Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 15 (17.8.1922)
- Date
- 1922-08-17
- Page
- Seite 194 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Reif-all. Noch heute haben die Ratschläge und Vorschriften, die MaimonideS dem Leser erteilt, im allgemeinen ihre Gültigkeit und Anwendbarkeit nicht verloren?). „Ganz in ori-gina'l.en Bahnen" bewegt sich Maimonides in einer anderen medizinischen Schrift, in seinen Aphorismen, hebräisch Pirke Mosche genannt. Er weist in dem -letzten Abschnitte dieser Schrift dem berühmten Gal-enus eine größere Anzahl — mehr als vierzig — auffallender Widersprüche und Irrtümer in der Behandlung medizinischer Fragen nach. Welche Kühnheit und Selbständigkeit des Geistes gehörte zu dieser Kritik gegen den Heros des Mittelalters! — Ebenso war Levi ben Ger schon (Gersonides) ein durchaus selbstäudiger Forscher und trat -auf dem Gebiete der Arzneikunde und der Nalnrwisser-schäften als Erfinder auf. Er präparierte neue Heilmittel und erfand zum Zwecke sicherer Beobachtung am gestirnten Himmel ein neues astronomisches Instrument, das -im Mittelalter von vielen Schiffern auf hoher See benutzt wurde. Papst Clemens VI. ließ Gersonides' Abhandlung über das nenersundene Instrument ins Lateinische übersetzen (1342), und Neuchlin und Kepler haben die astronomischen Arbeiten dieses jüdischen Gelehrten sehr geschätzt. Auch die Erfindung, auf welcher die Photographie beruht, die Camera obscura, wird Gersonides zu ge schrieben. Ein Jude war >es auch — der Name ist nicht bekannt geworden —, der zur Zeit einer Peftepidemie, die in No.m grassierte (1476), ein wirksames Heilnrittel gegen die tückische Krankheit erfand. — Durchaus originellen Charakter zeigt auch Amatus Lnsitanns. Er war ein „erfahrener Chirurg!, ein scharfer Diagnostiker und ein rationeller TherapeutZ". Bei einer Vereiterung der Lungen nahm er eine Operation zwischen der drillen und vierten Rippe mit gutem Erfolge vor, und bei der Verhärtung der Vorsteherdrüse empfahl -er als erster die Anwendung der Bongi-en — ein Heilverfahren, welches damals viel Aufsehen erregte* *). Auch als Anatom ging er selbständig zu Werke. Der päpstliche Leibarzt Eanani hatte 1547 an der Mündung der ungepaarten Vene eine s) Haefer, Geschichte der Medizin, I.. S. 596. 9) Bio graphisches Lexikon der hervorragenden Aerzte alter und neuer Zeit, I.. S. 119. 4; Sprengel, Geschichte der Arzneikunde. III.. S. 275 u. 577. Klappe gefunden, von welcher er glaubte, daß sie dazu diene, Reif überreichen Ablauf des Mutes aus 'der Hohlvene in das Herz zu verhindern. Durch Untersuchungen an zwölf Leichen tonnte Amatus Lusttanus diese Entdeckung bestätigen; -in der Erklärung der Funktion aber weicht er von Canani ab. Die Klappe, behauptet er, habe die Aufgabe, den Rücklauf des Blutes ans dem Herzen in di-e Hohlvene zu verhindern. Diese Untersuchungen des Lusttanus führten in ihrer allmählichen weiteren Entwicklung zu der so wichtigen anatonrischen Entdeckung des Blutkreislaufes^. Noch ein anderer medizinischer Fortschritt wird auf Amatus Lusttanus zurückgef-ührt. Bis in die neuere Zeit galt Para als der Erfinder des -Obturators (Verschlußplatten bei Defekten des Gaumens). L. Ehr ist hat jedoch nachgewiesen, daß Pa re erst im Jahre 1561 über den Obturator geschrieben hat, während Amatus Lusttanus bereits früher in seinem Buche über „sieben Eenturien" diesen von ihm -erfundenen Apparat beschreibt und somit als der Erfinder dieser so wichtigen mechanischen Behandlung von Gaumendefekten zu betrachten isto). Ohne diese für die Erhaltung und Förderung der Medizin so wichtige Tätigkeit der jüdischen Aerzte im Mittelalter wären auch die ungeheueren Fortschritte der Heilkunde in der neueren Zeit nicht rnöglich. Die jüdischen Aerzte bewährten die befruchtenden Keime, deren Saat später ausging. Hier sei zum Schlüsse noch auf einen interessanten Vorfall in neu« erer Zeit hin-gewiesen. Der berühmte Professor Billroth in Wien hatte die jüdischen Aerzte in Wien angegriffen, und Berthold Auerbach, der edle Dichter, trat in -einem offenen Briefe für die Ehrenrettung seiner Glaubensgenossen ein. Dazu bemerkt Professor Schleiden: „Auerbach hat ihn (Billroth) noch lange nicht derb genug zurückgewieseu. Billroth kennt offenbar die ungeheuere Bedeutung der Juden für die Medizin nicht und hat offenbar nie daran gedacht, daß es ohne die Juden wohl nie ein-m Professor Billroth gegeben hätteZ," B) Sprengel, «a. a. O., S> 83. *) Pagel, Handbuch der Geschichte der Medizin. III.. S 368. 7) Schleiden, Die Bedeutung der Juden für die Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaft im Mittelalter (Leipzig 1879), S. 32. O :::::::: ffäfi^ftgefjpehfi Sü Jfftmsficttn jagt fflns intern Stflaf. Sie Mögt und fragt § *%Das bod) nur? Oft 'Jteifct) mofjl mög8($f \SHe Gßtetfe Reigen rmetträglid). 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