Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 16 (24.8.1922)
- Date
- 1922-08-24
- Page
- Seite 201 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Zirka 2 <500000 Mark sind für örtliche beziehungsweise provinzielle Answlten verteilt worden. 100000 Mark — ein außerordentlich aeringer Betrag — wurden für Betriebs Unkosten verbraucht so daß in der Sitzung des Reichsausschusses vom 16. Juli 1922 zirka 1100 000 Mark an die Reichsan statten zur Verteilung! gelangten. Die Beträte schwankten zwischen 10O0O und 2OOOOO Mark. Besonders bedacht wurden: Neu-Isenburg. Heim des Jüdischen Frauen'bnndes 200 ÖÖO Mark Köln. Israelitisches Kinderheim.100 OOO Whk aus Föhr. Kinderheilstätte.100 000 Breslau. Kleinkinderheim.. . 75000 Ahlem b. Hannover. Israelitische Erziehungsanstalt 7OO9O Berlin-Repzin. Israelitische Fürsorge-Erziehungsarrsralt für schulenttas'ene Knaben. 70 000 Andere Anstalten erhielten 00009 Mark. 30900 Mark und 25 000 Mark. Für die Kindernot in Galizien ist ein Betrag von mehr als 100 000 Mark zur Verfügung gestellt worden, wovon bereits 50000 Mark vor einiger Zeit abgeführt worden sind. tut £ 1 (41P Mitgliederbsiträge 1922. Eine größere Zahl Ortsgruppen hat bisher die Beiträge für 1922 an die Zentrale noch nicht abgeführt. Diese Unterlassung ist Lei der schlechten Lage unserer Finanzen unb bei der rasenden Geldentwertung sehr bedauerlich und bedeutet ei n e n s ch w e x e n Geld v e r l n st für den E.-B. Wir müssen daher dringend bitten, die Abrechnung für 1922 kräftig git beschleunigen. Die Mitglieder, die den Beitrag bisher nicht gezahlt haben, bitten wir ebenso dringend, d i e s u n g e f ü u m t b e t i h r e n Ortsgruppen zu tun und gleichzeitig den Beitrag, a u g e - messen z n e r h ö h e n. Jeder möge sich ernstlich die Frage vorlegen. wie es bei dem wirtschaftlichen Zusammenbruch möglich sein soll, den Verein, die Zeitung ausrecht zu erhalten, wenn nicht jeder einzelne beträchtliche Opfer bringt. Diese ungesäumt zn bringen, ist jedes Mitglieds Pflicht, das nicht mit billigen Worten, sondern mit der Tat für unsere Ziele eintreten will. Wir verlangen nicht rrrehv als den Mindestbeitrag von 1914: 2 Goldmark für das Mitglied. Bedenkt, welche Selbstkosten durch jede Nummer der Zeitung entstehen! Legt euch die Frage vor: Soll der Verein, der eine Versicherung für euch darstellt, zugrunde gehen? Ans dem Phrlo-Verlag. „V o m Heimatsrecht d erde u t s ch e n Jude n", die so stark begehrte Schrift des Stuttgarter Stadtrabbiners Dr. Paul Rreger, ist soeben in Zweiter Auflage erschienen. Gleichfalls in zweiter, vermehrter Auflage kommen, „Die Gefahren der a n t i - s e m itischen Propaganda für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands" heraus. Die viel beachteten Aussätze Dr. Paul Nathans in der „C. V.-Zeitung": „D ieO stj u den i-nDeutschland u n d die a n t i s e m itische N e a k t i o n" sind als Sonderdruck (Zeit- und Streitfragen, Heft V) soeben erschienen. Alle genannten Schriften sind außerordentlich wertvolles Aufklärungsmaterial. Wer sie unter seinen christlichen Bekannten verbreitet, nützt unserer gemeinsamen Sache. Umgehende Bestellungen sind ratsam, da sonst eine neue Belieferung nicht gesichert ist. Bäderversammlungeu. In den letzten beiden Monaten fanden in einer großen Anzahl von Badeorten Versammlungen der Kurgäste und Ortsansässigen statt. So sprachen in Friedrichroda und Oberhof Dr. Jsmar Freund, in Harzburg., Stolberg, Polzin, SwinemüN'de Rabbiner Dr. Solomon f t x, in Norderney Dr. Ludwig H o l l ä n d e r, in Kisstngen Dr. Alfred W i e.n e r. Die Versammlungen, die durchweg gut besucht waren, sollten xnifere Freunde über bk Lage -aufklären und dem E. V. neue Freunde gewinnen- Beide Ausgaben sind erfüllt worden. In einigen Versammlungen wurden in Erkenntnis der ernsten Lage und der Wichtigkeit unserer Arbeit aus Wunsch der Anwesenden Sammlungen vorgenommen. Deutscher Wehrvereiu. In der ehemaligen Zeitschrift „Im deutschen Reich". Heft 7/8, auf Seite 228/29. hatten wir daraus hingewiesen. daß dieser Verein Ende 0920 beschlossen hat, I lt d e n nicht auf- 3 unel)men. Trotz dieser Veröffentlichung hat die Ortsgruppe Dresden des Vereins sich nicht gescheut, ein früheres MitgLi-ed jüdischen Glaubens Zlrm BerbleibjLN im Verein und zur Zahlung des Beitrages durch gedrucktes Rundschreiben aufzufordern. Der betreffende Herr hat dem Vorsitzenden entsprechend geantwortet. Der Segriff „nationa!-eutsch" unö unsere Erziehungsarbeit ‘). Von Ludwig H o l l ä n d e r. Der Verband n a t i o n a l d e u tsch e r Inden gibt eine Schristenreihe heraus, deren -erstes Heft eine Studie von Alfred Peyser über den Begriff „nationaldeutsch" enthält, wie der Verband ihn -ansfaßt. Das Problem als solches, wie es sich ganz von selbst aus der Zusammenstellung von „uationnldentsch" und „Jude" ergibt^ hat auch bei dem geistigen Vätern des Eentral- V er eins eingehende Behandlung geslmden. Nach Gabriel Rießers grundlegenden und unvergänglichen Gedanken hat schon Emil Lehmann in einem Vortrage, den er wenige Wochen nach Begründung des Eentral-Bereins cnn 27. September 1893 hielt, ebenso in seinen vielen Schriften"), die durchaus der Gedankenwelt des Eerckral-Vereins entsprachen, ausgesührt^): „Deutsch ist, deutsch denkt und fühlt heute nicht der, dessen Gedanken sich mit Vorliebe in die Ritter- und Raubzeit des Mittelalters versenken, sondern der, welche^ aus den Gedanken-Pfaden wandelt,.wie sie Lessing. Goethe itnb Schiller, wie sie seit hundert Jahren die größten deutschen Geister und Meister gelichtet." Eugen Fuchs, der Ehrenvorsitzende des Eentral-Bereins, hat die Fragen in seinem Werke „Uni Deutschtum und Judentum", besonders aber in dem Abschnitt „Glaube und Heimat" grundlegend und in völlig zentraler Weise behandelt. Wer diese Schriften kennt und sich auch noch mit einigen älteren vertrant macht, wie beispielsweise mit Lazaru s' „Was ist national?" und mit Kirchhofs, wird in ihnen die Einstellung des Eentral-Vereins zu diesem Problem erkennen. Gleichwohl gebührt Peyser das Verdienst, die Fragen durch Ausführungen, die ans den Eindrücken und Empfindungen eines deutschen Juden stammen, der seine Zeit, besonders das letzte Jahrzehnt, bewußt miterlebt hat, erneut geklärt zu haben. Man kann feststellen, daß er auch! vom Standpunkt des Cenrral-Aereins aus das Verhältnis des deutschen Juden zum Deutschtum durchaus richtig dargestellt hat. Im Verlaufe bev Pey strichen Darstellung rönnen wir einer Stelle, die eine unerfreuliche und dem Judentum schädliche Zeit? ersche'lnung treffend geißelt, besonders beistimmeu. Sie möge deshalb hier wörtlich Platz finden: - „Wir wollen auch die Sprachunzucht verächtlich machen und ausrotten Helsen. 91ton entöl ödet sich nicht in Theaterkritiken deutscher Tageszeitungen jüdische Jargonwendungen einzustreuen, als ob es eine berechtigte Forderung sei, der Zeitungsleser, gleichviel welcher Herkunft, müsse das Rotwelsch des Verfassers genau so beherrschen wie dieser selbst oder es gar erlernen, um ans der Höhe zu bleiben. Ein Widerwille überläust uns -auch, wenn in einer literarischen Zeitschrift ein Schriftsteller, möge er sonst -auch „Qualitäten" für sein Wirken besitzen, Madonna und Kind begönnert wie etwa den hoNnnngsvollen Verfasser, bei einer Erstaufführung, wenn er in der Sucht, verblüffende Wendungen anznbringen, von ihnen in gekünstelten jüdischen Archaismen spricht, überflüssigerweise -ein häßlich gewordenes Wort — Tbole der Gehenkte —, auskramt, wenn er irr geschmacklosem Mischmasch voll Hebräisch und Jüdisch sie als „Mirjam mit dem Heiland-Bocher" bezeichnet oder in snobistischer Empfindelei den „gepfählten Jtzig" an redet. Es ist uns. wie" euch, ihr christlichen Mitbürger, als loche uns da stickige Luft an." . _ „ ‘ ,r Soweit Pehser den bentlaßen 3 üben zeichnet, farm ich ihm beistimmeu. Dagegen möchte ich nicht übernehmen, was er über Zion ismus und Nationalj üben tum sagt, die er zu sehr als Einheit behandelt. Allerdings hat Pehser die Proteusartiaen Gestalten des Zionismus und des Nationaljudentums nicht klar genug herausgearbeitet, um wissenschaftlich zu ihnen Stellung nehmen zu können. Aber als unrichtig möchte ich bezeichnen, wenn Peyser sagt, -es gäbe in Deutschland Zionisten, die bereit waren, sich unter Fremdenrecht stellen zu lassen. Ich *) „Der Begriff „nationaldentsch" in unserer Erziehnngssrage". Von Dr. Alfred Pehser. Deutsche Verlagsgesellschast für Politik und Geschichte rn. b. H., Berlin W 8. Preis 3,30 M. 2) Em-il Lehmann. Gesammelte Schriften. Druck und Verlag von H. S. Hermann-, Berlin. 1899. 3) Vgl. vor -allem die Schrift „Die Ausgaben der Deutschen lüdischer Herkunft." — Es sei übrigens darauf aufmerksam gemacht, daß ich den Begriff „nationaldeutsch" in seiner Beziehung zur Judenfrage zuerst bei Emil Lehmann in einer seiner älteren Schriften gefunden habe. •Teetiitt Alleinige Azizeigexi-Ainiaiime Eudolf Messe, Anzeigren-Annaliine für särntl. 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