Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 14 (10.8.1922)
- Date
- 1922-08-10
- Page
- Seite 181 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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bessere jüdische Arbeiter schon inverhältnismäßig kurzer Zeit an Tüchtigkeit und Intelligenz mit dem einheimischen Arbeiter erfolgreich konkurrieren kann, bleibt diese unterste Schicht des erngewanderten Juden in Unwissenheit und Armut und ist häufig die Beute gewissenloser Geschäftsleute und Politiker. Das jüdische Bürgertum, die Geschäftsleute, Aerzte, An-' walte. Zum Teil auch Schrifistelter und Künstler, erfreuen sich im ganzen eines gewissen Wohlstandes, der natürlich sich nicht gleichmäßig über die bürgerlichen Klassen verteilt, sondern sich vielfach abstuft. Die Zahl jüdischer Aerzte und Anwälte ist in Amerika sehr groß, und viele davon haben sich über die Grenzen ihres Berufsdezirks hinaus einen geachteten Namen gemacht. Die meiften sind Deutsche oder deutscher Abstammung. Unter den jüdischen Anwälten haben es sehr viele, mnn kann sagen die meisten, zu nicht geringem politischem Einfluß gebracht. Nationalen Ruf haben auch zahlreiche Bankiers und Zeitungsherausgeber erworben. Ein sehr nächtiger Wesenszug, der das amerikanische Judentum von den: europäischen unterscheidet, verdient besondere Betonung. Wenn der deutsche, französische, italienische, englische Jude ans irgendeinem Gebiet berühmt wird, sich Ansehen und Einfluß erringt, so verliert er in der Regel den inneren Zusammenhang mit dem Judentum. Daß diese Regel Ausnahmen hat, ist mir natürlich bekannt, aber die Regel bleibt bestehen, wie jeder, der sich gerade mit diesem Punkt näher befaßt hat, bestätigen wird. Beim amerikanischen Juden hört, auch wenn er berühmt und einflußreich geworden ist, dieser innere Zusarmnenhang nicht auf. Von den vielen großgewordenen amerikanischen Juden ist mir kaum einer bekannt, der nicht int innersten Herzen Jude geblieben wäre; viele unter ihnen nehmen cm der jüdischen Bewegung aktiv, zum Teil sogar leitend teil. In Deutschland weiß man von deut Leben, von den Erfolgen und Leistungen des amerikanischen Bürgertums bedauerlicherweise sehr rven-ig, und Literaturerzeugnisse wie die Posse „Potasch und Perlmutter" sind durchaus nicht geeignet, diese Kenntnis zu erweitern und zu vertiefen. Diese Posse verzerrt die tatsächlichen Zustände und Menschell in einer Weise, die weit über das Matz dessen hinausgeht, was selbst einer Posse erlaubt ist. Wer „Potasch und Perlnurtter" nur von der Berliner Ausführung her kellnt, der kennt weder das Buch (aus dem später das Theaterstück zurechtgezimmert wurde), noch feinen Verfasser, den in England geborenen amerikanischen Schriftsteller Montague Glaß, am allerwenigsten aber das jüdische Bürgertum. „Potasch und Perlmutter" war ursprünglich eine Sammlung von Skizzen, die in verschiedenen amerikanischen Zeitschriften veröffentlicht waren und 1910 als Buch erschienen. Es erregte solches Aufsehen, daß der Verfasser mit einem Schlage berühmt wurde. Glaß hat mit Vorliebe die Umwelt des jüdischen Kleidcr- und Mälltelfabri-kanten im New Iorker „down town", der unteren Stadt, in dem die Geschäftsläden und Werkstätten sich zu tauseilden aneinanderreihen, gewählt. Dieser jüdische Fabrikant und sein Personal sind in der typischen Gestaltung, die Montague Glaß ihm gegeben hat, seither in vielen Varianten und Ausschmückungen geschildert worden. Monty Glaß hat Kulturbilder vou einer Echtheit geschaffen, die jeden, der seine Menschen und ihre Umgebung aus eigener Anschauung kennt, geradezu verblüffen muß. Er hat den in jungen Jahren aus Deutschland oder dem östlichen Europa eingewanderten Juden geschildert, der, tüchtig, scharfsinnig, vorwärtsstrebend, an Entbehrungen gewöhnt und sie willig ertragend mit dem unverrückbaren Ziele des späteren Wohlstandes, sich aus den Tiefen einer oft menschenunwürdiger: Lebenshaltung zu einer gesicherten bürgerlich-behäbigen Existenz emporarbeitet. Der Weg, den er mühsanr hinanftlimmt, ist steinig, nicht immer frei von Staub unh Schmutz, mit vielen gefährlichen Engpfaden, die dicht an schlimmen Untiefen vorbeisühren. Aber über alle Gefahren Hilst dem Schwankenden im kritischen Augenblick der tieswurzelnde, unzerstör-- bare Glaube der Vater hinweg, das Sittengesetz des frommen Juden, jenes eherne Gesetz, das in seinen Knabenjahren sein Denken und Fühlen voll durchdrang, das in den Wirrnissen 'der Lebenskämpfe wohl Zeitweilig unter die Willensschwelle gedrängt wird, sich aber in den Stunden der großen Entscheidungen gebieterisch in die Höhe reckt und mahnend, drohend den Finger nach oben hebt 31t Jehovah, dem Gott der Vergeltung im Guten und im Bösen. Diese eigentümlich zwiespältige Erscheinung des Juden, der mit der einen Hand errafft, wessen er habhaft werden kann, während die andere das Buch der Bücher und den Talmud hält, — des Juden, der ganz im amerikanischen Leben aufgeht und dennoch mit tausend Seele nfäden noch mit der „Kille" und bctn Bethause seiner Kinverjähre verknüpft ist, ihn hat Montague Glaß mit einer Kunst des '-sehen» und des Gestaltens gezeichnet, wie keiner vor oder nach ihm.: Da sind die beiden Prinzipale, die sich ständig in den Haaren liegen, während sie doch menschlich und beruflich mit jeden: Jahre sich gegenseitig unentbehrlicher werden; da ist die Schar der Geschäftsfreunde, Kunden und Lieferanten; das Personal, zumeist derselben Herkunst wie die Prinzipale, der Buchhalter, die Stenotypistin, die- Zuschneider, dcsr fütus&ede des Z%i*hu*e0c&*etes faUMPEW?: Fernruf tiS 6f f (ßähnhofstn 2 2 -21*.- Ourch Einkauf der flohw aren zur günstig* yjten Zeit,/st mein Grundsatz gesichert Nä&df&ägfc&mefoe ftua* N0:LändskrmäZN:ümsseeU.8rumenl96.NW:Wilsnä(kerl5, Turnst.