Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 15 (17.8.1922)
- Date
- 1922-08-17
- Page
- Seite 185 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 1,50 M Kötter fftritenlftitt unöFuoentum Ulli P»stscheckkonto: 30472 ,, ./: l'V/AÄlin, 17. August 19 I. Jahrgang Nr. Vryrm -es tentrot-Vereürs öeotsctrer Stmitsdürycr rüörfeken MlmvenÄÄ» verlas und Schriftleitung: Serlin SW öS, Linöenstraße 13 * Zernfprecher: ^lmt Dönhoff 3594- 3595, 3594 Die Zeitschrift ist nur durch die zu ständige Po ft an st alt zum Preise von vierteljährlich M. 15,— zu beziehe» Alleinige Anzeigenannahme: Annoncenexpedition Rudolf Moste, Berlin SW19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 16,— für die 6gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familrenanzergen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50»/^, Nachlaß; Die 90 mm breite Reklamezeile M. 90,— Die „Weifen von Aion" auf dem Sterbebett. vernichtende Urteile des „Tag" und der „Deutschen Stimmen". , Zu den Vorkämpfern der deutschvölkischen Bewegung rechnen sich seit alters her Müller v. Hausen, der Vorsitzende des „Verbandes gegen die Ueberhebung des Jndenfcmtz", der Herausgeber, und Graf Ernst Redentlow, der Bannerträger der „Weisen von Zion" Diese „Verhandlungsberichte der , Weisen von Zion' auf dem -11. Zionistenkongreß, der 1897 in Basel abgehalten wurde", wie haben sie Köpfe verdreht, gesunden Menschenverstand vergewaltigt! Nicht die Köpfe von Hinz und Kunz, für die waren sie nicht berechnet: doch wieviel Grafen und Fürsten, wieviel Geheimräte und Professoren schwören auf sie wie auf die Bibel. Auf diese Bibel hahnebüchenen Blödsinns, altbackener Hinter- 'treppengefchichten. Die „F r a n k f u r t e r Zeitung" hing diesen Unsinn eines Tages an die große Glocke; das >„B e r l i n e r Tageblatt" gab dieserhalb den ersten Gläubigen der „Weisen", den Grafen Reventlow, der Lächerlichkeit preis. Aber der „wackere Schwabe forcht sich nit" und nuch die „D e u t f ch -e Tageszeit u n g", in der er damals die auswärtige Politik vertrat, schien das Ansgelachtwerden sticht zu scheuen. Ulrich Kahrstedt, der Göttinger Professor, hatte sogar den seltenen Mut, in seinen deutschnationalen „Eisernen Blättern" frei zu bekennen, daß für gewisse Stellen der „Weisen von Zion" die Zuständigkeit des Historikers aufhöve und die des Psychiaters beginne. Aber welche deutschnationale Zeitung, ganz zu schweigen von einer deutschvölkischen, hat die Eiterbeule aufgestochen, hat rund herausgesagt: „Diesen Kampf mit vergifteten Waffen machen wir sticht mit!"? Warum erklärten weder „Kreuz-Zeitung" noch /Hamburger Nachrichten", weder „Schlesische Zeitung" noch auch „Der Tag": „Die Weifen von Zion sind ein widerliches Schwindel- und Schmutzwerk. Weg damit in den Orkus! Wir lehnen jede Verantwortung für seine Wirkungen ab." N i e - m and w-ctgte auch nur ein armseliges Wort dagegen. „Und nach Rathenaus Ermordung wird ein ^Exemplar", so berichtet Dr. Rudolf Schneider in den /Deutschen Stimmen", „Zufällig in demselben Kreise der deutschvölkischen Jugendorganisation in Berlin W, dem die Mörder Rathenaus angehörten", gefunden. Zufällig! :£), nein! Das ist kein Zufall, ebenso wenig wie die Zugehörigkeit der Mordgesellen und ihrer Helfer zum deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund. Die „Weisen von Zion" erstreben die jüdische Weltherrschaft durch Verbreitung von Seuchen (S. 99), unbarmherzige Hinrichtung aller nichtjüdischen Freimaurer (S. 110). Alle Welt muß „vor den Auserwählten Gottes" die Knie beugen (S. 141). Und Walther Rathenaus Vater läßt (S. 199) an seinem Berliner Hause einen Fries anbringen „mit Opserschalen, auf welchen abgeschnittene gekrönte Häupter liegen"! Mußten die Techows und Günthers nicht überzeugt sein, es sei eine Heldentat, deA „Oberjuden" Walther Rathenau, den Wegbereiter Alljudan-, aus dem Wege zu räumen? Jetzt, da der Ermordete im Grabe ruht — leider evjß jetzt—, werden gewichtigere deutschnationale Stimmen der Abkehr von diesem Schandbuch laut. Der Central-Derer« hat in Hunderten von öffentlichen Versammlungen, inHurrderttausenden von Flugblättern und Büchern den christlicheg Volksgenossen reinen Wein über die Gemeingefährlichkeit dieser judengegnerischen Fälschung eingeschenkt. Die Aufklärung wurde 'geflissentlich überhört. Wird es jetzt anders Werdens In den „Deutschen Stimmen" (34. Jahrgang, Heft 31), die der Führer der Deutschen Volkspartei, Gustav Stresemann, herausgibt, deckt der schon erwähnte Rudolf Schneider die „Geheimnisse der Weisen von Zion" gründ» lich auf. Ueber die „Protokolle", das Kernstück der Sudelei, sagt er: „Man bekommt den Eindruck, daß diese „Sihunasberichte" von einem Geisteskr a n ke u versaßt sind, und zwar von einem sehr ungebildeten Geisteskranken, der vorher seinen Stil an der Lektüre von Krilmnalgeschichren unb der Offenbarung Johannis geschult hat... Vorher und hinterher enthält das Buch eine Sammlung aller möglichen Notizen. Anekdoten, Zitate und Artikel ans der antisemitischen Literatur. wirres, -teils bösartiges, teils putziges Zeug, vielfach schon bekannt aus der Kntturkalnpfliteratur der siebziger Jahre, dann vor allem ans der Zeit Ahlwardts iunb den späteren Schriften von Theodor I r i t s ch, jenes Sammelfurtum von Talmubzi taten, Ritualmordgeschichten, von Bekennt nisten jüdischer Schlechtigkeit, die nach irgendwelchen Zeikmrgs- . notizen irgendein Rabbiner in Leitomnchel auf dem Sterbebette von sich gegeben habe." Er schließt mit den folgenden, außerordentlich begrüßenswerten Worten: „Wir lenken ausdrücklich die Aufmerksamkeit unserer Partei, freunde auf dieses Buch, auf seine Verbreitung. seine Wirkung, seine andächtige Leferschar. Wir möchten gern die Aufmerksamkeit aller Parteien daraus richten. Was ist es eigentlich mit dem deutschen Volke, mit unserer Schulbildung, unserer Kulturhöhe, der geistigen Verfassung unseres Volkes? Gottfried zur Beek verkauft eine Auflage nach der anderen, Herr Dinier vertreibt seine „Sünde wider das Blut", Herr W it (1 e leitar titelt, Herr K u n z e spricht . .. . Eine Schlammflut steigt an! Soll man voll Resignation sagen: So ist die Welt! Soll man ruhig Zusehen? Nein, eine politische Partei hat die Aufgabe zu kämpfen, auch auf die Gefahr hin, daß sie vergebens kämpft wie jene Götter. Hub eine liberale Partei hat.die doppelte Ausgabe, den -stampf gegen jene greulichen Gespenster der Dummheit und Bosheit aufzuuehmen. Denn wenn man sie ungestört ihren Spuk treiben läßt, dann richten sie großen Schaden in unserem Volte an. Gespenster zu bannen, gibt es wohl ein treffliches Mittel: Das ist