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Central-Verein-Zeitung · 1922-11-02 · 26 (2.11.1922) · p. Seite 307

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
26 (2.11.1922)
Date
1922-11-02
Page
Seite 307 (sequence 3)
Language
German
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307 mit so wüstem Erfolg agitiert werden kann gegen geistige Produktionen, auch die bedeutendsten; wo der Haß gegen das Bedeutende eine so abscheuliche Bedeutung gewonnen hat. Das Bedeutende weckt ja nicht allein Begeisterung und Liebe, es ist überhaupt zugänglich nur der Begeisterung und Liebe; der Haß -aber versperrt sich nicht nur den Weg zum Besten, er setzt auch an seine Stelle das Mittelmäßige und Gemeine, das Läch«liche, das Schwindelhafte und den ansteckend wirkenden und zerrüttenden unsittlichen Geist — unsittlich ist alles, was mit Unband sich kehrt gegen den Egoismus des andern oder gegen den allgemeinen Egoismus, darin die einzelnen Egoisten ihren Bestand haben: gegen Ehe, Familie, Gesellschaft, Staat, gegen die Einheit der Nation; und im allerhöchst denkbaren Maß unsittlich ist der haßvolle Ankampf gegen die wissenschaftliche, gegen die literarische und gegen die Denkarbeit. Ich schildere den bejammernswerten Z u st a n d meines Vaterlandes unter dem Gei st d e s I u d e n h a s s e s. Ist unser Deutschland politisch und wirtschaftlich noch nicht nieder genug: muß auch sein Herz verdorren, und muß es so unwert und erbärmlich werden, daß es gar nicht wieder ausstehen kann? Es wird aufstehen! Aber es u> i x b nicht aufste h e n u n d nicht eher von sein e m Unglück errettet werden, als bis es von seiner Schuld und Schande d i e s e s I u d e n h a st d e n k e n s s i ch gelöst hat. Allen Deutschen, die unglücklich und krank sind mit dem wunden Zustand des Vaterlandes, und deren Herz daran hängt, daß Deutschland aufkomme und wieder ein großer Nationalstaat werde — allen deutschen Brüdern, den Kain wie den Abel, wünschte ich mit Erfolg das Denken wünschen zu können, damit sie das Unglück, das Unterdrücktsein und den Deutschenhaß mit mehr Fassung ertrügen. Aber ich bin aus der Wünschperiode gründlich heraus. Dafür fordere ich diejenigen, denen ich nicht nur zu wünschen brauche, denen ich etwas wenigstens geben kann, so wie ich an meinem Teil zu geben habe, — diejenigen, die denken können in diesem Lande der Nichtdenker, fordere ich auf, mit mir zu denken über den 'Judenhaß und über dieses Denken der Judenhasser: „Die Juden sind schuld am Unglück Deutschlands", was doch wohl nicht mehr Sinn hat, als wenn man früher gesagt hätte, „Die Juden sind die Ursache von Deutschlands Größe". Aber wer hatte so gesagt? „Die Wilden" in Deutschland hatten alles Verdienst für Deutschlands Größe sich selber Zugeschrieben; jedoch für das Unglück finden sie die Ursache in „den Andern", in den Juden. („Die Juden haben ihren teuflischen Plan vollführt. Deutschland in den Abgrund Zu stoßen." „Das internationale Judentum hat sich eidlich verpflichtet, den Untergang Deutschlands herbeizuführen und zu diesem Zweck den Weltkrieg angezettelt." Doch sieht man wieder, was vom Eid der Juden zu halten; denn wie die Judenhasser Deutschlands wissen, haben zwar die deutschen Juden den Untergang Deutschlands in der Tat verräterischerweise herbeigeführt, aber die Juden der Feindesländer, wie deren Judenhasser wissen, erstrebten verräterischerw.eise den Sieg Deutschlands und die Niederlage ihrer Länder). In Wahrheit sind die Deutschen jüdischer Abstammung so viel schuld an Deutschlands Unglück, zusammen mit den Deutschen von anderer Abstammung, wie sie in Wahrheit seine gewesene Größe mit heraufgebracht haben und seine Wiedergeburt und zukünftige Größe mit heraufbringen werden, zusammen mit den Deutschen von anderer Abstammung. Sitzung unseres Hauptvorstanöes. Anders als in den früheren Jahren, wo die sogenannte „aroße" Hekbstsitzung des Hauptvorstandes des C. B. fast nur Antrieb und Programm für die bevorstehende Winterarbeit zu neben pfleate. weil die Somme rmonate meist eine Entspannung der politischen Lage und damit eine Verminderung unserer Arbeit mit sich brachten, mußte in der Haupivorstandssitzung, die «am 22. Oktober in Berlin stattsund, der Betrachtung der letzten Monate breiter Raum zügeln lligt werden, da sie die Nichtlinien für die Weiterarbeit vorzeichnete. Schon die einleitenden Worte, die der erste Vorsitzende. Justizrat Dr. Vrodnitz. zur Begrüßung an die aus ganz Deutschland zahlreich erschienenen Hauptvorstandsluitatieder -richtete, wiesen darauf hin. wie schwer es angesichts des Ernstes der politischenand der Schwierigkeit dev wirtschaftlichen- Lage sei. die Arbeit des E. B.. die beute notwendiger denn je wäre, ersprießlich fortzuführen und gaben das Leitmotiv, unter dem sich die gesamte Beratung entwickelte: Wie ist es möglich, in dein Parallelogramm der Kräfte zwischen! Leistungs w i l leni und Leistungs s ä h i g k e i t die Diagonale möglichst unabgelenkt von unseren Zielen, zu führen. Die umfangreiche T-agesordrulNg begann mit der Zu Walch einiger Herren in den Hauptvorstand für durch Tod ausgeschiedene Mitglieder. Dev berechtigten Ansprüchen einiger Landesverbünde, die infolge ihrer starken Entwickelung auf stärkere Vertretung im Hauptvorstande rechneten, konnte leider nicht entsprochen, werden, da die satznugsmüßige Höchstzahl bereiterreicht war. Kooptiert wurden die .Herren Rechtsanwalt Frank (Köln), Kommerzienrat No-bert Levh. Oskar Heiman-n (Berlin), Mittelschullehvvv Heinrich Stern (Berlin) und Rittergutsbesitzer Sandelowskv (Norgehnenp Herr Dr. Holländer, der erste Syndikus des Central-Vereins. erstattet^ ein eindrucksvolles Finanz r.ese rat, in welchem die schwere Besorgnis zum- Ausdruck kam, ob der Central-Veroin gegenüber den geradezu ins Wahn? witzige steigenden finanziellen-- AnsorderunMN noch bestehen kann. Selbst verständlich bejahte Herr Dr. Holländer diese Frage, indem er darauf hin--« wies, daß die -deutsche Judenschaft diejenige Organisation nicht verlassey dürfe und verlassen werde, welche erhalten werden muß, wenn das deutsche Judentum sich selbst bejaht. Allerdings müsse jeder deutsche Jude sich darüber klar sein, daß die Schwere der Zeit von Jedem Opfer fordert, die man früher für unmöglich gehalten hätte. In der Diskussion, herrscht- Einigkeit darüber, daß alle Führer des deutschen Judentums sowie unsere Freunde im Lande, jeder an seiner Stelle, alle Kraft einsetzen müs'en. UW -die großen Mittel auszubringen, welche die Erhaltung unserer OrgaE sation erfordert. Einstimmig kam der Gedanke zum- Ausdruck, daß alle Anwesenden diese Hilfe in jeder nur denkbaren Form leisten wollen und werden. Es werde demnächst auch an unsere Mitglieder herangetreten werden müssen,. damit die zum Teil beschämend niedrigen Jahresbeiträge aus ein Niveau gehoben werden, das uns -ermöglicht, unsere Aeitschnst nicht «bloß zu erhalten, sondern allen unseren Mitgliedern unentgeltlich zur- Verfügung zu stellen. Das zweite Referat, das die politnche Lage 3um Gegenstand hatte und von den Herren Dr. Bruno Weil (Berlin) Artnr Sutzmann (Chemnitz) und Dr. Alfred Wiener (Berlin) gehalten wurde, brachte inden Ausführungen von Dr. Welt die in vollendeter Form gedankenreich die gegenwärtigen allgelnein-politifchen, Verhältnisse behandelten, den Höhepunkt der Sitzung: Aktivierung des E. V. bis zum letzten Mitglied war der Grundgedanke. Inmitten der Labilität aller Verhältnisse müsse der C. V. ein geschlossenes Ganzes bilden und gerade vom Hauptvorstand aus solle der entschiedene Wille zum erfolgreichen Meiterkäinpsen bis m die kleinste Ortsgruppe überströmen. Herr Sußmann charakterisierte die Stellung dev politischen Parteien zur Judcnsrage. während Herr Dr. Wiener ein eingehendes Bild unserer politischen Tätigkeit' entwarf. Besondere Beachtung soliden dabei Alleinige An zeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 8^V 19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz ✓ (Sollt a. Nh. F/ Dresden ✓ Düffeldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. / Lalle (Saale) Lamburg / Lannover / Leipzig / Magdeburg / Mannheim ✓ München / Nürnberg / Stuttgart / Prag / Wien / Warschau / Basel / Zürich 7 Weil die Zahnpasta Pebeco die Tätigkeit der Speicheldrüsen fördert, die natürlichste, wirksamste Reinigung der Mundhöhle bewirkt und ein Gefühl der Reinheit und Frische im Munde hinterlässt. Darum: iLLr I tr Mr * t t r- - »fr r t r.J i?i 5tc‘ yxxs L.A.Henckets Zwillingswerk — Solingen Fabrik feinster Gtahlwaren mit der bekannten Zwillirigsmarke Volle Gewähr für jedes Siück. 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