Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 15 (17.8.1922)
- Date
- 1922-08-17
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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188 schon ein kleiner Strahl Sonnenlicht. Denn sie scheuen das Licht. Doch weg mit der bildlichen Rede! Wir sind überzeugt, ^datz gegenüber jenen Machwerken es wirklich genügt, wenn man öffentlich auf sie aufmerksam macht. Man lese die Schriften genau und kritisch und erörtere sie öffentlich. Das muß genügen, sie gründlich unschädlich zu machen. Wir haben hier genaue Proben und Zitate gegeben: Genau so Hirn der branntund elend ist das ganze Machwerk. Wir hoffen, daß der öffentliche Hinweis schon bewirkt, daß niemand mehr sich zu einem so erbärmlichen Buche bekennt." Sehr gut! Solche Worte hätten wir schon längst gern gehört. Aber hat nicht sogar ein Ludendorff für das „hirnverbrannte Machwerk" feine bei vielen so einflußreiche Feder eingesetzt, es als einwandfreie Geschichtsquelle für die „Weltherrschaftgelüste des jüdischen Volkes" ausgegeben? Wer ist ihm entgegengetreten? Nnd noch 11 eberraschend'eres geschieht. „Der Tag", das Berliner deutschnationale Organ, druckt den Aufsatz Dr. Schneiders fast ganz nach und die Schriftleitung sagt einleitend dazu: „. . . Dr. Rudolf Schneider gibt in seinem Aufsatz einen Einblick in den Geist dieses Buches. Was er dort aus ihm zitiert, ist für die Beurteilung unseres öffentlichen' Lebens so charakteristisch, daß wir glauben, an dieser Veröffentlichung Schneiders nicht vorübergehen zu dürfen. Im Interesse der Gesundung unserer innerpolitischen Verhältnisse erscheint es dringend notwendig, daß solchen AuswüchsenpolitischenundreligiösenHasses e n t g e g e n g e t r e t e n wir d." Hätte man so anerkennenswerte Worte nur ein Jahr früher gehört, hätte man der deutschvölkischen-Bewegung rechtzeitig die Stirn geboten — manches Unheil wäre verhütet worden. Erft heute entschließen sich spärliche deutschnationale Politiker und Organe das Kind beim Namen zu nennen; und Düringer gesteht jüngst — im „Tag" vom 9. August —, daß „der Antisennsmus einen hemmungsvollen Haß zwischen Mensch und Mensch in den Parteikampf hineingetragen hat", daß dieser „die schwerste Schädigung des Reiches und seiner Kreditwürdigkeit bedeutet" und „eine Politik des Hasses und der.Leidenschaft betreibt, die mit den Gr u n d s ä tz e n des Christentums und der Humanität völlig unvereinbar ist." Die „Weisen von Zion" liegen im Sterben. Sie sterben nicht, ohne daß die Hinterbliebenen befriedigt aus ihr erfolgreiches Erdenwallen zurückblicken: In Hunderten von Versammlungen waren sie die „authentischen" Kronzeugen für die teuflisch en Weltherrfchaftspläne der jüdischen Menschheitsgeißel und Zehntausende berauschte ihr Studium z u wütendem Kampfe g e g e n d e n D ä m o n I u d a. Auf der Anklagebank des Staatsgerichtshofes, von dem nächstens unreife Burschen ihr Urteil für ein entsetzliches Verbrechen empfangen werden, müßten als geistige Urheber dieser Schreckenstat auch die Herausgeber und Verbreiter der „Weisen von Zion" Platz nehmen. Dr. Alfred Wiener. Bn die Mitglieder des C. V.l Wenn Ihr Verlobungen, Vermählungen, Geburten in weitesten Kreisen bekanntmachen wollt, benutzt Me fanMm-AnMgm der C Breitling die in über 60 000 Exemplaren erscheint und überall im Reiche gelesen wird. — Wir gewähren Mitgliedern für derartige* Anzeigen wie auch für Stellengefuche einen Rabatt von 50% auf den Zeilenpreis. Setzt also alle Familien- . Nachrichten in die C.V.-ZeitungI JhBfpart Geld und unterstützt Euren Verein. MNM!»IINIIkIMI?IlIIi;iMNIM»ltIII!M!»?k!NIN!>MI»!NM!I»I!!!I!INIIINIttI>II!ININ!IIlN-U Antisemitismus gegen — Gerhart Hauptmarm. Am 15. November wird (Zerhaut Hauptwarm 60 Jahre afl. Die Festlichkeiten, mit denen dieser Tag begangen: werden soll, haben eben in Breslau ihren Anfang genommen. Mau sollte meinen, daß just die Leute, die „deutsche Art" und „deutschen Geist" am lautesten im Munde führen — rvenn sie selbst ihn auch selten, vertreten — den Huldigungen für einen Marm lebhaft zustimmen mühten, den das deutsche Volk längst als den feinsten und reinsten seiner lebenden Dichter erkannte, der als einziger heute bereits sichtbar in Unsterblichkeitshöhsn ragt und der überdies in seinen Dramen „Florian Geher", „Der arme Heinrich", „Kaisen Karls Geißel", „Die versunkene Glocke", auch den Unverständigen erkennbar gezeigt hat, mit welch tiefem Gefühl er die deutsche Vergangenheit, die deutsche Sagen- und DcärcheuwelL urnsaßt, wie sehr er in! deutscher Erde und nur in dieser wurzelt. Der Verständige freilich weiß, daß auch in allen andern seiner Werke nur deutsche, nur in Deutschland denkbare Menschen umgehen: Von dem Gottsucher Emanuel Quint über die vor sch lagen tüchtige Mutter Wolssen, die Gretchenfigur der Rose Berndl, den schneidig beschränkten Amtmann Werhahn, von dem versumpften Genie Grampions, dem in tragischen Familienstsseln verstrickten Johannes Vockerat, dem Dorflehrer. Gottwalt, der an Hanneles frühem Sterbelager steht, bis zu den Strolchen Schluck und Jan, Ziehen sie als eine lange Reihe von- Gestalten vorbei, in Lenen die ganze EmPfindungZ-wel.t, die ganze dumpfe Seelenproblematik DrutschlündZ in der liebergangsz-ei-L diesen Jahrhundertwende für alle Zukunft eingesaugen bleibt. Diese Problematik mußte notwendig auch das soziale Motiv, auch das Erwachen dev Massen, ihre Sehnsucht und ihre Kümpp umschließen. Mit wunderbar unpathetischem Mitleid weiß HaupLmann dieses Gären und Ringen in den VolkstLesenzu gestalten. Als Erster hat er den deutschen! Arbeiter, den Proletarier in den Kreis literarischer Darstellung, gezogen und aus der Harmonie feines GesamtwerkeZ wird später vielleicht diese Stimme des menschlichem Verstehens, des milden Erbarmens mit der gequälten und bedrückten GotteskreaLur am stärksten hervortönen. Just deswegen aber ist er seit jeher all jenen ein Dorn im Auge, die solchem Erbarmen fern stehen, die von der Not und dem Recht der arbeitenden VoWnMiouen nichts wissen wollen und immer noch das Work von den „vaterlandslosen Gesellen" bereit haben, wenn vom Sozialismus die Rede geht. Diese Kreise, deren kurzsichtiges rückschrittliches Denken heute zu blindwüttgem- Widerstand gegen alle soziale Entwicklung, zu lärmendster Propaganda für überholte, feudale Gesellschaftsformen wurde, benutzen jetzt die GeburLsLagsseier Hauptmanns, um dteseadeutfchen D ichLer in roher u n d s i n n f o f er W e i so anzugrei.se n, und bemühen sich, ihn von der Höhe seines Kunstschaffens in den Pfuhl kleinlichen Parte kgezänkes herabzuzerren. Denn HaupLmann! hat bekarmtkich auch die „Weber" geschrieben. Also ist HaupLmjarm nichts weiter als ein im Dienst der „Roten" stehender Skribent und die Festliche keilen zu seinem Geburtstage sind nichts weiter als der geschäftstüchtige Reklamerummel der Sozialdemokraten und natürlich der Juden, die „bekaunttich" die Herren dieser gehaßten schwarz-rot-goldnen Republik sind. So kann man nun das ebenso lächerliche wie widerliche Schauspiel erleben, daß alle Schmutzkübel völkischen Judenschimpfes über das verchrungswürdige Haupt dieses Dichters aus- Mgossen wenden, von hnn sicherlich irgendein forscher Trjutzbündler nächstens fest stellen wird, daß er gar nicht Gerhart Hauptmann, sondern Gerson Hirsch heißt, und nicht aus Salzbrunn, sondern aus Kiew stammt. Wundern wird uns auch das nicht; denn man verlernt es nachgerade, sich zu wundern, wenn man liest, wie Gerhart HaupLmann geschmäht w-ird, weil sein- Verleger Fischer Jude, weil sein jüngster Biograph Konvad Haenrisch Sozialdemokrat ist, weil sich jüdische Schriftsteller in der Festschrift Felix Hollaenders begeistert zw ihm bekennen, und weil c,tm Jude, Artur Eloesser, die grundlegende Hauptmannbiognaphie Paul Schlenthers jetzt neu bearbeitet. Ja, man ist nicht einmal, erstaunt darüber, werm man mim in rechtsstehenden Blätternlieft> daß „dem deutschen Michel weisgemacht werden! soll, Hauptmann sei ein großer Dichter", obwohl seine Werke nicht gekauft würden und seine Theaterstücke der Reihe nach durchsielen. (Bei anderer Gelegenheit höhnen dieselben Leute Hauptmanns seigneurale Lebensführung in Agnetendorst die offenbar durch Mangelhafte Buchersolgo und fortgesetzte Durchfälle ermöglicht wird. . .) Aber Lüge und Entstellung haben stets zu den gebräuchlichsten Waffen dieser politischen Strauchritter gehört, die natürlich von Hauptmarm nichts wissen wollen, als was in ihrem Parteiblättchien steht, und dia zu ungebildet find, um seinen - dichterischen Werk zu erfassen, zu bösartig, um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Diese UrrbMung und WsMigLeN aber übertrisst alle ihre bisherigen Leistungen irr einem Artikel der „Wahrheit" vom 12. August. Diese wettert anfangs m der schon gewohnten Weise gegen -Haupt-'