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Central-Verein-Zeitung · 1922-08-17 · 15 (17.8.1922) · p. Seite 193

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
15 (17.8.1922)
Date
1922-08-17
Page
Seite 193 (sequence 9)
Language
German
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293 und beten Hilft, wie die Geschichte uns lehrt, von Königen und Fürsten, von Päpsten und Prälatenin Anspruch genommen wurde. Bedeutend waren die jüdischen Aerzte als Praktiker, noch bedeutender aber durch ihre Leistungerl auf wissenschaftlichem Gebiete. Ein reiches und tiefes Wissen war ihnen eigen. Besonders gediegen waren ihre Sprachkelmtnisse. Sie Verstanden Hebräisch Arabisch Griechisch Lateinisch und Spanisch und -waren jort-während bemüht, medizinische und naturwissenschaftliche^ Werke zu übersetzen oder zu kommentieren. Juden waren es, die durch ihre Nebersetzungen die alten medizinischen Werke der Araber dem. Ab endlande zugänglich machten. Juden waren es, die durch ihre späteren Uoberjetzungen der wichtigsten medizinischen Arbeiten zur Verbreitung und Erhaltung der Heilkunde sehr viel beitrugen. Eharakterift-isch für diesen Uebers-etznngse'rfer ist, was ein jüdischer Arzt, L eon I os-ef, aus seinem eigenen Leben mitteilt. Leon hatte, soberichtet er selbst, auch die lateinische Spräche studiert und Vorlesungen aus den medizinischen Hochschulen gehört. Daun wandte er sich deur Studium, der medizinischen Literatur der christlichen Aerzte Zu, namentlich beschäftigte er sich mit den Schriften lüdrmn med-emne, die der berühmte Bernhard de Gordon in Montpellier verfaßt halte. Zehn Jahre suchte er vergebens, sich die Schri-ften des Gerard de Solo und des Jouan Tornamira, beide ebenfalls in Montpellier, zu verschaffen. Die Weisen dieser Stadt hatten nämlich unter Androhung des Bannes das Verkaufen dieser medizmi schon Schriften an Nichtchristen verboten. Endlich gelang es ihm, um einen doppelten Preis diese Schriften zu erwerben (1394), nnb er fertigte Uebersetzuugon derselben aus deur Lateinischen ins Hebräische au. Mit solchem Eifer, mit solcher Spfersreudigkeit arbeiteten die jüdischen Aerzte au ihren Nebersetzungen. Oft erfolgten diese Arbeiten im Aufträge der Fürsten und Könige, in deren Dienste die jüdischen Aerzte standen. Diese U-ebersetzung.stä.tigkeit erstreckte sich -aus alle möglichen Zweige der Heilkunde; sogar eine Schrift über HiPPiatrik, verfaßt von Jordauus Rufus, deur Stallmeister Friedrichs I!., wurde ins Hebräische übersetzt. Von sehr vielen dieser llebersetzungen ist der Name der Verfasser nicht bekannt geworden, und sie werden als anonyme Arbeiten bezeichnet. So befindet sich in der Bibliothek der Universität zu Bologna eine umfangreiche rnedizinische Handschrift, die eine hebräische Neberschimg des Kanons des Avie-emm enthält. Ein jüdischer Gelehrter, der diese prachtvolle medizinische Handschrift, gesehen, hat uns folgende schöne Schilderung derselben gegeben: „Die Titelvignette enthält die schönsten farbigen Pittoresken; in den Text sind verschiedene Abbildungen ein gestreut, in denen die Kranken nach ßahnhofstr. 22 -2±, Fernruf Si9 6jf Durch Einkauf der Rohwaren zur günstig* ten Zeit, Ut mein Grundsatz gesichert: den verschiiedeuen Stadien d-er Krankheit dargestellt werden. Hier steht der Arzt, den Puts fühlend, am Bette des Kranken, dort wird dem Patienten Arznei eingeflößt; in einem dritten Bild wird ein Sterbender von der frommen Brüderschaft nmgebenHA Trotz der Berühmtheit und Schönheit dieser medizinischen Handschrift ist dieselbe aus ihren Inhalt und Wert noch nicht genauer untersucht worden. Zahlreich und bedeutend sind aber auch die selbständigen Arbeiten jüdischer Aerzte im Mittelalter. Wohl wurden die medizinischen Werke des griechischen Arztes Galen ns (st. 201) während des ganzen _ Mittelalters als Grundlage der Heilkunde betrachtet; die dort ausgesprochenen Lehrsätze blieben bis zum 16. Jahrhundert entscheidend und jede Abweichung war den Lehrern der Medizin ausdrücklich verboten. Soweit es aber unter dieser souveränen Herrschaft des Galeuischen Lehrsystems möglich war, traten die jüdischen. Aerzte im Mittelalter auch als selbständige Forscher auf und haben oft ganz originelle Leistungen aufzuweisen. Einige jüdische Aerzte sollen dasür als Zeugen angeführt werden. Professor Sprengel nennt Jsak Israeli den vorzüglichsten diätischen Schriftsteller unter den Arabern und bezeichnet dessen Schrift über Nahrungsmittel (eie diaetica) als die ausführlichste und gründlichste Arbeit, die über diesen Gegenstand bei den Arabern erschienen ist und noch für unsere Zeit einen „gewissen Wert" beanspruchen kann. Ebenso gehörten seine Bücher über Urologie und über die Fieber zn der: bedeutendsten Arbeiten der Araber auch diesen Spezialgebieten. Mit scharfem kritischen Geiste war auch Maimonides, der gefeierte Gesetzeslehrer und Philosoph, als medizinischer Schriftsteller tätig. Er verfaßte im Aufträge der ägyptischen Regierirng eine Schrift über „Gifte und ihre Heilung". Don den arabischen Aerzten wurde dieser Gegenstand aus klimatischen und kulturhistorischen Gründen vielfach bearbeitet; dennoch wußte Maimouides seine Selbständigkeit zn wahren und führt zumeist seine eigenen Erfahrungen und Anschauungen an. Was er wissenschaftlich nicht begreifen konnte, lehnte er ab, mochten auch das Volk und viele Aerzte daran festhalten. Diese Schrift genoß in fachmännischen- Kreisen ein hohes Ansehen und wird von den mittelalterlichen Chirurgen vielfach angeführt. Sie scheint geradezu als Nachschlagebuch für das ‘Stiibi'iuu' der. Gifte benutzt worden zu sein. Namentlich fanden die Lehren Maimouides' über die Dosologie des Th-eriaks autoritativen 9 Berliner. Ein Gang, durch die Bibliotheken Italiens (Berlin. 1877). S. 14.

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