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Central-Verein-Zeitung · 1922-08-03 · 13 (3.8.1922) · p. Seite 168

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
13 (3.8.1922)
Date
1922-08-03
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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168': Leute auf der Straße französisch reden Höre." So hohe, selbst geistig so hervorragende Deutsche der früheren und der jetzigen Zeit beschämende Ansprüche stellte dieser deutsche Jude an sein eigenes Deutschtum! Freilich, Auerbach hatte auch an dem Zustandekommen des deutschen Einigungswerkes mit hingebender Begeisterung und einem heiligen Feuer mitgearbeitet. lieber eine Unterredung, die F r a n z Z i e g l e r in der Konsliktszeit mit Auerbach hatte, schreibt der Dichter an seinen Beiter Jacob: „ . . . Ich bin seit gestern n n s ä g l i ch g l ü ck t i ch in denn Gebauten: ich erlebe' noch die 'deutsche Einheit. Ich sterbe d au n g e r u e . . Mit welchem patriotischen Hochgefühl beteiligte er sich an der wirksamen Politischen Ausgestaltung der Ereignisse von 1870/71 für das große Eimgnngswerk. Z w e i F l n g b l ä 1t c r aus der damaligen Kriegszeit, die aus dem „Schwäbischer Merkur" (Juli 1870) in zahllose "deutsche Blätter übergegangen sind, verdienen gerade in der heutigen Zeit, wo sich das Schicksal für Deutschland so' jäh gewandelt hat, wieder in Erinnerung gebracht zu werden. Das eine ist an Viktor Hugo Persönlich gerichtet, der damals, um Paris zu „reiten", eiben schwülstigen „Ausruf an die Deutschen" veröffentlicht hatte, in dem der französische Dichter aus die deutsche Armee, die es etwa wagen sollte, „die Metropole der Zivilisation", „Paris, den Herzschlag Europas, die Stadt der Städte", durch eine Belagerung zu zerstören oder auch nur zu schädigen, Schwefel- und Pechregen herabfluchte, utib diesen „gottlosen, verblendeten Deutschen ewige Schmach prophezeite". Auerbach erwiderte in würdigen'und doch markigen Worten, in denen er der Welt zeigte, wohin das geistige Prestige, „Anmaßung sich wagt". Der „v e r d e r b l i ch st e T y r a n u der Franzose n" sei die P h r a s e. Viktor Hugo wage es „noch heute die Sünde, das Dogma zu erneuern: I ch, das s r a n z ö s i s ch e Volk, bin das Volk "der Nt e n s ch e n i d e e. Es soll t e i n ander esVolk neben mir i n s e i n e r S e l b st e h r e b e st e h e n." Nicht viel anders klingt es heute aus den Reden der Herren Poincaro, Briand und Millerand — höchstens noch um einige Grade anmaßlicher in eitler Selbstbespiegelung. Das andere Flugblatt: „Was will der Franzos? Und was will der Den: f ch e?" berührt uns heute, in der Erinnerung, unsäglich schmerzlich! lim fo schmerzlicher, als alles, was der Dichter über „den Sinn des Kriege s", was die Gegner anbelangt, heute, wo die Rollen der Sieger und Besiegten vertauscht sind, recht b e h a l i e u h a t, so bnch stä b l ichre ch t behalten hat, als ob er das V e r s a i I i c r brutale g rieben Straftat von 1919 s ch w a r z auf w e i ß v o r Am g e n gehabt hätte. Also: Was w olle n die Fr a n - Zofen? „Sie wollen den Vorrang, die Vor m u n d s ch a f t ü b c r d i c Völker, das sogenannte P r e st i g e. Sie erfrechen sich, dem N a ch b a r v o l k e z u sagen: D u darfst d i ch nicht w o h l befinden, weil ich mich auch nicht wohl befinde: du darfst deine Angelegenheiten nicht ordnen, wie es dir gut dünkt: du mit ft t die Suppe essen, wie ich sie falze, und natürlich gehört vor allem mir zuerst, was mir schmeckt." Und nun kommt, was das geistige Auge des Dichters schon damals geschaut, die Aufzählung alles dessen, was den französischen Gaumen seit einem Jahrhundert gekitzelt, wonach er gelechzt: „Auf unseren Bergen grünen die W ä l d e r — die F r a n 3 0 f c n haben ihre Wälder verwüstet. Und tief unter der Erdtrume, Darauf der Landmann arbeitet, ruht von Urzeiten her die K o h l e, die . 'unser Gewerbefleiß fördert. Die Franzosen wollen sich unsere Kohlenländer a m R h e i n und an der Saa r h 0len und sprechen dabei von Freiheit und Zivilisation, die sie uns bringen wollen." Was 1870/71 Frankreich nicht gelungen ist, sucht es jetzt, doppelt und dreifach nachzuholen: Deutschland zu zersplittern, in Atome aufzulösen, aus einem freien, aufrechten Volte eine Herde von Sklaven zu machen, die einem blutsaugerischen Nachbarn in alle Ewigkeit Frondienst zn leisten habe. Aber wie der erste Teil der Prophezeiung des Dichters sich — Leider — erfüllt hat, so bewahrheitet sich hoffentlich auch Ihr zweiter Teil: „W i r 1 affe n it n s nicht m ehr 3er reifen, damit wir in der Getrenntheit nichts sind und nichts gelten!" Ausstellung jüdischer Rultgegenstände. Die zurzeit im Handelshof zu Stuttgart stattsindende Ausstellung für Kirchengerät und Kirchenschmuck hat auch eine Unterabteilung für dieses Kunstgebiet jüdischen Gepräges und Zweckes aufzuweisen, die sehr beachtenswert erscheint. Die Tendenz der Ausstellung ist, 'weniger retrospektiven als zeitlichen kunstgewerblichen Zwecken zu dienen und als eine Art Edelmesse einen Ueberblick über das moderne Kunstgewerbe kirchlicher Richtung zn liefern. Es ist erfreulich, daß hier, in dem Lande vorbildlicher konfessioneller Parität, die drei Bekenntnisse in ihrer Kunstbetätignng zu einem Gattzen znsammengeschlossen wurden. Ter Stadtrabbiner Herr Tr. Rieger hat sich ein großes Verdienst dadurch, erworben, daß er jüdische Künstler zttr Beschickung der Ausstellung anregte und so der Allgenteinheit ein Bild von dem jungen, ausstrebenden Kunstgewerbe im Dienst des jüdischen Kultes bot. Die Ausstellung umfaßt in erster Linie Metallarbeiten, unter denen die prächtigen Arbeiten der M e n d e l s 0 h n scheu Werkstätten in Helleran und eine Menorah von Z a d i k 0 w (Berlin) besonders ausfallen. Es ist sehr interessant, wie hier alte jüdische Shmbolik in neuem Gewände erscheint. Friedrich A d l e x (Hamburg) stellt neben seinen bekannten Kidduschbechern die .Kartons zu Glasmalereien für Synagogenfenster ans. Sie zeigen die zwölf Stämme, dargestellt m einer meisterhaften, leicht expressionistischen Manier und glänzender Technik. Die Breslauer" Kunstgewerbestube F r e u d e n t h a l ist außer mit einigen der obengenannten Objekte mit drei eisernen Ehanukahlenchtern von Professor Grotte (Breslau) vertreten. Künstlerisch sehr bedeutsam sind Graphiken von Hermann Kahn und Hermann Fechenbach (Stuttgart): von dem letzteren sind die moderne Auffassung eines Misrachblattes sowie der „Talmudgelehrte" besonders hervorzuheben. Bon' älteren Stücken sind zwei Thoraschilder aus dem Besitz der Stuttgarter Gemeinde zn nennen.'sehr wertvolle Kunstobjekte, deren eines, von den Großeltern Berthold Auerbachs im Jahre 1772 gestiftet, größeres Interesse beanspruchen darf. Im Rahmen der Ausstellung fanden zwei Kirchenkonzerte sowie vier wissenschaftliche Lichtbildervorträge statt, deren einer der alten jüdischen synagogalen Kunst gewidmet war und sich außerordentlichen starken Besuches, auch nichtjüdischer Interessenten, erfreute. Der Vortragende, Professor Dr.-Jng. Alfred- Grotte (Breslau), zeigte, j ausgehend von der restaurierten Synagoge in Kapernanm (Galiläa), Plajvdjz^hjuhzr r *'/ein zn-urid^ t ' CzeÄUcUflZjbzKU- . v/apzfgerjt rj/n U Leinen, Wische, Ausstattungen von der einfachsten Art dis zur vornehmsten Prunkausführung Waschstoffe jeder Art für Kleider, Blusen, Röcke, Morgenröcke,Kinderkleider, Schürzen u$w, Bitte Probensendung Nr. 7S mit Angabe des Zweckes zu verlangen Die Preisliste Nr. 72 K (mit zahlreichen Abbildungen) -wird auf 'Wunsch zugesandt 6n$zzs fSonxJerhavS * fiirL&&nsct%~- atteChßscha Werkstätten Sernard Stadler M.H. Paderborn Herlin, Sielefeld, Sochum, Sremen, Cassel, Düsseldorf. Zrankfurt a. 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