Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 14 (10.8.1922)
- Date
- 1922-08-10
- Page
- Seite 176 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277380-2277394--00191-2279294- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
„Baldur", G« m. b. H. So ürgermanisch benamset ist eine neugegründcte Ponnnersche Kinogesellschaft, die insbesondere auch den . Wanderkinobetrieb pflegen will. Da die Geschäftsleiter des Unternehmens mit den- Führer der Deutschnationalen Partei in Ponuncrn beziehungsweise des Schutz- und Trutzbundes identisch sind — auch der bekannte Herr Hundeiker tut mit — läßt sich Art und Zweck dieses Fitmbetriebe's leicht erraten. Selbst die Vermutung, daß es sich überhaupt nur um eine Verschleierung des aufgelösten Schutz- und Trutzbundes handelt, liegt nicht fern. Jedenfalls bitten wir unsere Freunde in Stettin und Umgebung, uns über die „Baldur"-Nllnwerke gelegentlich zu berichten. Eine charakteristische Anklage. Im bayerischen Landtag hatte der Abgeordnete Schlittenbauer eine Interpellation eingebracht, daß über den Kopf der Viehablieferungskommisfion Berlin hinweg die Viehablieferung an Italien den: Berliner jüdischen Viehhändler W e r t h e i m e r übertragen worden sei und daß dadurch das Reich um außerordentlich hohe tzvunnnen geschädigt worden sei. Die Pressestelle des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hat dazu eine Erklärung veröffentlicht, in der sie darlegt, daß bayerische Organisationen keineswegs übergangen worben seien, daß gerade diese Organisationen eine Preiserhöhung gefordert hätten, daß dieselben ferner, ehe die Verhandlungen zum Abschluß gekonunen wären, erklärt hätten, nicht liefern zu können. und daß aus diesem Grunde der Viehablieferungskommisfion nichts anderes übrig geblieben wäre, als sich an die Firma Wertheimer zuwenden. Diese Firma habe in der Tat die Lieferung um mehr als drei AL illionen billiger als die b a y e r i s che n Or gan i s a t i onen n b e r n o m m e n. Unrichtig sei ferner, daß der Firma Wertheimer die gesäurten Lieferungen an Italien übertragen worden seien, und daß durch Hinauszerrung der Verhandlungen oem Herrn Wertheimer zuliebe Millionen vergeudet worden wären, und schließlich, daß der Firma Wertheimer andere Vergünstigungen zugestandcn worden seien. Der gegen die Firma Wertheuner erhobene Vorwurf ist also d u r ch a u s unberechtigt. Ein Brief des Reichswehrministers. Vor einiger Zeit kam cs in Königsberg zwischen einem jüdischen Herrn und einem Oberleutnant der Reichswehr arg der Plattform eines Straßenbahnwagens zu einem Zusammenstoß, weil der Offizier, als eine jüdische Dame mit ihrern Bruder den Straßenbahnwagen verließ, hinter diesen herspie und sich äußerte: „Ein Deutscher und zehn Juden". Der jüdische Herr stellte deswegen den Offizier zur Rede, erhielt aber weder von ihm noch vom Kommandeur des Regiments eine befriedigende Erklärung. Er richtete deswegen an den Reichswehrminister eine Beschwerde, die diesem durch unsere Vermittlung übergeben wurde. Daraus erhielten wir einen Bescheid, in dem es heißt: . . hat die Untersuchung ergeben, daß Oberleutnant Schwärck im 1. Preußischen Infanterie-Regiment eine derartige, nicht zu billigende und bedauerliche Aeußernng tatsächlich getan hat . . . Ihm ist diese Bemerkung in der Erregung über allerhand Unbequemlichkeiten, denen er kurz vorher ausgesetzt war, entglitten. Wenn er ausgespuckt hat — er war stark erkältet — so erklärt er arrsdrücklich, dabei keinesfalls die Absicht gehabt zu haben, irgend jemand seine Verachtung zu bezeigen. Ich mutz zugeben, daß die Worte durchaus geeignet waren, Herrn Eichelbaum in seinem Selbstbewußtsein als Deutscher 31t verletzen und habe Veranlassung Genommen, dies dem Offizier zu eröffnen und ihm das Ungehörige seines Verhaltens eindrillglich klar 3 u mache n. Ich stehe nicht an, mein Bedauern über den Vorfall zunl Ausdruck 31t bringen. Gegen derartige Vorfälle innerhalb der Wehrrnacht gehe ich mit der größten Schärfe vor, da ich sie nicht zu billigen und zu entschuldigen vermag. gez. Dr. Gehler." Gleiche Brüder, gleiche Kappen. Derrr bekannten ungarische:.! Terrorossizier Iwan Häjjas, dem ungezählte, mit bestialischer Grausamkeit verübte Mordtaten llachgewiesen wurden, rind der mich hellte noch du „Detachement", das heißt eine organisierte Raubmörderbande, unterhält, von der er kürzlich erklärte, daß keine Macht der Erde sie aufzulösen imstande.sei" — diesem sadistischen Massenmörder, den Herr Horthy mit seiner besonderen Freundschaft auszeichnet und gegen den somit Regierung wie Staatsanwaltschaft machtlos sind, ist kürzlich von d e u t s ch e r Seite eine bemerkenswerte Auszeichnung widerfahren. Ein Betrauter des Reichsdeutschen V e r b a n b e § n at 10 n a l ges innter Soldaten überbrachte ihm die V e r b a n d s m e d a i l l e auf schwarzweißrotem. Bande mit den, Schwertern. Die gleiche Auszeichnung ist dem Vater und den vier Brüdern Höjjas^ zuteil geworden. Ein deutsches Sprichwort lautet: „Sage mir, mit wem dir umgehst, und ich will dir sagen, lver bu bist." Freundschaft zwischen Christen und Inden in Siebenbürgen. Der Liebenbürger reformierte Geistliche Michael Szabolcska, der ein gefeierter ungarischer Dichter ist, machte kürzlich in Klausenburg die wenig bekannte Mitteilung, daß der grötzte Teil der Siebenbnrger Kirchen mit jüdischem Golde erbaut wurde, und begründete unter anderem darnit die tiefe Erregung unter der Bevölkerllng wegen der I ud env e r f0 lgungen in H 0 r t h y - U n a a v n. Nun berichtet das in Szatmar erscheinende ungarische Blatt „Szamos" über den interessanten Fall, daß die Bauern der Nachbargemeiuden von Osubog sich vereinigt haben, u m d c n I u d e n dieser G e m e i n b c u den Bau einer Synagoge zu ermöglichen. Die Bauern führen die erforderlichen Arbeiten nach dern System der „Kalaka" (der gemeinsamen Arbeit) ohne jedes Entgelt aus. Besonders wird arrf diese Welse die unentgeltliche Beistellung von Fuhrwerken für das Material beschafft. " ~ Der „jüdische" Wucher. Angesichts der nie verstummenden antisemitischen Behauptungen, daß die Lebensmittelteuerung aus „jüdischen Wucher" zurückzuführen sei, verdienen die Auslassungen zweier bayerischer, gewiß nicht judenfreundlicher Blätter über dieses Thelna einige Beachtung. So schreibt das „Bamberger Tageblatt" in Nr. 95: „Am schärfsten brandmarken die „Verkehrsblätter", das Organ des bayerischen Verkehrs'beamtenvereins, die Be w uche r u n g der Verbraucher durch einen Teil der landwirtschaftlichen Bevölkerung, indem sie schreiben: „Der Beamte erhält den vierten Teil seines Fviedenseinkommens, legt also 75 Prozellt seines Arbeitsertrages auf. den Altar des Vaterlandes nieder. Was tut aber der Bauer? Er fordert und erhält für seine Erzeugnisse und seine Arbeit den voll e n G 0 l d l 0 h n. Mit demselben Recht, mit dem der Bauer für Mehl, Eier, Fleisch den Goldpreis, d. h. das Sechzig fache bis Hundertfache des Friedenspreises, als etwas ganz Selbstverständliches verlangt, mit demselben Recht können die Beamten für ihre Arbeit auch den Goldlohn verlangen." Und die „Münchener Neuesten Nachrichten" führen in einem Artikel „Konsumentenkammer und Teuerung" (Nr 168) ails: .„Die Konsumentenkammer für das süddeutsche Bayern hat an die Ministerien des Innern für Halldel und Industrie und Landwirtschaft folgende Entschließung gerichtet: „...Die Erzeugerpreise bleiben von der Tätigkeit der städtischen Preisprüfungsstellen unberührt. Die staatlichen Behörden müssen ihr Augenmerk auf die ländlichen Preisprüfungsstellen richten." Es muß die Tatsache hervorgehoben werden, daß gerade bei den landwirts ch a s t l r ch e n P r 0 d n k t e n des eigenen Landes die größten P r e i s st e i g e r n n g c n gegenüber den Preisen der Vorkriegszeit eingetreten ftnb. Hier endlich einzugreifen, ist höchste 3 e i t." Im „B a y e r i s ch e u V ater I n n d", dessen Gründer der berüchtigte Dr. Sigl war, lesen wir in der Nr. 107: „Alle Welt jammert und schimpft über die sinnlose Preistreiberei auf allen- Gebieten, besonders über den unerhörten Wucher, der heute bei den Lebensmitteln und den Gegenständen -des täglichen Bedarfs getrieben wird. Die Zeitungen aller Farben wettern dagegen und fordern strengste Bestrafung der Schuldigen. Tie Parlamente beraten über Mittel und Wege zu gründlicher Abhilfe, die Regierungen senden alltäglich Mahn-- unb Warnrufe in die Welt hinaus und erlassen eine Verordnung um die andere, um, den Uebelständen abzuhelfen und den ganz besonders schwer darunter leidenden Mittelstand vor gänzlicher Verelendung zu bewahren-. Man sollte daher glauben und hoffen, daß die öffentlichen Körperschaften, insonderheit der Staat selbst mit gutem Beispiel voranginge. Leider ist dem nicht so. Erst vor wenigen Tagen konnte man in den Tageszeitungen als eine ganz neue Erscheinung Strafanzeigen wegen Preistreiberei gegen Gemeinden lesen und hören, daß gegen mehrere Gemeinden in Unterfranken wegen wucherischen Vorgehens bei Brennholzabgabe von der Landeswiicherabroehrstelle mit Strafanzeige vorgegangen werden mußte. Kürzlich fand im bähe r i s ch e n -O berl a it d e eine große H 0 l z v e x st eigeru n g von mehreren Forstämtern statt, für welche wie immer von der Staatsforstverwaltung die Richtpreise. (Forsttaxe) zeitgemäß festgesetzt waren. Wer beschreibt nun das Erstaunen der erschienenen Steigerer, als im Termine selbst vor Beginn der Versteigerung der leitende Beamte im Aufträge der Regierung verkündete, es werde unter mindestens 60 Prozent über diese Preise überhaupt nichts abgegeben! Was rvar die Wirkung? Daß niemand steigern konnte und -wollte. Ein solches Verfahren spottet aller Kritik; nicht nur, daß es gegen Treu und Glauben iur Geschäftsverkehr verstößt und geeignet erscheint, Autorität und Ansehen der Behörden, die durch Krieg und Revolution ohnedies schon sehr gelitten, noch vollends zu untergraben; es erschwert und verteuert das Bauen und hindert so gemeinnützige und private WohmmgsbauLätigkeit und soziale Fürsorge; es macht ferner eine Beteiligung kleinerer Steigerer unmöglich und ruiniert so den Mittelstand auf'diesem Wirtschaftsgebiete noch vollends. Wer schreitet dagegen ein?" Also das j itbe n gegnerische „Baye r ische Bat e rland". Wird es einsehen, daß es auch unter den christlichen Deutschen, sogar in Bayern, sogar iur Oberland, sogar unter den Regierungsbeamten Leute gibt, die die „Konjunktur ausnutzen"? & Ter „Rheinische Bauernverein", dem hauptsächlich katholische Agrarier angehören, hat nach dem Muster der ostelbischen Landbündler jede Mitarbeit an der Durchführung der Getreideumlage abgelehnt. Diesem Beschluß widmet das Blatt L-tcgerwalds, „Der Deutsche", folgende kräftige Beurteilung: „Krassester Eigennutz (der kein Verständnis für die Not des Volkes bar) ist die Quelle, aus der die Entschließung des Rheinischen Bauernveremsausschuss-es seftossen ist. Wer so wie der Rheinische Bauernverein — und mit ihm andere landwirtschaftliche Organisationen — legal zustande gekommene Gesetze und damit das Recht sabotiert, macht sich miMuldm an der Untergrabung staatlicher Ordnung und Autorität. Das ist um io gefährlicher, wenn diese Untergrabung des Nechtsaedcinkens in -den Grenzgebieten erfolgt, wo die Feinde des Reiches nur darauf warten, künstlich