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Central-Verein-Zeitung · 1922-09-21 · 20 (21.9.1922) · p. Seite 255

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
20 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
Seite 255 (sequence 11)
Language
German
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255 Die Darmherzigen. In Nr. 270 des „Vorwärts" fällt uns die nachfolgende Mit§ teilung eines Lesers auf. Wir hüten uns, aus der Beobachtung ein es. Falles den Schluß zu. ziehen: da seht ihr, wo in Wirklichkeit dieguten Menschen sind. Wenn der Judenhaß aber systematisch, von angeborener Schlechtigkeit des Indischen W-esens spricht, so ist es ganz heilsam, wenn diesen Fanatikern einmal ein wahres Geschichtchen vorgesetzt wird. Die Schriftleitung. Vor Zwei Jahren, so schreibt uns ein Leser, war ich im Kreis Arnswalde in einem Forsthaus. Die Leute waren streng evangelisch orthodox, Kirchenvorstand, Tischgebet, Sonntags Kirchenbesuch oder Andacht. Wir sprachen über Ferienaufenthalt Berliner Kinder. „Ausgeschlossen. Wir haben uns alle — Landbundmitglieder — verpflichtet, keine Berliner Kinder mehr Zu nehmen. Wir sollen die Spartakistenkinder gesund füttern? Die mögen verhungern!" In diesen Tagen war ich. bei einem jungen Kaufmann, jüdisch orthodox. Ich wollte als gerichtlich bestellter Pfleger zweier Kinder Auskunft über einen früheren Angestellten dieses Juden, über den Vater der beiden Kinder, haben. Das ist ein Lump. Er hatte eine glänzende Stellring, betrog aber seinen Chef von vorn und hinten, so daß er vor zwei Monaten die Stellung verlor und nun unauffindbar ist. Der Kaufmann fragte mich nach dem Schicksal der beiden Kinder Christenkinder. Das, was ich mitteilen konnte, war ein trübes Bild der Not der Zeit. Der Vater hat, seitdem er die Stellung verlor, nicht mehr gezahlt, so daß ich die Kinder jetzt der öffentlichen Armenpflege übergeben muß. Dann werden die Geschwister auseinandergerissen. Da gab mir der Jude — unaufgefordert — Geld — reichlich, damit die K i n d e r nicht unter der Lump eck e i des Vaters zu leiden h ä t te n , und versprach weiter zu fye If c n , damit d i e Kinder nicht getrennt w ü r de n. Da kam mir jenes Gespräch im Forsthaus wieder ins Gedächtnis, und ich schämte mich meiner christlich-germanischen Mitbürger. Zu Hause holte ich meine alte Schulbibel wieder hervor und las das wunderbare Gleichnis vom barmherzigen Samariter noch einmal durch. Und dieser war ein Samariter. Schulfsrgen. Die Zusthrist eines Vaters. Zu dem Kapitel der antisemitischen Verhetzung der Schuljugend beehre ich mich. Ihnen folgendes mitzuteilen: Mein zehnjähriger Junge besucht seit Mitte Mai die Gemeindeschule in der Albrechtstraße. Das Kind hat von der ersten Stunde an derart unter antisemitischen'Angriffen seiner kleinen Mitschüler zu leiden gehabt, daß ich mich jetzt entschlossen habe, es aus der Schule zu nehmen. Die Schüler haben sich vom ersten Augenblick an geweigert, mit ihm zu spielen, ja sogar auch nur mit ihm gemeinsam anzutreten. Als die Kinder vor einiger Zeit die Berliner Blumenausftellung besuchten, wollten sie ihm den Besuch dadurch verekeln, daß sie ihm einredeten, Juden dürsten nicht hinein. Ten Lehrer trifft keine Schuld. Ich hatte ihn schon vor längerer Zeit gebeten, dem Treiben der jugendlichen Schüler entgegenzutreten, und er hat daraufhin die Jungen entschieden verwarnt. Mit besten Grüßen ' H. Stern, Berlin NW 40. Die Zuschrift eines Schülerin. Sehr geehrte Schrift lei tun g! Im zweiten Artikel der Nr. 10 („Die Brutstätten des Nachenau-Mordes") schrieben Sie, daß es beider meistens junge Menschen sind, die sich judenfeindlich äußern. Da erinnere ich mich an einen Tag am Flakensee bei Erkner vor etwa neun Wochen. Wir waren eine Gruppe noch meistens kleinerer Jungen und Mädel, waren lustig und froh, kochten ab und fühlten uns wohl. Da baute sich ein Stückchen weiter eine Gruppe des Jungsturms' (blau-weiß-blau) aus. Die Ankömmlinge zogen nach mehrere!! Seiten Vier Spezialariikei Dr. Lahmanns Gesundheifssliefel für gesunde und kranke Füsse Orthopädische Stiefel für Damen und Herren Sorar-Stiefel für Damen und Herren für empfindliche und extra sfarke Füsse von Weite 5 bis 14 Peito-Jugendstiefel der unübertroffene Qualitäfssiiefel Alleinverkauf Stifter* N0dandsberger92. ft Chausseen. Brunnen J96. NW WifsndckerJS. Turm70.

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