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Central-Verein-Zeitung · 1922-08-03 · 13 (3.8.1922) · p. Seite 167

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
13 (3.8.1922)
Date
1922-08-03
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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167deut scheu I u d e n betonte und mch-t den jüdischen Deutschen. Sie erarisfen Berufe, die es ihnen erntöglichen sollten, das undcmkb>are> Vaterland Zu verlassen. Sie wurden Landwirte. Gärtner, Handwerker nsw., und ihr Beruf wurde ihnen lieb. Sie verbrachten ihre Lehrzeit meist unter Christen und christlichen 'Arbeitskollegen, und da ne ernsthaft ihre Pflicht taten, war schon dies allein wertvoll, weit es gegen die Vorurteile unserer Feinde ohne Worte demonstrierte. Sehr viele von diesen jungen Juden, die wirklich grobe Arbeit tun, sind inzwischen vom Zionismus und von der Absicht, nach Palästina zu gehen, ganz ab!gekommen. Die Begüterten unter ihnen kaufen sich in Deutschland an oder betätigen sich im Kunstgewerbe und Handwerk. Die anderen aber, die von ihrer Hände Arbeit lebenmüssen — und das ist natürlich der größere Teil—, vesinden sich in einer schwierigen Lage. Ein Inspektor oder Gärtner wird in den Fachzeitungen stets mit ..nationaler Gesinnung" gesucht, und diese Sorte nationaler Gesinnung bat kein denkender Jude. Es bleibt diesen jungen Menschen, wenn sie die zionistisch gerichteten Bestrebungennicht teilen, nur die Abwanderung! ins Ausland oder —- der lieber tritt in den kaufmännischen Beruf. Das wird ihnen jedoch schwer, da sie ihre Arbeit lieb haben und sie empfinden, daß ihre andersgläubigen Lehrherrn und Mitarbeiter recht hatten, wenn sie ihnen sagten: „Ja. ihr arbeitet wie wir und scheut keine Mühe, aber ihr bleibt nicht dabei, ihr Juden geht immer wieder zürn Handel zurück." Die heati possidenles innerhalb des Zionismus halten jeden Platz, den sie vergeben, für einen Juden frei, in den 5lreisen des deutschen Juden ist das leider weniger der Fall, und auch die Bewirtschaftung vor: Grund und Boden unserer Krankenhäusir. Kinderheime und Friedhöfe geschieht durch Christen. Was kann geschehen, damit den jungen Landwirten und Gärtnern jüdischen Glaubens die Vakanzen in diesen Berufen zugänglich werden? R. B." Beginnende Einsicht oder Furcht vor Strafe? Herr v. Trotha, Vorsitzender des in letzter Zeit besonders häufig angegriffenen Deut s ch n atio n a l e n I u g e n d b u udes, richtet in dessen Organ „Nationale Jugend"' einen Aufruf an den Bund. Hierin heißt es wörtlich: „Wir wollen in unserer Vaterlandsliebe keinen Unterschied der Kreise, Stände, Parteien und Konfessionen; wir wollen im Gedenken an unser deutsches Blut keinen Unterschied zwischen Nord und Süd. zwischen Oft mib West. Die Not der Zeit soll uns die einigende Kraft geben, uns herauszuheben über all diese Tageskämpse, sie soll uns zusammenführen nur in dein einen Wollen: ich bin ein Deutscher!" Man könnte versucht sein, daran zu glauben, daß selbst dieser Bund erkannt hat, daß Einigkeit stark macht, daß zur Einigkeit eines Volkes der Wille zur Gemeinschaft in allen seinen Teilen vorhanden sein -muß. Man könnte dies am so mehr glauben, wenn man z. D. in einem Artikel des früheren Bundesführers Tr. Viebig liest, in wie entschiedener Weise das Tragen des Hakenkreuzes vom Deutschnationalen Jugendbund abgelehut wird. Sieht man freilich genauer zu, so wird man sofort entdecken, daß die erstrebte! Einigkeit des gesamten deutschen Volkes nicht einmal im engen Mitglioderkreis des eigne ne Bunds vorhanden ist, denn in der gleichen Nummer befindet sich ein Leitartikel von Hans Lutz, irr dem dieser zwar das Rasiege-schrei der Antisemitelz zurückweist, aber doch den Gegensatz zwischen deutschem und jüdischem Geist hervorhebt und sich nicht enthalten kann, d e n j ü d ischen ©et st a X s eine S e u ch c zu bezeichnen. Ist die Wandlung int Teutschnationalen Jugendbund ehrlich gemeint, wird matt in Zukunft ablassen von der Verhetzung junger und jüngster Menschen, so wird, das gewiß als Fortschritt begrüßt werden. Wir können leider diesen Optimismus nicht aufbringen, bevor wir entsprechende Taten gesehen haben. Sonst liegt bei einem plötzlichen Umschwung i m A u g e n'b l ick, d a m an fürchte n m it ß, verbot,e n oder a n f g e l ö st z \i werden, der Verdacht zu nahe, daß durch taktische Geschicklichkeit die öffentliche Meinung für einen Augenblick beruhigt werden soll. Sertholö Auerbach und Frankreichs Nriegsziele. (Eine zeitgemäße Erinnerung.) Bott Gurt B ü r g e r. Unter den wenigen jüdischen Pllblizisten, an die sich die deutschvölkische Verleumdung nicht herangewagt hat und nicht heranwagen konnte — weil ihr Lebenswandel und öffentliche literarische oder politische Betätigung auch dem strengsten Kritiker und verbohrtesten Beckmesserkeine Handhabe hierzu boten —, steht in erster Reihe der Dichter der „Lchwarzwälder Dorfgeschichten", von denen eilte so anerkannte völkische Autorität wie Heinrich Sohnrey sagte, daß sie in ,Feiner guten beittfcljcn Hausbibliothek fehlen wllten", und die kein Geringerer als Gustav F r e y t a g seinerzeit als „eine Erlösung von der ^nlouliteratltr" bezeichnet hat. Ferdinand F r e i l i g r a t h s berühmter Dichtergruß an den Freund für die erste Reihe der „Dorfgeschichten" nahm nur den Dank ganzer Generationen von Lesern voraus, so daß Gervintts mit Recht sagen durste, seit Walter Scott habe kein Erzähler solche Weltwirkung geübt wie Auerbach mit seineti „Dorfgeschichten". Selbst ertlärw Gegner des literarischen Judentutns erkannten, wenn and) widerwillig, die echte und reindenrsche Gesinnung des Dichters an, schon zu einer Zeit, als immer lauter aus der Straße, auf der Bierbank, in Hörsälen und Versammlungen christlich-germanisch getrommelt und gepfiffen wurde, daß kein Jude national empfinden könne. Richard W a g n e r , gewiß eilt unbefangener Zeuge, charakterisierte Auervach als höchstbegabten Schriftsteller jüdischer Abkunft, der „wie eingewurzelt erscheine in das deutsche Volkstum". Und tveiter: Anläßlich seines 25. Todestages 1907 brachten die schon damals stramm antisemitischen „Burschens ch a s t s b {ii 11 c x" einen Gedüchtnisartiket, in dem sie in geradezu enrphatischeu Worten die kerndeutsche Gesinnung des Dichters feierten, ohne freilich seines Judentums atrch nur mit einer Silbe zu erwähnen. Rückschauend atrf die damalige Zeit, insbesondere auf die inner- und außenpolitischen Kämpfe um die E i n h e i t des Reiches, gewinnt man erst ein anschauliches Bild, in welchem hervorragenden Maße dieser I u b c u n b Süddeutsche diedeutfchen Einhertsb e st r e b u n g e n gefördert und wie sich auch an ihm das Wort: „Poet—Prophet" bewahrheitet hat. Wie oft auch dem biedern 'Schwaben ein „anschnauziges Preußentum" verletzte, er war immer von dern Führ c rberns P r eußens d u r ch d r u n g e n. Wie schott der Stuttgarter Gymnasiast in einem jugendlichen Poem aus Herutann ben Eher'nsker schwur: „daß unser gattzes Leben heilig sei, Germania, dir!" — so war auch später dem alten Burschenschaftler der Gedanke der deutschen Einheit „immer wieder das Hifthorn, bei dessen Ton er wie der Hirte im Liede immer wieder durch den Strom schwinunt, hinüber". 1862 fragt ihn im Berliner Schlosse, wo er dem Königspaar sein „Edelweiß" vorliest, Prinz Wilhelm von Baden, warum er nach Berlin gezogen. Auerbach antwortet: „Weil ich es für die H a u t ft adt D c u tschlands v o r d a t i e r e." Ein Jahr zuvor war er ins Elsaß getvaudert, um Studien zu einem großen Roman „Straßburg" zu betreiben und hatte sich dort baß gewundert, „daß Goethe und Herder hier sein konnten, ohne mit einem Worte der j a nt m e r v o l l e n Sch m a ch zu gedenken, das dies am hellen Tag geschlossenes Land ist. Mir zittert das Herz, wenn ich die Die Kartoffel und -as Weizenkorn fct Zufall brachte die beit en ungleichen zusammen: eine dicke Kartoffel und ein Weizen« korr. Bescheidentlich schmiegte sich das Weizenkorn in die Ecke, tndes die Kartoffel dickprotziglich aus mehr denn zehn Angen in die Umwelt sah. Plötzlich entdeckte sie das Weizenkorn, und da sonst niemand da war, an dem sie ihre hämische Zunge hätte wetzen können, futg sie au, das unscheinbare Körnlein zu schmalen: „Es gibt Leute, die im Wachstum zurückgeblieben sind/' kollerte sie mit rollendem Gelächter heraus, „zum Beispiel du. winziges Körnlein. Wie heißt du eigentlich?" „Ich bin ein Weizenkorn, aber nicht im Wachstum zurückgeblieben^, hauchte das Korn. „So sind alle deine Geschwister solche Zwerge wie du? Das tut mir leid. Zu was könnt ihr da nütze sein? Unsereincs, ein har des Pfund fast schwer, ist doch immerhin ein sättigendes Gemüse. Man ist dick da und weiß sich durchzusehen. Vor allem schätzt uns der Mensch. Wir zieren feinen Tisch. Er lobt und genießt uns. Vorher ziehenuns zarte Frauenhände das Kleid aus." Das Weizenkörnchen wagte vor Bescheidenheit gar nichts zu erwidern. Ein feinhöriges Fräulein ab er.das dem Gespräch bis dahin zugehört hatte, sing an sich über die dicktuerische Kartoffel zu ärgern. Man möchte ihr eine Lehre geben, dachte sie, und hob das Weizenkorn auf und die Kartoffel dazu. Da kamen viele kleine Mädchen herzu, und das Fräulein zeigte ihnen beide Früchte: „Welche schätzt ihr mehr, die Kartoffel oder das Körnlein? — Wie aus einem Munde riesen die Kinder: „Das Weizenkorn! Es gibt uns Kuchen, Sternchensuppe, Makkaroni und Nudeln!" schloß das Fräulein, „und das alles ist viel bekömmlicher als was die Kartoffel bietet, das Nachtschattengeschöpf. Diese hier glaubte sich dem kleinen Weizenkorn gegenüber dicketun zu dürfet:, seht her: sie ist — wie alle Großtuer — innerlich an gefault." Das Fräulein schnitt die Kartoffel entzwei, gab die Stücke den Kindern: „Werft sie auf den Tunghausen. Das Körnlein aber tragt auf den Speicher, damit es mit zurMühle gebrachtwird!" (Deutsche Teigwaren. aus hochwertigem Weizen gefertigt, sind wohlschmeckend und bekömmlich.) 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