Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 25 (26.10.1922)
- Date
- 1922-10-26
- Page
- Seite 300 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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300 juCTicntnl^gkn Der preußische Landesverband. Am 25. Juni d. I. fand in Berlin die Tagung der preußischen Shnag-ogeugemeinde Zwecks Begründung des Landesverbandes statt. Die Arbeiten sind unverzüglich ausgenommen worden und soweit gediehen, daß von fast sämtlichen größeren Gemeinden die BeitrittserklürunMN erfolgt sind und der Verband bereits jetzt alles in allem rund 400 00b Seelen umfaßt. Schätzt man-. die Gesamtzahl der Zurzeit in Preußen wohnhaften Juden auf rund 425 000 Seelen, so ergibt sich, daß der Landesverband schon h -e u t e bis ans einen kleinen Bruchteil die gesamte v r e u ß i s ch e I u d e n h e i t repräse n t i e r t. Ein Gotteshaus für Schwiebus. Schwiebus. eine lebhafte und aufblühende Handelsstadt an der neuen Ostgrenze des Reiches, deren jüdische Gemeinde in stetem Anwachsen begriffen ist, hat noch kein Gotteshaus. Der Wunsch, ein solches zu besitzen, hat die ortsansässigen Juden bereits Zu namhaften Spenden veranlaßt, so daß mit dem Bau vor Monaten begonnen werden konnte. Die während des Baues einaetretene bedeutende Erhöhung der Baukosten stellt die Beendiguna des Gebäudes in Frage, wenn nicht freigebige Spenden helfend ei-ngre-isen>. (Postscheckkonto Berlin 1232 HZ der Ostbank für Handel und Gewerbe. Tepositenkasse Schwiebus für ShnagogenLnusonds). Eine Szene ans dem Bahnhof Meseritz. Am 27. September d. I. löste der Fleischermeister Salvmon Rothe aus Meseritz aus dem dortigen Bahnhof bei dem Schal terboamten Max. Schubert eine Karte nach Gottmütz und bezahlte mit einem Zwemzi-gmarkschoin. den aber Schubert nicht wechseln konnte oder wollte. Seiner Empörung über die Zumutung, dies zu tun, machte er in Ausdrücken wie „Stinkender Jude" und ähnlichen Lust, und als sich Herr Rothe diese Beleidigungen verbat, riß Schubert d g s S ch a l t e r f e n st e r auf, faßte Rotbe am Halse und begann ihn Z u w ü r g e n. Als dann nach einem heftigen Tumult Rothe durch den Fahrdienstleiter abaefertiat wurde und seinen Zug bestieg, eilte Schubert noch auf' den Bahnsteia hinaus und e r g i n g s i ch neuerdings i n u n s l ä t i g e n B e s ch t m v s u n g e n gegen Rothe. Wir haben diesen Vorfall unter A n fü h r u n g Z a h lreicher Augen-' u it d Ohre n zeugen der Eisenbahndirektion Osten. Berlin, mit dem Ersuchen witgeteilt. jenen randalierenden Beamten zur Rechenschaft zu Ziehen. Ein Bescheid ist bis heute nicht erfolgt. . Professor Dr. Lassar-Cohn in Königsberg, ist um 9. b. M. im Alter von 64 Jahren verstorben. Mit dem Dahingegangenen ist ein Gelehrter von großem Ruf verschieden, dem besonders die Stadt Königsberg und die Juden Ostpreußens zu unauslöschlichem Dank verpflichtet sind. Von seinen Zahlreichen Werken sei erwähnt: ..Arbeitsmethoden in der Chemie", ferner „Die Chemie im tägliä^n Leben", welches in etwa Zwanzig lebende Sprachen übersetzt worden ist. „Chemie m der Stunde", und anderes. Reben dieser wissenschaftlichen Tätigkeit entfaltete Lassar-Cohn eine ganz außerordentlich rege Wirksamkeit nn öffentlichen Leben der Stadt Königs^ bvrg und in der jüdischen Gemeinde. Er bekleidete fünfzehn Jahre lang das Amt eines unbesoldeten Stadtrats und war über zwanzig Jahre lang in der Verwaltung der Shnagogengemeinde Königsberg tätig. Seine Arbeitssreudigkeit. sein reges Interesse an allem, was mit dem Judentum zu-i sammenhängt. brachte es dahin, daß er seit Jahrzehnten mit jeder wichtigeren Mission betraut wurde. Sein besonderes Gebiet war jedoch die Wohlfahrtspflege, und er bekleidete Jahre lang das Amt des Vorsitzenden des Waisenhauses und des Israelitischen Altersstifts. Die Traverseier gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung weitester Kreise der Stadt Königsberg. Oberbürgermeister Dr. Loh me der legte im Namen des Magistrats einen Kranz am Sarge nieder. Antisemitismus in der Kinderstube. Es genügt den Deutschvölkischen nicht mehr, die Schulen zum Schauplatz ihrer hetzerischen Roheiten zu machen, sie dringen bereits in die Kinderstube vor. Einer unserer Freunde kaufte neulich in der Spielwarenhandlung Bernhard Keilich (Große Hamburger Straße 22/23) ein Kasperletheater und erhielt zu diesem auch ein Heft „Kasperles lustige Streiche", vier heitere Stücke für das Kasperletheater. das im- Verlag von G. Dann er in Mühlhausen j. Thür, erschienen ist. Gleich im ersten Stück kommt im Personenverzeichnis nebendem Leusel auch „der Jude" vor und. wie nicht anders zu erwarten, ist er ein Vösewicht. ein Dieb. Lügner und Betrüger, der zum Gaudium ber übrigen von Kasperle so lange auf den Kopf geschlagen wird, bis er tot daliegt — was alle unsere Freunde, die ihre Kruder vielleicht mit ähnlichen Geschenken erfreuen wollen, interessieren dürfte. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Am 30. und 31. d. M. findet die Tagung des Verbandes Vaherischer Israelitischer Gemeinden statt. Es wird über eine Fülle wichtiger und interessanter Fragen beraten werden, von denen die Besoldung der Rabbiner und Gemeindebeamten, die sozialen Aufgaben des Verbandes, die Ausbildung unserer Lehrer und die Rechtsverhältnife und Ausgestaltung der Rabbinerdistrikte: besondere Bedeutung haben. Die Eröffnungssitzung wird die Stellung des Judentums zu Staat und Oefsentlichkeit behandeln. Eintrittskarten zu den Verhandlungen stehen in der Kanzlei der Israelitischen. Kultusgemeinde, 'München. Herzog-Max-Straße 7, I. zur Verfügung. - Hilfe für ungarische Studenten. Wie bekannt. Zwingt dev numerus clausus an den Vudapester Hochschulen zahlreiche jüdische Studenten, ausländische, vorwiegend deutsche - Universitäten. ausZusuchen. Um ihnen das Studium möglich zu machen, bereist im Aufträge des Hilfskomitees Generaldirekto-r Bela A l a P i eine Anzahl deutscher Universitätsstädte. um in diesen -für die dort studierenden jüdischen nngax.ischen Studenten. Hilfsorganisationen ins Leben zu rufen. Das ungarische Hilfskomitee' richtet an alle deutschen Kultusgemeinden die Bitte, Herrn Alapi bei seinen Bestrebungen hilfreich an die Hand zu gehen. Gedenktafeln. In der renovierten Synagoge zu Osfenburg in Baden nahm am Versöhnungstage Rabbiner Dr. H a l p e r s o h n die Einweihung der Gedenktafel für die Kriegsgesallenen vor. Dr. H «a l per-- f o h n sprach hierbei über das Thema: „Ein Andenken sollen sie allen sein." — Auch in Göttingen wurde am gleichen Tage eine derartige Erinnerungstafel eingeweiht. 1 Riquet I PRAUNBN C* AG m.: vernehme Herrenftfefel 0^^ein.jdhuhfabrJMu(krJöhneß*(j yerQ'Rh. Münchner „JUGEND" die hervorragende farbige Zeitschrift für Kunst und Leben, ist die nn entbehrliche Lektüre aller Gebildeten. Vierteljahrespreis 80 Mark, einzelnes Heit 15 Mark. Probeheft umsonst gegen 5 Mark Portoerstattung. Buchhandlungen, Por'tanstalken und der Verlag nehmen Bestellungen an. München. G. Hirih's Verlag A.-S. in großen Beträgen für Wohn- und Geschäst4harr5er unter Zugrundelegung der Mietsteigerungen und erhö hten Bauwerte I Für unsere Grundfiülksabteilung n suchen wir gute Objekte in Groß-Berlin zum! I An- und Verkauf. i Senno Stahl & Sohn ,, Berlin sw es, Markgrakenstr. 56. I Dönhvfl 4727 bis 4730. jg AnAazi1-Oefen?.L;Lk.? E. Grunge & Co. Telephon: Kurfürst 1363. M. 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