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Central-Verein-Zeitung · 1922-11-16 · 28 (16.11.1922) · p. Seite 326

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
28 (16.11.1922)
Date
1922-11-16
Page
Seite 326 (sequence 6)
Language
German
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o*2'6 Bor^ jn-ischev Wohlfahrtspflege. Herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden (0 2, Roseust'ratze 2—4). Eine überaus lesenswerte Publikation, die sich in einer Reihe von Aussätzen aus berufener Feder mit allen Gegenwartsproblemerv jüdischer Sozialpolitik auseinandersetzt. Besonders die aktuellen Fragen der Jugend- und Krankensürforge finden fachgemäße Behandlung. Indische Jngendblätter. HerausgegeLen von der Esra-Bundesleitung. Schriftleitung Berlins Verlag München, Rindermnrkt 13. Unter diesem Titel haben gesetzestreue Jugendführer eine Monatsschrift geschaffen, die frei von jeder jüdisch-politischen Tendenz, sich nur an die Jugend wendet. Ihr Ziel ist: altjüdisches Wesen in modern pädagogischer Darstellung zu verbreiten, und das gesamte tägliche Leben der Jungen und Mädchen jeder Altersstufen von einem einzigen Gesichtspunkt zu umfassen: dem des überlieferten Judentums. In geschickter Weise wird versucht, die Synthese Zwischen altjüdischer und moderner Weltanschauung herzustellen und den Gegensatz zwischen Profanschule und Religionsunterricht im Herzen des Kindes zu überbrücken. Lüge nnü Fälschung als geistige Kampfmittel. Von C u r t Bürger. Nur von absichtlichen Unwahrheiten, von bewußten Lügen und Fälschungen soll hier gesprochen werden, nicht von unzu- Lreffenden Parteischlagworten, die nun einmal in den Kampf der modernen politischen Richtungen eingerissen sind, und wohl auch schwerlich wieder ganz auszurotten sein werden, und die man sich daher nachgerade schon gewöhnt hat als unvermeidliches Uebel oder — um im Kurialstile Zu sprechen — als- „läßliche" Sünden Zu betrachten. Th. Fontane hatte wohl etwas Aehnliches im Sinne, wenn er, mit gelinder dichterischer Uebertreibung (in den Briefen an seine Frau, 13. März 1888), schreibt: „Bewußt wird, von K a i s e r u n d Koni g an bis Zum Bettler hinunter, g e - I o g e n, vor allem eine" beständige Gefühls- und Scheinheiligkeitskomödie aufgesührt. Was wir Glauben nennen, ist Lug und Trug, oder Täuschung, oder Stupidität; was wir Loyalität nennen, ist Vorteilberechnung; was wir Liebe nennen, ist alles mögliche, nur meist nicht Liebe; was wir Bekenn tnistreite nennen, ist Rechthaberei." — Das ist ein über das Ziel hinausschießendes, vielleicht einer momentanen Erregung entsprungenes allgemeines Verdammnisurteil, dem wir uns nicht nnschüeßen möchten, aber ein richtiger Kern steckt wohl darin. Doch wir wollten von den offenen oder versteckten giftigen Verleumdungen reden, von den E h r a b s ch n e i d e r e i e n , die im politischen Leben leider einen so großen Umfang angenommen haben, von denen Friedrich der Große einmal gesagt hat: „T inte kann man wohlfeiler vergießen als Blut; aber Beschimpfungen sind schlimmer als Wunde n!" Ihre eigentliche Domäne war früher die hohe Politik der großen Potentaten und ihrer Staatsmänner. Talk ehr and , Metternich, Be u st waren Meister aus diesem Gebiete. Ignatiew, der einflußreiche Förderer des Panslavismus, in dessen letzte Amtszeit noch die Anfänge der „Ochrana", der berüchtigten „Schwarzen Hundert" sielen, die mit ihren gefälschten Berichten über die Juden den letzten Zaren, und auch seine Vorgänger in Anast und Schrecken versetzten, hat man mit Recht den „Vater der Lüge" genannt. Deutschlands innerpolitische Kämpfe waren, wenn man von der Kamarilla, die den sicher schon viele Jahre vor seinem Rücktritt geistig schwer erkrankten Friedrich Wilhelm IV. vollständig beherrschte, und dem Bubenstück der „Kreuz-Zeitung" gegen Waldeck absieht, im allgemeinen von dem Gift der Lüge verschont geblieben. Wie sehr auch der Berfassungskonslikt in Preußen die Gemüter erhitzte, wie leidenschaftlich auch der sogenannte Kulturkampf geführt wurde, der objektive Historiker wird nicht seststellen können, daß Kämpfe — abgesehen vielleicht von einigen Entgleisungen untergeordneter Organe — von den maßgebenden Führern der einander gegenüberstehenden Parteien mit Lug und Trug geführt worden sind. Das alles ist erst eine Errungenschaft der nachbismarcki sehen Zeit, der „herrlichen Tage", denen Deutschland entgegengesührt werden sollte, als die Leckert-Lützow ihre Schwingen zu regen begannen — und hat f h zu einem vollkommenen System ausgebildet von dem ugenblick an, gls der A n t i s e m i t i s m u s aus den Plan trat. Im Bunde mit den alldeutschen' Weltverschluckern und Kriegstreibern und unterstützt durch militärische Kreise, hat dann die völkisch-nationalistifche Bewegung die Waffe der Lüge insbesondere im Kampfe gegen die Juden und die „verjudete Regierung" mit einer Skrupellosigkeit gehandhabt, die ohne Beispiel in der deutschen Geschichte ist. Man hat mit Recht von einer „Diktatur der V e r l e u m d u n g" gesprochen, der Deutschland in der ganzen Welt während des Krieges ausgesetzt gewesen ist, und Herr General v. L i e b e r t hat, als der Schatten des militärischen Zusammenbruchs schon über unseren Armeen schwebte („Tägliche Rundschau" 29. September 1918), gleichwohl für richtig gehalten, England wegen seiner lügnerischen Heeresberichte noch einmal anzurempeln: „Das Lügen ist zu einem nationalen Charakter der Briten geworden"; „Er lügt wie ein Engländer" werde ein von der ganzen Welt zu übernehmendes Sprichwort werden. Wenige Monate später aber (Mai 1919) schalt sein Parteifreund Hergt, der sich ja durch seine Prophezeiungen über die amerikanischen Schisse, „die nicht Vierden schwimmen", die amerikanischen Flugzeuge, die „nicht werden fliegen können", unsterblich gemacht hat, aus der ersten Heerschau der Berliner Deutschnationalen unser Volr als eine Nation d e r L ü g e. Es ist nicht unsere Absicht, im Rahmen dieser Betrachtung alll die schändlichen Lügen über ,-die jüdischen Weltherrschaft s g e l ü st e", wie sie aus einem halben bis einem ganzen Dutzend von Rabbiner- oder Zionistenkong r e s s e n, die alle konzentrisch aus den Ausbruch des Weltkrieges hingearbeitet haben sollen, hier noch einmal zu einem plastischen Bilde dieses planmäßigen antisemitischen Lügenseldzuges zu vereinigen, oder aus die grandiose Fälschung der „Weisen von Zion" zurückzukommerl, die selbst Herr Th. Fritsch — freilich nur aus dem sehr ehrenwerten Motiv des Fut'terneides — anfangs als „e t w a s t r ü b e Q u e l le" gewertet hat, oder uns mit >dem nicht minder erhebenden F ü l s ch e r st ü ck ch e n des Herrn P e n t h a Tüll — verte Baumeister Hans Schliepmann — mit seinem Pamphlet „Die siegreiche Weltanschauung und wir Juden" verübt hak, näher zu beschäftigen — auch bei dem gefälschten Ausspruch: „Dre Revolution ist der Stern Judas", dessen Quelle nirgends zu finden ist, wollen wir uns nicht weiter aufhalten, ebensowenig wie bei den vielfachen Lügen der alldeutschen -Münchener Wochenschrift „Deutschlands Erneuerung", deren Fälschermethode am besten durch die Glanzleistung des Herrn Professor Erich Jung (Nr. 5, Jahrgang 1918) gekennzeichnet wird-: „Die Mutter Roth- <l> DEUTSCHER WEIMBftÄMK m /Vv Im Interesse unseres Blattes bitten wir, bei yx Bestellungen «ruf Grund von Anzeigen aus die 3\X. W <£. V.-Zeitung <v> iXy. stets ausdrücklich Bezug zu nehmen. J^oÄoM©Ä0ÄOÄoÄoÄ©MooÄoÄoWoWoM0)s«oM©M©Mg I Mi'schesLandheim Wolfratshaufen f g Kuder-Erholungsheim * Ä im Farial, im bayerischen Vorgebirge herrlich gelegen z Außerhalb der Ferien O für erholungsbedürftige Kinder (infektiöse Erkrankungen ausgeschlossen) f besonders geeignet 1 I Freilufi-Liegekuren, Künstliche Höhensonne, Solebäder, Wasserkur. Gymnast scher Turnunterricht, Wintersport (Ski-, Nodelsporr usw.). Nachhilfe - Unterricht. Reichliche streng rituelle Kost. 'Auf Wunsch Ermäßigung. Aerztliche Aufsicht: Hoftat:Or. Oppenheimer V Anft.an die Vorstandschaft z.H. des Herrn guliuo Weil, München, Augustensir.40 HmoMoMoMoMoKoMoXoHooHoH::>HoMoMoMoMoMom1 bsternig Fläm. Lampen 6 ann., off. Louis Bcdeitfeimer Frankft a.M.2 1 Scheffelst.2ö MAX MARCUS NACHF BANKGESCHÄFT POTSDAM Gegründet 1872. lNI!NI!N!»I!I!N!!!!>I!H!!!II!M>UIIINI!!I!I!!>I!III!!IIIk!IIM!I!I!Iirll!IIIIlriUIIMN!IlNlrilNIlll!l!llkUllIIIl!IIIlI» Fernsprecher: Pots dam 2292-2296. Telegrammadresse: Marcusbank. | B. 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