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Central-Verein-Zeitung · 1922-08-17 · 15 (17.8.1922) · p. Seite 189

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
15 (17.8.1922)
Date
1922-08-17
Page
Seite 189 (sequence 5)
Language
German
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Sobald die ersten Spuren der Ratlcnan-Mörder ftefitnbcn Untreit. bezeichnete die Freiheit" sie als „Offiziere" der Ehrhardt-Bngade. obwohl sie es koinesweas waren. Der verhaftete Günther hatte sich selbst als Offizier betitelt, ohne es zu sein. Die Hcmllmraer Polizeibehörde bezeichnet^ einen gewissen feftaenommenerr Warnecke als Offizier, während er Vizeseldwebel aewesen ist (was in diesem Zusammenhana mit Offizier identisch ist. Die Schrifilcitunan bisher har sie eine RichLiastellmm nicht übler sich aewinnen können. Der Ueberfalr auf Harden wurde von zlvei Männern ausneführt. Ter Verhaftete »oar nicht Offizier: deshalb wurde der andere, den man nicht hatte, fl uns dazu gestempelt. In Allenstein wurde ein „stmaer Mann", namens v. Oppen festaenommen; als erstes wird von dein halbamtlichen Bureau verbreitet, es sei ein ehernaliaer Offizier. Das genannte Blatt hat -darin recht, das; das Offizierskorps für die Taten einzelner nicht verantwortlich gemacht werden kann. Allein esdarf doch nicht übersehen werden, 'daß em großer Teil der Morde an linksstehenden Politikern von Offizieren oder solchen, die es waren, verübt wurde und daß auch die meist erschreckende Fertigkeit all dieser Mörder im Gebrauch von Schußwaffen und Handgranaten derartige Rückschlüsse auf ihren Beruf durchaus Zuläßt. Wenn es aber idem rechtsstehenden Blatte so überaus ungerecht erscheint, daß man bei solchen Verdächtigungen häufig 'generalisiert, so erlaubt es uns vielleicht die Frage, weshalb denn unsere Gegner nicht z u e r ft mit d t e fer T c ch n i f des G c n e r"a lisi c r c n s b reche n? Ter Antisemitismus wäre gewiß nicht so weit gediehen, wie es heute leider der Falt ist, wenn cs nicht immer ..die Juden" hieße, wo es sich allenfalls um einzelne Juden handelt. Was den: deutschen Offizierkorps recht ist, ist der ungleich Zahlreicheren deutstheu Judenschaft billig. Aus Dberschlesien. In den Zeitungen lesen wir: Verschiedene Vorkommnisse bieten dem Vorstand der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier Veranlaffnug, in aller Oefsentlichkeit ausdrücklich aus die mehrfachen Beschlüsse der Hauptversammlungen hinzuweisen, nach denen die V. V. h. O. politisch und konfessionell u n b e d i n g t u e u t r a l s i n d. Den B. B. h. O. gehören Dtitglieder aller politischer! Parteien und aller konfessionellen Bekenntnisse an. Jede parteipolitische Betätigung und konfesiionelle Hetze innerhalb der B. B. h. O. müßte daher unbedingt scharfe Krisen zur Folge haben. Der Vorstand steht nicht an, mit Nachdruck zu erklären, daß" insbesondere die Anfeindung de r M i r g l i e d e r j ü d i - s ch e n Glaubens, eine Durchbrechung des neutralen Charakters unserer Vereinigung ist und f ch ax fverurtcilt werden muß. Wir ersuchen alle Heimattreuen, sich innerhalb der V. V. h. O. streng an unsere Grundsätze zu halten, die allein ein ersprießliches Arbeiten "und die Erreichung der uns gesetzten schönen Ziele ermöglichen. *— Nach den „Kreuzbarger Nachrichten" (Nr. 144 vom 22. Juni 1922? hat beim.Festkommers zur Begrüßung der Reichswehrtruppm bei ihrem Einzüge in Kreuzberg der Seminardirektor Tr. H ü b l e r die E i n i a k e i t d e r D e u t f ch e n aller S t ä n d e und aller K o n f e f f ione n rühmend hcrvorgehoben. Ans dieser Rede sind folgende Worte hervorzuheben: „und diese Einigkeit konnte auch nicht durch die Schranken ans religiösem Gebiet durchbrochen werden. Es mag' heute der Wahrheit die Ehre gegeben werden: Alle Bürger unserer Stadt, welcher Religion sie auch angehörten, sie haben in schweren Tagen v o I l u n d ganz i h r e P f l ich t a l s Staat s - b ü r g e r erfüll t. Und auch noch auf einem anderen Gebiet waren wir alle einig: in dem'würdevollen Verhalten gegenüber den Besatznngstruppen." Seminardirektor Dr. Hübler gehört der deutschnationalen Volkspartei an. ArrtisennLenpöbeleiett irr einem Handwerkererholrrngsheim. Die „Görlitzer Volkszeitnng" veröffentlicht folgenden Bericht: In M i t t e l - S ch r e i b e r h a n wurde seinerzeit für den Bezirk der Handwertskannuer in Liegnitz ein Handwerrererholungsheiru errichtet. In ihm sollen erholungsbedürftige Angehörige -aus dem Handwerkerstände neue .Kräfte sannneln für den" harten Kampf ums Dasein. Das ist ein sehr löblicher Zweck. Das Erholungsheim wird auch rege in Anspruch genommen. Leider muh aber festgestellt werden, daß G ä st e m i t b e it t f ch - v ö l k i s ch e r H a tenkre u z g c s i n n u n g s o »o e i t i n i h r e r Lebensauffassung verlumpt sind, daß sie anderen Erholungsbedürftigen den Aufenthalt in diesen! Heim verleiden. Jedenfalls ist das ans einem Briefe des Wirtes, Herrn F. Krause, zu entnehmen, von dessen Inhalt wir durch reineu Zufall Kenntnis erhielten und den wir nachstehend zum Abdruck bringen. Er lautet: Schreiberban, den 28. Juli 1922. An Fi rum .. G v x n ij. Sehr geehrtes Fräulein! Ich halle cs für meine Pflicht. Ihnen mit- ZuLeilen, daß die drei zurzeit hier wohnenden, indischen Gäste d u r w einige Stänke r , die andere Gäste noch mit -a it f h etze n , ft a x k b c I ä ft i fl t lv erd c n. Ich .als Wirt trete ans, wie ich es zu tun habe, um linannehmlichkeiiert zu vermeiden. , Trotzdem, können manche Bemerkimgen nicht verhindert werden. Ich stelle cs Ihnen anheim. bei mir zu wohnen oder nicht. Es -ist anerkennenswert, daß der Wirt erholungsbedürftige jüdische Angehörige des Handwerks auf die dentschvölkischen Stänker aufmerksam macht. Ob die Handwerkskammer oder jene Instanz, der die Oberaufsicht über das Heim anvertraut ist, Kenntnis von diesen Dingen hat, ist uns nicht bekannt; wir können es jedenfalls nicht annehmen. Es wird aber notwendig sein, daß sofort Remcdur geschaffen wird. Den Stänkern, als die sie der Wirt mit Recht bezeichnet, muß das Weiterverbleiben im Heim untersagt werden. Dem Wirt muß das Recht znstehen, Gaste bei solchen! Benehmen sofort an die Lust zu setzen. Als'seinerzeit das Horm errichtet wurde und die nötigen Geldmittel schwer aufgebracht werden konnten, da waren es b -e s o n d c r s j ü d i s ch e Firmen und Geschäftsleute, die erhebliche Snmmeu bereitwilligst zur Verfügung stellten. Dafür müssen sich Juden jetzt anpöbelu lassen! Ein PoNrervescheid aus Königsberg. Wie leider fast in allen deutschen Städten gibt es nud> in Königsberg i. Pr. eine Buchhandlung, die ihre Schaufenster mit wüsten Hetzitni> Schmähschriften füllte und mit Hakenkreuzen und provozierenden Aufschriften den^Aerger aller anständigen Passanten wachrief. Leider aber ist «die Stellungnahme der Polizeibehörde solchen Läden gegenüber nicht überall diejenige der Königsberger Polizei, von der einer unserer Freunde den folgenden erfreulichen Bescheid erhielt: Alis das Schreiben vom 25. Juli d. I.. die d c u t s ch v v l r r s ch e B rr ch 1» a n bi u u g betreffend, teile ich Ihnen will daß d-i c d c;n S ch n tz - u n d Tr n h b tl n d g e h ö r i g e i\ d) ritten b e - fchlagmabmt worden find imd nicht mehr zum Verkauf kommen. Was die Ficmcnansschcifr betrifft, so wird diese in den nächsten Tagen entfernt werden, da die Geschäftsräume in andere Hände übernegangen sind und deshalb eitle neue Firmenbezeichmmg erhallen werden. Für Ihre freundliche Anregung besten Dank. I. V.: gez. D reich off. Beglaubigt: B e r g i s . P o l izcika n z l e i sek re tär. DeutschvöLtischer Mut. In Mainz hatte vor einigen Monaten Studienrat Hans Meerbach aus Wiesbaden über die Ziele des deutschvoltischen Schutz- und 'Trutzbundes in einer Versammlung. gesprochen. Ter französische Kreisdelegierte der interaUiicrtcu Rheinlandkommission erstattete daraufhin bei der Militnrstaatsauwaltschaft Anzeige gegen den Leiter und Einberuser der Versamlung, Hans Frank aus Mainz, und den Referenten. Nach der Anklage wurde in der Versammlung „eine feindliche Kundgebung" erblickt, weil der Referent geäußert habe, das deutsche Volk könne erst daun wieder gesunden, wenn das U ngeziefe r u n d die S ch ln a r o tz e r v o m R h eine beseitigt seien und wenn das deutsche'Vaterland von den Ketten fremder Versklavung befreit fei. Das französische Militärgericht in Mainz verurteilte beide Angeklagte u zu je 15 Tagen Gefängnis und 1500 Mark Geldstrafe. Gegen dieses Urteil legten die Angeklagten Berufung ein mit der Begründung, daß die als feindselige Kundgebungen ausgesaßten Redewendungen Dr. Meerbachs sich nicht gegen die Ententemächte und die rheinischen Besatzuugstrnppen, sondern gegen die I u den am R h e i n u n d di e O ft j u d e n gerichtet hätten. Als während der Zengenvernehnluug der Vorsitzende fragte, wie sich die Angeklagten die Beseitigung der Juden aus Deutschland deuten, ob die Juden etwa abgeschlachret lverden sollen, kenn die Antwort: „Darüber haben wir noch nicht nachgedacht." Ter Militärstaatsamvalt beantragte, die Berufung der A»»geklagten zu verwerfen und die Strafe erheblich zu erhöhen,"weil die Verteidigung der Angeklagten, die gerügten Ausdrücke hätten sich allein auf "die Juden bezogen, eine nicht g e r a d e m u t i g e A u s r e d e sei. Das Urteil lautete auf e i ne e r h ö h t e Strafe von 2 0 T a g e n Ge f ü n g n i s u n d 5 0 0 0 M a r t G e l d ft r a f e b z w. 16 Tage G e f ä u g n i s u n d 3 0 0 0 Nt a r k G e l d st r a s e. Bau jüdischer Mittelschulen in Nngarn. Die Vudapester Israelitische Kultlksgeineinde hatte vor dem Kriege den Ban einer Schule beaonnen, der jedoch unterbrochen wurde. Infolge der Ausschließung" jüdischer Studenten aus den ungarischen Mittel- und Hochschulen aus Grund des munenis clausus hat sich die Notwendigkeit erwiesen, spezielle jüdische Schulen zu e-rrichten. Die Budapester Israeli tische Knttusgelneinde hat darnni beschlossen, den Ban so rasch als uwgiich zu beendigen. In dem »reuen Gebäude soll ein Ghmnasium'eingerichtet werden. Die Bauarbeiten »vorder»- -auf 25 Millionen Kronen veranschlagt, die durch ge fett scha ft ticke Sannnülngeu zrutande gebracht werden' sollen. Man rechnet auch -ans die Unterstützung des Airstandes. Arriiseunrijcheö aus der Tschecho-Slowatei. Die mit der Verfassung völlig in Widerspruch stehende juöeufeindliche Politik des Ministers U d r z a l bildet jetzt Gegenstand einer Beschrverde beim Minister rat der tschechoslolvakischen Republik. Das Miuisterinm für natioimle Verteidigung schrieb vor eirriger Zeit Arirreelieferungen aus. Illiter den eingelaüfeneu Offerten stanunte das billigste Angebot von einem Juden. Als dieser trotzdem bei der Vergebung der Lieferung völlig übergangen wurde, intervenierte ein tschechischer Parlamentarier beim Minister Udrzal in dieser Angelegenheit. Der Minister erwiderte, es falle ihm nicht ein, staatliche Lieferungen au Juden zu vergeben, und erging sich dabei in unflätigen, wicht wiederzugebenden Aeußerungen gegerr die Juden. Das Vorgehen'des Ministers hat großes Aufsehen erregt: mar» ist ans den Ausgang der ^Angelegenheit gespannt. — Die wegen ihrer antisemitischen Propaganda befmmte Schriftstellerin Vikoba- Kuneticka, Nationaldernokratiu und Mitglied der Nationalversamrnlung, bereist gegenwärtig die Republik, »vo sie über das The»na „Atensch, Volk und Rasse" Vortrüge hält und sich hierbei in einer he»nmungslosen Hetze gegen das Judentum ergeht, dere»r Sitten eine Beleidigung der slawischen Moral sein sollen. Die Vortragende scheut nicht davor zurück, eine heftige. Hetze gegen den Präsidenten Masaryk Wege»» dessen angeblich judeufrellndlicher Gesinnung z»l führen.

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