Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 13 (3.8.1922)
- Date
- 1922-08-03
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Deutschvölkische Literaturkritik. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt über den allgernein beliebten und anerkannten Dichter Klub un d folgendes: „Als Sänger der Geschlechtskrankheiten stellt er einen Rekord der Ekelhastigkeit' ans . . . Seine säuischen Leistungen . . . Dreckschleuder . . . der Bursche *. . . Die Franzosen werden ihre Helle Freude an diesem lakaienhaften deutschen Preßbengel haben . . usw. Selbstverständlich hat Klabund nie die Geschlechtskrankheiten besungen, wohl aber hat er mitunter die Herren von der schwarz-weißroten Hakenkreuzkouleur ein wenig scharf verhöhnt. Dafür mutz er jetzt büßen — trotzdem er nicht einmal Jude ist. Die „Neuesten Nachrichten" in Zeitz. Dieses Blättchen bewirbt sich emsig um Inserate jüdischer Firmen, die Druckerei des Herrn Jubelt jun., die es herstellt, bemüht sich sehr, bei denselben -Firmen Aufträge für Drucksachen zu erhalten. Gleichzeitig aber stellt — offenbar zur Verteilung in deutschvölkischen Kreisen — diese Druckerei folgende reizende „Scherzartikel" her: Freifahrtkartel nach JERUSALEM hin und nicht mehr zurück ll Kl. (8) 8,00 ki. 1 gültig ab 0,00 M. jeder Station 14 0 6 * p i? Eä 2. S 2 v Ü ** er ev © 3 *— ^. c-* e eu « 3 PS P 3 S ** 2. 3* cv 2. 3 SU i jmgdmi Max Kiebermanns Deutschtum. Am 20. Juli wurde Max Liebermann 75 Jahre alt. Die gesamte deutsche Presse feierte aus diesem Anlaß den Jubilar als Führer der 'zeitgenössischen deutschen Malerei. Irr der „Königsberger Hartungschen Zeitung" finden wir am Schluffe eines langen Essays folgende Ausführungen über Liebermanns Deutschtum: „Zum Schluß noch ein Wort über Liebermanns Deutschtum. das völkische Rassenl'ehrer seines Judentums wegen anzuZweiseln sich bisweilen bemüßigt fühlen. Mit besonderer Betonung feiert man heutzutagje allerorts den Altmeister Hans Thvura als den deutschesten Künstler und möchte ihn deshalb gern Zum deutschen Kunstpapst ausrufen. Kein Zweifel, daß Thoura einer der deutschesten Künstler ist, die je gelebt. Doch vergesse man darüber nicht das Deutschtum Liebermanns. Liebermann ist deutsch, und dies nicht bloß aus schöne Augen hin. er ist es in einem tieferen einne: Treu gegen sich und verantwortungsvoll gegen alle. Erfüllt ganz und gm: von dem Geist großer deutscher Künstler, Dichter und Deuker. Voll besonderer Verehrung für den großen' deutschen Philosophen Kant, dessen Geist in ihm lebendig wurde und dessen Tugend: „die moralische Gesinnung ■tut Kampfe" auch seine Tugend ist. Auch der Struktur seines Talents nach ist Liebermann deutsch, in der Rezeptivität seines Wesens, das aus umfassende Weltbildung drängt und die vielseitigen Anlagen und Sehnsüchte der deutschen Seele in den Dienst eines Ideals als einer großen Lebensaufgabe zuZ teilen sucht, in der restlosen Hingabe an die Sache und . dem faustischen Suchen nach Wahrheit und EhararL-er. — Diese komplizierte deutsche Vielseitigkeit seines Wesens organisch zur Einheit gefügt zu haben, ist Liebermann gelungen. Er hat mit dieser Tat den Beweis erbracht, daß er deutsch ist. und zwar im besten Sinne ein Goethe-Deutscher, dem deutsch gleichzeitig so viel galt wie gut europäisch. Einsam und großragt der Greis von 75 Jahren' über die heutige schnöde Zeit hinaus und lveist, sich seines hoben kulturellen und erzieherischen Wertes bewußt, mit seinem Werk in die weite Ferne auf 'den deutschen Künstler der Zukunft." Der antisemitische Studenterrtag irr Würzbrrrg. Der zuerst nach Marburg einberusene und von der Regierung in Hessen- Nassau verbotene Studententag antisemitisch^gerichteter reichsdeutscher und deutschösterreichischer Verbände wird gegenwärtig in Würzburg abgehalten. Nach der offiziellen Eröffnung dev Tagung wurde die Begründung des Verbotes verlesen, in welcher es u. a. heißt: „Im Hinblick aus die antisemitische Einstellung, der Teilnehmer muß damit gerechnet werden, daß bei den Beratungen die antisemitische Tendenz in den Vordergrund rückt. Bei der zurzeit gespannten Lage muß damit gerechnet werden, daß ein solches Hervorkehren deutschvölkijch-antisemitischer Tendenz andere Kreise der Bevölkerung zu Widerspruch herausfordern würde, wodurch die Gefahr von Zusammenstößen gegeben wäre." Nach der Verlesung dieses Dokuments gelangte eine Entschließung zur Annahme, in welcher gegen das Verbot der Abhaltung der Tagung in Marburg schärfster Protest erhoben und die Schadenersatzkla ge angekündigt wird. Ferner wird in dieser Erklärung die Versicherung abgegeben, daß keine Fragen behandelt werden, die mit dem Schutz der Republik und dem Morde an Walter Rathenau in Verbindung stehe n. Die bayerische Regierung wurde eingeladen, einen Vertreter zur Würzburger Tagung zu entsenden. Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft hat an die Würzburger Versanunlung ein Schreiben gerichtet, in welchem die Erklärung abgegeben wird, daß der Vorstand nicht gach Würzburg kommen wird, da die Einberufung dev Würzburger Tagung durch Instanzen erfolgte, die hierzu nicht berufen waren. Gegen die in Würzburg vertretenen Organisationen werden Vorwürfe erhoben, daß sie durch Hervorkehrung des Rassenprinzips die Einigkeit der deutschen Studentenschaft h'intertreiben. Die Not der jüdischen Lehrer. Die Arbeitsgemeinschaft derjüdischen Lehrerverbände und Vereine im Deutschen Reich versendet folgendes Rundschreiben: „In Anbetracht der vom D. I. G. B. neu eingeleiteten Notstandsaktion und mit Rücksicht aus die bereits im Gange befindlichen Hilfsaktionen sehen wir uns veranlaßt, eine Zentralisation aller N o t st a n d s a k t i o n e n dringend nahezulegen. Tie praktische Erfahrung lehrt uns, daß nur durch Vereinheitlichung eine Zersplitterung der .Kräfte sowie eine ungerechte Verteilungsweise der bereits aufgebrachten Mittel vermieden werden kann. Wir empfehlen deshalb, daß ein Ausschuß von Vertretern der verschiedenen Hilfsorganisationen gebildet werde, um unter Mitwirkung von Lehrervertretern eine sachgemäße und gerechte Verteilung zu gewährleisten." Zwei jüdische Denkmäler. Es wird wenig bekannt sein, daß es in Belgien zwei Denkmäler gibt, die zwei um die Wohltätigkeitspslege des Landes sehr verdienten Ehegatten errichtet wurden. Das eine erhebt sich in dem Luftkurort Esneuse an der Maaschor dem Schloß „Le Fond de Mery" und stellt die Besitzerin des Schlosses, Mme. M o n t e s i o r e - L e v y, dar, die ein Waisenhaus, zwei Krankenhäuser, eine Kleinkinderschule und viele andere vorwiegend dem Kinderschutz geweihte humanitäre Einrichtungen stiftete und unterhielt. Daran erinnert auch ihr Denkmal, aus dem sie rechts und links je ein krankes Kind an sich zieht. Für ähnliche Verdienste um die Allgemeinheit errichtete die Stadt Lüttich ihrem Gatten, dem Senator M o n t e f i o r e - L e v y , ein Denkmal, das sich vordem Theater erhebt. -Plötzliche Eirrstellung einer Berliner antisemitischen Tageszeitung. Die von dem bekannten deutschvölkischen Antisemiten R e i n h o l d W u l l e herausgegebene Tageszeitung „De u t s ch e s Abendblatt" stellte vor einigen Tagen ohne irgendwelche vorherige Ankündigung ihr Erscheinen ein. Anfangs glaubte man, es handle sich um ein behördliches Verbot, nunmehr aber scheint es, als wären finanzielle Kalamitäten die Ursache der Einstellung, indem die Deutschnationale Partei dem aus ihren Reihen ausgetretenen Mulle die Unterstützung entzogen hat. Achtung bei Sammlungen! Die jüdische Gebefreudi gleit wird gerade in letzter Zeit von Organisationen mißbraucht, welche direkt oder indirekt antisemitische Bestrebungen fördern. Wir warnen daher unsere Mitbürger, Organisationen zu unterstützen, deren Ziel und Einstellung ihnen nicht völlig klar sind. Anfragen hierüber sind in irgendwie zweifelhaften Fällen an den zuständigen Landesverband oder an die Zentrale zu richten. O alte Burschenherrlichkeit. . . ♦ Der Koburger L. C. hatte durch Rundschreiben vom 27. Juni seinen- Mitgliedern bekanntgegeben, daß sie sich grundsätzlich zum völkischen Prinzip bekennen-, aber unter anderem daraus hingewiesen, daß 'man versucht habe, den jüdischen Alten Herren das Verbleibe-n im Verbände zu ermöglichen und ihnen die Treue zu halten. Herr Dauitätsrat Dr. I a c o b y in Langsuhr gab auf dieses Rundschreiben eine Antwort, in der es folgendermaßen heißt: „Die Antwort, die ich darauf Zu geben habe, ist so selbstverständlich, daß wohl keiner, der mich kennt, darüber im Zweifel gewesen sein wird, auch wenn ich nicht schon meinen Standpunkt in dem schreiben vom Juli v. I. dargelegt hätte. -L-o lieb mir meine Vundesbrüder sind, denen ich min Teil in mehr als dreißigjähriger Freundschaft verbunden war. so verbietet es mir dach die Selbstachtung, einer Korporation auzugehvren. die sich mit Leuten verbrüdert. deren geistige Verwirrung an Wahnsinn'grenzt und sie Zu Verbrechen treibt, die das Vaterland zugrunde richten. Mein Wbderw i M c und m c i n c Verachtung g e g enüber dieser Lo r t e von M e n s ch en. d t e s r ch d eutschvölki s ch n e n n e n , ist noch größer als ihr Judenhaß. Hoffentlich kommt das Erwachenaus dieser Umnachtung nicht 31t spät für unser gegnälles Vaterland. Ich nehme von Euch Abschied mit dem Trinkspruch, der leider nur noch teilweise Geltung hat: Stoßt an. ein Hoch dem deutschen Reich, an Kühnheit reich, dem Adler gleich mag's täglich neu sich stärken. Doch Gott behüt's vor Klassenhaß und Massenhaß und Rassenhaß und derlei Teufelswerken. Mit Absä;üdsgruß! m Jacob v." Eine Erklärung der Firma ObLeiler in München. Die Firma Jos. Obl-etter in München wurde von -einer Fabrikationssirma vorgehalten, daß sie einem Engländer, der nach Fabrikatendieser Firma fragte, erklärt habe, die bet ressende Firma sei „eine internationale Judengesettfchaft, die nur Export sch und sabrizier-e, die Firma Oblltt-er dagegen führe nur deutsche Ware". Alls diesen Vorhalt hat die Firma Jos. Obletter folgendes zugegeben: „Drei englische Herrschaften, die sich bei der Firma Obketter nach den Erzeugnissen der fraglichen Fabrikationsfirma erkundigten, sei durch einen der Herren der Firma in englischer Sprache mitgeteilt worden, daß die Firma Obletter die Fabrikate der betreffenden Fabrikationsfirma nicht führe, weil dieselben den Ansprüchen, die die Firma ObLetter. sowie ihre Kunden an die Qualität usw. stellen, nicht entsprächen. Es sei dabei durch den- Herrn von der Firma Obletter festgestellt worden, daß diese die Artikel-der fraglichen Fabrikationssirma auch deswegen nicht führe, weil letztere ein Trust in jüdischer Hand sei/