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Central-Verein-Zeitung · 1922-08-24 · 16 (24.8.1922) · p. Seite 202

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
16 (24.8.1922)
Date
1922-08-24
Page
Seite 202 (sequence 6)
Language
German
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fyiibe solche Kälrze freilich nicht kennengelernt, wohl aber immer gesunden, daß selbst die radikalen Zionisten, deren Grundaussassung sich von der meinen wie Feuer von Wasser unterschied, die loyale, Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten als'selbstverständlich gezeichneten. Auch der andere Typus, von dem Peyser sagt, er fühle sich als Jude und' nur als solcher, ist meiner Erfahrung nach, wenn überhaupt, doch nur in überaus geringem Umfange anznrrefsen. Ter cnlscheidtnde Punkt, an dein meine Aufsaffung sich von der Peyseruchen trennt, ist die Frage: „Wie stellen wir uns zum Judentum in meinem' Verhältnis zum Deutschtums" Hier haben allerdings die Führer des Central-Vereins inuner hervorgehoben, daß das Judentum genarr so eine Quelle unserer Persönlichkeit ist wie das Deutschtum. Emil Lehmann, Hermann Cohn und gang besonders Engen Fuchs sind die Männer gewesen, welche die Frage der sogen an iilen Synthese, d. h. die Frage des Zusammenhanges vieler unserer beiden Wesenserscheinungen, besonders scharf hervorgehoben haben. Tenn müssen wir feststellen, das; Peyfer seine Stellung Zu jenen: alten Leitsatz des Judentums nicht anglbt, den^wir alle kennen und anerkennen: „Kol jisroel arewin: se böse" (Gang Israel bürgt einer f ü r d e n a n der n). Es scheint mir so, als ob dieses Gerüst des Judentums von unseren „NchLionaldeurschen" abgebrochen worden sei. Aber dann hören sie aus, in Wirklichkeit Juden zu sein. Und doch ist die Synthese zwischen einen: vertieften Judentum und einem vertieften Deutschtmn nicht nur möglich, sondern für den deutschgeboreneu Juden und Menschen sogar notwendig und gegeben. Sie wirkt zum Segen unserer selbst, ebenso wie zun: Segen unseres Vaterlandes und unteres deutschen Volkes. Noch heute erbaue ich mich auch vom rein vaterländischen Standpunkt aus an Dem Werke unseres Tr. Josef Wohlgem u tf)4), eines bekannt frommen Juden, „Der Weltkrieg im Lichte des Judentums". Wer Vertiefung von Vaterlandsliebe und Judentum, und zwar gutem Judentum kennculernen will, wird an dielen: Werke niemals Vorbeigehen können. Hier sehen wir, wie unsere jüdische Wurzel immer mehr gehegt und gepflegt werden muß, um unserer deutschen Wurzel gleichfalls zu üppigem Wachstum zu verhelfen. Nur wenn beide gedeihen, dann erwächst zun: Segen von Deutschtum und Judentum die Jdealgcstalt des deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens. Festschrift zum 5Ejährigcrr Bestehen der Hochschule sirr die Wissenschaft des Judentums in Berlin, mit Beitrügen von Leo B a e ck, Eduard Ba n e th, Jsmar Elbogen, Julius G u tt m a n n, Harry TorcZyne r. 1922, Philo-Berlag, Berlin SW 68. — Die Festschrift bringt aus der Feder der Hochfchuldozenten Beiträge, deren meiste als eine wertvolle Bereicherung der jüdischen Wissenschaft, Zum Teil aus noch wenig ausgetretenen Pfaden, anzusprechen sind. Den Neigen eröffnet Rabbiner Dr. 8eo Baeck mit einer Abhandlung über „romantische Religion". Wie in seinen bisherigen Veröffentlichungen über das Wesen und die Lehren des Judentums verbindet der Verfasser auch hier eine hervorragende Belesenheit in der Literatur der allgemeinen, vergleichenden und speziell jüdischen und christlichen Religionswisseuschaft mit tiefschürfender und die innersten Zusammenhänge ausdeckender Beobachtungsgabe und mit einem glänzenden, an treffenden Bildern reichen Stil. Im Inhalt stellt er der klassischen Religion, wie er das Judentum nennt, das Christentum in seiner Grundlage und Entstehung wie in seiner mit Notwendigkeit bis zur Gegenwart sich vollziehenden Entwicklung und Verzweigung als die romantische Religion gegenüber. 4) Berlin Verlag des Jeschurun. Mit den Angriffen, die besonders in letzter Zeit vor: neuem gegen den Talmud geschleudert werden, befaßt sich die Arbeit über „Soziale Motive irr dev vabbinischerr Nechtspslege"^ von Professor Dr. Baueth. Eine der schwierigsten Mischnastellen wird hier in selbständiger kritischer Forschertätigkeit und unter Heranziehung der bedeutendsten Autoritäten der rabbinischen Literatur vom jerusalemischen und babylonischen Talmud über die Gaonen (Hochschuloberhäupter) und älteren Tezisoren (Maimonides bis Josef Karo) bis zu den neueren Erklärern mit eingehendster Gründlichkeit behandelt. Die Stelle betrifft eine gerichtlich z)r ordnende Erbschaftsangelegenheit, in welcher der Nachlaßbestand nicht ausreicht, um sämtlichen berechtigten Forderungen voll zu genügen, und Baneth weist an diesem Beispiele nach, wie das hier vorgeschriebene Verfahren bei aller Berücksichtigung des allgemeinen strengen Rechtsstandpunktes es dennoch ermöglicht, das soziale Motiv, die Fürsorge sllv den „Schwächeren", in Anwendung 31t bringen. Den Resultaten des letzten Jahrhunderts jüdischer Wissenschaft ist die Schrift von Professor Dr. Elbogen: „Ein Jahrhundert Wissenschaft des Judentums", gewidmet. Mit souveräner Beherrschung des gewaltigen literarischen Stoffes behandelt der Verfasser dieses zur Jubiläumsfeier in unmittelbarster Beziehung stehende Thema. Ans den beiden Abschnitten über die Entstehung und Entwicklung der Wissenschaft des Judentums ragen in musterhaft knapper, scharfumrissener Darstellung die wegbahn.enden und wegführenden Persönlichkeiten, die bedeutendsten Erscheinungen in den verschiedenen Perioden und Zweigen dieser Wissenschaft empor; In- und Ausland, selbst gegnerische Richtungen, kommen zu ihrem Rechte. Führt uns dann der dritte Abschnitt der Reihe nach die Organisationen vor Augen, welche der Pflege und Förderung der jüdischen Wissenschaft gewidmet waren, so gipfelt der Schlußteil in der Herausarbeitung des Begriffes von der Wissenschaft des Judentums als der „Wissenschaft vom lebendigen, im Strem der Entwicklung stehenden Jndentnm als soziologischer und geschichtlicher Einheit". Der religiouZphilosophische Zweig der jüdischen Wissenschaft ist wie im Dozentenkollegium so auch in der Festschrift durch Professor Dr. Julius Guttmanns Darlegungen über „Religion und Wissenschaft im mittelalterlichen und im modernen Denken" würdig vertreten. In sechs Kapiteln bespricht der Verfasser die Religion als Problem der Philosophie. Im Mittelpunkt steht der Begriff der Wahrheit, unterschieden oder verbundenals religiöse und wissenschaftliche Wahrheit. Bern u n s t und Offenbarung in der Auffassung ihrer Quellen, Wege und Ausflüsse, in ihren Gegensätzen und Beziehungen zueinander werden in tiefgründiger Denkarbeit behandelt. Für -das Mittelalter kommen hierbei hauptsächlich die jüdische und die arabische Philosophie in Betracht, die in vieler Hinsicht parallel kaufen, aber auch die christliche Scholastik wird, besonders im Vergleich, nicht unbeachtet gelassen. Einer interessanten Untersuchung darüber, wie die neuere P h i l 0 s 0 p h i e mit der neuen Einstellung des Naturgedankens das Problem der Offenbar ungs- und Vernunftsreligion, in ihren Systemen zur Auswirkung bringt, folgt als letztes Kapitel eine eingehende Besprechung der Stellung Kants, der der Religiousphilosophie eine neue entscheidend^ Wendung gab, und S ch L e i e r m achers, den Guttmann, hinsichtlich der Fragestellung, als den Vollender Kantscher Ideen aus diesem Gebiete anspricht.

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