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Central-Verein-Zeitung · 1922-09-07 · 18 (7.9.1922) · p. Seite 226

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
18 (7.9.1922)
Date
1922-09-07
Page
Seite 226 (sequence 6)
Language
German
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226 — Eindrücke einer vortragsreise in Ostpreußen. Von Dr. I ul i a n M a x c it' s e. Aus Veranlassung des ostpreußischen Landesverbandes habe ich \m Frühsommer dieses- Jahres in zehn Städten der Provinz über das Thema „Die geschichtli che Entwicklung des Judenhasses" gesprochen. Die Wahl dieses Vorwurfes meinerseits beruhte einmal aus der Tatsache, daß das weitschweifige Material darüber nur zerstreut zu finden ist und eine methodische zusarnmensassende Darstellung nüstt — klagt doch auch Goldmann in seinen vorzüglichen Essays „Wesen des 'Antisemitismus" über den Mangel an einer Geschichte desselben — und weiterhin darauf, daß nur von einer historischen Warte aus die Erscheinungen der Gegenwart zu erklären sind, ohne daß inan die Miasmen dieses Kampfbodens einzuatmen braucht. Zwanglos schied sich damit die Disposition des Themas in zwei Teile: einmal in eine veligiös-wissenschaftliche und soziologische llntersnchung der jüdischen Gottesideen und Ethik einerseits und der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des biblischen Judentums anderseits und weiterhin in eine geschichtliche Betrachtung der Stellung des jüdischen Volkes unter den anderen Völkern der Erde in der Diaspora, bis zum Abschluß des neunzehnten Jahrhunderts. Diese letztere Zeitbegrenzung wurde in der vollen Absicht gewählt, die' jüngsten Ereignisse mit ihrem Einschlag in die Tagesfragen von der Erörterung einer rein wissenschaftlichen Problemstellung fernzuhalten 'und dadurch bei etwaigen Diskussionen das künstliche Hinemzerren von ungeklärten und mit leidenschaftlicher Vehemenz vertretenen Dingen und Anklagen zu vermeiden. Der Verlauf sämtlicher Vorträge hat meines Erachtens nach diesem Standpunkt Recht gegeben, denn ungeteilte spannendste Aufmerksamkeit aller Bevölkerungskreise und Konfessionen — in nahezu sämtlichen Orten bildete'nichtjüdisches Publikum die erdrückende Mehrzahl des Auditoriums — folgte den Ausführungen und, wo eine Aussprache mit Gegnern erfolgte, hielt sie sich im großen und ganzen auf dem Niveau des Vortrags, und die Würde des Abends wurde gewahrt. Wo dieselbe durch die Herbeiholung auswärtiger Agitatoren seitens des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundech wie in Deutsch-Ehlau, gestört zu werden drohte, wurde eine Diskussion meinerseits strikte abgelehnt. Die Versammlungen wiesen sämtlich, selbst in den kleineren Orten, wie Johannisburg, Neidenburg, Goldap, Deutsch-Ehlau,' einen Massenbesuch auf; unter den Berufsständen waren nahezu überall die Beamten- und Lehrerkreise besonders zahlreich vertreten, und zwar bis zu den leitenden Stellen (Regierungs-, Oberlandesgerichtspräsidenten, Ghmnasialdirektoren u. a. ni.); die Stimmung war, wie bereits oben erwähnt, eine den Darlegungen außerordentlich zugewandte und von sichtlichem Eindruck beseelt. Daß in den Ortsgruppen, in denen zum Teil erstmalig eine Versammlung abgehalten wurde, und die bei der Enge''der'lokalen Verhältnisse unter der'hetzerisch antisemitischen Stimmung besonders zu leiden haben, eine freudige Genugtuung über Zustandekommen und Verlaus der Vorträge herrschte, war natürlich und äußerte sich in dankbarer Anerkennung. Der Ausbau der Organisationen, die überall zn erkennen beginnen, wie richtig und, rnan kann wohl sagen, lebensnotwendig der Zusammenschluß ist, hat — dank der unermüdlichen Tätigkeit führender Persönlichkeiten im Vorstand des Landesverbandes — anerkennenswerte Fortschritte gemacht, nur in einzelnen Orten bedarf es der parlamentarischen Uebung in der Leitung der Versammlungen, zumal dort der Radauantisemitismus auf exzedierende Ausschreitungen ausgeht. Aber der Geist ist vortrefflich, und dies bildet die Gewähr wirksamster Abwehr. Die österreichijchen Monarchisten und öie Juden. „Staatsbürger mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten." In Wien erschien dieser Tage ein neues Organ der österreichischen Monarchisten, „Die Monarchie", als deren Herausgeber der bekannte Legitimist Karl H o y n i g g zeichnet, und in der wir mehrere bemerkenswerte Aeußerungen finden. So heißt es im Programm des Blattes: Wir wollen nicht den gewaltsamen Umst u r z, zu kostbar ist jedes Menschenleben, jeder Tropfen Blut . .' . Besonders interessant ist für uns ein Artikel „Z u r I udenfrag e", der uns prinzipielle Bedeutung zu haben scheint, und dessen wichtigste Stellen wir nachstehend wiedergeben: „Ob Christ, ob Jud. Staatsbürger ist Staatsbürger. Auch die Juden sind als Untertanen des Kaisers Staatsbürger mit gleichen Rechten u n d Pflichte n, so gut wie alle anderen Oesterreicher. Dies ist der Standpunkt des Gesetzes, an dem wir Legitimisten sesthalten müssen, ohne uns von Gefühlen der Zu- oder Abneigung beeinflussen zu lassen. Daß viele Juden durch ihr Aeuheres abstoßend, durch ihre Manieren verletzend aus unser ästhetisches Gefühl wirken, ist allbekannt; daß sie unsere Sprache verhunzen, stört die Wiener nicht sonders. Daß sie aber alle miteinander Gauner und Betrüger seien, diese Behauptung ist weniger durch Tatsachen, als durch das Wutgesühl begründet, weil sie uns in der Regel überflügeln, wenn wir mit ihnen konkurrieren, uns in den Sack stecken, sobald wir mit ihnen geschäftlich zu tun haben. Das muß aber gar nicht auf betrügerische Art geschehen. Die Juden sind eben meist fleißiger und rascher als wir nn Denken und Handeln. DEUTSCHER WEm BRAND DEUTSCHER EDELtlKOR Bankgeschäft BERLIN KW 7 KÖLN a. Rh. Schadowstrasse 2 Mohrenstrasse 23 *C3ttt£ä£f ■■■■■■■■■■■■■■■■ ® in Kristall und 3/4 weiß, uubck. Facette- B W glästr — gebogene Scheiben in jeder Größe und Form liefert prompt > S Mitteldeutsche Spiegelfabrik Marcus & Kochmann ■ ■ Glasichlciscrci u. Belcgerci: Berlin S43, Ritterftr. 13. — Fernspr.: Mpl. 16564. W UBIBIBBIBaniliaillBIHBBIRflBHH MAX ELB g m.bh DRESDEN Trauerkleidung jeder Art in grösster Auswahl und bester Ausführung - TrauerhUte und Schleier Auswahlsendung bereitwilligst sofort! 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