Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 22 (5.10.1922)
- Date
- 1922-10-05
- Page
- Seite 275 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2277379-2277380-2277402--00298-2279409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
27-5 -und so den ewigen Fortbestand jüdischen Geistes sichtbar vor Augen ssüh-rt und sie zu gläubiger Demut zwingt. So erstarkt der Drang, sich -an geweiht-er Stätte in die endlose Kette der Ahnen eingefügr zu fühlen und -mit ihren Werten, in ihren 'Gebeten nur Bewahrung der Gnade zu f-lehen, die — allen Prüfungen zum Trotz — auf diesem Volke ruht. So entstand diese neu erstarkte Frömmigkeit, so schwoll der Zug nach den Gotteshäusern. Anderes kam hinzu. Wir wissen aus der Geschichte, und wir erleben es in der Gegenwart, daß Ungewißheit und Unsicherheit einer Epoche, Schwanken hergebrachter Begriffe, Zusammenbruch traditioneller Werte, ein Ausleben der Religiosität bewirken. Wo der Verstand vor unlösbare Rätsel gestellt wird, flüchtet die Sehnsucht nach einem beruhigenden, erfaßbaren Weltbild zum Gefühl, zur Phantasie. Wer nicht gläubig genug ist, um in seiner Kirche Halt und Zuversicht zu finden, stürzt sich in das Dämmer ^mehr oder weniger okkulter Lehren und Pseudoreligionen. Das Anwachsen aller theosophischen Bewegungen, der Zulaus zu Rudolf Steiner, aber auch der zur Philosopherlschule des Grafen Keyserling und selbst die Hochkonjunktur für Spiritisten und Wahrsager findet so seine Erklärung. Von diesen: Zug der Zeit bleibt natürlich auch der Jude nicht unberührt. Doch hat er es nicht nötig, -sich ans den trügerischen Boden irrationeller Heilbotschaften zu begeben — selbst wenn ihm naiver Kinderglauben und Gottesfurcht abhanden kam. Inmitten des Ehaos, ^dns aus der Zertrümmerung aller sittlichen Normen entstand, findet.^- er in seiner Religion und ihren Büchern die Quelle und Urheimat unserer Moral und Ethik. Aller Streit unserer Tage scheint hier vorgeahnt, alle Probleme unserer sozialen Kämpfe erörtert und ihrer Lösung nahegebracht. Glück und Zufriedenheit aller Menschen auf Erden ist das einzige Ziel der Gebote und Gesetze unserer heiligen Bücher. Mit einer Zartheit, einem Herzenstakt, der von keinem heutigen Gesetzgeber übertroffen wird, ist hier — Jahrtausende bevor es.das Wort „Sozialismus" gab — der denkbar möglichste Allsgleich zwischen arm und reich, hoch und nieder angebahnt. Das Kleid der Witwe darf nicht gepfändet, der Lohn des Taglöhners nicht über Nacht im Hallse behalten, ein Zehntel des Ackerlandes nicht abgeerntet werden-, und alle Jubeljahre müssen die Sklaven frei sein. Ans den: Düster einer brutalen, gedankenarmen, zerfahrenen Gegenwart blickt der Jude hier m ein Reich, in dem Achtung für den Mitmenschen, Mitleid und Klugheit walten. Darf es uns wlindern, daß er heute eifriger als 'früher den Weg zu diesein Reich, den Weg des Glaubens, den Weg ins Gotteshaus nimmt? Und daß er, erfüllt von Stolz über seinen Stamm und die Lehren feiner Schriften, ans der unerschütterlichen Wahrheib und Geltung solchen Gotteswortes beglückende Zukunftshosfnung schöpft wenn bet erhobener Thorarolle die alte Mahnung erschallt: Höre, Israel . . .! u» K-m ch> ♦♦ -$sr-v/’T! Der Mörder Kurt Eisners. So wenig erfreulich^die nachstehenden Feststellungen für das Judentum sein _ mögen, so können wir es uns doch nicht -versagen, den Völkischen wieder einmal zu -beweisen, wie falsch urtb haltlos alle ihre Rassentheorien sind und wie unsinnig es' ist, „Bluteinflüsft" zur Erklärung politischer Gesinnung oder Betätigung herauzuziehen. Wie die folgenden, unbezweifelbareu. Tatsachen zeigen, ist sogar einer ihrer gefeierten „Helden", Der Mörder Kurt Eisners, ein „Jndenstänunling". Er zählt die früher jüdische Familie Oppenheim 31t seinen Vorfahren. Die Freiherren Abraham v. Oppenheim und Simon v. Oppenheim waren früher die Inhaber des bekannten Kölner Bankhauses; Abraham v. Oppenheim hatte keine Kinder, fein älterer Bruder ^nnon dagegen hatte drei Söhne und eine Tochter. Bon den Söhnen des Simon v. Oppenheim waren zwei verheiratet. _Ihre N,amen waren Eduard, der evangelisch, und Albert, der katholisch wurde. In diesen beiden Familien waren mehrere Töchter, v 0 n d e ne n ei ne e ln e n Grase n A r e 0 g e h e i r a t >e t h a t. D i e s e a n g e h e i^r a t >e t e Gräfin A r c 0 ift a l s 0 d i e En ke l i n des B a r 0 n s S i m 0 n v. Oppen h e i m , lv ä h r e n d d e r e n S 0 h n — d e r i n F r a g >e t v n: m ende A t t e n t ä t >e r — also der U r e 11 k e l des Kölner Bankiers, Freiherr Simon v. Oppenheim, ist. Vortrag Julius Babs. Vor den Mitgliedern der Ortsgruppe Berlin N-W des E.V. sprach neulich ' Julius B a b über den „Anteil der Juden an der Dichtung der Gegenwart". Es gelte, so führte -er aus, die Behauptung der Antisemiten, daß der Anteil der Inden an der deutschen Literatur ungeheuer groß sei, ans das rechte Maß zurückzuführen. Seit der Dichter nicht mehr persönlich vor still Volk treten könne, sei es eine überails wichtige Tätigkeit geworden, die Dichtung delll Volk zu verlnitkeln. Aus diesen: die Dichtliug umkreisenden Gebiet der Literatur seien die Juden zahlreich vertreten, lvenn auch nicht so stark, lvie es immer angenommell wird. Während unter den Meisterübersetzern die Jllden überlviegen, feien die Universitätslehrstühle bis vor kllrzem judenrein gewesen, habe sich im Kreist der Literaturkritik christlicher und jüdischer Einfluß die Wage gehalten, 'lind die Inden haben ihre Vernlikttungstäticsteit nicht etwa dazli benlltzt, das jüdische Element zu lancieren, sondern haben spezifisch deutsche Kräfte in den Vordergrund gebracht. Ja, auf dem Gebiet der eigentlichen Dichtung sei der Einfluß des Jüdischen verschwindend gering. Unter den großen epischen und dramatischen Dichtern mit tonangebender Kraft sei kein Jude, weil die deutschen Juden in vier Menschenaltern seit der Emanzipation mit dem deutschen sinnlichen Material lwch nicht fertig werden konnten. Das Leben gleitet ihnen durch die Hand. Um so stärker mllßten sie in der religiösen Lyrik wirken,. und Alfred Mombert ebenso lvie Else Laster-Schüler seien hier größte Potenzen. Auch an der expressionistischen Gegenwartsdichtung seien Juden wirksam beteiligt, weil dem jüdischen Talent der ekstatisch-lyrische Alleinige Änzeigen-Annahme Rudolf ÖSosse, Anzeigen - A nnalinie für saratl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 8rv 19, Jerusalemer Straße 46-49 , Breslau / Chemnitz ✓ Cöln a. Rh. / Dresden ✓ Düsseldorf / Erfurt ✓ Frankfurt a. M. / Kralle (Saale) Kramburg / Hannover / Leipzig ✓ Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg / Stuttgart / Prag / Wien / Warschau / Basel / Zürich vj -I Der jüdische Waden im Zentrum Berlins Gebetbücher / Ritualien Geschenkwerke/Graphik / Judaica / Hebraica / §M>iöi lurofics, Berlin C 2 Eckiaaen Kleine Präsidentenstrasse 3; am Monbijouplatz (Stadtbahnhof Börse). Telephon: Norden 8653. 3)[Hcrlei Gelegenheitsgegenstände: Anti Tj dtzitaten, Schmuüsachen, Möbel. Wirt- Eaflsfnchen, Kleider, Pelze, Reisekoffer rldern. Kauf und Verkauf kommissionsweise bei Zchnprozentigem Preisa uffchlag oder fest. Ausstellung. Lagerung, Eckhausladen, spesenfrei. KoMMisfionScureau- Charlottenburg, Kleistflraße 36. (Nlldf. 4940.) Gardinen-r Noch geben wir Ihnen jetzt die günstigste Gelegenheit, sich bei uns einzu decken bzw. durch Anzahlung zu sichern. Aus unseren alten Warenbeständen bieten wir, solange vorrätig, an: Künstlergamituren, dreiteilig, von875 M>, Halbstores, reiz. Muster, von 735 M., Bettdecken» mod. Ausfuhr., von 1075 M., Gardinenstoffe, la engl. Tüllgew., Meter von 135M. ausw.. Madrasgarnituren, deü-u.dunkelgrdg., sowie HanMet-Stores und -Bettdecken, auch für den ve: wohnt. Geschmack, irr all.Preis lagen. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. Grotzdetail-Gardinen-Etagen, BerNn FriedsGar(linetihaus.' Prinzenstratze OM am Morrtzpl., Hochbahnstation Prinzenstr. Weininger& Co. Gr.FrankfurterStr. |n^ am Strcmsberger Ptatz(uaheAndreasstraße) Von 1 bis 3 Uhr geschlossen. Be! Bestellungen bitten wir auf die „C.V.-Zeitung" Bezug zu nehmen Uugo lancisu Versteigerer Taxator Berlin e rs, Kaiserstraße 32s Fernsprecher: Königstadt 2575. Annahme von Versteigerungen jeder Art zu den kulantesten Bedingungen- Lewinsky, Retzlaf f &Co. Bank-Kommanditgesellschaft auf Aktien Mion ~ * .Wnenklee. Für Nachsaison und Herbstatrsenthalt bestens empfohlen. Bekannt durch vorzügliche, reichliche Verpflegung und herrlichste, sonnige Lage. Hochwald und großer eigener Garten am Hause. Bad. Fernruf: Hahnenklee 46. Max Lange. «5. Taubknstraße 23 BERl—lfsl C19, Sausvogteiplah 5. Fernsprecher: Zentrum 10330, 9179, 9296 (4968), 3438, Moritzplatz 6432. Telegrammadresse: ^yrabank» Filiale: Berlin a wt, Neustadtische Kirchstratze 4i5. Fernsprecher: Norden 1281, 1282. Telegrammadresse: Lyrasilia. 297706