Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 14 (10.8.1922)
- Date
- 1922-08-10
- Page
- Seite 177 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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177 erzeugten Mißmut für ihre Ab treu nu naSbestreb u:: ae n zu nutzen. Tie 'Fützrer des Rheinischen Bauernvereins, die sich nie aenna ..national" geben können, laden durch ihre zur Gesetzessabotaae auswrde rudert^ Entfchließuugen -eine ungebenre Veranilvortuna auf sich. Zugleich aber bekunden die Entschließnnaen. Nms von dein ,,christlichen" Charakter des Rheinischen Bauernvereins zu halten ist. Angesichts der Not Per großen Masse des Volkes und der viel günstigeren Lage der Landwirtschaft. Nurkt jeda Ablehnung eines Opfers nur als Spott ttnb Hohn ans die so osr betonten christlichen Grundlahe. Tie Bariernsührer sollten sich aber auch darüber keiner Täuschung bingeben. dast^ sie in nnverantwortlicher Weise daS revolutionäre Feuer schüren. Wer die Gesetze so offen sicht lieh mißachtet, wie der Rheinische Bauernverein, handelt selbst revolutionär und gibt damit Revolutionären anderer Art den besten Vorwand zu neuer GewaltsaMvendung. 2lascheiuend ist zahlreichen Leuten die Noveinberrevolutiou zu milde verlausen. das; sie heute so sorglos mit dem Teuer spielen. Aommt aber der große Brand, dann bitte — die Verantwortung denjenigen, denen sie gebührt!" Das sind die Worte des christlichen Stegertvald-Blaltes. Wir haben ihnen nichts hinzu-zu setzen, als daß sie ausnahmslos zutreffend sind. * Der Vorstand unserer Ortsgruppe Düsseldorf teilt uns folgenden Vorfall mit: Ans der Getreidebörse in Köln erschien am 27. Juli b. I. der Oekonomierat Hovels auf Kloster Nikolaus Wevelinghoven, g e s ch m ü ck t nt i t c i 11 e m Hakenkreuz, und bot den ans fetucnt iSn'imb und Boden gewachsenen Weizen weit über den Marktpreis mit 2490 bis 2500 Mark-an. Dieser Preis wurde von den Getreide- Händlern als s ch a m lose A lt s b eutung angesehen. Doch damit nicht genug, verlangte dieser kernfeste deutsche iUmm anher dem Wucher preis die Bezahlung i n D o (l a r w ä h r it n g! tt® tttt A Znr dringenden Beachtung! Die politische Lage ist bitter ernst. Unsere Aufgaben werden immer schwieriger und umfangreicher mtb erfordern ständig g röste re Mittel. Wir sehen uns deshalb gezwnngen, in erhöhteur 'Maße dnrch ehrenamtliche Helfer an unsere Glaubensgenossen heranzntreten und sie um Erhöhung ihrer Nhitgliedsbeitrage und um freiwillige Spenden zu ersuchen. Diese Helfer srndwon. uns mit einem Allsweis ausgestnttet, der gestempelt ist und zwei Unterschriften trägt. Nur unbedingt vertrauenswürdige Damen lind Herren werden voll unZ mit dieser Allfgabe betrank. Zur Vermeidung jeglicher Jrrtümer und zur Vereinfachung unserer Kassensuhrung wird jedoch dringend darum gebeten, bei diesen lediglich die Zeichnung der Geldbeträge vornehmen zu wollen, die Betrage selbst aber stets unserem Postscheckkonto (Berlin Nr. 30472) überweisen zu wollen.- Tödliche Bedrohung — kein öffentliches Delikt. Irr bedauerlicher Weise mehren sich die Talle, in denen denksche Staatsanwälte schwere antisemitische Ausschreitungen, auch wenn sie in unverkennbarer Weise -'den Tatbestand der Aufreizung gegen eine Bevölkerungsklasse und der gefährlichen Bedrohung enthalten,ex oilo zu der folg er; ablehnen. Der letzte derartige Fall -ist der folgende: out schlesischen Kurhotel Salzbvunn, -in dem eine starte antisemitische Strömung unter den Kurgästen herrschte, -wurde eines Tages der jüdische Kaufmann Wolfs Weist aus Berlin, ein Mann von fast 7v Jahren, durch einen jungen 'Menschen, der als der Bauleiter Alfred Sooft mann festgestellt wurde, ohne jeden Grund in rohester Weise angerempelt und unter tollsten antisemitischen Beschimpfitngen Znit den" Worten: „S i e s u ch e ich gerade. I e t; t s ch läge 1 ch S t c t o f!" am Leben bedroht. Ter Syndikus unserer Ortsgruppe Breslau erstattete im Namen jenes Kaufmanns die Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in W a!l d e n b u r g. D e r d o r t i g e S t a a t s a n lo a i t ct b e r t e i l t e k n r z e r h a n d m i t, da st e r i u (y v nt ct n g c l n n g d e s ö f f e n t l i ch e n I n t e r e s s e s d a s B e r f a h r e n a e g e n H o f s innun ein st e l l e.^ Wir legten sofort bei der nächsten Berufnngsbehörde, der Oberstaatsantvaltschast •hi S ch w e i d n i tz , Beschwerde ein und wiesen daraus hin, dast der Beschuldigte den Verletzten in diesem Falle nicht in seiner Person, sondern als Vertreter der Judenschaft und namentlich der jüdischen Uurgäste angegriffen und mit Totschlag bedroht habe, und dast ein derartiges Vorgehen, das angesichts der gereizten Stimmung leicht die schwersten Folgert nach sich ziehen könne, doch wohl, int össentachen Interesse zu "verfolgen sei. A der a n ch der O b e r st a a t s - a u lv a l t i tt S ch w e idnitz tv a r d e r nt e r t U) ü t d i g e n A n - I i ch t, da ß die SDcffcntli ch teil a n d er Be st r a f u n g \j it c s 2l i f r e d Hoff nt a n rt kein Interesse habe. Der Oderstaatsanwalt erwähnte hierbei, daß Hosfmaltn sich dnrch ärztlsthes Zeugnis als schwer triegsbeschädigt und nervenleidend ansgevoiesen habe, ihm somit die in Aufregung begangene Handlung nicht Voll angerechnet loerdeit dürfe. Auch -gegen diesen Bescheid wurde von uns linoerzüglich Beschwerde eingelegt -und in dieser hervorgehoben, Vast das Nervent-eiden -des Be-schlckdigten allenfalls bei der Strafueutessung, doch nicht bei der Strafverfolgung in Frage kommen Gnne. Ueberdies sei es bekannt, dast der deutschvottische Schtltz- und Drntzbnnd-sich bei derartigen Ausschreitungen mit Borliebe einzelner Kriegsinvaliden bediene, bei denen auf weitestgehende Nachsicht gerechltet loerden dürfe, Der Gen e r a -l st -a -a t s a lt ro a l t i n B r e s l a u h a t h ie r a u f m i t Er f a st vo nt 1. I ul i d. I. d en A m t s a n n\a l t .in W a l b c n 0 it r g a n g c lv t e j c it, g e ge n d-e n B a-u f ü h re r A l f r e d H o f s nt a nn d i.c ö s s e ntli ch e K l a g e w e g e tt B e d r o h n u g"Z u erheben. ■ - - „Mrre Anslreibnng aller Jrrderr ans Deutschland ist unmöglich, wäre eine Barbarei, wäre auch ein Schaden für unsere 5lnltvr. Alle höhere Kultur, der heutige Bestand der höchststehenderr Völker berrcht auf Rasien-- urrfchung. Nicht jede Rastenmischurrg freilich schafft § gutes Meuschemrraterial. Die Mischung von sehr hoch 8 und sehr niedrig stehenden Menschen erzeugt unausi geglichene CharEerthpen oft der schlimmsten Art: & Menschen, welche die schlechten Eigenschaften der g beiden gemischten Rasten haben; aber die Mischung » I einigermaßen sich nahestehender Typen von Menschen g g ^arf nach unserer heutigen Rastenlehre als eine Nr- 8 fache der körperlichen und geistigen Hebung der 8 Eigenschaften gelten. Wir haben also keine Ur- 8 fache, die Eristenz von 615 021 Israeliten unter 8 Kvvvv vvv Einwohnern in Deutschland für bedenk- 8 lich oder sogar schädlich zu halten, ja, es scheinen mir 8 trrftige Gründe für das Gegenteil Zn sprechen." 8 G n ft a v S ch n; oller. 8 (In seinen: Werk „Zwanzig Jahre deutscher Hslilik"). Die Iu-enstatiftik öes preußißhen Ztriegsminifteriums, E i tt e S ch r tf t P r o f c f f o r F r a n z O p p e tt h e i m c r s. Für den Kamps gegen die noch immer nicht zur Ntrhe gekounnettc-n Beschuldigtltt-gett gegen die deutschen Jtl-dett, dast sie im Weltkriege ihre Pflicht nicht erfüllt hätten, liefert Pros. Dr. Franz Opp.enheimer, Franksttrt a. Nt., in seiner soeben erschienenen Broschüre „Die Jndenstatistit des Pretißischen Kriezsministerinnts'J eine fchn-eidige Waffe. Die Bewssentlichuttgen, die von atttise-ntitifcher Seite sich mit dieser Frage beschäftigen, die Arttun-sche Broschüre nno das M-euwirewvert des unseren- Lesern hütreicheltd bekattutett Genera!rv. Wrisberg: „Heer und He int nt", erfahren durch die temperntnentvoll geschriebenen -und fachlich -unanfechtbaren A'usführuugett des bedeutenden Nntionalökonomen eine so gründliche Kritik, daß küttftig diese Behauptuttgen nur von ungetvöhnüch tutverfrorenen Demagogen aufrechterhalten werden dürsten. ' . Atu Schluffe der Broschüre stellt O p p e nhe i nt c r als Ergebnis und als Folgerungen folgendes fest: „Wir stehen" am Ende unserer, kritischen klitterfuchmtg dieser famosen Statistik, die nur gefährlich war, wie alle Gespettster, so lange sie sich nicht an das Licht des Tages tvagte. Jetzt hat ne sich als eitt Besenstiel mit eiu-enr Leintuch enthüllt, und --- das Lächerliche allein tötet! Aber wir dürfen doch fragen, ob es nötig vaar, deur Kriegsministeriunt diese an gehen re Blamage -zu bereiten. Ihm stand die ganze Wissettschaft der dentscheti Nnioersitüten, ihm standen, lvenn -es nur hätte fragen toollen, alle Statistiker Deutschlands als Berater zur Verfügung. Auster .dem Schreioer dieses war int Kriegstninifterium und feinen zahlreichett Anuex-en eine^ ganze A'ttzahl der angesehettstett, in der Statistik erfahrenert Nationalökonomen von Fach: hat tnau keinen gefragt, oder ist einer von ihnen an dieser kolossalen Torheit schuld? Oder hat man auch hier wieder n-ur Offiziere ohne jede Vorbildung arbeiten lassen, ohne eine Ahnung,, daß auch solche Dinge gelernt werden -und verstanden sein wollen, wie man etwa Offiziere ohne jede kaufmännische. Vovbitd-ung Hab Emkäuf-e tätigen lassen unter katastrophalen Folgen^für die detttschen Finanzen . . .? Diese Frage zustellen, hat die Oesfentlichkeit, habert wir schwer in unserer Ehre gekränkten, in nnfer-er Sicherheit und vielleicht sogar in unserer Eristeuz bedrohten detltscheu Inden ein gutes Recht. Wir halten es für rächt nur möglich, sondern für wahrscheinlich, daß Herr v. Wrisberg, den wir als einen wahren Edelmann kenuert, unsere kritischen Gründe mit aller Ehrlichkeit -und Besonnenheit nachprüsen und sein uus kränkendes Ilrteil ätident wird. Aber das wird das Unheil n-i-cht gutmachen, das diese Veröffentlichung sicherlich angerichtet haben tvird. Die Herren vom Hakenkreuz, die Antifentiten von Berns, tv-erden itnentuiegt .behaupten, daß sich in der Etappe 11 Prozent Inden besundett habett, -und -werden nach wie vor sich aus diese Statistik berufen. „Hilft nichts, der Jude lvird verbrannt/' Wir müßten die MenkalitäL dieses Völkchens schlecht ketlnen, nvetrn sie nicht sogar in dieser Widerlegung eine Probe jüdischer Frechheit erblickten. Wir können -uns -nicht helfen; wir müssen durchhalten. Hab müssen versuchen, nach unseren Kräften daztt tn-ikzttwirken, dast all das Elend, das diese Mentalität über unser Vaterland -gebracht hat, toieder geheilt werde. Wenn wir dabei andere Wege einzuschlagett durch -mtsere Kentnisse und unser Gewissen gezlmtngett sind, wie diejenigen, die-Herr v. Wrisberg und die meinen für die ektzig fegensvoll-en haltett, so wird -uns ihre Mißbilligung nur deloeiseu, dast unser Wog der rechte ist." /) Professor Franz Oppenbeimer ,.Die JudenstatiNik des Preußischen KriegsministeritiNtsO Verlag für Kt:ltt!rpo'litik. München IE.