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Central-Verein-Zeitung · 1922-09-21 · 20 (21.9.1922) · p. Seite 254

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
20 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
Seite 254 (sequence 10)
Language
German
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254 Staatsbürgerrechte ihr auch Staatsbürgerpflichten auferlegten, und daß ihre weibliche Eigenart, ihre Mütterlichkeit, sich zum Wohl der Allgemeinheit auswirken müsse. Darum darf die Frau, die 'durch das Vertrauen ihrer Wähler in das Parlament einzieht, dort nicht nur als Frauenvertreterin gewertet werden. Denn sie verdankt ihre Stellung nicht nur den Frauenstimmen, auch große -Männerkreise stehen hinter ihr, und so wird je!de Parlamentarierin sich, genau so wie ihr Fraktionskollege, zunächst der gesamten Wählerschaft gegenüber verantwortlich zu fühlen haben. Freilich bleiben ihr besondere Aufgaben Vorbehalten. Sie wird nicht nur in wirtfchafts- und sozialpolitischen Fragen ihr Betätigungsfeld finden, sondern vor allem auch an den Bestrebungen Mitarbeiten, welche allen Kindern des Volkes, ohne Unterschied des Geschlechts, alle Bildungsmöglichkeiten zugänglich machen. Denn die volle Mitarbeit der Frau an allen Aufgaben des öffentlichen Lebens erleidet auch heute noch vielfach Hemmungen durch ihre unvollkommene Ausbildung, und so kann unsere Forderung nach Bewegungsfreiheit im Staats- und Berufsleben erst dann ganz verwirklicht werden, wenn ihr die restlose Erfüllung unseres Strebens nach Freiheit der Bildung vorangeht. Auch wird die Frau Liberall als Sachverständige zu gelten haben, wo Fragen über Kindererziehung und -ansbildung, über Frauenberuf und Frauenarbeit aufgeworfen werden. Ganz besonders aber dann, wenn im Sinne der Reichsverfassung, welche die Gleichstellung von Mann und Frau im Prinzip ausgesprochen hat, die Umgestaltung des Bürgerlichen Rechts und des Strafrechts, in bezug auf die Rechtsstellung der Frau, in Angriff genommen werden wird. Bei all diesen Fragen werden die Frauen aller Parteien sich zusammenfinden können, denn es gilt die Gemeinsamkeit der Fraueninteressen, die größer ist als die Parteizugehörigkeit, und es wird die eigentliche geschichtliche Ausgabe der weiblichen Parlamentarier sein, diese Einheit politisch heranzuarbeiten. Schließlich bleibt aber der Jüdin als Politikerin doch noch eine besondere, von ihr allein zu erfüllende Aufgabe übrig. Die unsere deutsche Kultur so beschämend erniedrigenden Strömungen des Antisemitismus machen vor den Pforten der Parlamente nicht halt. Aber schon die Anwesenheit einer jüdischen Frau, und besonders ihre Mitarbeit in der vorher augedeuteten Art in einer gesetzgebenden Körperschaft, gleichviel ob Stadt-, Landes- oder Reichsparlament, muß und wird beweisen, daß sie sich in der hingebenden Liebe und bewußten Arbeit für ihr deutsches Vaterland von den Frauen anderer Bekenntnisse in nichts unterscheidet. Und da die stärkste Note der Frau, an welcher Stelle sie auch stehen mag, die des Ausgleichens und Vermittelns ist, so wird die vorher betonte Einheit der Fraueninteressen es der jüdischen Politikerin ermöglichen, auch die Frauen anderer Bekenntnisse, besonders die Frauen der links gerichteten Parteien, für die Abwehr einer unlauteren Kampfesweise zu gewinnen. So wird sie in der Lage sein, jedem a n t i s e m i t i - s ch e n Vorstoß der von deutschnationaler Seite versucht werden sollte, die Spitze abzubrechen, indem sie von Fall zu Fall als Nächstbeteiligte entweder selbst dagegen auftreten oder einen Fraktionskollegen zur Stellungnahme veranlassen kann. Die politisch tätige Frau wird aber nur dann ihre Ausgabe erfüllen können, wenn ihr Wirken von dem Vertrauen ihrer weiblichen Wählerschaft getragen wird, wenn sie in den Herzen ihrer Mitschwestern den Resonanzboden für ihre Arbeit findet. Deshalb ist den Frauen mit dem Stimmrecht, welches sie zur Stellungnahme für eine bestimmte Partei zwingt, eine Fülle von Pflichten, eine Größe der Verantwortung übertragen worden, die fast mutlos machen könnte, wenn die sozial- und nationaldenkende Frau nicht von der Notwendigkeit ihrer Mitarbeit an diesen Aufgaben überzeugt wäre. Auch die jüdischen Frauen, die jüdischen Mütter — sie alle müssen als treue deutsche Staatsbürgerinnen Helsen, die Formen des Staats- und Volkslebens im Sinne ihrer eigenartig weiblichen Wertideen rnitzubestimmen. Sie müssen mithelfen, die schweren Aufgaben in Reich, Staat und Gemeinde im Geiste ihrer Wesensart und ihrer besonderen Lebensauffassung zu lösen. Nur so kann das schöne Wort der schwedischen Dichterin S e l m a L a g e r l ö f f zur beglückenden Wahrheit werden: „Ter Mann hat den Staat gebaut, die Frau etwas viel kleineres, aber ebenso lebensnotwendiges — das Heim. Und nun muß die Frau in den S t a a t hinein, damit auch er zu einem Heim werde." 3)as führende a Bahnhofshr. 22 -2±. Fernruf fi9 6JJ Durch Einkauf der Pohwa ren zur günstig* *rrer> Zeit, ist mein Grundsatz gesichert r ftäedhri&e&eeesefMsr heehmermmtge &ef&u*€tren KUftRXJ DOP TMLßhtö 44 il 2 »1 ji!f A4 DIE IDEALE HAUTPFLEGE MITINPÄSTA MITjNPüDER liCÄTÄfJrNr FRÖSTMlflN /vv: CHEM. FABRIK, — KREWEL Ö CS., AKT. GES. KÖLN. A/RH EIN mauptdepot - - ÄRCONA~APOTHEKF,BERIIN N B? ARCONA PLATZ 5 TELEFON AMTfHÜMBOLDT 1J11 UNO S&23

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