Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 13 (3.8.1922)
- Date
- 1922-08-03
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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169 die Entwicklung der jüdischen „Lohnkunst" im Mittelalter und daran anschließend die „eigenen Forschungsergebnisse an den barocken Synagogen Böhmens und den künstlerisch hochbedeutsamen Gotteshäusern Galiziens und Polens. Er wies an Hand der Lichtbilder nach, wie sich hier, innerhalb der Ghettomauern, abgeschlossen von den künstlerischen Strömungen von vier Jahrhunderten, eine höchst eigenartige, von den Emigranten aus Deutschland im 14. und 15. Jahrhundert mitgebrachte Kunst deutscher Provenienz durch Inzucht weiterbildete. Angeregt wurde die Phantasie dieser ostjüdischeu Künstler durch die farbenprächtigen Webereien orientalischer Herkunft, als deren Zwischenhändler die Juden anzusehen sind. Diese von christlichen Kunstgelehrten vielfach bewunderte, eigenartige Kunst ist beim Rückrvandern der polnischen Juden nach Franken mehrfach auch aus deutsches Gebiet übergegangen. Lichtbilder dieser bisher wenig beachteten Synagogen ergänzten die historischen Angaben. Die Beziehungen der Kirchenkunst zum synagogalen Bauwesen wurden an Beispielen des Alememor und der Menorah nachgewiesen und von letzteren einige hochwertige Stücke aus den Holzsynagogen Polens nach eigenen, unverössentlichten Aufnahmen des Redners im Lichtbild vorgefüyrt. Der sehr beifällig aufgenommene Vortrag schloß mit dem Hinweis auf den Aberglauben einer jüdischen „Kunstfeindlichkeit", die Gnrlitt als im jüdischen Dogma liegend zu dem Satze verdichtete: „Wer im mosaischen Sinne fromm ist, der hat die Kunst zu hassen." Der Redner, der zum Schlüsse an Bildern verschiedener Kultgeräte nachwies, wie jüdische Künstler sogar skrupellos und unbeanstandet seitens frömmster Rabbiner die menschliche Figur als Schmnckmotive verwenden, dankte zum Schlüsse der Ausstellungsleitung, daß diese ihm Gelegenheit geboten habe, hier eine Lanze für jüdisches 'Kunststreben zu brechen. Glossen zum öeutsthen Antisemitismus. Bon Dr. Paul C o h n (Guben). Der Antisemitismus ist nicht ein Zeichen der Kraft, sondern der inneren Schwache eines Volkes. Der deutsche Antisemitismus schmerzt uns nicht um der Juden, sondern um der Deutschen willen. Wir haben mit Schnur in ihm die tiefen Schwächen des deutschen Wesens erkannt. Wer den deutschen Antisemitismus in seiner Tiefe begriffen hat, weitz^ warum wir den Krieg bekommen und verloren haben. Es ist dieselbe Mischung dorr Unklarheit, Dünkel, Mangel, an politischem SDHgEl Sahnhofsfr. 22 -2h-. Fernruf fiQ 6JJ Durch Einkauf der Rohwaren zur günstig* tften Zeit, ist mein Grundsatz gesichert: mm MDM Denken — als Denken auf weite Folgen Hill —, an psychologischem Takt, an Vornehmheit und wirklicher innerer Würde, an Bedürfnis zu äußerem Kraftzoigeu aus Mangel an wirklicher innerer Kraft usw., die uns die Völker entfremdete. Der Antisemitismus: Der Wille zur Macht der kleinen Leute. Die Bewegung, in der auch noch der bescheidenste Wille zur Macht mit einer Führerrolle beglückt wird. Roch der kleinste Philister trägt ja den antisemitischen Marschallstnb im Tornister. Zwei Typen: Der Lust- und der Unlustantisemit. Der Deutsche schwankt zwischen Dünkel und Kater hin und her. Gleichviel ob Sieg oder Niederlage: bei einem gewonnenen Kriege hätten wir den gleichen Antisemitismus gehabt; nur mit anderem Vorzeichen. % Wenns dem Menschen schlecht geht, sucht er nach etwas, was ihn „ablenkt". Der Trinker greift zur Flasche, der Deutsche zum Juden. Miesbachrr. Bei euch verteilte man nach der Ermordung Rathenans kleine Fluc^ettel mit folgendem, das treuherzige bayerische Gemüt verratendem Vers: „Man hat aeknallt aus Walther Rathenau. Bravo! Wann trifshs die nächste Indensau?" Und Ihr wollt Fremdenverkehr Haben? Euch sollen Europäer besuchen? Eure leerstehenden Lvinmerfrischen zeigen euch am besten, wie töricht solcher Wahn ist. Pommcrfcher Ehrenmann. Sie beschweren sich in der „Pommerschen Tagespost" vom 23. Juli über die hinterlistige jüdische Kamvstsart, die sich besonders an den Führern der völkischen Bewegung auswirke. Wir sind 'allerdings noch so rückschrittlich, nur auf legalem Wege — oder können Sie uns einen Fall Nachweisen, wo wir anders vorgegangen sind? ~ unseren Kamps zu führen und moderne UcberZeugungsmittel wie Maschinenpistole. Handgranate imb Blausäure?,u verschmähen. Johanna Moos, Amverg. Eine Beratungsstelle für Berufs¬ oder Stellen suchende ist der Verein für Arbeitsnachweis Berlin Mvnbiwuplatz 10. fr. nieunuij/y. tduentaeni« otr mtur/um. LWfJifytf 'mjjut uaimtufiatfr NO:Landsberger92. jt Chaussee 11 Brunnen196. NW:WHsndcker15. Turm?0. Tf\0S*. &A ckKvf ■ WWW