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Central-Verein-Zeitung · 1922-08-10 · 14 (10.8.1922) · p. Seite 182

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
14 (10.8.1922)
Date
1922-08-10
Page
Seite 182 (sequence 10)
Language
German
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182 Einrichter, Schneider, Packer usw. von dem schon halb amerikani" sierten „Sport" bis zu dem noch dreiviertel russisch-polnischen Kistenschlepper, der mikten in einem gebrechen-englischen Sah in \bm heimatlichen Ruf: „/Dt Gewalt!" ausbricht: sie alle sind greifbare blutwarme Menschen; jeder, der einetr solchen „shop" in New Jork auch nur einmal gesehen hat, -erkennt sie sofort wieder. grüßt alte Bekannten, ergötzt sich an ihrem Englisch, das viele fließend sprechen, wiewohl mit dem „Nigen" des osteuropäischen Geburtsortes, mit ganz bestimmten, nur dieser Klasse eigentümlichen Verstößen gegen Grammatik und Aussprache: ergötzt sich an ihren Zänkereien um geschäftliche Alltagstlcintgteiten: ärgert sich über Abe Pvtash, der dem Mawruß wegen zu Unrecht verausgabter zwei Dollars eine Szene macht; was ihn nicht hindert, am nächsten Tage in der Wohnung des nämlichen Mawruß.zn erscheinen, mit einem Blumenstrauß und mit einem kostbaren Präsent bewaffnet, weil Mawrussens Frau, das fleißige und trensorgeude Roselchen, ein Kind bekommen hat. In ihnen vereint sich, was an ethischer Schönheit das Judentum, an vorwärtstreibender Tüchtigkeit das Amerikanertum aufzuweisen hat. Die großen Erfolge, die das amerikanische Judentum auf vielen Gebieten ml-Mweisen hat, haben — ich möchte beinahe sagen: selbstverständlich — in Amerika dieselben antisemitischen Strömungen im Gefolge gehabt wie anderwärts. Es ist eine in Deutschland verbreitete irrige Meinung, daß der Antisemitismus in Amerika eine nette Erscheinung sei. Schon als ich in Amerika ankam, im Jahre 1885, also vor beinahe 40 Jahren, konnte man in Zeitungsinseraten, in denen Hotels und Pensionen, namentlich in Bade- und Kurorten, sich dem Publikum empfahlen, dett Schlußvermerk lesen: ,.No Jews‘% oder „Hebrews not wanted“, oder „Hebrews need not apply“ — ähnliche Wendungen aber auch bet Stellenangeboten, Wohmmgsvermietnngen usw. Es kommt sogar vor, daß bei neuert Siedlungen, die in Amerika weit häufiger sind als bei uns, Juden grundsätzlich vom Erwerb von Grund und Boden ausgeschlossen werben. Die Folge davon ist, daß zahlreiche Siedlungen, namentlich sogenannte ,.Sommerko(onien", ausschließlich von itrrb für Juden gebaut werden. . Der amerikanische Antisemitismus dringt von oben herab und von unten herauf: gegen die jüdischen Arbeiter agitieren die Trade Unions, die Gewerkschaften, aus Konknrrenzrücksichten; gegen die bürgerlichen jüdischen Klassen sperren die „oberen Zehntausend", manche Offizierskreise, Klubs, Universitätsprofessoren und Hörer die TürH. Aber alle diese Treibereien und Gehässigkeiten haben den Einfluß und die Stärke, des amerikanischen Judentums nicht zu schmälern vermocht. Im Weltkriege hat die Tapferkeit der „jüdischen Legiond -und die werktätige Hilfeleistung aller jüdischen Kreise aus den Antisemitismus, wentt vielleicht auch nur vorübergehend, eine mäßigende Wirkungen ausgeübt. 'Allen Feindseligkeiten zum Trotz hat das amerikanische Judentum seine Geltung zu wahren, ja zu stärken gewußt. Es ist für den wachsenden gesellschaftlichen Einfluß der amerikanischen Juden bezeichnend, daß die Zeitungen es geflissentlich vermeiden, sich abfällig über Juden oder ihre Tätigkeit zu äußern. Mit Ausnahme der von dem Automobitfabrikanten Henry Ford gegründeten Zeitung „Dearborn Jndepedeut" — einer in Amerika ganz neuen püblizishrschen Erscheinung — gibt es drüben keine antisemitische Presse. B. W., Bochum» Sie fragen, ob es fein Mittel gibt, das Erscluineu eines von gemeinsten Lügen. Verlelullduti-gen und Verhetzungen lebenden Organs, wie die „Note Erde", zu Verbindern. Leider wissen wir koins. Solang: es in Deutschland so viel Dummbeit. Haß und Notzeit gibt, werden solche Blätter stets Leser finden. Immerhin müßte es den Staatsanwalt interessieren, daß im Nr. 30 dieser Zeitung wieder einmal die alten Ritualmordlügen ausgewärmt werden. G» M. 12. Sie find erstaunt darüber, daß der Direktor Willat Vota Telegraphenamt Moabit, der die unglaubliche Rohheit hatte, nach der Ermordung Natheuaus -answrufen: „Leute mittag gibt's Judenbräg-en, Rattzenau ist ermordet!" noch immer iijt Amt sitzt, und daß nicht einmal das Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet wurde. Wir teilen Ihr Erstaunen nicht, denn wir wissen, daß in mehr als einem Amt Herren dieser Art sitzen, die sich nicht scheuen, das Brot der Republik zrt essen und diese selbst zu begeifern. Daß. wie Sie weiter schreiben, eine kleine Anfrage im Reichstag wegen dieses besonders empörenden Falles geboten wäre, ist auch rmfere Meinung. *) Noch im Juni d. I. wurde darüber Klage geführt, daß ein Jude, Leonard Kaplan, in der Marinoakademi-e zu Annapolis sich unwürdige Behandlung gefallen lassen mußte, und in der Havard-Umversität der numerus clausus gegen jüdische Stundenten eingeführt wird. WCHiiAf J&&C6' a-J'"JMßPaiiawer]i) I E.V. 8 8 Bereits erschienen: I AM iralpoir 1 8 I Eine Prosrammsüirlft 8 1 § Die Schrift beleuchtet die Palästinazö Aufbaufrage von einem parteilosen, p |* allgemein-jüdischen Standpunktaus. Ö 1 Preis 2 Mark. Bei Sammelbestellungen Rabatt. $ 8 <S ^8 Bestellungen sind zu richten an 8 s Heien Hajessed (Jiisdies Palastinawerk) e.V. Z tz BERLIN W15. 8 Ä 8 w Gegründet 1883 Strahl LFalcke Gegründet 1883 Dlumenausstellung Stets größte Auswahl von Blumenarrangements und Trauerspenäen sowie Topfgewächsen unä Schnittblumen. ZvkZWlAk: Ttfchäekorationen. 8!l!!öllk0kkllk! Brautgarntturen / Balkonbepflanzung. Rur Berlin, Mauerskratze 78/79. Savvstl»- lampen 8 oder 6 Ster» offeriert billigst LomaLluIeiidöm» Frankfurt 0.2X.I Scheffelstr. 26. Wiederverkäufer allerorts gesucht. Prospekt gratis. 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