Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 20 (21.9.1922)
- Date
- 1922-09-21
- Page
- Seite 251 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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251 Me xiko l n d 1 die Juden z u r E i n w a n d e r u n a ein. — Die O b r e g v n - De k l a x a 11 o n unb b i e Balfour- Deklaration. — Was i ft der Keren Hajessod? — D ct Z H et u V> t v rbbl e m d er 3 u •£ u n st. — D i c Ll r beiters r a fl e i n P a l ä st i n a. — Lösu n >g s v e r s ir ch e. Ein neues Licht ist aufgegangen. Mexiko hat sich erboten, ein Territorium von 64 000 (englischen) Quadratmeilen jüdischen Einwanderern zur Verfügung zu stellen, welche unter Annahme der mexikanischen Nationalität sich dort ansiedeln wollen. Der mexikanische Präsident Obregon hat an einen angesehenen jüdischen Bürger in Chicago, Paul R o t e n b e r g, in diesem Sinne einen Antrag gestellt, und alsbald entspann sich darüber eine lebhafte Diskussion. Israel Zangwill sieht hier eine Verwirklichung seiner Territorialidee, von der nur wenige eine klare Vorstellung haben, und rät, das Angebot ernstlich in Erwägung zu ziehen. Der hervorragende Zionistenführer Dr. S. Mel a m e d tritt in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift ..The East and West“ warm für das Projekt ein und versichert, daß diese Obregon-Deklaration an einen einfachen Privatmann an unmittelbaren Früchten reicher sein könnte als die Balfour-Deklaration, die an; hervorragende jüdische Führer ergangen ist, denn in Palästina muß erst Arbeit gefunden werden, bevor die Juden dort einwandern können, das mexikanische Gebiet dagegen „wartet nur auf den Arbeiter und Säemann." Dagegen bringt die Jewish Canadian Review einen Artikel aus der Feder des Red. B-arnett Bückner, der Mexiko aks ein Land des ewigen Kleinkriegs und der ständigen Revolutionen ohne eine feste Regierung schildert und die Hoffnung ausdrückt, daß die jüdischen Massen'den Vorschlag ab lehnen werden, „der nur vom Standpunkt der Schiffahrtsgesellschaften einen Sinn habe". Es ist nicht das erste Mal, daß im Zeitalter der Judenaustreibungen die vertriebenen Juden von anderen Ländern zur Niederlassung eing-eladen werden. Im Jahre 1882 geschah dies von Spanien den russischen Juden gegenüber; vor einigen Jahren bemühte sich dieses Land'wieder, die Reste der im Orient und in Nordasrika verstreuten S e p h a r d i m zu sammeln. Der vormalige mexikanische Präsident Diaz hatte schon einmal versucht, Juden in sein Land zu ziehen, damit sie mit ihrem Kapital und ihrer Betriebsamkeit Handel und Industrie beleben. Diesmal will der mexikanische Präsident ein weites Gebiet, das sich zürn l a n d w i r t s ch a f t l i ch e n Anbau eignet, den Einwanderern überlassen. Die optimistische Auffassung von Dr. Melamed ist darum verfehlt. Für die jüdischen Auswanderer kommt nur ein Land mit hochentwickeltem Handel und Gewerbe in Betracht, in welchem sie sofort Arbeit und Verdienst finden. Um die Landwirtschaft zu betreiben finden sie reichlich Platz in Argentinien und in Palästina. Eine jüdische landwirtschaftliche Emigration auch noch nach Mexiko zu drängen, wäre Kraftvergeudung. Die jüdische Kolonisation in Argentinien hat den unvergleichlichen Erfolg für sich (der leider in Europa so gut wie ganz unbekannt ist), die Kolonisation von Palästina hat aus idealen Gründen das Herz sehr weiter Kreise der Judenheit. Diese Tatsache bekundet eine vor kurzem von der deutschen Vor» eimgung für den Aufbau Palästinas herausgegebene Broschüre: „Was ist der Keren Haj essod? ( Eine programmatische Darlegung der Ziele des Keren Hajessod", die verdient, breiten Schichten des Publikums bekanntgemacht zu werden. Leider wimmelt die kleine Schrust von Unrichtigkeiten, irrtümlichen Angaben, Widersprüchen nnd schiefen Anschaltungen, so daß die Sachkenntnis der Verfasser hinter ihrer edlen Gesinnung und ihrem guten Witten beträchtlich zurückbleibt. In dem Kapitel über „Umfang und Bedeutung des Palästinawerkes" beispielsweise versichern sie: „Das Problem der Zukunft besteht darin, ob die vorhandenen kolonisatorischen Möglichkeiten ausgenutzt werden können." Nun ist das Hauptproblem, von dein die ganze Zukunft der jüdischen Palästinasiedlung abhängt, die Arbeiterfrage. Jawohl, die jüdische Arbeiterfrage m Palästina, die aber inhaltlich ganz etwas anderes ist, als die Arbeiterfrage irr der ganzen Welt. Es handelt sich hier nämlich nicht etwa um höheren Lohn und kürzere Arbeitszeit, um Kvalitionsrecht und Arbeiterschutz oder dergleichen Gegensätze Zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, sondern um die Frage, ob der jüdische Arbeiter im jüdischen P a l ä st i n a beim jüdischen U n t e r n e h nre r A rbeit finden kann oder nicht. Die jüdischen .Kolonisten haben sich nämlich von Anbeginn an nicht ohne Lohnarbeiter behelfen können. Die jüdischen Lohnarbeiter ihrerseits sind aber nicht imstande, der Konkurrenz der Arbeiter, der Fellachen und der Beduinen, standzuhalten. Die Lebenshaltung dieser letzteren ist nämlich so uiedrig, daß sie die billigsten und anspruchlosesten Arbeitskräfte der Welt liefern und die jüdischen Arbeiter unmöglich machen. Während nun oft in Westeuropa und Amerika die aus dem Osten einwandernden jüdischen Arbeiter als Lohndrücker empfunden werden, gegen die die organisierte einheimische Arbeiterschaft, deren sonstigen Grundsätzen zum Trotz, Einwanderungsverbote fordert, werden diese jüdischen Einwanderer in Palästina von nichtjüdischen Lohndrückern verdrängt, die aber nicht erst einzuwandern brauchen, da sie dort einheimisch sind. Bei den fünfhundert bis sechshundert jüdischen Familien in P e t a ch T h i k w a h, einer der ältesten und bestfundierten jüdischen Siedlungen in Palästina, arbeiten 3000 Araber; aber nur eiu einziger Siedler beschäftigt Juden. Das Ergebnis der jüdischen Siedlungsarbeit ist also, graphisch ausgedrückt, eine Pyramide, deren dünne Spitze jüdisch, während die breite, den Boden bedeckende Basis nichtjüdisch ist. Der jüdische Arbeiter hat keinen Raum, keine Lebensmöglichkeit im jüdischen Palästina, welches aus einerdünnen Schicht kleiner Besitzer geschildert wird. Daß dies ein unerträglicher, ja gefährlicher Zustand ist, daß unter diesen Umstanden die ganze Siedluugsarbeit, die ja die Schaffung einer Heimstätte gerade für die besitzlosen, jüdischen Massen erstrebt, ihr Ziel gänzlich verfehlt, wurde den Sachkennern bereits seit 20 Jahren immer klarer, je mehr sich die Dinge in dieser Richtung entwickelten. Die Frage wurde dann auch in der Palästina-Publizistik vielfach erörtert, nur die offizielle zionistische Presse schien für diese Dinge, die sich ja hinter der Fassade abspielten, wenig Interesse zu haben. Brennend wurde die Frage, besonders seit Kriegsausbruch, für die, die sie am meisten angeht, nämlich die jüdischen landlosen Arbeiter in Palästina, deren Interessen von dem W e l t v e r b a n d des Poale-Zion wahrgenommen werden. In der hebräischen und jüdischen Veröffentlichung dieser Fraktion findet sich ein reichhaltiges Material über Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen - A nnalmie für sämtl. Zeitungen Beuisclilands und des Auslands Berlin SW 19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz / Cöln a. Nb. / Dresden ✓ Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. / Lalle (Saale) Lamburg / Larmover / Leipzig / Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg / Stuttgart / Prag / Wien / Warschau / Basel / Zürich Helft dem Vostscheckkorrlo Berlin 86415. „König von Portugal' Spezialität: HschZsitsefserr. Große Feflsole für Familienfesilichkeiken. Mttagstisch von 12 bis 4 Uhr. - Rituelle Küche. Zimmer mit fließendem Wasser und Bad. Burgüraße 16. 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