenau ein Zitat aus Herder, das keineswegs die endgültige Auffassung Herders in der Judenfrage wiedergibt, und führt weiter aus, „daß -Vas Judentum im Deutschen Reich immer entschlossener, immer Ziel-bewußter -aus politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete eine Vorherrschaft erstrebt und teilweise ausübt, die den Deutschen das Mark aus den Knochen saugt und das Deutschtum zernagt und zerfetzt und letzten Endes zerstört" Jetzt wage noch einer zu bch-aupLen, daß der Deutschnatwnale Jugendbund nicht durch und durch judenfeindlich i[ü- Die -rutschen Iuöen und öie Doöenreform. Auf der kürzlich in Kar! sruhe abaLÜa-ltenen Hauptversammlung des Bundes deutsch e r Bvd e n r eso r me t dielten auch die Vertreter der verschiedenen »badischen R-euaionsverbände Bearüßimasansprachen. darunter Tiplourinaenieuv Max Ettlinaer. der sollendes saute: , »Im Namen des badischen Oberrats der Israeliten bade ich die Ehre, Sie hier zu begrüßen. Ich tu« das mit aanz besonderer Freude als altes Mitglied unseres Bundes. Ich tue das aber auch mit Stolz als Jude und als badischer Jude. Ein Jude in Baden war einer der ersten, der, wenn auch auf andere Weise als unser Jäh rer Damaschke. Bvdcnresovmaedanken vertrat — Michael Flurscheinv in Gagaencu-l. Aber ich tue es auch mit Stolz als Jude. Wir leben in einer Zeit, in der uns in Deutschland nichts bitterer not täte, als uns gegen seitia zu verstehen und zusammen?,uhalterr. Und in einer solchen Zeit verwenden wir einen Teil unserer Kraft mif Partei- und Klassen kämpfe, auf Nassen- und Konsessi-onsstreitiakeiten. Die Bodenreform ist wohl der Wen. der uns zeigen kann, wie mir uns in arme infamer Arbeit verstehen lernen können. Ich denke an Henrv Georges „Moses" und an die Kapitel über die „Bodenresorm in Israel" in Damaschkes «Tie Bodenreform" und in seiner „Geschichte der Nationalökonomie". , Ich empfehle Ihnen allen, Christen oder Inden: V-ergeaenwärt-igen Sie sich, was es heißt. daß die erste Gesetzgebung. die ganz und aar auf bodenresormerischen Gesichtspunkten aus gebaut war, die bMische Gesetzgebung ist. Es ist eine vielbemerkte Tatsache, daß außer den Zehn Geboten der Hei-ligen Schrift keine andere Gesetzgebung so wichtig erscheint, eingoleitet zu voerden mit den Worten: „And Gott sp-rach am Berge Sinai", wie nur die Bodengesetzgebung. Seien Sie dessen emaedenk. und dann wird die Bodenreform neben allem auch dazu führen, daß wir uns verfrehen lernen." (Lebhafter Beifall.) Auf diese Rede erwiderte der Führer der Vodenveformer. Dr. Adolf Damaschke: „Es ist immer Stolz und Stärke unseres Bundes gewesen. ehrlich politisch und religiös neutral zu sein. Wer helfen will an dem großen Werk, der ist willkommen, wo immer er sonst stehen mag aus Politischem und. relittiöseur Gebiete. Cs ist so. wie der letzte Redner sagte, wir könnten als unser Programm auch das uralte Wort Vom Berge Sinai (3. Buch Moses. Kapitel 25) nehmen: „Ihr sollt den Boden niM verkaufen ewi-glich. Denn die Erde ist mein, und Ihr Menschen seid nur Lebensträger und Gäste vor mir." Zur Organisation -es lokalen Mwehrkampfes. ' Von Landgerichtsrat Dr. Ka m n itze r (Danzig). Die Schwere des Abwehrkampfes, den wir zurzeit gegen den Antisemitismus zu führen haben, erfordert die größtmögliche Ausnutzung aller für die Abwehr in Frage kommenden Faktoren und Instanzen. — Man trifft immer noch Leute, die der Ansicht smd, daß sie für die Abwehr des Antisemitismus genug getan haben, wenn sie ihren Beitrag für den C.B. zahlen und die „C. V.-Zeitung" lesen, das übrige wird „der Central-Vevein in Berlin" schon besorgen. Man kann nicht oft genug auf das Verkehrte dieser Ansicht Hinweisen. Der Vorstand und das Syndikat des C. V. rönnen und dürfen — wenn sich ihre Arbeit nicht zersplittern soll — den Abwehrkamps nur nach großen Gesichtspunkten und in besonderen prinzipiell liegenden Fällen führen, sie müssen in der Hauptsache der Generalstab sein und bleiben, der die eigentlichen Kampfverbände mit Rüstzeug, mit Material und Information zu versehen hat. Die eigentlichen Kampsverbände aber müssen die l o k a l e n Organisationen sein. Erst durch sie kann die Arbeit der Zentrale zur rechten Wirksamkeit gebracht werden. Zur Organisation des lokalen Abwehrkampses sollen die nachstehenden Ausführungen einige Anregungen geben. Sie beruhen zum Teil auf in der Praxis gemachten Erfahrungen, zum Teil sind es aus den Mängeln der lokalen Abwehrorganisation geborene Wünsche. ■ Zunächst ist es erforderlich, die Abwehrtätigkeit innerhalb eines Ortes zu zentralisieren. Man tut dies am besten, indem man die eigentlichen Abwehraktionen in die Hand einiger — keineswegs zu vieler — tatkräftiger Männer und Frauen legt. Der Vorstand der Ortsgruppe des C. D. wird hierzu — insbesondere in größeren Städten — schon zu groß sein. Es wird auch auf die Zusammensetzung der Gemeinde ankommen für die Frage, ob man nur Mitglieder des C. V. hierfür erwählt. Da sich der Antisemitismus gegen sämtliche Juden richtet, wird eS möglich und im Interesse der Zentralisation zweckmäßig sein, alle Richtungen innerhalb der Gemeinde für den Wwehrkamps zu interessieren. Wir haben. dies in Danzig in der Weise gemacht, daß wir aus sämtlichen jüdischen Organisationen einen Gesamtausschuß für die Abwehr bildeten, der wiederum aus seiner Mitte einen A kt i o n s a u s s chu ß erwählte. Dieser Aktionsausschuß, dem auch ein Zionist angehörte, zieht bei der Behandlung bestimmter Fragen Angehörige der gerade interessierten Kreise hinzu, z. B. Pressevertreter — jeder Aktionsausschuß sollte ein ständiges Pressemitglied habeni —, Studenten, Ostjuden. Dieser Aktionsausschuß hat in möglichst regelmäßigen Abständen zu tagen. Er hat sich als sehr wichtiges Hilfsmittel ein Archiv anzulegen, in dem sämtliche Informationen über antisemiiische Vereine und deren Führer, antisemitische Geschäfte, Antisemitismus in den Schulen, in der Presse usw. zu sammeln sind. Er hat jedem antisemitischen Ausfall sofort energisch entgegenzutreten und über die wirksamste Art der Abwehr zu beraten. Der Hauptvorteil eines solchen Aktionsausschusses besteht darin, daß er allmählich eine gewisse Technik in der Abwehr des lokalen Antisemitismus erlangt. Durch den ständigen Verkehr mit den Behörden, der Presse, den Schuldirektoren und anderen Stellen sammelt er Erfahrungen darüber, an welcher Stelle die Abwehr am wirksamsten einsetzt. Eine der wichtigsten Aufgaben dieses Aktionsausschusses ist. die Gemeindemitglieder daran zu gewöhnen, alle ihre Beobachtungen und Informationen, die auf den Antisemitismus Bezug haben, dieser Zentralstelle mitzuteilen. Diese Ausgabe ist in größeren Gemeinden außerordentlich schwer. Diese Schwierigkeit hat ihre Ursache zum Teil in dem starken Temperament vieler Glaubensgenossen, das sie zu dem Glauben verleitet, daß sie die Abwehr eines antisemitischen Erlebnisses wirksam nur selbst durchführen könnten. Da dies aber, wie viele Erfahrungen uns gelehrt haben, nicht der Fall ist. so ist eine weitere Aufgabe des Aktionsausschusses die Erziehung der Gemeindemitglieder zur Abwehrdisziplin. . Vielleicht gelingt es diesen Anregungen, die lokale Abwehrtätigkeit hier oder dort zu fördern.

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