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Central-Verein-Zeitung · 1922-11-09 · 27 (9.11.1922) · p. Seite 314

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
27 (9.11.1922)
Date
1922-11-09
Page
Seite 314 (sequence 2)
Language
German
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314 zu verbreiten, weil sie selbst ihr Leben nach seinen Geboten führten, mag uns die Mahnung sein, daß wip die Lehren unserer Religion nicht nur mit 'Worten, sondern auch durch die Tat des Beispiels verteidigen. Herrn Prof. Goldsteins geistvolle Darlegungen lehrten uns die Verschwommenheit und die praktische Wertlosigkeit des Rassebegriffes, auf den kein Staat sich stützen könne. Die Veranstaltung^in ihrer Gesamtheit betrachtet, hat uns gezeigt, daß wir'einen gerechten Kamps kämpfen gegen alle die, die uns als Rasse hassen, unsere Religion mit Schmutz bewerfen, die nicht mit uns am Vaterlande arbeiten, sondern ihre Kraft in den Dienst des Hasses stellen. Wir wissen aber auch, daß Schopenhauer nur allzu recht hat, wenn er uns voraussagte, daß wir immer wieder auf Vorurteile stoßen würden und daß erst in ferner Zukunft die ausklärende Saat aufgehen werde. So gilt für uns das Wort Fausts: „Nur der verdient sich Freiheit, wie das Leben, der täglich sie erobern muß." Justizrat Hugo Sounenseld. Geistig- Politik. Von Max Frey h an. Je aufgewühlter in einer entscheidenden Politischen Stunde die Leidenschaften einander gegenübertreten, mit so eher sollte man. sich aufgerufen fühlen', die verwirrenden Eindrücke des Tages aus allgemein geistige Gesichtspunkte Zurückzuleiten. Wenn es eine Eigenschaft der deutschen Geistigkeit genannt werden kann, auch in Politischen Fragen immer das übe rg reisende weltanschauliche Monient hervorzuheben und zu betonen, so soll man keineswegs dieser Besonderheit des Deutschen eine kühle Absage erteilen und sich zu einseitiger soaenannter Praktischer Politik bekennen. Im Gegenteil: diese deutsche Art möge erhalten bleiben und uns immer die Möglichkeit schaffen, das; Einzelne im Allgemeinen zu suchen und zu vertiefen. Es werden sich überraschende und fruchtbare Einsichten nur zu oft ergeben. Ist es nicht erhellend, die Feststellung zu treffen, daß in wesentlichen Grundentscheidungen der Konservative dort steht, wo auch die sozialistische Linke ihre geistige Position bat l Denn ist für die Konrservativen und jedenfalls für weite Kreist ihrer Anhänger die R a j f c n t heorie das faszinierende Banner und für den /Sozialisten der M a r x i s m n s die Maßgebliche Einstellung, ko begegnen sie sich in einer Besinnung, die zu überwinden, die eigentliche Aufgabe unseres heutigen Geisteslebens ist und die führende ' Philosophie bereits auch überwunden hat. Rassen t h e o r i e iu i e M a r x i s m ns sin d A u s g e b u r t e n d e s naknrwisse ns cha s t l ich gerichteten,, p> o s i tibi st i s ch e n 19. Jahrhunderts — das 20. Jahrhundert aber will über dieses 19. Jahrhundert und jeden bloßen Positivismus hinaus. Daß die Rassentheorie eine Konsequenz naturiutssenschaftlicheit Denkens ist, braucht nicht erst gesagt zu werben: das liegt im Wort. Daß sie eine von den unzulänglichen Methoden darsteltt, mit denen geistge und seelische Erscheinungen einseitig ans uaturwissenschastticher Basis erhellt werden sollen, wird kein Einsichtiger Leugnen können. Hierbei ist diese Rassentheorie noch nicht einmal konsequent. Wie tonnte eine Nassentheorie etwa deutsches Wesen erkennen wollen, wenn sie nicht Goethe und Bismarck in ihre Betrachtung einbezöge? Was soll man also zu einer Rassentheorie sagen, die — und der Fall Ratheunus macht solche Gedanken in tragischster Weist aktuell — der jüdischen Rasse nicht in Rechnung stellt, was sie im Gebiete des Geistes, des Handels, der Wirtschaft, der Kunst jemals Hervorragendes, ja Epochemachendes^ geleistet hat! Ein Mannwie Blüber scheint in seiner neuesten.schrift „Zeeossio judaiea" diesen Widerspruch zu fühlen, nur daß er die Frage sehr eigenartig lost. Nach einer mir vorliegenden Besprechung der Blüherschen Schrift meint dieser Rassentheoretiker, die Inden hättensich eben in der Erscheinung Jesu Christi erschöpft und endgültig verausgabt. Man weiß nicht: -soll man über solche Methoden wissenschaftlicher Feststellungen staunen oder soll man sich begnügen zu konstatieren, daß hier der RassentheoreLiter sich selbst ad absurdum führt. Es ist schon so: di.» Rassentheorekiter der Konservativen stehen mit ihrer natnrlvissenschastlichen Einstellung dort, wo auch dev Marxismus seine^ Begründung sucht. R. Wilbrandt hat in seiner ansgezeichneten Studie über Karl Marx die Zusammenhänge des Marxismus mit den naturwissenschaftlichen und Positivistischen Lehren des 19. Jahrhunderts in aller Eindringlichkeit betont und darüber hinaus übrigens noch mit außerordentlichem künstlerischen Feinsinn die Tragik anfgewiesen, die den Juden Karl Marx in einen Materialisten und i-n einen immer noch nach dem Ideale glühenden Menschen zerspaltete. Seelische Dinge lassen sich eben nicht mit Rassentheorien bewältigen. Man ruft die geistigen Menschen immer wieder auf, der Politik nicht fern zu bleiben. Sie werden nach der ganzen Struktur ihres Wesens dort bisweilen sehr am Platze sein-und bisweilen dilettieren, wo es m der Politik doch schon genugsam Dilettierende gibt. Wenn aber das politische Leben an einen'Wendepunkt gelangt, an dem es gilt, tiefste Zusammenhänge wieder zu besinnen und einer verhetzten und 'irregeleiteten Menschheit vor Augen zu halten, da sollten die Geistigen aller Lager auf der Wacht sein und sorgen, daß auch die'Politiker an ihrem Teile das erstreben, was unsere Zeit im entscheidendsten will: die geistige Ueberwindung des 19. Jahrhunderts. ventvftt’Yeeeitt: . . Gln Erlast des preußischen Jnstizmtnisters. In einer Reihe jndenwindlichex Zeitungen befindet sich ein Erlaß des preußischen Insttzministers vom 23. September 1922 abgedruckt, der durch offenbaren Bruch des Gebotes der Aintsverschwiegenheit den Redaktionen zugegangen sein, muß. Der Erlaß hat folgenden Wortlaut: ->> „Wiederholt sind, insbesondere ans dem Bezirk eines Qberlandesgerichts, Fälle zu meiner Kenntnis gelangt, in denen gegen antis e -in i t i sch e A u s s ch r e i t u n g e n nicht mit dein erforderlichen Nachdruck eiN'/eschritten ist. E. H. ersuche ich, dahin zu wirken, daß von den Staatsanwaltschaften gegen solche Ausschreitungen tatkräftig eingeschritten, daß insbesondere alsbald eine erschöpfende Aufklärung des Sachverhalts herbeigeführt und die Anklag-e in der Hauvtverb.andlung mit Nachdruck vertreten wird. Ich ersuche auch zu prüfen, ob es sich zur Erreichung dieses Zieles empfiehlt, die eingeleiteten Verfahrender Kontrolle durch den Leiter der einzelnen Staatsanwaltschaften oder einen- Abteilungsvorsteher zu unterstellen. Ein öffentliches I n t e r e s s e a n der S k r a f v e r f o l g u n g w i r d r e g e l m ü ß i g d an tt n n z u n e h me n s e in. w e n n die B e leidig u n gj u s Io. als A u s f l u ß u n d A u s d r u ck a l l g e - m e i n e r n n t i s c m i t i s ch er G e f i n n u n a b e g a n g e n i st. Bet Anzeigen von Vergehen gegen § 130 Vs. G. B. ist zu beoblachten. daß die Inden als Klasse im L-inne dieser Vorschrift -anzusehen sind (Entscheidung des Reichsgerichts in Strafsachen Bd. 32 S. 352). Wenn es bei Verfahre Irans 8 166 Vs. G. V. zweifelhaft erscheint, ob die Beschimpfung! sich gegen eine „Einrichtung" oder einen „Gebrauch" der indischen Religionsgeselsschaft richtet, wird es sich empfehlen, wegen Anhörung geeigneter Sachverständiger in i t d e n O r g a n i s g t i o n e n b c r i ü d i s ch e n Lkaatsbürger in Verbindung zu treten, und die Frage, ob gegen ein freisprechendes Erkenntnis das zulässige Rechtsmittel einzulegen ist, sorgfältig zu prüfen." Ter Erlaß ist sicherlich mit veranlaßt durch die lieber fülle des Materials, das der C e n t r a l - V e r e i n in der letzten Zeit dem Herrn Instizminister unterbreiten konnte und das allerdings den Beweis geliefert hat, in welch hopern Maße einige Beamte der Staatsanwaltschaft unseren Vorstellungen das berechtigte Gehör versagt haben. Wir haben wahrlich in der letzten Zeit Beschwerde über Beschwerde" führen müssen und sind selbst bei groben Ausschreitungen gegen Juden nicht immer zn unserem Rechte gekommen. Trotzdem wagt es die „Deutsche Tageszeitung" davon zu schreiben, daß jetzt dem Judentumeine gehobene Stellung zugebilligt sei. Wenn angesichts der Selbstverständlichkeiten, die. in dem Erlaße enthalten sind, die „Deutsche Tageszeitung" auszusprechen wagt, der Erlaß sei unerträglich für das Gefühl und die Stellung des deutschen. Volkes im eigenen Hause, wenn ferner die „Deutsche Tageszeitung" davon spricht, die Juden seien keine Klasse im Volke, sondern ein Volk iin Volke', so beweist uns das. wohin wir kommen, wenn jene Herrschasten einen maßgebenden Einfluß im öffentlichen Leben erlangen könnten. Als der Verfasser dieser Zellen vor einiger Zeit in eiper'Beleidigungssache, die der berüchtigte judenfeindliche Hetzer, dev Landrat. a. D. v. H e r tzberg - Lvtt i n , gegen einen jüdischen Assessor angestrengt, halte. als Zeuge vernommen wurde, widersetzte sich Herr v. Hertzberg- Lottin der Vereidigung mit der Behauptung, Inden könnten oder inü ß t e n a l s Z e u g e n g e g e n e j n e n ,.G o i" e i n c n Nl ein - e i d l c iß' c lt! Die Ausführungen der „Deutschen Zeitung" und der „Deutschen Tageszeitung" passen zueinander, solche Blenschen haben den Mut, sich „national" zu neunen und wollen den etaot erhalten. Ter.Eentrat-Verein weiß, daß er richtig handelt, wenn er mit allem Nachdruck gegen die Judenfeinde, die das Gesetz verletzen, immer und immer wieder ein- - schreitet. 11. Der Kehrkurs des Eentraivereins hat Montag im Lehrervereinshaus begonnen. Die Beteiligung war. besonders ans den Kreisen des Frontbimdes, e i n e ii b e r E r Io a x t c n g roße. Bisher haben sich zirka hundert Damen und Herren, die vollzählig erschienen waren, gemeldet. In' Vertretung des Kursleiters. Tr. Wiener, erönnete Herr e> ch in c r i n e r den ersten Vortragsabend. Im Aufträge des Hauptvorstandes begrüßte Herr Lehrer Bo rchardt die stattliche Zahl der Anwesenden und gab seiner großen Freude Ausdruck, daß eine ^Persönlichkeit wie Tr. P a u l N a t h an den ersten Vortrag halte. Daraus nahm dieser das Wort zu dem Thema „R e d e te ch ni k". Beherrschung des Wortes und Schnelligkeit der Formulierungseien keineswegs das Notwendigste für den Ansan-vl. In erster Reihe komme es darauf an. daß der Redner Gedanken habe,, also kein Schwätzer sei. Nicht die Fülle der Rede sei wesentlich, sondern der Inhalt, die Beherrschung der Materie sei Vorbedingung für techntsches Gelingen. In ausgiebiger Meise beschäftigt sich Redner mit den Mitteln, die eine gute Technik verbürgen, Mittel, die der Individualität des Redners entstanrmen müssen. Lauter Beifall dankte Herrn Dr. N a t h a n . der seine Zuhörer- bis zum letzten Wort zu fesseln ivußLe. Tie lebhafte Aussprache bewies, wie eindrucksvoll und lehrreich zugleich der Vortrag war. Altes inallein -ein gelungener Anstatt. —- Weitere Meldungen für den Kurs werden in unserem Bureau entgegengenoniiuen. Die Ortsgruppe Stettin hatte am 31>. Oktober ein zahlreiches Publikum zu -einem Vortragsabend geladen, auf welchem Professor Dr. Goldstern (Darinstadt) und Pfarrer Fuchs (Eisenach) über „Rasse und Politik" sprachen. Beide Redner erwiesen die Unhalkbarkeit der antisemitischen Nafsetheor'ie und das Entscheidende der geisttgen Kräfte im- Lebender Nation. An der Diskussion beteiligte sich auch der völkische Agitator Hunde i k e r, ohne aber die geringste Wirkung zu erzielen. Alle Blätter stellen fest, daß der Abend eine starke Niederlage der antisemitischen Bewegung in Pommern b-edeute. Das Hakenkreuz in der Neichsbank. Die ..Welt am Montag" machte vor einiger Zeit Mitteilungen über das provozierend antirepublikanische und völkische Verhalten der meisten Reichsbankbeamten nnd erwähnte n. a., daß inden Kontobüchern der Reichsbank das H a k c u k r e u z a l s A b str i chze i ch e n verwendet würde. Wegen dieses Moments wandten wir uns mit der Vitts um Auiklärung an die Reichsbank, die jene von der „Welt am Montag" verbreitete Nachricht auch nicht in Abrede stellt, sondern sich darauf beschränkt, uns in einem zweizeiligen, vom Präsidenten Geheimen Rat Havenste«n Unterzeichneten Schreiben mitzuteilen. daß „dio beregten Mißbräuche eines hiesigen Beamtena b gestellt wurden"^ ,•

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