Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 25 (26.10.1922)
- Date
- 1922-10-26
- Page
- Seite 299 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277380-2277405--00325-2279439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das Proletariat und der Judenhaß. Von Karl Kruse, Mitglied der V. S. P. D. Eine der vornehmsten Aufgaben des Sozialismus ist es, alles was Menschenantlitz trägt, als Menschen zu würdigen. Wir Sozialisten als schärfste Gegner derjenigen, die genau erforschen wollen, wieviel Blutkörperchen eines jeden semitischer und arischer Abstammung sind, haben als Parole die Nassenfrage nicht ausgenommen, es sei denn, daß wir in stetem Kampfe gegen die Nassenversechter cingetreten und dadurch indirekt an die Rassenfrage gekettet sind. Mit Marx, Engels als^ Schöpfer des ungeheuren Gedankens des Sozialismus verbindet uns genau wie mit den Trägern desselben, Lassalle und Liebknecht, innige Liebe. Deshalb, und gerade weil -die Idee des Sozialisnms von den Juden allsging, sind wir Sozialdemokraten die prädestinierten Gegner des Antisemitismus- Die Kämpfe der Ahl'wardt mit) Stöcker, die ihren „Kulturknmpf" gegen die Juden in einem Atemzuge mit der Bekämpfung der Sozialdemokratie nannten, hatten darin, nicht so sehr unrecht, um so mehr, als sie als Opfer der Sozialisten auf der Strecke blieben. Wie seinerzeit „Antisemitismus und Bekämpfung der Sozialdemokratie" als ein Ziel galten, sind beide heute in derpolitisch so witdbew egten Zeit 31t Schlagworten herabgesunkeu, die ihre Kraft in sich selbst auszehren, um eines Tages ganz 51t ersterben. Wenn heute Opfer zu beklagen sind, so drängt sich jedem Politiker die Frage auf: „Was ist bisher gegen die Ausnutzung des Schlachtrufes „Gegen die Juden" unternommen worden?" Die Antwort ist überaus betrübend und rechtfertigt das Wort einer Geschichte Werfels: „Der Gemordete ist schuldig und nicht der Mörder." So intensiv die Pogrompslege von seiten der Völkischen nach dem Kriege, in dem Begehren, einen Prügelknaben zu finden, einsetzte, so wenig ist geschehen, die Lbahrheit der Aufklärung der breiten Volksschichten, zu denen die Völkischen ebenso gehören, vorzunehmen. Die in die Opposition gedrängte Partei, die bislang das Staatsruder führte, hat es verstanden, die Volksseele zu vergiften, inrd derselbe Mann, der im Kriege die Nerven ver- 299 -— loreu hat und sein -dreifach gerüttelt Mast Schuld an dem Zusammenbruch trägt, ist einer der wütendsten Antisemiten. Seine Kriegsbände, die strategisch gewertet werden sollen von Fachleuten, wie sie gewertet werden müssen, zeigen politisch größte Naivität und in jeder Zeile ist ein Stammeln der Entschuldigung zu vernehmen, daß eine blaue Brille und der Name Lindström herhalten mußten, die Flucht vor der „Judenregierung" am 9. November 1918 zu bewerkstelligen. Es ist eine Schuld des Judentums, daß sie bisher vor diesem Manne, der,sie jede Stunde schmähte, noch die höfliche Ehrfurcht bewahrt hat. Seine innige Verbindung mit Wu-lte uud Sontag wird durch einige Briefe aufs neue bewiesen, die-systematl^he, organisch aufgebaute Lüge des Antisemitismus wird von diesen Leuten ausgestreut und in die Kanäle geleitet, die zum Hirn und Herzen des Volkes führen. Wenn auch bei dem klassenbewlrßten Proletariat bisher diese Machenschaftendank der Intelligenz des deutschen Arbeiters, keinen festen Fuß fassen konnten, so ist doch, das große Heer der Indifferenten nicht aus dem Auge zu verlieren. An sie wendet sich in erster Linie die verstnßte Lüge, und hier stößt sie auf das nötige Verständnis. Die politisch Un-geschulten, die sich aus -allen Gesellschaftsschichten zusammeusetzen und dem eine nicht unbeträchtliche Zahl Juden angehören, sind selbst der gefährlichste Resonanzboden einer Pogromstimmung. Wenn man die Stimmen aus dem Volke hört, die, verhetzt durch Wulle und Konsorten, gierig alles ansnehmen, was sich gegen die Juden richtet, kann man um unser Volksbewußtsein sich bangen, und man hält vergeblich Ausschau: nach Mitteln, die dem entgegenwirken. Helfen kann nur eine ganz klar abgegrenzte Aufklärungsarbeit, die sich zum Ziele setzt, die tausend Legenden über die Kriegführung der Juden und ihre Beteiligung am Weltkriege ad absurdum zu führen, überhaupt sich mit allem beschäftigt, was die sein ausgebante Organisation der Völkischen in die Wege leitet. Es muß endlich damit aufhören, daß man, wie die Negierung, in keiner Weise sich gegen die Angriffe schützt, sondern geduldig alles über sich ergehen läßt. Schlagworte sterben in 'dem Au.genbli.ch, in dein sie als solche gekennzeichnet sind. Alleinige Anzeigen-Aanahme Rudolf Mosse, Anzeigen*Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin SW 19, Jerusalemer Straße 46 - 49 / Breslau / Chemnitz / Cöln a. Rh. ✓ Dresden / Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. / Halle (Saale) Hamburg / Hannover / Leipzig / Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg / Stuttgart / Prag / ^Vien / Warschau / Basel / Zürich N: Brunnen iQO.NWWilsndcker 15, Turm 70.üTbg:KänN53, WHmersdorfer5%6.NkölIn:Bera29, Hermann 56.Thof: Berliner 120. Schirme Leo Baeck: Romnnlisthe Religion Broschiert 50 Mark VORZUGSAUSGABE Halbleder, numeriert und vom Autor signiert (nur in 50 Exemplaren erschienen) Preis 300 Mark. Pfeil« Verlag mul MlianM Bertts SWtö, liiMr. 13. ,Retzlaff&Co. Bank-Kommanditgesellschaft auf Aktien «8. raubmstraße2Z BERLIN H19. Sausvogteiplatz S. Fernsprecher: Zentrum 10330, 9179, 9296 (4968), 3438, Moritzplatz 6432. Telegrammadresse: /(yradank. Filiale: Berlin NW7, RettstadtlMe Kirchstratze 4/S. Fernsprecher: Norden 1281, 1282. Telegrammadresse: Lyrafilia. Godesberg ltllltlllllllillll am Rhein. Ilimilllllllllli kurfWenm,MMrg" für Nervöse und innerlich Leidende Sanitätsrat Dr. Sk äh ly, Direktor Butin. (Svrechailstt>heilt Bros. i>r. Rud.Dentzardts JSlQItClJU Anstalt, ®|fettadt, nach dem wifserrschaftl. begründeten, staatlich ausgezeichneten Verfahren. — Prospekt frei. Sf gütflltft&fi ft ftfrfitt Telephon: Michendorf Nr. 4 (Fernamt). - Sprechstunden in Berlin: Kant. £»tl§VfPvipiktül V# straße47 bei Sachs, Dienstag und Freitag 6-7. Telephon: Steinplatz 724*