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Central-Verein-Zeitung · 1922-11-16 · 28 (16.11.1922) · p. Seite 324

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
28 (16.11.1922)
Date
1922-11-16
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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Aaa. ‘ -g* Jüdische Kriegsstatiftik vor dem Budapesier Gericht. Bor dem Vudapester Strafgcrichtshof famb am 3. November ein Ver-leumdunasprozeß statt, dert bex gewesene Abgeordnete der ungarischen Nationo-lversamm'lung, Avarfsy, gegen den Chefredakteur der iübi 1lX>cn Wochenschrift „Egtzenlösßg", Dr. Ludwig Szabolcsi, angestrengt hatte. Avarffv hatte in einein Zeitungsartikel behauptet. von der jüdischen Bevölkerung Ungarns seien bloß 500 gefallen, die Juden Hütten sich vom Kriegsdienst gedrückt. Szabolcsi bezichtigte hierauf in seinein Blatte Avarsstz, der Lüge. In der Gerichtsverhandlung wurde ein Nachweis des ungarischen zentvatstatisrischen Bureaus verlesen, w v n a ch nicht 500, so nd e r n 4 4 3 4 ungarisch t Jude n i m Kriege g e f a l len f i n d. Tie Daten des statistischen Bureaus beziehen sich jedoch nur aus die imnratrikulierten jüdischen Gefallenen. Zählt uran die nicht immatrikunerten, außerhalb der Landesgrenzen. aus drin Schlachtselde gefallenen jüdischen Soldaten hinzu, so er h alte nt au ei ne Z a h l von l Ö 0 0 0. Das Gericht sprach -aus Grundlage dieses Nachweises des zentralftatistischeur Bureaus Dr. S z a b v l c s i von d e r A n k l a g e sre i. Wiener Verbrecherstatistik und die Inden. Tie österreichische Kriminalpolizei zieht bekanntlich in ihrer Verdrecherstatistik die konfessionellen und nationalen Momente nicht in Betracht. Ginhoher österreichischer Kriminalist Ürlßerte sich über dieses Thema dahin, daß laut leinen privaten Auszeichnungen unter den S ch w e r v c r b r e ch c r n Oesterreichs in den letzten Jahren keine Juden zu finden waren. Auch unter den Sittl-ichkeits-, Kuppeleitutb Alkoholvererechern seien Juden selten zu finden. Einzig unter den kommerziellen Verbrechern finden sich auch jüdische Namen, aber immerbin in einem t l e i n e n Verhältnis zu -den n 1 ch tjüdis ch e n V e r b r e ch e r , obwohl die Juden aus dem kommerziellen Gebiet stark konzentriert sind. Die „talmudische" Reichsverfassung. Zn der Schlußtaguna des Parteitages der Deutsch n a t i o n a l e n V v l r s p a r t e r irr Görlitz kritisierte der preußische Landtagsabgeordnete Baecker bk Verfügung des preußischen Justizministers betreffend ein schärferes Vorgehen gegen antisemitische Ausschreitungen. Freiherr v. Frey t a g h - L o r i n g h o f e u (Bresban) erklärt hierzu, man dürfe bei der Sie lltmgn ahnte zur Verfassung nie vergessen, daß sie das Werk des „t a k m u d is ch g e s ch u U c n I u d e n Preu ß" sei. Eine neue Verfassung müsse erstehen aus v ö l k i - s cher Grrrndlag-e. Die völkische Hetze im Mcrindrereck. Im Maindreieck. der Gegend von K-itziugen, Ma-rktbreit und Kleinlangheim, grassiert die völkische Hetze zurzeit besonders heftig. Wir erhalten aus K lei wa na he im den Bericht über eine sozialbomvkraLische Versammlung, in dem es u. -a. heißt: Zu dieser Versammlung war auch der Stoßtrupp der Hakenkrenzler und als Wortführer war der Zahnarzt Dr. Hellmuth aus Marktbreit erschienen. Dieser Herr hielt sich besonders lange damit aus. den er rn o r - deLen M i n i st e r D r. Rathen a u z u d e s ch i m P f e n. Derartiges kann sich diese Sortevon Leuten nur in Badern leisten, wo ja das Schutzgesetz nicht existiert. Die Bemühungen der Reichsregierung, politische Attentate zu verhindern, werden wohl illusorisch sein, solange derartige Hetzen ungestraft in Volksversammlungen gehakten werden dürfen. Ein Vorschlag, des Hetzredners ging dahin, den Juden das Geld Munch men nnd damit die Kriegsschulden zu bezahlen. Derartiges erlebt man hier fast alltäglich. Frau Ellen Arendt reist von Dorf zu Dorf, um ihre giftige Saat auszustreuen und als die einzig Schuldigen am Elend der Gegenwart die Regierung und die Republik zu bezeichnen. Man muH fürchten, daß in Vatzern der Regierung die Erleuchtung erst finuiui wenn cs zu spät ist. Die Staatshilse für die Stznasogengemeittdett in VreuHerr. Wie wir erfahren, ist die Bereitstellung von Staatsmitteln' zur Unterstützung leistungsschwacher Stznagogen gemein den in den preußischen Staatshaushalt des Jahres 1623 in Aussicht genommen. Für die Verteilung der Beihilfen kommen sowohl Gemeinden, die sich dem. preußischen Landesverband angeschlossen haben, als auch solche, die dem Verband der gefetzestreuen Gemeinden an gehören, in Fra ge. Zu den Berliner GemerrrdewahLerr. Wie die „Indische Rundschau" meldet, ist ein W-a h l k o m p r o m i ß zwischen Liberalen, Zionisten und Konservativen wahrscheinlich. Es soll eine Einheitsliste lwoanskomm-en, in welcher auch die Handwerker mit einem Repräsentanten und einem Stellvertreter zu figurieren wünschen. Ein, Museum,jüdischer Altertümer Lu Frankfurt. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler eröffnete hier ein „Museum jüdischer Altertümer", dessen Sammlungen allgemein zugänglich werden. Das Museum ist im bekannten ehemaligen Geschäfts- und Stammhause der Familie Rothschild untergebracht, das durch Schenkung in den Besitz der israelitischen Gemeinde übergegangen war. Verbot einer Kunze-VersammLung. Der Berliner Polizeipräsident hat eine Versammlung der Deutschsozialen Partei verboten, die am letzten Sonntag im Zirkus Busch stattsinden. und in der Richard Kunze sprechen sollte. In der letzten Zeit wurden verschiedene Ortsgruppen der Deuttchso palen Partei verboten, die Verbote sind vom Staatsgerichtshof 'bestätigt worden. Die Pflege jüdischer Kriegergräber. Tie große deutsche Organisation für „Krieger- und Gräbersürsorge" hat sich mit den jüdischen Organisationen in Verbindung gesetzt, um für eine würdige Erhaltung der Gräber gefallener jüdischer Soldaten der deutschen Armee Sorge zu tragen. Es soll zu diesem Zweck eine Organisation der Patenschaft durchg-esührt werden., Der jüdische Frauenbund Deutschlands hat die Patenschaft über den jüdischen Friedhof von Petrikau übernommen. In den Zentralausschuß der Organisation ist der Vorsitzende 'der jüdischen Zentralwohlfahrtsstelle in Deutschland, Herr Casparh. berufen worden. Propaganda für Weißen Terror Ln Rumänien. In den letzten Tagen wurden Zahlreiche, von Professor Vergilin Popescu Unterzeichnete Flugblätter in Altrumänien verbreitet. Die Flugblätter rufen Zur Gründung einer Christlichen N ati v n a l l i ga auf, welche nach dem Beispiel und den Methoden der «E r w a ch e n be n U n g a r n" einen sogenannten „C h r r st l i ch e n Kurs" in Rumänien inaugurieren soll. Der Verfasser des Flugblattes empfiehlt eine, enge Verbindung mit den Budapester Führern des Weißen Terrors. Die Jüdische Föderation hat sich wegen dieses Vorfalls an die Regierung gewandt und um Gegenmaßnahmen ersucht. Jüdische Kandidaten bei den englischen Wahlen. Von den verschiedenen Parteien sind zu den jetzigen englischen Wahlen, 22 jüdische Kandidaten ausgestellt worden; unter diesen sind 8 unabhängige Liberale, 4 Nationalliberale (Gruppe Llotzd Georges). 9 Konservative und 1 Kandidat der Arbeiterpartei. Eine jüdische ErziehungskonferenZ in Berlin. Ende Dezembier soll in- Berlin eine jüdische E r z i e hung skonferenz zur Erörterung wirtschaftlicher. pädagoeiischer und hygienischer Erziehungssragen stattsinden. Im Anschluß an diese Konferenz soll zur Weckung des Interesses für die Verbreitung des Handwerkes unter der jüdischen Jugend eine Ausstellung von. Erzeugnissen jüdischer Lehrlinge stattsinden. Zeitungsverbot. Die „Mitteldeutsche Zeitung" und das „Staßsurter Tageblatt", die beide von dem bekannten Hetzantisemiten Hans Hottenrott herailsgegeberr werden, der kürzlich wegen Beleidigung zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt wurde, sind auf vier Wochen verboten worden. Im NabbinerseArrnar zn Berlin fand am 23. Oktober die Eröffnung des Winterhalbjahres und die Einführung des neuen Dozenten, des Herrn Dr. Moses Auerbach, statt. Nachdem Herr Dr. Joseph W o h l g e m u t h einen kurzen Bericht über das Zurün-gelogte Sommerhalbsahr erstattet hatte, begrüßte er namens der Dozenten den neuen Kollegen. Herr Moses Auerb a ch gab hierauf in einer kurzen Skizze ein Beispiel, wie er sein Lehramt auszuüben gedenke, indem er eine vielumstrittene Frage aus .dem Leben und Wirken Rabbi Jochanan den Sakkajs an der Hand der talmudischen und hrstorischen Quellen behandelte. Aus Anlaß des Todestages des verstorbenen Ceminarrektors Dr. David Hoffm (mit fand am 10. d. M. eine Trauer» fcier und nachher die Enthüllung -seines Grabsteins statt. Der HumcrniLäLsverern Gewul Tmrw e. B. begeht am 26. November sein 5 0 j ä h r i g e s Bestehen und veranstaltet arcs diesem Anlaß m der Festhalle des Stadthauses unr 11 Ahr vormittags eine Feier. Dr. Alfred Apfel, der bekannte Führer der neutralen Jugendbeloegnug, hat sich einer Meldung der ..Jüdischen Rundschau" zufolge der z i o n i st i s ch e n Vereinigung angeschlosten. gtts JggiicK« Osrvalö Spengler und öas Judentum1). Von Fritz 83 au-ex (Stuttgart). Das Judentum, dessen Problematik schon im ersten Teil des „Untergang des Abendlandes" hin und wieder gestreift worden war nnd dessen Kategoristerung und Beurteilung schon dort nicht zweifelhaft sein konnte, ist in dem vor kurzem erschienenen zweiten Band in hervorragenden!, auZführlichem Maße Gegenstand und Verspiel des Spenglerschen Geschichtsbildes. Gefühlsbetonte Werturteile, subjektive Einschätzungen, die etwas lieben, -anderes hassen, sind bei Spengler von vornherein ausgeschlossen. Das verbietet die angestrebte Objektivität feiner psychologischen nnd historischen Einstellung, die Cysetze erkennt, nur Zwangsläufigkeiten in der Entwicklung steht und für die alles schon einmal dagewesen ist. Was wir vor uns haben, ist nicht ein pro oder contra, sind vielmehr Tatsachen, deren Auslegung freilich in der Eigenart des dahintersteyenden Menschen ihre Duelle hat. Auch Spengler sieht eine ursprüngliche, aber immer meh-r verschwindende Verschiedenheit, ein wesentliches Anderssein der Juden und ihrer heutigen Wirtsvölker. Mit den pseudowissenschaftlichen Nassegegensätzen des Antisemiten hat dies aber nichts zu schaffen; int Gegenteil wehrt sich Spengler entschieden gegen jene „törichten, der Sprachwissenschaft entnommenen Begriffe Avier und Semit" und widerlegt im Verlaus seiner Darstellung gerade durch die Skizzierlkng der jüdischen Geschichte die oberflächliche Manier jener Nassenbestirnmung. Das Judentum selbst ist für ihn ein Produkt einer weitläufigen Missio-ustäLigkeit, die über Südarabien ins Innere Afrikas, ja sogar nach China nnd ins mongolische Chazarenreich im hohen Norden geführt hat, und bis in die Kreuzzugszeit dauernder Ue'bertritte, so z. B. des Fürsten von Adiabene und des Adels Armeniens und der kaukasischen Stämme in Zeiten des Urchristentums. Die Tatsachen sprechen nicht von einer Rassenreinheit, wie sie Chamberlain postuliert, sondern einer allseitigen RassenvermischuNg. Der Gegensatz, den Spengler anzeigt, weist von der Oberfläche der antisemitischen Rassendogmatiker in die Tiefe; -er liegt auf einem ganz anderen Niveau und betrifft zunächst die Metaphysik, die Seele der beiden Kulturen, der arabischen, magischen, der das Judentum angehört, und der abendländischen, faustischen. Die Idee der magischen.- Nation — also des Judentums, des ersten Christentums, des Islam und so fort — ist frer consensus, d. h. der von der Landschaft und natürlicher volkhaf-ter Gewocdenheit losgelöste, internationale, nur durch die Einheit eines alle verbindenden Glaubens zusammengehaltene Kreis der Bekenner. Die nordische Nation dagegen ist eng mit Land und Natnr verbunden, ohne je sich davon loslösen zu können, und dem magischen „höhlenhasten" Weltbild eines Hiob steht das gotische, in die Unendlichkeit von Raum und Zeit aufstrebende eines Faust I „Unteraana des Abendlandes", von Oswald Spengler. Verlaa C. H. Beck, München.

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