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Central-Verein-Zeitung · 1922-09-28 · 21 (28.9.1922) · p. Seite 268

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
21 (28.9.1922)
Date
1922-09-28
Page
Seite 268 (sequence 8)
Language
German
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268 Entrüstung der antisemitischen und deutschnationalen Presse, die auch bei dieser Gelegenheit nicht unterließ, den jüdischen Sadismus, die jüdische Grausamkeit hervorzuheben und das Jahrhundert zum Zeugen anzurusen, wie schwer die Hand der ^jüdischen Gewaltherrscher aus dem armen, gequälten russischen Volke lastet. Sie verschwieg nur, daß unter den vierzehn Verurteilten sechs Juden waren. Merkwürdig, die jüdische Sowjetregierung mordet jüdische Führer der gegnerischen Parteien. Apfelbaum gegen Zederbaum! Der von den Antisemiten cnft meisten genannte Sowjetjude ist nämlich S i n o w j e w, der unter seinem jüdischen Namen Apfelbaum von den Antisemiten weltberühmt gemacht wurde. (In Wirklichkeit heißt er R-adomyslsky, aber Apfelbaum Mngt — lieblicher.) Sem heftigster Gegner, der Menschewistenführer Marko w, heißt Zederbaum und ist der Enkelsohn des bekannten hebräischen Publizisten und Herausgebers des „H a m d i z" in Petersburg. Im Oktober 1920 auf dem Kongreß in H a l l e standen sich die beiden Gegner in heftigstem Kampfe gegenüber, und Graf Reventlow vergoß heiße Tränen über das bittere Schicksal des russischen Volkes, als dessen Verkörperung der arme, ausgemergelte Markow dastand und die schwersten Anklagen gegen den feisten, schmerbäuchigen Juden Apfelbaum schleuderte, der so viel Leid über das besagte unglückliche russische Volk heraufbeschworen habe und sich nun von seinem Blut und Fett mästete — sich und alle anderen Juden —, und nebenbei die Weltherrschaft Israels vorbereitete. Nun ist der gute Martow seinem Schicksal nur entgangen, weil er es vorzog, seither in Deutschland zu bleiben. Es ist aber dafür gesorgt, daß die Apfelbäume ebenso wie die Zederbüume nicht in den Himmel wachsen. Das tolle Rasen der Sowjetleute gegen ihre Gegner bekundet, daß sie nicht eben fest im Sattel sitzen, lieber die wirklichen Zustände in Sowjetrußland herrscht im deutschen Publi-kum die tiefste llnkenntnis; das ermöglicht den Antisemiten über die dortige „Judenherrschast" die albernsten Märchen zu verbreiten, die von den Lesern willig geglaubt und weitergegeben werden, weil sie von dem Getriebe der russischen Parteien keine Ahnung haben. Es ist darum dankbar zu begrüßen, daß der Firn-Verlag (Berlin W) eine „Geschichte ider jüngisten rch.stschen Revolution"-von Dr. E. H m r w i c z heraus ge gebenhat, die uns über die beiden Staatsumwülzungen von März und Oktober 1917 eingehend unterrichtet, lieber die Parteikämpfe in Sowjet- Rußland belehrt uns eine Reihe aufschlußreicher Broschüren von V y st r a n s k i „Menschewiki und Sozialrevolutionäre", W a r d i n. „Die Partei der Menschewiki in der russischen Revolution", Bubno v, „Die Hauptmomente der Entwicklung der Kommunistischen Partei Rußlands," - K u j a s e w, „W. Äolodarsti", V a x g a , „Sozialismus und Kapitalismus in Sowjet-Rußland". Radel, „An der Schwelle der großen Aufbauarbeit in Sowjet-Rußland" und „Das dritte Jahr des Kampfes der Sowjet-Republik gegen das Weltkapital" (sämtlich im Verlag von Carl Hohns (Hamburg 8). Liest rnan diese äußerst interessanten Schriften, so gewinnt man ein klares Bild von den Strömungen und Gegenströmungen in Rußland, die beide schließlich in Strömen von Blut münden. So sehr unser Mitgefühl auf seiten der Opfer der Moskauer Justizkomödie steht, sagen wir uns schließlich: sie sind nicht besser als ihre Henker, sie mordeten und planten neuen Mord, und hielten es nicht einmal für nötig, eine Justizkomödie vor der Oeffentlichkeit auszuführen. Die Partei der Sozialrevolutionäre ist nämlich aus der „Narodnoja Wolja" hervorgegangen und hat von ihr als Erbteil die Lehre übernommen, daß unter gewissen Umstanden der Mordanschlag als politisches Kampfmittel zulässig sei. Die Narodnoja Wolja, die aus der Blüte des russischen Hochadels und der Intelligenz bestand und sogar von antisemitischen Tendenzen nicht frei war, zählte unter ihren 500 aktiven Mitgliedern vier Juden; es ijl schmerzlich zu sehen, daß seither ein allerdings verschwindend kleiner Bruchteil der jüdischen Intelligenz sich dem Judentum innerlich so tief entfremdet und dem russischen Empfinden so sehr assimiliert hat, daß er den Mord als politisches Kampfmittel nicht verabscheut. Uns- Juden find die jüdischen Bolschewiki ganz genau wie ihre Gegner in tiefster' Seele unsympathisch. „Wer Menschenblut vergießt, des Blut wird von Menschenhand vergossen werden", lehrt unsere alte Bibel. Wir wissen übrigens, daß die jüdische Intelligenz im eigenen Heim der Aufgaben genug zu bewältigen hätte. Die fünf jüdischen Moskauer Todeskandidaten hätten vielleicht besser getan, anstatt ihr Leben daran zu setzen, daß die russischen Bauern das Land der Großgrundbesitzer erben, ihre Arbeit den eigenen Brüdern zu widmen, die sich seit Jahren so bitterlich schwer abrackern, um ein Fleckchen Erde im Lande der Väter beackern zu dürfen. Wir haben gesehen, welch große Schwierigkeiten die jüdischen Arbeiter zu überwinden haben, die in Palästina als Ackerbauer tätig sein wollen, daß ohne Beseitigung dieser Hindernisse das ganze Siedlungswerk Gefahr läuft, sein Ziel zu verfehlen. Wir werden im Karl Flieg Eva Flieg geb. Schäfer Vermähite. Chemnitz. Graveiottestrassa 14. Seiteiäv der mit Kafsentvesen, KorrefvonDenr und Buchführung vollständig vertraut und an selbständiges Arbeiten gewöhnt ist, sofort gesucht. Schriftliche Angebote mit Referenzen und Gehattsansprüchen an den Vorstand der Jüdischen Neformgemeinde, Berlin, JohanniSstratze 16. Lannabend, den 16.September d. J., entschlief nach langer, schwerer Krankheit mein innigstgeiiebter Vater, unser guter Bruder, Schwager und Onkel, Herr Moritz Grünstein im 49. Lebensjahr. Dortmund, Eisenach. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinz Grünstein. Ich habe mein Bureau nach MMmerAlAM (an der Potsdamer Brücke) verlegt. -Fernsprecher: Amt Nollendorf 4GS8. Iarecki LI Justizrat Rechtsanwalt und Notar (früher zu Posen). Lützow-Apotheke Berlin W 62, Lntzowplatz stellt Abiturienten (in) als Praktikanten (in) Viiiraurarfige Jiln zur persönlichen Unterstützung ältererDame für beitbekanntes Geschäft (Modewaren) und Haushalt für Berlin gesucht. Gute Position, evtl. Familienanschluß. 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