Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 15 (17.8.1922)
- Date
- 1922-08-17
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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187 mann und den Geburtstagsschwmdel seiner jüdischen Korybanten und fährt dann überzeugend fort: „An: 7. Oktober, dieses Jahres feiert ein anderer deutscher Dichter, Otto Ernst, in Hamburg seinen 60. Geburtstag. Die 'Theaterstücke dieses Dichters sind über alle Bühnen gegangen, und seine erzählenden Werke haben Sonne in die deutschen Herzen gebracht und eine Verbreitung gesunden, an die die Werte Hauptmanns auch nicht entfernt heranreichen. Für diese:; echten Dichter wird man keine Festspietwoche und viele Festschriften veranstalten." Also Otto Ernst, diese Verkörperung kitschig-sentimentaler Philiströsität, dieser lyrische Oberlehrer, der als literarischer Spion seiner Kinder am Familientisch saß. und mit seinen „Appelschnu.t- Historchen" biedere Tanten entzückte, bis er dann als Nietzsche-Töter vorn ganzen geistigen Deutschland ans gelacht wurde — -der wird nun als „echter" Dichter Gerhart Hauptmann geaennbergestellt, wird gegen Gerhart Hauptmann ausgespielt! Risum teneatis, a m i c i —? Die Leute, die dies tun, wissen gar nicht, welch treffendes Zeugnis sie sich damit allsstellen. Ihre Geistigkeit nämlich verhält sich zu jener der Hauptmann-Gemeinde genau so. wie der „Appelschnut- ,Plauderer" zum Dichter des „Florian Geyer". —th. Der Solsthewisnms - „ein Unternehmen üer Mischen Knanzwelt". Ein Brief Max M. Marburgs. Der schwedische Arzt Dr. Anton Nyström hat soeben ein Buch „Weltkatastropheu" in Stockholm erscheinen lassen, das neben vielen andern Unwahrheiten und Verleumdungen auch die enthält, der russische Bolschewismus sei ein sorgfältig vorbereitetes lt ji t er nehmen der jüdischen Finanzwelt, und insbes ondere das Hamburger Bankhaus M. M. W a r b u r g u. Co. habe dem „Kollegen" Trotzky entsprechende Summen übermittelt. Ein darauf bezüglicher Brief, datiert den 21. September 1917, Absendungsort Stockholm, unterzeichnet ,.Füristenberg" lvird in dem Buche veröffentlicht. Wir haben uns zur restlosen Aufklärung dieser offenkundigen Verleumdungen sofort an Herrn Max M. Marburg in Hamburg gewandt, der" uns liebenswürdigerweise ebenso schnell das nachfolgende Schreibell übermittelt: Central-Derein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Berlin SW 68. Ich besitze Ihre gefällige Zuschrift vom 25. Juli d. I. Weder ich Persönlich, noch meine Firma, noch irgendein Mitglied meiner Firma hat jemals irgendwelche Beziehungen zu Herrn Trotzky unterhalten. Wir haben ihn weder mit Geld noch sonst irgendwie unterstützt. Die Behauptung, die sich in immer wiederkehrender Form tri den verschiedensten antisemitischen Zeitungen und Zeitschriften des In- und Auslandes findet, ist von antisemitischer »Seite vollkommen frei erfunden und lediglich verbreitet worden, um die antisemitischen Vorurteile zu verstärken. Es ist niemals von mir oder einer mir nahestehenden Seite irgend etwas geschehen, um die Entstehung oder Entwicklung der russischen Revolution zu fördern. Die Verbreiter dieser Behauptung übersehen übrigens vollkommen, daß in dem Augenblick, in dem die russische Revolution vorbereitet wurde, eine Unterstützung dieser Bewegung von deutscher Seite aus geradezu als nationale Tat hätte bewertet werden müssen, denn damals war Deutschland im Kriegszustände mit Rußland und aufs äußerste von allen Seiten bedrängt, so daß der Beginn der russischen Revolution zunächst außerordentlich be- ,freiend auf Deutschland wirkte. Diese naheliegende Ueberlegung wird von den antisemitischen Verbreitern der falschen Nachricht vollkommen übersehen oder bewußt unterdrückt. Unsere allerersten und nur unbedeutenden geschäftlichen Beziehungen zu Rußland haben erst begonnen, nachdem in Berlin die russische Handelsvertretung errichtet war, und nicht nur wir, sondern gleichzeitig die verschiedensten Großbanken, im Interesse der Wiederbelebung des deutsch-russischen Handels, begannen, rein kommerzielle Finanzie- .xungen vorzunehmen. Niemals haben wir — weder vor noch vach der Aufnahme der Handelsbeziehungen Zwischen Deutschland und Rußland — andere Finanzierungen vorgenommen als solche, die den direkten Warenaustausch zwischen Deutschland und Rußland betrafen. Wenn sich die Verleumdungen unserer Firma jetzt auch in ausländischen Zeitungen finden, wie beispielsweise in der „Fordpresse" in Amerika, so sind zweifellos alle diese Nachrichten auf die deutschantisemitischen Hetzblätter zurückzusühren. Ich ermächtige Sie, all diese Mitteilungen als verleumderische Erfindungen und jeden, der zur Verbreitung dieser Mitteilung beiträgt, als Verleumder zu bezeichnen. - Wir haben bereits wiederholt Berichtigungen an die Zeitungen /gesandt, die diese Nachrichten brachten. Dieser Blätter haben aber diese Berichtigungen in solcher Form gebracht, daß der Zweck der Berichtigung durch entstellende Zusätze vereitelt wurde. Mit vorzüglicher Hochachtung Max M. Marburg. - Eine antisemitische Weltorganisation? Von Dr. Oskar Stillich, Dozent an der Humboldt-Hochschule in Berlin. K-. Bisher war der Antisemitismus bei uns ein durchaus nationales Gewächs. Er wurzelte in den politisch rechtsstehenden Parteien und Gruppen, die sich und ihr Deutschtum bedroht fühlten von einer zwar an Zahl kleinen, aber begabten und tatkräftigen, im freien Wettbewerb auf wirtschaftlichem und geistigem Gebiet sie vielfach überflügelnden Minderheit. Der Kampf, der sich früher noch unter Zuhilfenahme der religiösen Ideologie vollzog, — ich meine den Gegensatz zwischen dem christlichen und dem jüdischem Bekenntnis — verwandelte sich allmählich in einen Rassenkampf, der das Blut und die Eigenschaften der germanischen gegen die semitische Rasse auszuspielen versuchte. Es begann der mit allen Mitteln geführte Vorstoß der nationalen und nationalistischen Elemente gegen eine, wie sie behaupteten, dem deutschen Volke wesensfremde und inferiore Rasse. Dieser mit allen Mitteln der Demagogie und Verhetzung geführte Kampf hat zwar die Leidenschaften entflammt, große- Erregung verursacht und viele Kräfte vergeudet, die für andere Zwecke Hütten nutzbringender allgewandt werden können, einen Erfolg aber hat er nicht gehabt. Das Gegenteil von dem, was die Antisemiten: erstrebten, wurde «erreicht: die Illden ginge;: aus den gegen sie gerichteten Angriffen immer wieder von neuem gestärkt hervor. Dieses Ergebnis hängt damit zusammen, daß der Kamps die Kräfte aufrüttelt und die intellektuelle Auslese steigert. Die dlrrch die antisemitische Bewegung im deutschen Judentum erzellgte Hochspannung hat Kräfte ausgelöst, die dem Judentum durchaus förderlich gewesen sind. Ihr organisatorischer Zusammenschluß hat eine Summe Positiver Kulturarbeit zur Folge gehabt. So hat also der Antisemitismus sein Ziel nicht erreicht. Die Aussichtslosigkeit seines Kampfes auf der bisherigen Grundlage, die von Einsichtigen aus diesem Lager längst erkannt wurde, hat mm dazll geführt, auf n e u e Mittel zu sinnen, um den Kamps auf einer anderen als der nationalen Basis zu führen, die sich, wie gesagt. al8 unzureichend erwiesen hatte. Die geeignete Plattform für die antijüdische Bewegung der Zukunft glaubt man jetzt in der Notwendigkeit einer internationalen Organisation gesunden zu haben, welche nicht mehr auf den Nationalismus der einzelnen Völker pocht, sondern auf den ganzen Völkergemeinschaften gemeinsamen arischen Abstammungsgedanken. Damit sucht der bisher nationale Antisemitismus eine illternationale Auswirkung. Seine Kräfte in den einzelne;: Ländern waren bisher zu schwach. Daher der Wunsch nach einer kollektiven Zusammenfassung auf internationaler Grundlage und gleichzeitiger Erweiterung der bisherigen Angrisfsfrout. Nicht mehr de;: Illden allen: soll der Kamps gelten, sondern überhaupt allen Nichtarierr:. „Arier aller Länder oereinigt euch!" Dieser panarisckje Gedanke ist die versuchte Konstruktion eines gemeinsamen Gegensatzes zwischen Ariern und den anderen Blutstämmen, nämlich den Semiten, den Mediterranen und den Mongolen. Daraus geht schon hervor, daß dieser neue Zllnüchst noch streng' geheime mtt> verborgen gehaltene Organisationsplan, der hier zum erstenmal öffentlich genannt wird, einen Zusammenschluß darstellt, der die Rassenkämpfe in der ganzen Welt zu entfachen versucht und weit über den alleirl gegen die Juden gerichteten bisherigen Antisemitismlls hinausgeht.' Der Zusa m m e n s chluß der a r i s ch e n R asse in eine r Weltorganisation zum Kampf gegen die anderen Rasse;; beruht naturgemäß in den einzelnen Ländern (Deutschland, England, Frankreich, Tschechoslowakei, Ungarn, Spanien, Alnerika) aus Unterorganisanonen, die alles das in sich enthalten, was als reaktionär und rückschrittlich für diese Bewegung und ihre Zusannuensassullg in einer Spitzenorganisation seinen Befähigungsnachweis erbracht hat. In Deutschland haben lvir ja eine ganze Reihe von Vereinen und Verbänden, die den Nassengedanken, der doch ullr eine klassifikatorische Tatsache ist. mir dem Wertgedanken kombinieren, um damit Politische Zwecke zu erreichen. Selbst in den. Ländern, die in: allgemeinen etwas größeren politischen Verstand ihr eigen nennen als Deutschland, das vor allem durch die alldeutsche Bewegung, den Schutz- und Trutzbund und andere Hakenkrenzter, und wie sie alle heißen, und ihre Führer schwer tompronlittiert wurde, bestehen Organisationen, die als Bausteine dieser panarlschen Konstruktion dienen sollen, so in England die Britains und ihr Organ ,.The 'hidden hand“ („Die verborgene Hand"), in Frankreich ,,la vieille France“ und andere. Die Länder, in denen die größten Sympathien für diesen Gedanken vorliegen, sind diejenigen, in denen sich der Antisemitismus früher auf eine starke Reaktion stützen konnte. Hierher gehört vor allem Deutschland. Seine Bevölkerung läßt sich, wenn wir von den Indifferenten absehen, in zwei Gruppen teilen: die Anhänger des alten und die des neuen Regimes. Diejenigen, -die aus dem Kriege nichts gelernt haben und zurück zu den alten Zuständen vor der Revolution wollen, und diejenigen, die die neuen Errungenschaften als eine unumstößliche