Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 15 (17.8.1922)
- Date
- 1922-08-17
- Page
- Seite 192 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Dr. Jos. S. Bloch, Erimrerrmgerr aus meinem Leben. > Band I und H (N. ßolmt Vertag, Wien und Leipzig 1922). | Lebenserinnernngen sind seelische Reproduktionen von Erlebnissen, , welche besonders tiefe Spuren im Bewußtsein und Gefühlsleben eines Menschen zurücktassen. Bon Wert und Wirkung Zunächst nur für denjenigen, dem sie einen organisch eingefügten Teil des l eigenen Lebens darstellen, gewinnen sie Bedeutung für größere Kreise, wenn sie treibend oder hemmend auf die Entwickelung und Gestaltung der Schicksale und Zustände ganzer Gemeinschaften ein gewirkt haben. - Bon diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, beanspruchen die Lebenserinnerungen Blochs das Interesse nicht nur der österreichischen, sondern der ganzen Jndenheit. ' Er war nicht nur der „T a m b o it r nt a j o r der W i e n e r Indens ch u tz t r u P P e", wie ihn der Renegat Paulus Meyer in seinem berüchtigten Ritualmordbrief nennt, rnan darf ihn lvohl als den anerkamrt begabtesteu, energischsten und erfolgreichsten Sachwalter des Judentums in den achtziger und neunziger Jahren des vorige!' Jahrhunderts ansehen, welcher dessen Lehre und Ehre in Rede und Schrift, im Gerichtssaal und Parlament wie in Volksvers-ammlungert verteidigte und dessen Name in die Annalen der jüdischen Apologetik unvergeßlich mit goldenen Lettern eingetragen «ist. Eine besonders reizvolle Note erhält der Lebensgang dieses Mannes auch dadurch, daß er sich nicht iit gewohntem Geleise bewegte. Das zu Anfang etwas fahrige Hineingleiten des Ehederbachurs aus der talmudischeu Geisteswelt in die moderne Bildung und die bei einem Autodidakten seltene Abrundung und Vertiefung der allgemeinen höheren Bildung, ein starker Charakter, der im Bewußtsein der Wissenssülle und mit lebhafter Phantasie ausgerüstet, fest zusaßte und, unbekümmert um gelegentliche Anstöße bei der Geld- und Gemeindearistokratie, seinen eigenen Weg ging, machen das Buch zu einer spannenden Lektüre. Der vollen Auswirkung, einer solchen Persönlichkeit kamen daun die damaligen eigenartig''erregten politischen Zustände Z!l Hilfe, sofern sie sich ans das Berhalten der christlichen Umwelt zu beit eingebürgerten Iirden bezogen. Man könnte hierbei an das talmudische^Wort erinnert werden. daß Gott für eine Wunde, die er schlägt, schon ein Heilmittel vorbereitet hat. Es waren die Negeljcchre des österreichischen ans Deutschland importierten Antisemitismus, in' welchen ein eidbrüchiger Professor (Rohling) und -ein verbrecherisches Kleeblatt von getauften Inden (Briman, Rodtinson, Paulus Meyer) die gefährlichsten Lügen, darunter in erster Linie die Beschuldigung des Ritualmordes, gegen das Judentum schleuderten urid befangene, ja böswillige Richter sich zu ihrem Werkzeuge gebrauchen ließen (Tisza-Eszlar), Zeiten, in welchen der Urkundenfalscher Schneider Schußgeld aus Inden empfahl, der Bollstribun und spätere Oberbürgermeister von Wien Lueger den Ruf „Schlagt die Juden tot" in die Massen warf und der eitle Rassenantisemit <-> ch ö n cur die Ausrottung der Inden aus der menschlichen Gesellschaft als Menschheitsideal aufstellte. Und dieses Buch, obwohl vier Jahrzehnte zurückliegende' Ereignisse erzählend, entbehrt gerade jetzt nicht einer gewissen Aktualität. Wir begegnen dort guten Bekannten aus der heutigen antisemitischen Bewegung. Derselbe Auslobnngsschwindel, dieselben Prozesse, derselbe Versuch, die Arbeiter zum Aufruhr gegen das kapitalistische (!) und au allem Nebel schuldige Judentum auszureizen, dasselbe gegenseitige Hmübergreisen zueinander von Wirtschasrs-, Religions-' und politischem Haß, dieselbe mit gleicher Unkenntnis verbundene Popularität des Talmud, Und wie vieles von dem, was Bloch damals den Judenfeinden entgegengehalten hat, gehört auch gerade heute dem wichtigsten Rüstzeuge gegen die wütende antisemitische Agimliou an. Heben wir noch hervor, daß Bloch das erste jüdische Kampsorgan gegen den 'Antisemitismus, die „O e st e r r e i ch i s ch e W o ch e n s ch r i f t", begründete, die den Zusammenschluß zur ersten jüdischen Abwehrorganisation in österreichischen Landen, der „O e st e r r e i ch i s ch - I s r a e l i t i s ch e n U n i o u", in die Wege leitete, so ist es außer allem Zweifel, daß diese Lebensermnerungen Blochs, die in zwei schön ausgestatteten Bünden vorliegen, uns wenn auch nicht zeitlich, so doch inhaltlich so nahe stehen und so viel Interessantes und Wertvolles für jeden deutschen Juden und speziell für unsere Bestrebungen enthalten, daß wir sie jeder j ü b t schen Fa mi 11 c a ls fesselnde Lektüre, insbesondere aber jedem Mitgliedsmrb Mitarbeiter des „E.-B.", wie jedem Gebildeten als F n n d g r u b e de r w i r r s a m st e n M i t t e l für de n K a m p s gegen die gef ä h r l i ch e n A n - griffe de s A n Life m i t i s rn n s ans das wärmste empfehlen können. Das Schlesierheft der Zeitschrift „Kameraden" Nr. 5/7 erscheint doppelt bedeutungsvoll in Tagen, in denen, wie schon oft, die Kulturwelt nach den schlesischen Bergen schaut, in deren stolzen Regionen zu Agnetendors am Kynast Gerhart Hauptmann in diesen Tagen sein sechstes Jahrzehnt vollendet. Des Ratiborer Sängers Echendorfs herrliche Worte „Wem Gott will rechte Gunst erweisen" bilden den wirkungsvollen Auftakt des Heftchens, das uns in seinem weiteren Verlaus nach Schlesiens stolzer Hauptstadt, an die Ufer seines Stromes und ans den Kamm der Niesenberge führt. „Gedanken zur Lebensanschauung llnd Kunst". Betrachtungen über Religion, Musik tutd Natur, Berufsumschichtung und Körperpflege vervollständigen den Inhalt der Jugend und Jugendwanderlust atmenden Schrift. Deutsche Jugend — jüdische Jugend, vereinigt In unübertrefflicher Harmonie, sie spricht zu uns aus den Spalten des Schlesierheftes der „Kameraden". Die jüdischen fleezte im Mittelalter. Von Rabbiner Dr. I. M ü n z (Berlin). Auf keinem Gebiete der Wissenschaft haben die Inden des Mittel' alters mehr Ruhm erworben als aus dem Gebiete der Heilkunde. Kein Volk im Mittelalter hat so viele tüchtige Aerzte hervorgebracht wie das jüdische. In fast alten Knltnrstaateu dieses Zeitalters, zuerst im Orient, etwas später in Spanien, sodann in den anderen europäischen Ländern sehen wir hervorragende jüdische Aerzte anstretett, die ihre 'Kirnst mit großem Geschick und Erfolg ausübten yj&rtcbzsj'iA/ijz r * J-zinzn-asLcL', Gte&lldiS&fefzi . 2£>~ 3L2-. Leinen, Wäsche, Ausstattungen von der einfachsten Art bis zur vornehmsten Prunkausföhrung Waschstoffe jeder Art für Kleider, Blusen, Rocke, Morgenröcke, Kinderkleider, Schürzen usw. Bitte Probensenduag Nr. 7S mit Angabe des Zweckes zu verlangen s Gryßt&$ ff'Sonx4zrha£f$ Die Preisliste Nr. 72K (mit zahlreichen Abbildungen) wird auf Wunsch zugesandt g/tlr uncLMi$€k& AerzMches Kinderheim Michendorf b. Berlin Telephon: Michendorf Nr. 4 (Fernamt). — Sprechstunden in Berlin: Kant) straße 47 bei Sachs, Dienstag und Freitag 6-7. Telephon: Steinplatz 72U BaO Elfter Eisen-, Mineral- und Moorbad. Radium-Bader und Einalmurtgshalle. Trinkkuren. GlaubersalzqrrelU'. ncnteitliches Jndalatorirtm, inediko-rnechanisches Institut, Frauenklinik, treucs Theater (Operette. Schauspiel). 500 m ft. d. M., vor Winden geschützt, inmitten ausgedehnter Waldungen, an der Linie Leipzig — (Dresden — Mauen—Eger. W bei Herzleiden (Terraiuknren), Nervenleiden, Gicht. RdernnatisumZ, Blutarmut. Bleichsucht, Franenkrank-, heilen, allgerneinen Schwachezuslärrdeu, BerdauuugHftorungcu, Nieren-, Leber- und Zuckerkrankheiten. TeUlcibigkeit, Lalnrumgeru Große Erfolge in der Nachbehandlung von Ver" r-d>mg°n. Heiitvass„versa»^ Badeschriften u. Auskunft durch die Badedirektion, ni demDeutschm Verkehrsbnreart Berlin, Potsdamer Bahnhof, sowie in allen Vertretungen des Mitteleuropäischen Reifebureaus (MR).