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Central-Verein-Zeitung · 1922-11-16 · 28 (16.11.1922) · p. Seite 322

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
28 (16.11.1922)
Date
1922-11-16
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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Judentum, und es zeigt sich noch deutlicher in den Forderungen der bayerischen Nationalsozialisten, mit denen diese wie mit einem Ulttrnatmn an die Regierung herantreten: Die Wucher abw ehr stellen und PreisprüfunAsstellen müssen j n«d e n r e i n sein und gegen die wucherische Preisbildung der Börse und insbesondere gegen den Wucher des Leihkapitals müsse Prügel- und Todes st rase verhängt werden. Was die deutschen Fascisten wollen, ist klar. Die Bevölkerung soll zu Pogromen getrieben, die politisch und gewerkschaftlich geschulte Arbeiterschaft durch Auspeitschung niedrigster Jnstmkte disziplinlos gemacht werden, es soll ein Chaos geschaffen werden, aus dem eine Diktatur herauswächst, in der dann die eigentlichen Pläne verwirklicht werden könnten. Das Treiben dieser deutschen Faseisten ist für unser Vaterland wie für das Judentum gleich ernst. In einer seiner Brandreden forderte Hitler die Versammlungsteilnehmer auf, den nationalsozialistischen Sturmtrupps beizutreten und sagte wörtlich: „Es sollen sich nur solche melden, die den Führern gehorsam sein wollen und bereit sind, wenn es sein muß, in den Tod Zu gehen." Ohne durch die Staatsgewalt irgendwie gehindert zu werden, prophezeien die deutschen Fascistenführer, daß der Tag nicht mehr fern sei, in dem sie das deutsche Volk von seinen Vampyren befreien würden. Deutsche Juden, erkennt ihr endlich die Gefahr? A. Sch. von üer vaperischen volkspürtei. Aus München schreibt man uns: Die Bayerische Volks- Partei hielt Ende Oktober ihre Landesversammlung ab, aus welcher vom Kreisverbawd München der folgende Antrag gestellt wurde: „Um in den schwebenden, die Volksstimmung stark berührenden, für aktuelle Entscheidung aber noch nicht gereiften Fragen für sämtliche Parteianhänger eine einigende, klare Richtlinie zu geben, solle insbesondere in der Frage der Stellungnahme zum A n -t i s e m i t i s - m u s -eine Entschließung aus dem Parteitag vorgelegt werden." So weit die Zeitungsberichte erkennen lassen," scheint der Antrag in der Aussprache nur oberflächlich behandelt worden zu sein, er wurde schließlich als Material an eine Kommission verwiesen. Ueberängstliche Gemüter fürchteten schon, daß die Partei sich damit von der grundsätzlichen, vom alten Zentrum übernommenen Duldsamkeit abtrennen würde. Wir teilen diese Bedenken nicht, wir glauben vielmehr, daß hier nur einige diplomatische Führer der in München von den Nationalsozialisten geschaffenen Vvtkssti-muumg eine Verbeugung, wachen wollten, um das Abströmen unsicherer Anhänger an diese „lärmende" Volksbewegung zu hemmen. Eine gewisse-. Nachgiebigkeit gegenüber antisemitischen Strömungen hat ja die Bayerische Volkspartei im Gegensatz zum Zentrum feit ihrer Gründung.'gezeigt, und aus agitatorischen Gründen hat ein Teil ihrer Führer aus dieses populäre Mittel -besonders in Wahlzeiten nie verzichtet. Aus der anderen Seite scheint die Partei gerade sitzt die Gefährlichkeit der demagogischen Methode Hitlers erkannt zu haben, denn sie hat aus der Landesversammlung beschlossen, die Wühler über die nationalsozialistischen Irrlehren auszuklären. Zur selben Zeit hat die Partei in vier öffentlichen Versammlungen sich auch mit der Frage des sogenannten positiven A n t i f e m i t i s m u s beschäftigt. Nach dem Bericht des „Bayerischen Kurier" haben die Redner dabei den Nationalsozialisten vorgeworsen, daß bei ihnen ein sistumrissenes Programm, eine feste Einstellung auf unverrückbarer Grundlage und eme Weltanschauung fehle. Die Judensrage sei mit Schlagworten nicht zu lösen. Es wäre auch eine bare Unmöglichkeit, daß' die Bayerische Volkspartei den Nationalsozialisten Entgegenkommen Zeigte, die ständig den Katholizismus und den Papst herabsetzen und erst vor -wenigen Tagen eine eigene Versammlung ein'berufen haben, um Abrechnung mit der Bayerischen Volkspartei zu halten, der sie unwahrhaftige Manöver in der Judenfrage unterstellt. Dabei hat sich Hitler nicht geschämt, Äußerungen zu gebrauchen, die er, wenn sie ein Jude oder Sozialdemokrat gebraucht hätte, sicherlich als bösartige Blasphemie bezeichnen würde. Er meint, die Kampfmittel haben sich geändert, früher war es die Geißel Christi, heute sei es der Gummiknüttel. Der „Bayerische Kurier" bezeichnet das mit Recht als merkwürdige Probe arischen Geschmackes. L, Dringende Bitte an unsere Mitglieder in Groß-Berlin. Wir lassen bie x-eft’Iiefyeti Jahresbeiträge jetzt durch Kassenboten einrreherr, wobei wir häufig die Ersahrnng machen, dag in Abwesenheit unserer Mitglieder deren Frauen die Zahlung' v e r w e i gern, „da sie von nichts wüßten". Wir bitten deshalb, zur Vermeidung kostspieliger Botengänge und Fahrten, den betreffenden Betrag bereitftellen zu wollen. „Reservierte Plätze". Völkische Herausforderung auf der Universität Jena. Nicht genug daran, daß sich die überwiegende Mehrheit der deutschen Studentenschaft zur wüstesten Mordpolitik der Völkischen bekennt und in ihren Verbindungen den Ungeist rohesten Judenhasses züchtet, trägt sie nunmehr den Antisemitismus sogar in den Lehrsaal, wie der folgende Fall beweist: Auf der letzten Klinikerversammlung in Jena wurde ein Beschlich nachstehenden Wortlautes erbracht: „In den klinischen Vorlesungen sind die ersten vier Bankreihen für Studierende germanischer Abstammung reserviert." Im Zusammenhang damit äußerte sich der Vorsitzende dahin,- daß er die jüdischen Kollegen i m eigenen Interesse ersuche, sich diesem Beschlüsse zu fügen. Und als einer der Anwesenden — ein Nichtjude— gegen diese judenfeindliche Verfügung Protest einlegte und um nähere Erklärung des Ausdruckes „Im eigenen Interesse" bat, gab ihm der Vorsitzende die Aufklärung, „daß es doch den/ jüdischen Kommilitonen peinlich sein müsse, wenn m a n sie beim Kragen nähme u n d von einem Platz entferne, auf d e n f ie n i ch t hing e h ö r e n." Der erwähnte Beschluß wurde dann mit 29 gegen 23 Stimmen angenommen undbleibt somit zu Recht bestehen, sofern, wie man wohl hoffen darf, der Rektor der Universität Jena nicht noch ein Machtwort spricht. Bezeichnend dafür, daß dieser Beschluß keineswegs nur den christlichen Studierenden die besseren Plätze i,m Hörsaal sichern will, sondern daß er aus rein prinzipiellen Gründen zur D o k u m e n t i e r u n g des völkischen Kassenstandp u n k t eß u n d Judenhasses erbra ch t wurde, ist die Tatsache, daß es au der Universität Jena im ganzen sechs jüdische Medizi ne r in k l i n i s ch e n Semestern gibt. as Irrt A relnt Vom Feinde kann rnarr lernen! Wir berichteten neulich unter diesem Schlagwort über die materiellen- Forderungen, die der antisemitische Deutsch n a t it> n a t c H a n dl u n g s g e h i l f e n v e r b a n d an seine Mttg'lsider stellt — und nicht so erfolglos stellt wie der C. V. seine weitaus bescheideneren Ansprüche. Diese Forderungen sind der Geldentwertung entsprechend weiter angewachfen, mib heute zahlt der deutschnational e H a n d l u n g § g e h i r! f e mit eine m Einkommen von mehr als 2b 000 Mark monatlich 600 Mark, mit einem kleineren Einkommen 450 Mark. E in. de u t s chnationaler Le hr - 1 i n ß u n t e v st ü tz t s e i n e Organisation mit monatl ich 2 0 M ark! Und obzwar der jüdische Deutsche am Weiterbe stehen des ($._ V. ein ungleich größeres Interesse hat .als der Lehrling am Weiterbestehendes D. H. V., ist es leider immer noch ein frommer Wunsch, daß alle Mitglieder des C. V. cs in diesem Punkte den deutschnattonalen Lehrlingen gleichtun mögen! Freunde, besinnt euch, ehe es zu spät ist!! , Der^ Lehrkurs des Centralvereins geht bei unvermindertem Interesse weiter. Am Mittwoch, den 8. November, hielt Redakteur Artur Schweriner einen Vortrag im- Deutschen, Hof. Luckauer Straße, über: „D i e O r g a n i s a t i v n unserer Gegner und ihre Press e." An der lebhaften Aussprache -beteiligten sich besonders die Frontsoldaten mit dem Vorsitzenden des Reichsbundes. Herrn Dr. Löwen stein. Der dritte Vortrag fand am 13. November im Alten Askanter, Anhaltstraße, statt. Das Thema-: „D i e p o t i t i s ch e n Parteien und die deutschen Inden", über das Herr Schweriner in einstündiaen Ausführungen referierte, wurde von Rednern der verschiedenen Parteien sachlich besprochen, so daß der Referent am Schluß des Abends seiner lebhaften Genugtuung darüber Ausdruck neben konnte. d>a.ß jeder Vvrtrags- .abend aufs neue die Existenznotwendigkeit des Lehrkurses erweise. Deutschtum und jüdischer Geist lautete das Thema eines Vortrages, den Herr Professor Dr. Gold stein (Darmstadt) auf Veranlassung der Ortsgruppe Düsseldorf hielt. Wir entnehmen den mehr als zweistündigen Ausführungen die folgenden Gedankengän-gs: Am Programm aller -deutschen Parteien, die Zentru-mZplartei allein ausaenommen. haLten auch deutsche Juden rnitgoarb-e-illt. Nellen die Gem-emsamke-iten kuktureller, politischer und sozialer Art. die die deutschen. Inden mit den uichtjüdischen Deutschen verbinden, tritt die Gemeinsamkeit der Sprache, an deren Ausgestaltung deutsche Juden aktiv beteiligt sind. Die de u ts chen Juden beseelt der b e w u tz t e Wille zu m Deuts ch t u m. Deutschtum und Judentu-m bilden eine seelische und stetige Einheit, man muß sich davor hüten, die „Phraseologie des Gestütlers" aus das Menschentum Zu übertragen, sicher zeigen sich in der Kultur destruktive, auslösende Tendenzen. aber diese find nicht von den deutschen Juden geschaffen worden. Eisner und Trohki erklärten 'bjoide. sie lehnten jede Gemeinschaft! mit dem Judentum ab. Eisner hat mit Judentum so wenig. oder wenn man will, so viel zu tun, H?ie etwa, Voltaire mit der katholischen Kirche. Es ist ein Unrecht, irgendwelche Unzulänglichkeiten, die von jüdischer Seite selbst am schärfsten verurteilt und abgelehnt werden, ans das Konto der Rasse zu setzen. Der in der Begründung des Urteils gegen die Mörder Rathen aus als Hauptschuldiger gekennzeichnete fanatische Antisemitismus ist eine sehr bedenkliche, ernste nn-d sittliche Gefahr, die den inneren Wiederaufbau! Deutschlands lähmt, wenn nicht unmöglich macht. Dinier contra C. Vn Vor dem Schöffengericht Schmalkalden fand heute in der Privatklagesache Dr. Dinier gegen den Syndikus des Eentral- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Landesverband Thüringen. Leo Kamnitzer (Erfurt). Termin wegen Beleidigung statt. Der Angeklagte batte Dinier in einem Zeitungsartikel u. a. unkeuschen Lebenswandel.. Ehebruch und Drückebergerei während des Krieges vorgeworfen. Der Der leid stier. des Angeklagten. Rechtsanwalt Feli-r Mever (Erfurt), lehnte;den Vorsitzenden des Schöffengerichts. Amisgericbtsrat L a t t m q n n wegen V e f a n ge n h e i t ab, weil dieser früher antr -

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