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Central-Verein-Zeitung · 1922-09-28 · 21 (28.9.1922) · p. Seite 267

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
21 (28.9.1922)
Date
1922-09-28
Page
Seite 267 (sequence 7)
Language
German
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267 Oberrealschüler und, wie so oft, wurde auch diesmal der Anlaß benutzt, um das alte Ritualmordmärchen, neu ausleben zu lassen. Zwar wurde die Leiche des Knaben bald darauf mit einer Schußwunde vorgesunden, und da selbst die verblendetsten Anhänger jener Mordmythe nicht glauben, daß ein Ritualmord mit der 'Schußwaffe vollbracht wird, so beruhigten sich die völkischen Gemüter für diesmal. Der Fall hatte aber eine bemerkenswerte Politische Weiterung. Bei der Staatsanwaltschaft in Breslau lief eine amtliche Zuschrift ein, in welcher die dringende Aufklärung dieses Falles gefordert und allen Ernstes daraus hingewiesen wurde, daß das Bersch winden des Knaben kurze Zeit v o r O st e r n v i e l l e i ch t ^a u s gewisse Zusammenhänge mit einem R i t u a l m o r d schließen lasse. Der Unterzeichnete dieser Zuschrift war der stellvertretende R e - g i e r u n g s P r ä s i d e n t v. Horn. Der C.-B. wandte sich hieraus an den Minister des Innern, gab seinein Befremden darüber Ausdruck, daß ein hoher Negierungsbeamter sich nicht scheue, die Judenhetze derart zu fördern, und bat, dem betreffenden Herrn entsprechende Weisungen Zuteil werden Zu lassen. Aus unser Schreiben erhielten wir vom M i n i st e r des Innern am 14. d. M. die folgende Antwort: „Auf Ihre Eingabe vom 9. Mai 1922 erwidere ich Ihnen ergebenst, daß ich den Hinweis in dem schreiben des Oberregierungsrats v. Horn an den Herrn Oberstaatsanwalt in Breslau vom 24. Februar 1922, worin bezüglich des Verschwindens des Gymnasiasten Walter die Möglichkeit des Vorliegens eines Ritualmordes als nicht ausgeschlossen bezeichnet wird, scharf verurteile und Gelegenheit genommen habe, Oberregierungsrat v.^Horn, jetzt in Königsberg, das Geeignete zu eröffnen. gez. L>evering." Eine judenfeindliche Verfichernngsgesettschuft. Bon einem Mitgliede unseres Vereins wurde uns Mitteilung gemacht, daß der Generalsekretär der Versicherungsgesellschaft „F r e i a'V Hermann Mo oh mann, gleichzeitg Vorsitzender des oberfchlestfchen Antisemitenbundes, Ortsgruppe B e u then, fei, der an Roheit in der Kampfesweise andere antisemitische Vereine Oberschlesiens erheblich überträfe. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender verschicke er Berichte ^seines Bundes, tendenziös gehaltene Behauptungen usw. aus Briefbogen, die den Aufdruck der „Freia" mit dem Zusatz „G e n e r a l a g e n t u r" trügen. Abgesehen davon, daß die antisemitische Tätigkeit dieses Herrn stadtbekannt sei, schmücke er sich, und seine ebenfalls in der Versicherungsgesellschaft tätigen Söhne mit dem Hakenkreuz. Trotz seiner Gesinnung habe Herr Moohmann es fertigg-ebracht, einen jüdischen Herrn zum Abschluß eines Versicherungsvertrages seiner Gesellschaft auszufordern, und sei natürlich gebührend abgefertigt worden. All dies haben wir der Generaldirektion der „Freia" in Berlin unterbreitet und die Bitte daran gekünpst, Herrn Moohmann die antisemitische Tätigkeit zu untersagen, da diese sicher nicht den | RiqueT I PRALINEN § I RlRUISY & Ch. AQ Ctfp* Wünschen der Gesellschaft entspräche, die auch Juden zu ihren Versicherungsnehmern zähle. Wir haben daraus die Antwort erhalten, daß Herrn Moohmann verboten wurde, Briefbogen der „Freia" zu Mitteilungen mit irgendwelcher politischen Tendenz zu verwenden. Ferner gab uns die „Freia" die Erklärung ab, daß ihr antisemitische Tendenzen vollständig fern lägen und daß es wohl keiner Versicherung von ihrer Seite bedürfe, daß sie als Geschäftsunternehmen es stets ablehnen würde, Geschästsaktionen mit Politik zu verquicken. Sie versprach noch, unser Schreiben Herrn Moohmann bekanntzugeben. Nach einigen Wochen wurde uns die Stettiner Zeitung „De rVolksb o t e" zugesandt, die über eine öffentliche Versammlung des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes berichtete, in der der Vorsitzende Haupt m ann a. D. Hündeiker (Stettin), der Zugleich 'Vertreter der „Freia" war, den antisemitischen Charakter seiner Gesellschaft verkündete. Wir wandten uns wieder an die „Freia" und baten, eine gegenteilige Erklärung durch die Presse Pommerns veröffentlichen zu Lassen und uns ferner darüber zu unterrichten, was in der Angelegenheit Moohmann von ihr veranlaßt worden sei. Auf dieses Schreiben und auf ein weiteres blieben wir bis heute ohne Nachricht. Europäische Humanität par distance. — D a s B l u t g e r i ch t von M o s k a u. — Apfelb a u -m contra Zederbau m. — D i e vollskändige Unkenntnis der Deutschen b e Z ü g 1 i ch d e t r u s fisch e rr Verhältnisse ermöglicht den Antisemiten, ihre Legenden 3 u verbreiten. — Wichtige Mittel zur Aufklärung. — Jüdische Ein steklung Z u den k ä m v l e n d e n Parteien. —- Aufgaben der Jüdischen Intelligenz. Moskau und Ie r u s a lem. — Juden"u nd A ra ber in Palästina. — Aussichten der K o l o n i s a t i o n. Die Humanität ist doch noch nicht ausgestorben in unserer schnöden Welt; man besitzt noch die Fähigkeit, sich über Greueltaten zu entrüsten, namentlich über solche, die von andern verübt wurden. Es war rührend, wie tief empört Europa wegen der vierzehn Todesurteile war, die das Moskauer bolschewistische Revolutionstribunal über die „Staatsverbrecher" gefällt hat, Menschewisten und Sozialrevolutionäre, Gegner des kommunistischen Regimes und der Diktatur des Proletariats, die aus einen gewaltsamen Umsturz der Sowjetregierung hinarbeiteten. Besonders erhebend war die sittliche Trauerkleidung jeder Art in grösster Auswahl und bester Ausführung - Trauerhüte und Schleier Auswahlsendung bereitwilligst sofort! Trauer-Magazin des Westens W62, Kleiststrasse 23 RUBENS & COb Fernruf: Kurfürst 6818 Denket angesichts der geheiligten Zeit an den Hungertyphus in Akraine-Rutzland. Gnipoenverdmid der „Jgudas Jisroer in SeukWanü. Wderfladk. Postscheckkonto 189 01, Berlin.

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