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Central-Verein-Zeitung · 1922-08-10 · 14 (10.8.1922) · p. Seite 174

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
14 (10.8.1922)
Date
1922-08-10
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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174 i n n e r lichung, die uns nach unserer vielfach recht unwürdig begründeten und vorgenommenen Einbürgerung (der „Emanzipation") durch die Triebkraft materieller Kräfte abhanden kam. Man kann den Juden Vorwersen, was man mag: Nie waren sie in vergangen e n Tagen Materialisten und Mammonisten. Das ftnd sie erst mit ihren Mitbürgern anderen Stammes und anderen Glaubens, find sie erst durch die Zeit geworden, die sie von der Erkenntnis der Wesensart und der Werte ihrer Ahnen allzusern hielt. Würden alle jüdischen Menschen, gleichviel wie sie zu den einzelnen religiösen Problemen stehen, der Entwicklung ihrer Gemeinschaft auch nur ein geringes Verständnis entgegenbringen, man würde es zunächst an der gesteigerten Selbstachtung und an einem höheren Maße von Selbstwürde bemerken. Nnd darin liegt das Problem beschlossen: Nicht „innere Mission", nicht ein ungeklärtes Tadeln, sondern Hebung der Selbstwürde ist vonnöten. Das alte Wort, daß das Beste, was Gott Israel gab. er ihm durch die Leiden gewährte, bleibt immer noch wahr. Wir empfinden die uns täglich neu zugefügte Schmach auf das heftigste; lernen wir daraus jedes Unbill daraufhin zu prüfen, wie es daS Gefühl für unsere Selbstwürde zu steigern vermag? Das gilt an sich in gleichem Maße für Männer und Frauen. Wenn auch die Hauptaufgabe der Frau stets die Erziehung des kommenden Geschlechts bleiben wird, so verfolgt die Frauenwelt heute doch längst verständnisvoll das Geschehen des öffentlichen Lebens und vermag aus diesem Geschehen allein genug zu lernen, um den Einzug der Selbstwürde in das jüdische Haus zu fördern. Mit dein Gefühl solcher Würde aber wird die Verantwortlichkeit des jüdischen Menschen wachsen und die Zahl jener Leichten, Prahlfüchngen, Verantwortungslosen abnehmen, die das deutsche Judentum durch Gesinnung und Handeln stündlich beschmutzen. Dieses Gefühl für Selbstwürde wird in der schweren Not unseres Vaterlandes die Menschen leiten, wird sie veranlassen, der Not der Leidenden nicht zu vergessen, die Ehre unserer Gemeinschaft unter allen Umständen, mit Ausbielen des letzten aufrechtzuerhalten und wird die Ichsucht bekämpfen, von der das alte Judentum sich stärker frer hielt als die Nachwelt. Baeck sagt einmal'), aus der jüdischen Geschichte spreche eine große Ehrfurcht, sie besitze ihren Adel, wenn anders wahrer Adel die Einheit von Erbe und Leistung, von Glaube und Tat, von Gewordensein und Erfüllen sei. Viele lachen und spotten über einen, der sich mit jüdischer Entwicklung beschäftigt und aus ihr lernen will. Doch die Zesten der wirtschaftlichen Not werden auch für unsere jetzigen „Verdiener" kommen, und sie werden dann vielleicht einen Trost in der Erkenntnis finden, daß wir uns von allem Schweren, das uns die Vergangenheit beschert hat, immer wieder erheben konnten, sobald Selbstwürde und Selbstachtung die Verantwortlichkeit in unseren Reihen stärkte und uns widerstandsfähig machte. Deshalb halten wir uns in unseren Kreisen immer wieder die große Kernfrage des jüdischen Lebens vor: Wie heben wir unsere S e l b st w ür de? Hier liegt der Schlüssel zum Tor der Erfüllung, hier die wahre „innere Mission". -') Jnr „Wesen des Jndeutmns", T. 148. DIIIIII>IIIIIIIIl»II«lllUII!«IIIIIMIHIllI»I»UlIIIIlIIlIINIIIl»I!II!iIIII»»»IIlI»IIIIII»IIIIII,IIIII„IL An die Mitglieder des C. V.k Wenn Ihr Verlobungen, Vermählungen, Geburten in weitesten Kreisen bekanntmachen wollt, benutzt die familim-Nmeigcn der c. 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Aber aus einem Aufsätze, den er in den „B r e s l a u e r N eite st c n Nachrichte n" veröffentlicht, geht hervor, daß sür ihn der Trennungsstrich die Folge reiflicher Ueberlegung war. In diesem Aufsatze, der den DeuLschnationaten noch lange in den Ohren klingen wird, heißt es: „Welche Partei findet sich denn zurzeit bereit, mit der Deutschnationalen Volkspartei zusammenzilgehen, so lange sie in ihren Reihen Elemente birgt, die schon zunrzweitenMale nicht nur die Partei, sondern das ganze deu t sche Vo Lk in die Gefahr schwerer Katastr ophen ge stürzt haben 5 Die Deuts.chnationale Partei sei völlig koalitionsunfähig, solange sie eine Richtung in sich ertrage, die in einem direkten w i d e r ch r i st l i ch c n Geist einen leidenschastlichenHaß ohne Grenzen gegen bestimmte Persönlichkeiten oder eine ganze Kategorie deutscher Staatsbürger in Wort und Schrisr propagiere. Das löse in unreifen Köpfen den „Willen zur Tat" aus, der sich schließlich in fluchwürdigen Verbrechen auswirke. Die Entwicklung der Verhältnisse in Baheru spreche nicht gegen die Unmöglichkeit der antisozialdemokratischen Politik. Tie Dcutschnationale Volkspartei aber habe sich s e l b st a u s g e s ch a l t e t durch ihre verfehlte Parteitaktik; die habe die Partei gehindert, mit den übrigen' bürgerlichen Parteien, obwohl als Oppositionspartei, in der so notwendigen innerpolitischen Fühlung zu bleiben. Gegen die Auswüchse in ihrer Presse habe sie nie rechtzeitig Stti£uria geno m m e n." Die D e u t s ch n a t i o n a l e P a r t e i k o r r e s p o n d e n z hat nicht die Klugheit besessen, hierzu zu schweigen, und hierdurch ermutigt, zieht auch .Herr M aurenbreche r in der „D e u t s ch e n Zeitung" gegen Düringer zu Felde, indem er sein Verhalten als „empörend", „tief beschämend", „gehässig" und „sinnlos" bezeichnet, worauf er sortfährt: „Um so unverständlicher ist es uns, wie der Vorstand der DeuschnatiOnaten Volkspartei es zulassen konnte, daß einem solchen der Partei nur „äußerlich angehörenden Mann" in der Stunde ernster Gefahr die Vertretung der Deutschnationale n anvertraut wurde. Seit langen Monaten brachten zahlreiche Mitglieder der deutschnationalen ‘ Fraktionen Exzellenz D n ringer.unbegrenztes M ißtrane n entgegen, und daß die Parter- \m Lande nicht schon iauim Einspruch gegen seine Tätigkeit erhoben hat. liegt lediglich daran, daß man draußen über seine Person nicht genügend Bescheid wußte. War dem Parteivorstand das alles unbekannt V‘ Inzwischen hatten es die „schwarzen Schafe" der Deutschnationalen, die, wie Herr Wulle erklärt, nicht aus der Partei ausgeschieden sind, sondern nur ihre Mitarbei t i n d e r R e i ch stagssr aktiv n ausgegeben hätten, unternommen, -ihre „splendid isolation" durch Gründung einer Völkischen Freiheits- Partei zu beseitigen. Hellhörige behaupteten, daß, um diese gründen zu Helsen, der italienische Fascistenführer Musso l i n i nach Berlin kommen werde, weil wahrscheinlich noch nicht genug deutsches Blut geflossen ist. Tie „Deutsche Zeitung" aber wiegelte ab, stellte Mussolini als „verjudet", daher unbrauchbar, dar, und — er kam nicht. Dafür aber kam eine andere „Sensation". In der deutschen Tagespresse erregte eine Veröffentlichung des „Vorwärts" ungeheures Aufsehen. Es war ein Briefwechsel zwischen dem Direktor S o n t a g vom „D e u t s ch e n Tageblatt und General L u d e n d o r f f. Sontag schreibt: „Durch den unglaublich törichten Beschluß (den Ausschluß Hennings), der Zweifellos von dem'Wunsche eingeaeben ist, bei einer Abstoßung der Völkischen in die bürgerliche Arbeitsgemeinschast eintreten- und damit den Weg zu den Ministersesseln für Hergt und Genossen eröffnen zu können, wird für uns ja nun eine außerordentlich klare Sachlage geschaffen, die ich besonders auch im Hinblick aus unsere Konferenz am nächsten Sonnabend begrüße. Denn mußten wir den Gedanken an eine völkische „Parteigründung" zugunsten eines mehr bundesähnlichen Gebildes so lange zurückstellem als die prononziert völkischen Vertreter iw Parlament sich der Neugründung versagten, so haben wir nunmehr freie Bahn, statt des geplanten Freiheitsbundes, eine FreiheirLsPartei mit au^ gesprochenem völkischen und sozialen Charakter zu schassen. Zch' hoffe demgemäß, daß wir bei dieser veränderten Sachlage am Sonnabend zu positiven Ergebnissen kommen werden, über die ich mir gestatten werde, Ew. Exzellenz sofort zu unterrichten. . . Wieder also, wie so oft in letzter Zeit, taucht hinter völkischer Arbeit der 'Schatten Ludendorffs auf. Liest man den in der gleichen Nummer des „Vorwärts" veröffentlichten Brief des Generals über den „verjudeten" General Ho ff mann, so sieht man mit Erstaunen, wie völlig Ludendorff sich in deutschvölkischen Netzen ve r str i ckt h a tx '

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