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Central-Verein-Zeitung · 1922-11-16 · 28 (16.11.1922) · p. Seite 321

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
28 (16.11.1922)
Date
1922-11-16
Page
Seite 321 (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer S M. Blätter föri>eäilfcbtuOT und Judentum »»stscheakvntv; 30172 Serlkn, 74. November 7-22 I. Jahrgang ♦ Nr. 2S vryan öes kenlral-Vereins örutscder ötoatsvüryer j üSiicden Maubens-!» Verlag unö Schriftleitung: Verlin SM HZ, Linöenstraße 13 * Fernsprecher: fimt Dönhoff 35-4, 35-5, 35-4 Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Po st an ft alt zum Preise von vierteljährlich M. 85,— zu -eziehe^ Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 60,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50°/0 Nachlaß. Die 90 mm breite Neklamezeiie M. 300,— Die -eutfthen „Zasciften". Hitler - Nunze — Roth — Mulle. - Ueber öas Chaos zum Ziele. In einer überfüllten Versammlung im Münchener Hofbräu erklärte vor einigen Tagen der Schriftleiter des „Völkischen Beobachters" unter „langanhaltendenr, ohrenbetäubendem Beifall", auch in Bayern könne geschehen, was in Italien eine Handvoll beherzter Männer getan habe. „Den Mussolini Italiens haben w i r a u d) i u Bayern , er heißt Adolf Hitler." Ein Flugblatt des Reichs- und Landtagskandidaten für Oberschlesien, Richard Kunze, verkündet allem Volke, nur die Deutschsoziale Partei mit ihrem energischen, zielbewußten Führer könne Deutschland noch retten. Aus dem „Deutschen Tag" in Koburg sprach Alfred Roth aus Hamburg, der „ehemalige" Vorsitzende des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, vor einer fünftausendköpfigen sanatisierten Menge als „der kommende Mann". Herr Mulle schließlich, der Herrn Mussolini nach Berlin kommen ließ, damit er ihm Modell stehe, ist der vierte der geborenen Fascistenführer in Deutschland. Armes Vaterland, welch ein Reichtum in Rot und Elend! Dem einen Mussolini in Italien stehen vier deutsche Fascistenspezialisten gegenüber, Vaterlandsretter nationalsozialer, deutschsozialer, deutschvölkischer und deutschnationaler Richtung. Der leidenschaftliche Wetteifer um die Favoritenehren schädigt das antisemitische Treiben des einzelnen nicht. Die Konkurrenz hebt das Geschäft, der Judenhaß blüht ... Wer ist dieser Mussolini, dessen Name zu einem Programm aller völkischen Kreise Deutschlands wurde? Lesen wir, was der „Völkische Beobachter" (Ausgabe 5M0 vom 29. Juli 1922), das gewiß unverdächtige Organ der bayerischen Gummiknüppel- und Dolchmessergarde des Herrn Hitler, über den Führer der italienischen Schwarzhemden sagt: „Mussolini war bei Allsbruch des Krieges von 1914 pazifistischer Anarchist und deutschfreundlicher Kriegsgegner. Im Herbst 1914 organisierte er beit großen Streik der Mailänder Gasarbeiter, obgleich er selbst nicht Gasarbeiter war. Das Gaswerk Mailand gehört der Pariser Gesellschast „Union de Gas", deren Anffichts- . ratsmitglieder fast alle der jüdischen Großloge und dem inter- . nationalen Börsenkapital angehören. Der Streik zog sich längere Zeit hin, bis eines schönen Tages in Mailand die Nachricht verbreitet wurde, daß Mussolini zu Verhanidlungnf behufs- Beilegung des Streiks nach Gens eingeladen worden'sei und sich auch dorthin begeben habe. Nach einigen Tagen, die weniger mit Verhandlungen als mit Diners, Soupers und Vergnügungen ausgefüllt gewesen' sein sollen, kehrte der Pazifist und Anarchist Mussolini nach Mailand zurück und gab seinen Genossen, die ihm, wie die berühmte Hammelherde des. Buches des „Weisen ans Zion", blindlings gefolgt waren, den Rat, die Arbeit wieder anfzunchmeu, weil die Forderungen nicht ' durchgesetzt werden könnten. Aber in ganz Mailand war es damals Stadtgespräch, daß Mussolini seine Genossen verraten hatte, und Zwar gegen den Judaslohn »von einer Million Franken. Mit diesem ans Judenhänden gespendeten Gelde gründete Mussolini sofort seine Zeitung „Popolo d'Jtalia", und aus dem anarchistischen Pazifisten Mussolini entpuppte sich plötzlich der heftigste Kriegshetzer (gueiTafondaio), der namentlich keine Gelegenheit Vorbeigehen ließ, um seine Giftpfeile gegen das deutsche Volk audenr Köcher zu ziehen, den Juda ihm in Genf mit auf den Weg gegeben hatte. Schon ans diesem Grunde müßte jeder völkisch .denkende Deutsche einer Verbindung mit dem Jongleur Mussolini strengstens ans dem Wege gehen." Man traut seinen Augen kaum, wenn man im Leibblatt der Hakenkreuzler diese Lumpengeschichte liest und dann dieselben Hakenkreuzler den Namen Mussolini verzückt wie deutsche Offenbarung und Erlösung aussprechen hört. Eine Nummer später entringt sich dem „Völkischen Beobachter" stammelnd das Geständnis, daß er Mussolini kritisieren müßte, weil d essen Kamps nicht dem „Weltfeinde" gelte. Mit anderen Worten: Der Fasoismus in Italien ist nicht antisemitisch. Im Lause der letzten Monate hat es sich immer deutlicher gezeigt: Die deutsche Spielart des Fascisrnus ist eine Uebersestzung des Italienischen ins Juden feindliche/ In Italien wirken sich die nationalistischen und chauvinistischen Gewaltakte der Schwarzhemden im wesentlichen antisozialistisch aus. In Bayern sind die Fahrten der Hitlerschen Sturmabteilung nach Tölz, Tegernsee, Rosenheim, Koburg, Nürnberg usw. mit ihren terroristischen Begleiterscheinungen und rohen Mißhandlungen Andersdenkender zweifellos ein Nachässen der fascistischen Kampfesweise. Auch das Versagen der Staatsgewalt in Bayern ist für das zielbewußte Auftreten dieses Fascistentums charakteristisch. Aber der deutsche Fascismus segelt unter falscher Flagg e. Er: gibt sich s o z i a l i st i s dy, um die Arbeiter anzulocken, kämpft aber gleichzeitig mit dem Obersten v. Thla u der an der Seite extremster Monarchisten. Als Hitler mit seinen siebenhundert Getreuen im Sonderzug von München nach Koburg fuhr, die dort zwei Tage auf „Regimentsunkosten" bewirtet wurden, war die Frage der „Münchener Sonntagszeitung" in aller Munde: „Sollte das ehemalige Herzogspaar von Koburg sein Interesse an der Veranstaltung nicht nur durch den demonstrativen Besuch der Versammlung, sondern auch in klingender Münze bekundet haben?" Die Hitlersche Garde hat in Koburg mindestens eine Million verpraßt. Hitler ist bis heute auch die Antwort aus die in der Presse bereits im Oktober gestellte Frage schuldig geblieben, ob es wahr fei, daß ihm der deutschnationale Kruppdirektor Hilgenberg zwölf Millionen Mark zur Verfügung, gestellt habe und daß Hitler sich für einen Teil dieses Geldes ein neues Auto kaufte. Das wahre Gesicht der deutschen Fascisten zeigt sich in den nicht mehr zu überbietenden Hetzereien der Hitler, Kunze, Roth, Mulle und Genossen gegen das deutsche

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