Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 17 (31.8.1922)
- Date
- 1922-08-31
- Page
- Seite 217 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277380-2277397--00235-2279341- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
217 Icmtn" unter km Titel „P e t n it n g durch S ch r e cf' verewigt, bei dessen Lektüre einem das Blut in dm Adern erstarrt. Einige Monate später, kurze Zeit, nachdem zwanzigtaustnd amerikanische Juden irr Washington zu Ehren der Mächte einen großartigen Umzug veranstaltet hatten, zogen Balachowicz und Lawinkow, im schönsten Einvernehmen mit eben diesen Mächten, nrordendi und brennend durch Weißrußland. Man hatte damals schon hunderta ch tu n d d r e i ß i g t au s e n d Todesopfer der Pogrome gezählt. Die Zahl der Flüchtlinge ausj Polen und Rumänien belief sich aus Hunde rttau sende. Das char alles sehr, sehr bedrückend . . . aber wenn wir den Blick zu den Lternen erhoben, wo bekanntlich die ewigen Rechte hängen, sahen wir unser „National Home" und die nationale Autonoulie und alles andere, fehlt mir noch das M a n dat, gleichsam die Krönung des ganzen Gebäudes, das Kapitell auf der Säule. Das war jetzt unsere einzige Sorge. In Warschau und Lemberg drängten sich Zehn tausende von Auswanderern, kampierten Monate lang im Freien, aus ein Visum nach Amerika wartend. In Paris sollen ihrer vierhunderttausend sein, die zur Ueberfahrt bereitstchcn. Wir aber fragten uns hangend und bangend: Wird der Völkerbund das britische Mandat über Palästina ratifiziere!! oder nicht? Endlich ist uns der Alb vom Herzen genommen. Das Mandat ist da. Da wir endlich diese drückende Sorge losgoworden sind, wäre es vielleicht an der Zeit, an ernste Dinge zu denken. Der Neberbau ist fertig, die Fassade steht da, das Dach ist aufgebaut, nun könnte man endlich daran gehen, die Grundmauern zn legen, nämlich die Besiedelung Palästinas mit jüdischen Landwirten wieder anszunehmon, die seit dem ersten Zionistenkongrcß 1897 im großen Ganzen aufaehört hat und seither zwar in der Literatur, im Feuilleton und im Kino sehr ausgiebig, aber in der Praxis nur äußerst dürftig, spielerisch und intermittierend betrieben ward. D i e A nsiedelu n g von j ü d i - s ch e n A ck e r b a n e r n i n P a l ä st i n a w a r s e i t F e h e r ei n e Ll n g e t e g e n h e i t alle r I u d e n , o h n e 11 n i c r s ch i e b der Parteilich tu n g. Der Plan, einen Ju de u ft aßt zu gründen, aus einem puren Mißverständnis mit der Kolonisationsfrage verquickt, ist das Monopol der Zionistischen Partei, die der hohen Politik und der Diplomatie all die oben beschriebenen Errungenschaften verdankt. Nun ist es Zeit, daß die Epoche der hohen: Politik und Diplomatie endgültig abgeschlossen und die Palästina-Lache der Partei aus den Händen genommen wird. Dieser Gedanke bricht sich namentlich in Amerika immer mehr Bahn. Lo brachte das amerikanische zionistische Tageblatt „Der Tag" im Mai dieses Jahres eine Reihe von Aufsätzen, in denen ansgesührt wurde, daß die Zionistische Organisation allein außerstande ist, weiterhin das große Problem des Aufbaues von Palästina zu bewältigen, daß die vom Keren Hajessod aufgebrachten Fonds sehr weit hinter allen Erwartungen und Anforderungen zurückgeblieven sind, und daß die ganze Juden!)eit die Sache in die Hand nehmen müsse. In demselben Blatt vom 18. Juni schreibt einer der führenden Zionisten Dr. A. Couruick, ehemaliger Redakteur der „Welt": „Es ist Zeit, daß das ganze Palästiuawcrk aus den Händen einer besonderen Partei genornmen wird, ungeachtet der großen historischen und bahnbrechenden Verdienste, die sie sich unr die Vollendung und formale Ausbildung des Zionismus erworben hat." Das auffallendste ist, daß diese Ansicht in den Kreisen des A m e r i k a n i s ch - I ü d i s ch e n K o n g r e ss e s immer mehr an Boden gewinnst wie aus seinem Organ, „The Jew" vorn Juli laufenden Jahres hervorgeht. Der Kongreß ist gegenwärtig die einflußreichste jüdische Organisation in den Bereinigten Staaten, steht dem Zionismus sehr sympathisch gegenüber, aber die Palast inafache will er offenbar vom Zionismus getrennt wissen. Wenn man vom Olymp der hohen Politik, der Kinos und der Literatur in die harte, graue Wirklichkeit der positiven Arbeit'herabsteigt, taucht eine ganze Reihe von praktischen' Fragen auf, über die ein'andcresmal gehandelt werden soll. , Verax. Den vielen Ausrufen, die dich zum Beitritt in die jüdische Jugendorganisation mahnten, bist du nicht gefolgt. Wer eine Ueberzengung har, ohne sich dafür einzusetzen, hilft dein Gegner. Gleichgülrigkeit und Nachlässigkeit sind aber auch -gang unjugendliche Eigenschaften. Nehmen wir uns ein Beispiel an unseren Väternim „C.-B.", die trotz ihrer verschiedenen Einzelanschauungen sich in gerne infamer Front für das große Ziel — Freiheit und Rechtsgleichheit aller Menschen — ein setzten. Was aber tust du, deutschjüdische Jugend? Du spaltest dich in Gruppen und Grüppchen, die sich gegenseitig Konkurrenz machen und sogar befehden. Keine Phrasen mehr! Positive Arbeit tut uns not! Der Worte sind genug gewechselt. (Wir Jungen wissen es: in den häufigen Sitzungen sogar viel zu viel!) Laßt uns nun endlich Taten sehen! Unsere gemeinsame Arbeit ist heute notwendiger als je. Verblendete jugendliche Fanatiker, Antisemiten aus Verhetzung und Dumncheit haben den Mann, der nach allgemeinem Urteil einer der fähigsten Köpfe Deutschlands war, hingemordet. An uns ist es, der N0:LsndsberGerSZN:ChäusseeM.Brunnenl96.ßM-Y/iisnacker!5,TurmM Riquet PRALINEN <Efe§fP!KÄ@ I DM mm